Fünf Fak­ten zur Wind­ener­gie


Windenergie: Windhose an der Küste
Windenergie: Windhose an der Küste © Anthony Sejourne / iStock / Getty Images Plus

Der Aus­bau der Wind­ener­gie ist nicht nur am heu­ti­gen Tag des Win­des (15. Juni) ein gro­ßes The­ma. Eini­ge ärgern sich über Wind­rä­der, vie­le über den schlep­pen­den Aus­bau. Fakt ist: Ohne Wind­ener­gie wird die Ener­gie­wen­de nicht gelin­gen. Anlass genug, die Nut­zung der Wind­ener­gie noch ein biss­chen bes­ser zu ver­ste­hen:

  • Ohne Wind­ener­gie geht es nicht

Die Wind­ener­gie an Land ist das Zug­pferd der Ener­gie­wen­de. Sie ist die wich­tigs­te und neben der Foto­vol­ta­ik die kos­ten­güns­tigs­te Erzeu­gungs­tech­no­lo­gie. Mit einem Anteil von über 16 Pro­zent an der Brut­to­strom­erzeu­gung macht sie schon heu­te deut­lich mehr als ein Drit­tel der erneu­er­ba­ren Strom­erzeu­gung in Deutsch­land aus. Und Wind ist die stärks­te Erzeu­gungs­tech­no­lo­gie nach der beson­ders kli­ma­schäd­li­chen und künf­tig aus­lau­fen­den Braun­koh­le­ver­stro­mung.

  • Wind­ener­gie lohnt sich

Die so genann­te Ener­gie­rück­ge­win­nungs­zeit gibt an, wie lan­ge eine Anla­ge in Betrieb sein muss, um die zur Her­stel­lung, Betrieb und Ent­sor­gung der Anla­ge inves­tier­te Ener­gie zu über­tref­fen. Das hängt von vie­len Fak­to­ren ab: Anla­gen­typ, Wert­schöp­fungs­ket­te, Stand­ort­qua­li­tät und Wet­ter. Es ist aber in der Regel weni­ger als ein Jahr. Bereits im ers­ten Betriebs­jahr wird also mehr erneu­er­ba­re und CO2-freie Ener­gie umge­wan­delt, als zur Her­stel­lung auf­ge­wen­det wur­de. So konn­ten durch die Nut­zung der Wind­ener­gie an Land im Jahr 2018 ins­ge­samt 62 Mil­lio­nen Ton­nen CO2 Emis­sio­nen ein­ge­spart wer­den. Übri­gens: Fossi­le und ato­mar betrie­be­ne ther­mi­sche Kraft­wer­ke amor­ti­sie­ren sich auf­grund des fort­wäh­ren­den Bedarfs an emis­si­ons­in­ten­si­ven und hoch­ge­fähr­li­chen Brenn­stof­fen nie ener­ge­tisch.

Windenergie Luftaufnahme
Wind­ener­gie­an­la­gen an Land sind das Zug­pferd der Ener­gie­wen­de CC0 Tho­mas Rich­ter https://unsplash.com/photos/B09tL5bSQJk
  • Wind­ener­gie geht auch in Wäl­dern!

Ein gene­rel­ler Aus­schluss der Wind­ener­gie­nut­zung in Wald­ge­bie­ten ist weder wün­schens­wert noch sinn­voll. Viel­mehr gefähr­det er die lang­fris­ti­gen Aus­bau­zie­le, beson­ders in den wald­rei­chen Bun­des­län­dern. Für einen natur­ver­träg­li­chen Aus­bau der Wind­ener­gie im Wald müs­sen die Aus­wir­kun­gen auf wald­be­woh­nen­de Arten, Natur­schutz und Land­schafts­bild beson­ders sen­si­bel behan­delt wer­den.

