Ozea­ne vor dem Burnout


c-Stuart-Sutton-iStock-Getty-Images

Das Meer ist end­lich. Und es ist satt oder eher schon: über­sät­tigt. An Hit­ze, Lärm und Plas­tik. Wo es fast über­all ein Zu-Viel gibt, gibt es zugleich einen Man­gel:  An Sau­er­stoff, an intak­ten Lebens­räu­me und an unge­stör­ten Brut- und Laich­ge­bie­ten. Ursa­che ist die Uner­sätt­lich­keit der mensch­li­chen Begier­den an den Ozeanen. 

Wir brau­chen gesun­de Mee­re. Für mehr als drei Mil­li­ar­den Men­schen ist Fisch eine der wich­tigs­ten Pro­te­in­quel­len. Die Ozea­ne sind natür­li­che Koh­len­stoff­sen­ken und schlu­cken den Groß­teil der men­schen­ge­mach­ten Erd­er­hit­zung. See­gras­wie­sen und Koral­len­rif­fe bie­ten vie­len Lebe­we­sen eine Hei­mat. Zugleich sind wider­stands­fä­hi­ge und intak­te Mee­re unse­re größ­ten Ver­bün­de­ten zur Bewäl­ti­gung von Kli­ma- und Bio­di­ver­si­täts­kri­se und sie sichern Ein­nah­men im Tourismus.

Wir brau­chen die See für unse­re Wirt­schaft. Fast nir­gends wird dies so häu­fig dis­ku­tiert wie beim Aus­bau der Off­shore-Wind­ener­gie. Ein The­ma, das lei­der oft für popu­lis­ti­sche Schlag­ab­tau­sche her­hal­ten muss. Mee­res­schutz und Kli­ma­schutz wer­den in der Debat­te gern gegen­ein­an­der aus­ge­spielt. Dabei ist klar: Wir bau­chen den Wind vom Meer. Nur ein 100 Pro­zent erneu­er­ba­res Ener­gie­sys­tem bewahrt uns vor den ver­hee­ren­den Kon­se­quen­zen einer unge­brems­ten Erd­er­hit­zung, die nicht zuletzt den Mee­ren schadet.

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Gren­zen der Ozeane

Die Linie ver­läuft nicht zwi­schen Kli­ma- und Mee­res­schutz. Sie läuft zwi­schen indus­tri­el­ler Über­be­an­spru­chung und Mee­res­schutz. Am Ende lau­tet die Fra­ge: Was kön­nen und müs­sen die Ozea­ne stem­men, und wo braucht es drin­gend Grenzen?

Eine sau­be­re Ener­gie­er­zeu­gung ist auf Wind­parks im Meer ange­wie­sen ©IMAGO / Westend

Wir kön­nen auf die Wind­ener­gie nicht ver­zich­ten. der Aus­bau ist nötig,  aber nicht ohne Wenn und Aber. Stren­ge Umwelt­stan­dards müs­sen ein­ge­hal­ten wer­den, wenn Wind­parks geplant und umge­setzt wer­den. Beschleu­ni­gungs­ge­bie­te ohne Umwelt­ver­träg­lich­keits­prü­fung aus­zu­wei­sen, wie es die aktu­el­le Novel­le der euro­päi­schen Erneu­er­ba­ren-Richt­li­nie vor­sieht, ist ein Schnell­schuss. Er scha­det  den Mee­ren poten­zi­ell und beschleu­nigt die Ener­gie­wen­de nicht. Denn der Aus­bau stockt nicht auf­grund von Umwelt­stan­dards, son­dern an feh­len­den Netz­an­bin­dun­gen und man­geln­dem Per­so­nal. Beson­ders sen­si­ble Gebie­te wie Schutz­ge­bie­te müs­sen von indus­tri­el­len Tätig­kei­ten aus­ge­spart wer­den. Das Aus­schrei­bungs­sys­tem ist einer der Dreh- und Angel­punk­te für den natur­ver­träg­li­chen Aus­bau der Off­shore-Wind­ener­gie: Wir müs­sen über ambi­tio­nier­te qua­li­ta­ti­ve Kri­te­ri­en den Schutz der Mee­re ver­bes­sern und die inner­eu­ro­päi­sche Wind­ener­gie­in­dus­trie stärken.

