Müll-Medi­ta­tio­nen: Nio­bi­um, Recy­cling und schlaf­lo­se Nächte


Europa recycelt zu wenig © iStock/getty images
Recycling statt Raubbau muss das Prinzip lauten © iStock/getty images

Zwei bra­si­lia­ni­sche Geset­zes­vor­ha­ben sol­len zukünf­tig wirt­schaft­li­che Akti­vi­tä­ten in Natur­schutz­ge­bie­ten ermög­li­chen – unter ande­rem den Abbau von Erz­la­ger­stät­ten. Im Ama­zo­nas-Regen­wald sol­len vie­le Roh­stof­fe geför­dert wer­den – wie bei­spiels­wei­se Nio­bi­um. Die­ses Ele­ment wird haupt­säch­lich benö­tigt, um Stahl zu här­ten und dann für Flug­zeug­tur­bi­nen oder Auto­ka­ros­se­rien zu ver­wen­den. Dazu ein dezen­ter Hin­weis: 92 Pro­zent der Niobium–Reserven lie­gen in Bra­si­li­en. Dar­um lis­tet die EU die­ses Mate­ri­al auch als einen von 20 „kri­ti­schen Roh­stof­fen“ – also Roh­stof­fe, die sel­ten und auf weni­ge Län­der kon­zen­triert sind.

In Euro­pa wird nur ein Drit­tel der anfal­len­den Elek­tro­schrott­ber­ge ord­nungs­ge­mäß verwertet.

Nun fra­ge ich mich natür­lich, ob die­je­ni­gen, die sich beruf­lich mit die­sem The­ma beschäf­ti­gen, ab und zu schlaf­lo­se Näch­te haben. Denn ihre Pro­duk­ti­on oder ihr Invest­ment ist von einem Roh­stoff abhän­gig, der fast nur aus einem ein­zi­gen Land stammt. Nicht immer ver­läuft die poli­ti­sche Ent­wick­lung in die­sen Lie­fer­län­dern wie erwartet.

Kei­ne Aus­re­den, bitte!

Aber davon abge­se­hen: Falls Regen­wald­ge­bie­te für Erz­ab­bau abge­holzt oder indi­ge­ne Völ­ker durch Berg­bau­tä­tig­kei­ten gefähr­det wer­den, dürf­ten Fra­gen an ver­schie­de­ne Unter­neh­men erlaubt sein, woher denn der eine oder ande­re Roh­stoff bezo­gen wird. Kann eine Ver­bin­dung mit der Natur­zer­stö­rung aus­ge­schlos­sen wer­den? Das zu ver­nei­nen, kann bei einem so kon­zen­triert in einem Land vor­lie­gen­den Ele­ment wie Nio­bi­um schon mal eng werden.

Goldmine im Regenwald © iStock/getty images
Gold­mi­ne im Regen­wald © iStock/getty images

Was das Gan­ze mit unse­rem Müll zu tun hat

Nun kom­me ich lang­sam auf mein Müll­the­ma zurück. Immer­hin wer­den der­zeit schät­zungs­wei­se mehr als 50 Pro­zent des Nio­bi­ums recy­celt. Haupt­säch­lich, indem der mit Nio­bi­um legier­te Stahl sepa­rat gesam­melt und wie­der ein­ge­schmol­zen wird. Das ist ermu­ti­gend, aber vie­le ande­re Ele­men­te wie zum Bei­spiel Gal­li­um oder Tan­tal wer­den fast gar nicht wie­der­ge­won­nen. Wie bekom­men wir die­se Roh­stof­fe zurück, die irgend­wo auf Müll­hal­den oder anders­wo ver­teilt lan­den? Bei einer fei­nen Ver­tei­lung von der­ar­ti­gen Ele­men­ten kann Recy­cling schwie­rig und teu­er werden.

Recy­cling: In der Pra­xis hapert es

Wie eine im August erschie­ne­ne Stu­die belegt, klappt es der­zeit nicht mal mit dem gesetz­lich vor­ge­schrie­be­nen Basis-Recy­cling von Elek­tro­schrott so rich­tig. In Euro­pa wer­den nur ein Drit­tel der anfal­len­den Elek­tro­schrott­ber­ge ord­nungs­ge­mäß ver­wer­tet. Der Rest wird expor­tiert, in die Rest­müll­ton­ne gewor­fen oder nicht den Vor­schrif­ten ent­spre­chend recy­celt. Die­se Aus­sa­ge gilt von der Ten­denz her auch für Elek­tro­müll aus Deutsch­land. Euro­pa gehen durch die­se Pra­xis jähr­lich schät­zungs­wei­se Roh­stof­fe im Wert von bis zu 1,7 Mil­li­ar­den Euro verloren.

Weil wir hier das Recy­cling nicht in den Griff bekom­men, müs­sen wir zur Roh­stoff­ge­win­nung den Ama­zo­nas-Regen­wald umgra­ben und alle Erze her­aus­krat­zen? Da war­ten wohl noch etli­che Haus­auf­ga­ben auf uns.

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