Klar ist, dass die viel­fäl­ti­gen Nutz‑, Schutz und Erho­lungs­funk­tio­nen des Wal­des und die Ver­letz­bar­keit des Öko­sys­tems (z.B. Ver­dich­tung der Wald­bö­den, Ver­lust des Wald­kli­mas) berück­sich­tigt und geschützt wer­den müs­sen. Der Wald hat zudem eine sehr wich­ti­ge Kli­ma­schutz­funk­ti­on. Die deut­schen Wäl­der ent­las­ten die Atmo­sphä­re jähr­lich um etwa 62 Mil­lio­nen Ton­nen CO2.

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62 Mil­lio­nen Ton­nen? Ja, genau. Allein die Nut­zung der Wind­ener­gie an Land spart jedes Jahr in etwa die glei­che Men­ge CO2 ein, die in deut­schen Wäl­dern jähr­lich gebun­den wird. Und so gilt ins­be­son­de­re für natur­fer­ne Forst­flä­chen mit wenig Bio­di­ver­si­tät: Ein durch­schnitt­li­ches Wind­rad spart ein Viel­fa­ches mehr CO2 ein als die Forst­flä­che, die dafür gero­det wird. Mehr dazu in die­sem sehr lesens­wer­ten Bei­trag. 

  • Natur­ver­träg­li­che Flä­chen­nut­zung

Damit unse­re Strom­ver­sor­gung bis 2050 voll­stän­dig auf Basis vor allem der kos­ten­güns­tigs­ten rege­ne­ra­ti­ven Erzeu­gungs­tech­no­lo­gien Wind­ener­gie und Foto­vol­ta­ik erfol­gen kann, ist je nach Tech­no­lo­gie­mix und Regio­na­li­sie­rung des Zubaus eine Erhö­hung der instal­lier­ten Leis­tung von Wind­ener­gie an Land um den Fak­tor 2,5 bis 4 erfor­der­lich (sie­he Abb. 1). Bis 2030 bedeu­tet dies, die Strom­erzeu­gung aus Onshore-Wind auf etwa 160 TWh zu stei­gern und damit gegen­über heu­te annä­hernd zu ver­dop­peln.

Wir haben berech­nen las­sen, dass für die Wind­ener­gie­nut­zung bis 2035 durch­schnitt­lich 1 bis 1,2 Pro­zent der Lan­des­flä­che gebraucht wer­den. Für das Jahr 2050 steigt die­ser Anteil auf durch­schnitt­lich 1,5 Pro­zent im Sze­na­rio „Fokus Solar“ und auf bis zu 2,3 Pro­zent im Sze­na­rio „Ener­gie­wen­de Refe­renz“. Par­al­lel dazu müs­sen wir ande­re flä­chen­haf­te Belas­tun­gen der Natur, ins­be­son­de­re durch Land­wirt­schaft und Zer­sie­de­lung zurück­fah­ren (sie­he Gra­fik).

Windenergie Grafik
Aus­bau der Strom­erzeu­gung in Deutsch­land 2020 — 2050 auf Basis von Solar- und Wind­ener­gie © WWF

Wir for­dern daher die Bun­des­re­gie­rung auf, die Aus­bau­zie­le für Wind­ener­gie an Land auf min­des­tens 2,5 Giga­watt net­to pro Jahr zu erhö­hen. Bund und Län­der sind auf­ge­for­dert, eine gemein­sa­me Stra­te­gie vor­zu­le­gen, die die Län­der zur Aus­wei­sung von Strom­men­gen und ‑Flä­chen­zie­len für die Wind­ener­gie in Höhe von lang­fris­tig zwei Pro­zent der bun­des­deut­schen Lan­des­flä­che ver­pflich­tet. Die Regio­nal­plan­e­be­ne und Geneh­mi­gungs­pra­xis gilt es durch eine bes­se­re per­so­nel­le und finan­zi­el­le Aus­stat­tung zu stär­ken.

Und ja, der Aus­bau der Wind­ener­gie an Land geht natur­nah. Wir haben in einer Stu­die dar­ge­legt, wel­che Aus­wir­kun­gen das auf die Vogel­welt hat und wie die­se mit Rück­sicht auf den Natur- und Arten­schutz mini­miert wer­den kön­nen.

