Zwei brasilianische Gesetzesvorhaben sollen zukünftig wirtschaftliche Aktivitäten in Naturschutzgebieten ermöglichen – unter anderem den Abbau von Erzlagerstätten. Im Amazonas-Regenwald sollen viele Rohstoffe gefördert werden – wie beispielsweise Niobium. Dieses Element wird hauptsächlich benötigt, um Stahl zu härten und dann für Flugzeugturbinen oder Autokarosserien zu verwenden. Dazu ein dezenter Hinweis: 92 Prozent der Niobium–Reserven liegen in Brasilien. Darum listet die EU dieses Material auch als einen von 20 „kritischen Rohstoffen“ – also Rohstoffe, die selten und auf wenige Länder konzentriert sind.
In Europa wird nur ein Drittel der anfallenden Elektroschrottberge ordnungsgemäß verwertet.
Nun frage ich mich natürlich, ob diejenigen, die sich beruflich mit diesem Thema beschäftigen, ab und zu schlaflose Nächte haben. Denn ihre Produktion oder ihr Investment ist von einem Rohstoff abhängig, der fast nur aus einem einzigen Land stammt. Nicht immer verläuft die politische Entwicklung in diesen Lieferländern wie erwartet.
Keine Ausreden, bitte!
Aber davon abgesehen: Falls Regenwaldgebiete für Erzabbau abgeholzt oder indigene Völker durch Bergbautätigkeiten gefährdet werden, dürften Fragen an verschiedene Unternehmen erlaubt sein, woher denn der eine oder andere Rohstoff bezogen wird. Kann eine Verbindung mit der Naturzerstörung ausgeschlossen werden? Das zu verneinen, kann bei einem so konzentriert in einem Land vorliegenden Element wie Niobium schon mal eng werden.

Was das Ganze mit unserem Müll zu tun hat
Nun komme ich langsam auf mein Müllthema zurück. Immerhin werden derzeit schätzungsweise mehr als 50 Prozent des Niobiums recycelt. Hauptsächlich, indem der mit Niobium legierte Stahl separat gesammelt und wieder eingeschmolzen wird. Das ist ermutigend, aber viele andere Elemente wie zum Beispiel Gallium oder Tantal werden fast gar nicht wiedergewonnen. Wie bekommen wir diese Rohstoffe zurück, die irgendwo auf Müllhalden oder anderswo verteilt landen? Bei einer feinen Verteilung von derartigen Elementen kann Recycling schwierig und teuer werden.
Recycling: In der Praxis hapert es
Wie eine im August erschienene Studie belegt, klappt es derzeit nicht mal mit dem gesetzlich vorgeschriebenen Basis-Recycling von Elektroschrott so richtig. In Europa werden nur ein Drittel der anfallenden Elektroschrottberge ordnungsgemäß verwertet. Der Rest wird exportiert, in die Restmülltonne geworfen oder nicht den Vorschriften entsprechend recycelt. Diese Aussage gilt von der Tendenz her auch für Elektromüll aus Deutschland. Europa gehen durch diese Praxis jährlich schätzungsweise Rohstoffe im Wert von bis zu 1,7 Milliarden Euro verloren.
Weil wir hier das Recycling nicht in den Griff bekommen, müssen wir zur Rohstoffgewinnung den Amazonas-Regenwald umgraben und alle Erze herauskratzen? Da warten wohl noch etliche Hausaufgaben auf uns.
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