Kli­ma­schutz ist Meeresschutz

An ande­ren Stel­len kön­nen und müs­sen wir die Ozea­ne stär­ker ent­las­ten. Zuerst natür­lich beim CO2-Ein­trag, der das Gleich­ge­wicht an Land wie im Was­ser durch­ein­an­der­bringt. Kon­se­quen­ter Kli­ma­schutz mit dem Aus­stieg aus fos­si­len Ener­gien, bes­se­rer Ener­gie­ef­fi­zi­enz, einem nach­hal­ti­gen Finanz­sys­tem, Gebäu­de- und Ver­kehrs­wen­de schüt­zen am Ende auch die Mee­re vor Über­säue­rung und Überhitzung.

Die Ozeane versinken im Plastikmüll
Das Meer muss als Müll­kip­pe für Plas­tik und ande­re Abfäl­le her­hal­ten. © Ary­fah­med / iStock-GettyImages

Stich­wort Plas­tik: Jedes Jahr gelan­gen 4,8 bis 12,7 Mil­lio­nen Ton­nen Plas­tik in die Welt­mee­re. Wenn es so wei­ter­geht , wird bis 2050 fast jeder Mee­res­vo­gel Plas­tik­tei­le im Magen haben. Neben den Tie­ren lei­det die Wirt­schaft unter dem Müll: Allein für den asia­tisch-pazi­fi­schen Raum ent­ste­hen der Tou­ris­mus­bran­che jähr­lich Kos­ten von 622 Mil­lio­nen Dol­lar. Für jeden Dol­lar, den die Her­stel­ler in die Plas­tik­pro­duk­ti­on inves­tie­ren, müs­sen Regie­run­gen und die Gesell­schaft min­des­tens zehn­mal so viel bezah­len, um die nega­ti­ven Aus­wir­kun­gen zu behe­ben. Die Lebens­zeit­kos­ten von Plas­tik, das 2019 pro­du­ziert wur­de, schätzt ein Bericht des WWF auf 3,7 Bil­lio­nen US-Dollar.

Was braucht es? Ins­ge­samt natür­lich eine viel gerin­ge­re Plas­tik­pro­duk­ti­on und dann bes­se­res Recy­cling, eine bes­se­re Abfall­wirt­schaft. Viel Hoff­nung liegt auf dem aktu­ell ver­han­del­ten inter­na­tio­na­len Ver­trag gegen Plas­tik­ver­schmut­zung, der bis Ende des Jah­res ver­ab­schie­det wer­den soll.

Wale haben kei­ne Ohrstöpsel

Stich­wort Lärm: Beson­ders die Schiff­fahrt ist für eine enor­me Lärm­be­läs­ti­gung der Ozea­ne ver­ant­wort­lich. Auf die Nord­see bei­spiels­wei­se ent­fal­len fast 25 Pro­zent der welt­wei­ten Schiffs­be­we­gun­gen. Sie ist damit eines der meist­be­fah­re­nen Mee­res­ge­bie­te der Welt. Dar­un­ter lei­det unter ande­rem der Schweins­wal. Er ori­en­tiert sich durch Echo­or­tung und wird vom Unter­was­ser­lärm stark gestresst. Am Bei­spiel einer sich nähern­den Schnell­fäh­re konn­ten däni­sche Forscher:innen nach­wei­sen, dass Schweins­wa­le auf den Grund abtau­chen, ihre Echo­or­tung und auch das Fres­sen ein­stel­len. Neben dem Schiffs­ver­kehr sorgt die Roh­stoff­för­de­rung für Lärm.

Drama auf den Ozeanen. Wale kollidieren mit großen Schiffen
Unter­was­ser­lärm und Kol­li­sio­nen mit Schif­fen gefähr­den das Über­le­ben vie­ler Mee­res­säu­ger © IMAGO-Nature-Picture-Library

Womit wir beim nächs­ten The­ma wären: Res­sour­cen­ab­bau in den Mee­ren. Die Welt­ge­mein­schaft hat auf der Kli­ma­kon­fe­renz in Dubai 2023 die Abkehr von fos­si­len Ener­gien beschlos­sen. Das heißt: Es darf auch kei­nen Abbau von Öl und Gas mehr geben. Die Boh­run­gen sind  ein gewal­ti­ger Infra­struk­tur-Ein­griff in die Mee­re, den wir been­den kön­nen und müs­sen. Und wo wir schon von Res­sour­cen und Roh­stof­fen spre­chen: Zum dis­ku­tier­ten Tief­see­berg­bau darf es gar nicht erst kom­men, denn er hät­te vor­aus­sicht­lich zer­stö­re­ri­sche Aus­wir­kun­gen. Statt­des­sen ist es ent­schei­dend, alter­na­ti­ve Mate­ria­li­en zu fin­den und sich auf die drei zen­tra­len Schlag­wor­te für eine nach­hal­ti­ge Wirt­schaft zu besin­nen: Redu­zie­ren, Wie­der­ver­wen­den, Recyceln.