  • Nicht Abstand, son­dern Betei­li­gung schafft Akzep­tanz

Nicht allen Men­schen gefällt ein Wind­rad vor dem Haus. Pla­nung. Bau und Betrieb von Wind­rä­dern sto­ßen daher auch auf Ableh­nung. Den­noch sieht dies eine gro­ße Mehr­heit anders und unter­stützt den wei­te­ren Aus­bau der Wind­ener­gie. Anwoh­ner sind durch die im Bun­des-Immis­si­ons­schutz­ge­setz gere­gel­ten Abstands­be­stim­mun­gen vor Umwelt­ein­wir­kun­gen durch Wind­ener­gie­an­la­gen geschützt. Pau­scha­le Min­dest­ab­stän­de zwi­schen Sied­lun­gen und Wind­ener­gie­an­la­gen schaf­fen aber kei­ne höhe­re Akzep­tanz von Wind­kraft­an­la­gen. Zumin­dest konn­te das empi­risch bis­her nicht nach­ge­wie­sen wer­den.

Die aktu­el­le Ver­ein­ba­rung der Koali­tio­nä­re, die es Län­dern erlaubt eige­ne Min­dest­ab­stän­de fest­zu­le­gen, darf kei­nes­falls zur defac­to Ver­hin­de­rung des Aus­baus der Wind­ener­gie miss­braucht wer­den. Bund und Län­der müs­sen gemein­sam sicher­stel­len, dass die Aus­bau­zie­le für Erneu­er­ba­re auch erreicht wer­den.

Coro­na-Not­spen­de: Hil­fe­ru­fe aus der gan­zen Welt

Für das Gelin­gen der Ener­gie­wen­de müs­sen wir die Akzep­tanz bei den vor Ort betrof­fe­nen Men­schen för­dern. Akzep­tanz ent­steht aus wahr­ge­nom­me­ner Ver­fah­rens- und Ver­tei­lungs­ge­rech­tig­keit. Vor­aus­set­zun­gen dafür sind die früh­zei­ti­ge und trans­pa­ren­te Betei­li­gung der betrof­fe­nen Bür­ger bereits bei der Flä­chen­aus­wei­sung und Vor­ha­ben­ent­wick­lung, sowie die ange­mes­se­ne, regel­mä­ßi­ge finan­zi­el­le Teil­ha­be von Bür­gern und Gemein­den an der Wert­schöp­fung des Wind­ener­gie­pro­jek­tes.

Mehr dazu in unse­rem Posi­ti­ons­pa­pier zum Aus­bau der Wind­ener­gie an Land.

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8 Kommentare

  1. Avatar
    Herbert Rensch
    17. Juni 2020
    Antworten

    1. zu „Wind ist die stärks­te Erzeu­gungs­tech­no­lo­gie nach der beson­ders kli­ma­schäd­li­chen und künf­tig aus­lau­fen­den Braun­koh­le­ver­stro­mung”
    Kern­ener­gie ist regel­bar, erzeugt den Strom so CO2-arm wie Wind­ener­gie und benö­tigt ledig­lich 0,2 km² für die Ver­sor­gung von 3 Mio Haus­hal­ten (10 Mrd kWh/Jahr). Das ist Fakt!
    2. zu „Fos­si­le und ato­mar betrie­be­ne ther­mi­sche Kraft­wer­ke amor­ti­sie­ren sich auf­grund des fort­wäh­ren­den Bedarfs an emis­si­ons­in­ten­si­ven und hoch­ge­fähr­li­chen Brenn­stof­fen nie ener­ge­tisch.” Das sind FAKE-NEWS. Hier­zu soll­ten Sie bes­ser recher­chie­ren, bevor Sie sol­che Behaup­tun­gen als Fakt dekla­rie­ren. Kern­kraft­wer­ke erzeu­gen den Strom emis­si­ons­frei und laut z. B. http://www.wissen.de liegt der Ern­te­fak­tor für KKW’s bei 100. Der so genann­te Ern­te­fak­tor bestimmt, wie viel mehr als die zur Her­stel­lung not­wen­di­ge Ener­gie gewon­nen wird.
    3. zu „Klar ist, dass die viel­fäl­ti­gen Nutz , Schutz und Erho­lungs­funk­tio­nen des Wal­des und die Ver­letz­bar­keit des Öko­sys­tems (z.B. Ver­dich­tung der Wald­bö­den, Ver­lust des Wald­kli­mas) berück­sich­tigt und geschützt wer­den müs­sen. Der Wald hat zudem eine sehr wich­ti­ge Kli­ma­schutz­funk­ti­on.“
    Genau das sind die Argu­men­te GEGEN Wind­kraft im Wald!
    4. zu „Natur­ver­träg­li­che Flä­chen­nut­zung“
    Hier­zu ein klei­nes Video, mit dem klar wird, wel­che Flä­che mit Wind­rä­dern benö­tigt wird um die glei­che Ener­gie zu erzeu­gen wie ein emis­si­ons­frei­es wet­ter­un­ab­hän­gi­ges regel­ba­res Groß­kraft­werk:
    https://www.youtube.com/watch?v=zc7rRPrA7rg&feature=youtu.be&fbclid=IwAR1eHyMWYIiYBJZt7GWLRRZrmG6OPn7jhE3mAFJtsViDGub5JFYgHuhYQJc
    Hier­bei ist noch nicht berück­sich­tigt der Platz­be­darf für Anla­gen, die benö­tigt wer­den, um den vola­ti­len Wind­strom an den Strom­be­darf anzu­pas­sen (Spei­cher, Back­up-Kraft­wer­ke). Bei grö­ße­ren Ein­zel­an­la­gen wird sich der Flä­chen­be­darf nicht ändern, da dann grö­ße­re Abstän­de zwi­schen den Wind­rä­dern erfor­der­lich sind.
    5. zu „Anwoh­ner sind durch die im Bun­des-Immis­si­ons­schutz­ge­setz gere­gel­ten Abstands­be­stim­mun­gen vor Umwelt­ein­wir­kun­gen durch Wind­ener­gie­an­la­gen geschützt.“
    Auch das kann kei­nes­wegs als „Fakt“ bezeich­net wer­den. Es gibt wis­sen­schaft­li­che Stu­di­en, die bele­gen, dass durch Infra­schall schwer­wie­gen­de gesund­heit­li­che Schä­di­gun­gen her­vor­ge­ru­fen wer­den kön­nen. Das darf nicht igno­riert wer­den.

    • Avatar
      Elke Schneider
      17. Juni 2020
      Antworten

      Was sol­len wir mit Wind­strom? Wind­strom ist nicht bedarfs­ge­recht, nicht abruf­bar und nicht kos­ten­güns­tig, in benö­tig­ter Kapa­zi­tät, für län­ge­re Zeit spei­cher­bar. Wir zah­len Mil­li­ar­den, um die­sen Wind­strom, der erzeugt wur­de als wir ihn nicht gebraucht haben, in unse­ren Nach­bar­län­der ent­sor­gen zulas­sen. Wind­kraft­an­la­gen sind natur­zer­stö­rend, töten Insek­ten, Fle­der­mäu­se und schred­dern Vögel. Die Anwoh­ner wer­den krank von den Geräu­schen, Infra­schall und Schat­ten­schlag. Wind­kraft­an­la­gen sind ein lukra­ti­ves Geschäfts­mo­dell für eini­ge Pro­fi­teu­re. Was wir teu­er über unse­re Strom­rech­nung bezah­len. Wir haben die teu­ers­te Strom­rech­nung in Euro­pa. Ten­denz stei­gen! Strom wir immer mehr zum Luxus..