Das Ende der Fossilen

Und apro­pos Abkehr von fos­si­len Ener­gien: Die aktu­ell geplan­te Infra­struk­tur für Flüs­sig­gas, kurz LNG, ist viel zu weit­rei­chend. Das belas­tet die Mee­re und hilft auch dem Kli­ma nicht, denn es ver­län­gert die Abhän­gig­keit von Gas. Eine kon­se­quen­te Aus­rich­tung an erneu­er­ba­ren Ener­gien wür­de das verhindern.

Eben­so zu weit­rei­chend geplant, ist die Spei­che­rung von CO2 unter dem Mee­res­grund, das soge­nann­te Car­bon Cap­tu­re and Sto­rage (CCS) . Die Car­bon Manage­ment Stra­te­gie der Regie­rung öff­net die Türen für Spei­che­rung von  Emis­sio­nen aus Gas­kraft­wer­ken. Das ist sowohl für das Kli­ma als auch für die Ozea­ne hoch­ris­kant. CCS ver­län­gert die Abhän­gig­keit von Fos­si­len, es schiebt Ver­ant­wor­tung für die siche­re Spei­che­rung auf künf­ti­ge Gene­ra­tio­nen ab und wird mit einem mas­si­ven Infra­struk­tur­zu­bau und damit zusätz­li­chen Belas­tun­gen ver­bun­den sein. Des­halb darf die Tech­nik  für nicht-ver­meid­ba­re Rest­emis­sio­nen in der Indus­trie zum Ein­satz kom­men.  Letzt­lich steht die Fra­ge im Raum, war­um nur die Mee­re her­hal­ten soll­ten und nicht auch das Land.

Nach­hal­ti­ge Fischerei

Und wie steht es um die Fische­rei? Welt­weit gal­ten 2022 über 35 Pro­zent der kom­mer­zi­ell genutz­ten Fisch­be­stän­de als über­fischt und 57 Pro­zent als maxi­mal genutzt. Im Mit­tel­meer und im Schwar­zen Meer wer­den sogar 63,4 Pro­zent der Bestän­de als über­fischt eingestuft.

Die Überfischung viele Fischgründe bedroht die Ozeane
Sub­ven­tio­nier­ter Treib­stoff indus­tri­el­ler Fang­flot­ten ist Gift für leben­di­ge Mee­re. © WWF-Malay­sia / Mazi­di Abd Ghani

Es braucht bes­se­res Manage­ment, das sowohl die Fisch­be­stän­de bes­ser schützt als auch den Fischer:innen lang­fris­ti­ge Per­spek­ti­ven gibt. Fai­re Abkom­men mit Dritt­staa­ten müs­sen eine umwelt­ver­träg­li­che und nach­hal­ti­ge Fische­rei för­dern und die Rech­te und Bedürf­nis­se der loka­len Bevöl­ke­rung  schüt­zen. Dane­ben dür­fen Sub­ven­tio­nen nicht län­ger in die Über­fi­schung fließen.

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Ein Weni­ger an schäd­li­chen mensch­li­chen Ein­grif­fen von Roh­stoff­ab­bau bis hin zu Abfall­spei­che­rung  hilft, nöti­ge Ein­grif­fe wie Off­shore-Wind­parks zu ermöglichen.

Weil unse­ren Ozea­nen aber schon der­art schlecht geht, braucht es neben der Redu­zie­rung von Belas­tun­gen mas­si­ve Anstren­gun­gen für eine Ver­bes­se­rung ihres Zustands etwa durch deut­lich wirk­sa­me­ren Schutz und der Rück­ge­win­nung ver­lo­re­ner Lebens­räu­me und natür­li­cher CO2-Sen­ken wie See­gras­wie­sen. Nur so kön­nen wir die lebens­wich­ti­gen Funk­tio­nen der Mee­re für uns Men­schen — und den Kli­ma­schutz — erhalten.

Am Ende müs­sen wir ein Netz an geschütz­ten Gebie­ten sicher­stel­len, die die Bio­di­ver­si­tät in den Mee­ren und ihre Resi­li­enz gewähr­leis­ten. Solch ein Netz trägt auch zum glo­ba­len Ziel bei, min­des­tens 30 Pro­zent aller Flä­chen an Land und auf See bis 2030 unter beson­de­ren Schutz zu stellen.

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