  2. Henrik Maatsch
    17. Juni 2020
    Antworten

    Sehr geehr­ter Herr Rensch,

    als glü­hen­dem Ver­fech­ter der Kern­ener­gie­nut­zung, als der Sie sich hier mit Ihrem Bei­trag dar­stel­len, möch­te ich Ihnen ger­ne mit­tei­len, dass der WWF sich welt­weit für den schnellst­mög­li­chen Aus­stieg aus der Kern­ener­gie­nut­zung, den siche­ren Rück­bau nuklea­rer Anla­gen und die siche­re und öko­lo­gisch best­mög­lich zu ver­tre­ten­de End­la­ge­rung der radio­ak­ti­ven Abfäl­le ein­setzt.

    Der WWF lehnt die Nut­zung der Kern­ener­gie ent­schie­den ab.

    Im Fol­gen­den möch­te ich Ihnen nur eini­ge Grün­de dafür nen­nen:

    a)
    Der Uran­berg­bau bringt mas­si­ve, irrever­si­ble Umwelt­schä­den, bspw. in Schutz­ge­bie­ten des WWF und schwe­re gesund­heit­li­che Fol­gen für die ört­li­che Bevöl­ke­rung mit sich. Die Nut­zung der Kern­ener­gie ist zudem kei­nes­wegs CO2-neu­tral.
    https://www.wwf.de/themen-projekte/projektregionen/kenia-und-tansania/faszination-selous/uran-abbau-am-mkuju-river/
    https://www.umweltbundesamt.de/service/uba-fragen/ist-atomstrom-wirklich-co2-frei

    b)
    Die Gefah­ren die­ser Hoch­ri­si­ko­tech­no­lo­gie für die Gesund­heit der Bevöl­ke­rung und den Schutz unse­rer Lebens­grund­la­gen sind nicht zu recht­fer­ti­gen.
    https://www.zew.de/publikationen/abschaetzung-der-monetaeren-schaeden-durch-einen-sogenannten-super-gau/
    Die Pro­g­nos-Stu­die für das BMWi aus dem Jah­re 1992 ist hier online ein­zu­se­hen: http://zukunftslobby.de/Texte1/prognstud.html (Wir über­neh­men aus­drück­lich kei­ne Ver­ant­wor­tung für die Inhal­te der Web­sei­te).

    c)
    Die kom­ple­xen Her­aus­for­de­run­gen bei Rück­bau und Still­le­gung der Atom­kraft­wer­ke sowie der siche­ren End­la­ge­rung radio­ak­ti­ver Abfäl­le sind weder hier­zu­lan­de noch bei unse­ren euro­päi­schen Nach­barn zufrie­den­stel­lend geklärt.
    https://doris.bfs.de/jspui/bitstream/urn:nbn:de:0221–2015052612750/3/BfS-SCHR-56–15_L%C3%A4nderberichtStilllegungEuropa_150526.pdf
    https://www.bundesregierung.de/breg-de/themen/energiewende/endlagergesetz-in-kraft-getreten-394898)

    d)
    Kern­ener­gie ist spä­tes­tens im heu­ti­gen Markt­um­feld kos­ten­güns­ti­ger erneu­er­ba­rer Ener­gien kei­ne seriö­se, zukunfts­fä­hi­ge Inves­ti­ti­on, und war dies strikt genom­men nie­mals.
    https://www.worldnuclearreport.org/IMG/pdf/wnisr2019-v2-hr.pdf

    Vie­le Grü­ße,

    Hen­rik Maats­ch

    • Avatar
      Herbert Rensch
      18. Juni 2020
      Antworten

      Sehr geehr­ter Herr Maats­ch,
      Ihre Ant­wor­ten auf mei­ne Kom­men­ta­re möch­te ich hier­mit ger­ne hin­ter­fra­gen und wei­te­re Hin­wei­se geben
      Zu a)
      Wie­so spie­len für den WWF die Umwelt­schä­den und gesund­heit­li­che Fol­gen für die Bevöl­ke­rung durch Wind­rä­der kei­ne Rol­le? Wind­rä­der sind auch in Natur­schutz­ge­bie­ten zu fin­den und wer­den immer näher an Sied­lun­gen her­an­ge­baut. Wind­ener­gie ist genau­so wenig CO2-neu­tral wie Kern­ener­gie. Bei­de sind CO2-arm, nichts Ande­res habe ich geschrie­ben. Was Sie kom­plett außer Acht las­sen, ist die Regel­fä­hig­keit, die der Wind­ener­gie fehlt. Somit kann sie nie ein Ersatz für kon­ven­tio­nel­le Kraft­wer­ke sein. Es kön­nen ledig­lich Ein­satz­zei­ten von kon­ven­tio­nel­len Kraft­wer­ken redu­ziert wer­den, die im Fal­le von Kohle‑, Gas- und Öl inef­fi­zi­en­ter arbei­ten und dadurch mehr CO2 pro kWh aus­sto­ßen.
      Zu b)
      Bevor Sie im Zusam­men­hang mit Kern­kraft­wer­ken von Hoch­ri­si­ko­tech­no­lo­gie reden, soll­ten Sie die Sta­tis­tik über die gesam­te Kern­ener­gie­nut­zung in Bezug auf die damit erzeug­te elek­tri­sche Ener­gie anschau­en z. B. mit einer Such­an­fra­ge „Tote pro TWh“. Das Ergeb­nis zeigt, wel­che Ener­gie­quel­le wie vie­le Todes­op­fer über ihren Lebens­zy­klus gefor­dert hat. Selt­sa­mer­wei­se wird man fest­stel­len, dass kei­ne Ener­gie­form siche­rer ist als die Kern­ener­gie. Sowohl die Unfäl­le in Tscher­no­byl und Fuku­shi­ma als auch die Toten im Uran­berg­bau sind dabei mit­be­rück­sich­tigt.
      Zu c)
      End­la­ge­rung von Kern­brenn­stoff ist schon immer eine Staats­auf­ga­be zu deren Erle­di­gung poli­ti­scher Wil­le erfor­der­lich ist. Für die Che­mie­in­dus­trie wur­den bereits schwie­ri­ge­re Ent­sor­gungs­pro­ble­me gelöst, sie­he Her­fa-Neu­ro­de. Was Still­le­gung und Rück­bau von Kern­kraft­wer­ken anbe­langt möch­te ich nur auf die „grü­ne Wie­se“ Nie­dereich­bach ver­wei­sen.
      Zu d)
      Was kann kos­ten­güns­ti­ger sein, als abbe­zahl­te sicher­heits­über­prüf­te Groß­kraft­wer­ke wei­ter zu betrei­ben. Wie sieht der Preis für Wind­strom aus, wenn man die Nutz­bar­ma­chung, d. h. Angleich der Erzeu­gung an den Bedarf, mit ein­rech­net? War­um ist in Frank­reich mit einem Kern­ener­gie­an­teil von mehr als 70 % der Strom­preis nur halb so hoch wie in Deutsch­land und war­um ist in Deutsch­land seit dem Atom­aus­stieg 2011 der Strom­preis um 50 % gestie­gen?
      Wenn man es mit der Reduk­ti­on von CO2-Emis­sio­nen wirk­lich ernst nimmt soll­ten alle Mög­lich­kei­ten genutzt wer­den die man zur Ver­fü­gung hat und nicht als Ers­tes CO2-arm arbei­ten­de regel­ba­re Groß­kraft­wer­ke ver­schrot­ten. 2010 wur­den mit Kern­ener­gie 140 TWh CO2-arm erzeugt. Seit dem Atom­aus­stieg in 2011 wur­den bis 2019 137 TWh Erneu­er­ba­re hin­zu­ge­baut. Das bedeu­tet, dass wir mit dem mas­si­ven Aus­bau von Erneu­er­ba­ren in den letz­ten neun Jah­ren in der CO2-Bilanz im Strom­sek­tor NICHTS erreicht haben, wenn wir die letz­ten sechs in Betrieb befind­li­chen KKW’s auch noch abschal­ten.
      Gruß Her­bert Rensch

  3. Avatar
    Roland T.
    17. Juni 2020
    Antworten

    Lei­der wird natür­lich “ver­ges­sen”, dass man für jedes Wind­rad die ent­spre­chen­de theo­re­ti­sche Leis­tung als grund­last­fä­hi­ges Kraft­werk vor­hal­ten muss. Soviel zur CO2-Erspar­nis. Und die Fun­da­men­te wer­den oft nur bis 1 Meter unter der Gras­na­be wie­der zurück­ge­baut. Ein kla­rer Ver­stoß gegen die Bun­des­bau­ord­nung. Man könn­te noch wei­ter machen. Aber: was pas­siert denn mit die­sen Unge­tü­men, wenn die För­de­rung aus­läuft? Ach so. Dann wer­den ja die güns­ti­gen Strom­erzeu­ger man­gels Ertrag abge­baut. Fazit: Es geht nur ums Geld.

  4. Avatar
    Thomas
    17. Juni 2020
    Antworten

    Unglaub­lich! So ein Arti­kel im Namen des WWF.. SCHÄMT EUCH!!! Unge­ach­tet des­sen muss man zu dem The­ma nur eins sagen. Ohne effi­zi­en­te Spei­cher­tech­nik und Lei­tun­gen ist jede wei­te­re und gene­rell jede aktu­el­le Wind­kraft­an­la­ge kom­plet­te sinn­los und nur dem Geld­beu­tel der Betrei­ber und Co dien­lich. Die Ener­gie wird nie­mals grund­last­fä­hig sein und ist öko­lo­gisch sowie öko­no­misch eine Kata­stro­phe. Gebt doch bit­te end­lich auf und sehr ein, dass ihr auf dem größ­ten Irr­weg seid. Ein­zig mor­dens­te Kern­kraft (dual flu­id, Brü­ter..) wird die Zukunft sein. 100%!

  5. Avatar
    19. Juni 2020
    Antworten

    Aus gege­be­nem Anlass möch­te ich hier auf die Neti­quet­te die­ses Blogs des WWF Deutsch­land hin­wei­sen: https://blog.wwf.de/netiquette/.

    Uns liegt an einem offe­nen, freund­li­chen und respekt­vol­len Umgang mit­ein­an­der. Belei­di­gun­gen und Schmä­hun­gen sind tabu.

    Vie­len Dank!

  6. Avatar
    Sandra
    4. Juli 2020
    Antworten

    Lie­ber Herr Maats­ch,

    vor 5–6Jahren hät­te ich noch nicht gewusst was so schlimm an Wind­rä­dern sein soll. Ich fin­de sie gar nicht so häss­lich und wenn sie doch umwelt­freund­lich sind, dann her damit.
    Inzwi­schen habe ich im eige­nen Umfeld erlebt, wie dem Bau die­ser Anla­gen schein­bar alles unter­ge­ord­net wird, was ich dach­te mit dem Ein­satz von erneu­er­ba­ren Ener­gien zu schüt­zen. Da wur­de über Nacht die Schutz­zo­ne für die gefähr­de­te Mops­fle­der­maus von 1000Meter auf 300 Meter redu­ziert. Da wer­den Gut­ach­ten erstellt, dass kei­ne Rot­mi­la­ne und Schwarz­stör­che dort leben, obwohl sie über Jah­re hin­weg von den Ein­hei­mi­schen und dem ört­li­chen Schutz­ver­ein beob­ach­tet wer­den. (Es wer­den sogar Hub­schrau­ber enga­giert um die angeb­lich dort nicht leben­den schüt­zens­wer­ten Arten zu ver­trei­ben.) Da wer­den Anla­gen über der ein­zi­gen Grund­was­ser­trink­ver­sor­gung einer Ort­schaft gebaut, obwohl es Beden­ken gibt, dass die Vibra­tio­nen der Anla­ge das Erd­reich mög­li­cher­wei­se ver­dich­ten könn­ten, wodurch dann die Was­ser­ver­sor­gung des Ortes zum Erlie­gen kommt. Der Schat­ten­fall, von dem inzwi­schen jeder wis­sen dürf­te wie er sich auf die Gesund­heit eines mensch­li­chen Orga­nis­mus aus­wir­ken kann, aber was ist mit der Wir­kung auf unse­re Mit­le­be­we­sen? Egal, die müs­sen das aus­hal­ten, oder wie? Die ers­ten For­schun­gen zum The­ma Infra­schall auf die Ent­wick­lung von (mensch­li­chen) Orga­nen las­sen auch nichts Gutes erwar­ten.
    Als man 1951 begon­nen hat, mit Atom­kraft Ener­gie zu erzeu­gen, hielt man das ver­mut­lich auch für eine gute Idee und für alter­na­tiv­los. Heu­te wis­sen wir um die mög­li­chen schreck­li­chen Aus­wir­kun­gen wenn ein Stör­fall ein­tritt, und ken­nen das Ent­sor­gungs­pro­blem.
    So wird es uns auch mit der Wind­ener­gie gehen. In 20–30 Jah­ren, wenn wir das Aus­maß der Zer­stö­rung durch die Windin­dus­trie sehen und damit leben müs­sen, wer­den wir zurück schau­en und uns fra­gen “wie konn­te das nur pas­sie­ren? wie konn­ten wir so dumm, so blind sein?”.
    Lei­der ken­ne ich KEINE Ener­gie­er­zeu­gung die kei­ne nega­ti­ven Aus­wir­kun­gen auf unse­re Umwelt, und damit auch auf uns, hat. Die Wind­ener­gie stel­le ich, von den lang­fris­ti­gen Schä­den her, auf die glei­che Stu­fe wie die Kern­ener­gie.
    Damit bleibt nur eines: Die Mensch­heit darf auf­wa­chen und sich fra­gen, was braucht es für ein lebens­wer­tes Leben wirk­lich? Und ich höre schon die Stim­men die rufen “ja genau, dann zieh doch in eine Höh­le und klet­te­re auf Bäu­me”
    Wir sind soweit in ein Extrem abge­trif­tet, dem Extrem dass immer alles im Über­fluss vor­han­den sein soll, alles so bequem wie irgend mög­lich sein soll (Ale­xa, schal­te den Fern­se­her ein). Das kos­tet unglaub­li­che Res­sour­cen und für was? Dafür dass wir unse­re Häu­ser und Woh­nun­gen mit Kram voll­stop­fen kön­nen, den wir nur so lan­ge glaub­ten ihn zu brau­chen, bis wir ihn hat­ten. Weil die Wer­bung uns mani­pu­liert (und es darf, weil Haupt­sa­che “freie Markt­wirt­schaft”), weil wir glau­ben das Gefühl von “nicht genug”, “etwas zu brau­chen” sich lin­dern lie­ße durch Besitz. (Müt­ter küm­mert euch wie­der um eure Kin­der statt sie mit 1/2Jahr in die Kita zu geben. Das ist der wich­tigs­te Job über­haupt!)
    Wenn wir es schaf­fen von allem weni­ger zu brau­chen, dann hat die Mensch­heit eine Chan­ce und dann kön­nen wir uns auch erlau­ben wirk­lich hin­zu­se­hen, wenn wir mal wie­der gewillt sind, den Lebens­rau­m/-res­sour­cen von ande­ren, unse­ren angeb­li­chen Bedürf­nis­sen unter­zu­ord­nen.

    Wir kön­nen uns nicht alle in jedes wich­ti­ge The­ma selbst ein­ar­bei­ten, um dann eine mög­lichst rich­ti­ge Ent­schei­dung zu tref­fen. Ich wür­de mir so sehr mehr Ehr­lich­keit und Unvor­ein­ge­nom­men­heit bei der Erstel­lung von Stu­di­en und deren Ver­öf­fent­li­chun­gen wün­schen. Aber solan­ge irgend­je­mand damit Geld ver­dient bzw. dann eben nicht ver­dient, scheint das ein Wunsch zu blei­ben.

    Des­il­lu­sio­nier­te Grü­ße
    San­dra

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