Kakao-Kri­se: Scho­ko­la­de in Gefahr


Kakao in der Krise: Der Konsum steigt, die Ernten schrumpfen. © Irina-Esau/ Getty-Images

Stirbt der Scho­ko-Oster­ha­se aus? Ganz so dra­ma­tisch ist die Lage noch nicht. Aber er könn­te teu­rer wer­den. Denn die Prei­se für Kakao gehen durch die Decke. Nur die Bau­ern haben nichts davon. Die brau­nen Boh­nen wer­den welt­weit knapp: Kakao in der Krise.

Fol­ge uns in Social Media 

Facebook
Twitter
Youtube
Instagram
LinkedIn
TikTok
Newsletter

Hin­ter­grün­de der Kakao-Krise

Der Appe­tit auf Scho­ko­la­de hat in den ver­gan­ge­nen Jah­ren welt­weit zuge­nom­men. Haupt­pro­du­zen­ten sind die Elfen­bein­küs­te und Gha­na. Sie lie­fern  mehr als 60 Pro­zent des glo­ba­len Kakaos. Bei­de west­afri­ka­ni­schen Län­der kämp­fen mit den  Aus­wir­kun­gen des Kli­ma­wan­dels, Krank­hei­ten, sozia­len Unge­rech­tig­kei­ten und einer unglei­chen Wert­ver­tei­lung ent­lang der Wert­schöp­fungs­ket­te. All das hat  zu einem dra­ma­ti­schen Rück­gang der Erträ­ge geführt. Die Fol­ge: stei­gen­de Preise.

Kakao wächst am bes­ten im Schat­ten grö­ße­rer Bäu­me © IMAGO-Joerg-Boethling

Die Wur­zel des Problems

Ein ent­schei­den­der Fak­tor der Kakao­knapp­heit sind die Anbau­sys­te­me in den Haupt­an­bau­län­dern. Kakao wird über­wie­gend in Mono­kul­tur ange­baut, obwohl die Pflan­ze eigent­lich bes­ser im Schat­ten grö­ße­rer Bäu­me gedeiht.  Die Böden sind aus­ge­laugt, die Pflan­zen alt und die Erträ­ge beschei­den. Da die Kakao­prei­se lan­ge Zeit sehr nied­rig lagen, sind vie­le auf  ande­re Kul­tu­ren wie  Kau­tschuk umge­stie­gen.  Zudem haben die ver­arm­ten Bau­ern meist nicht das Geld, um in die Erhö­hung der Boden­frucht­bar­keit oder Ver­jün­gung der Plan­ta­gen zu investieren.

Kli­ma­wan­del und Krankheiten

Der Kli­ma­wan­del hat die Lage ver­schärft. Häu­fi­ge­re Dür­re­pe­ri­oden und Stark­re­gen füh­ren zu mage­ren Erträ­gen und zur Aus­brei­tung von Pilz­er­kran­kun­gen. Das aktu­el­le El Niño-Phä­no­men ver­stärkt die Pro­ble­me. Eine erns­te Gefahr ist die soge­nann­te “Cocoa Swol­len Shoo­ting Virus Dise­a­se”” (CSSVD). Über­tra­gen durch Woll­läu­se, brei­tet sich die Krank­heit in den Mono­kul­tu­ren rasch aus. Die Krank­heit bedroht die Exis­tenz­grund­la­ge der Bau­ern in West­afri­ka, führt zu Land­kon­flik­ten und befeu­ert die Abhol­zung. In Gha­na gras­siert das Virus bereits auf 17 Pro­zent der Anbau­flä­chen. Auch in der Elfen­bein­küs­te brei­tet sich die Krank­heit immer stär­ker aus. Die Bau­ern haben dem Virus  wenig ent­ge­gen­zu­set­zen. Die ein­zi­ge Mög­lich­keit bei einem Befall ist, die kom­plet­te Plan­ta­ge zu zerstören.

Unge­rech­tig­keit und Kinderarbeit

Ern­te­aus­fäl­le füh­ren trotz höhe­rer Prei­se zu Ein­bu­ßen bei den ohne­hin kar­gen Ein­kom­men.  © IMAGO/Ute Grabowsky-photothek

Trotz aktu­ell hoher Prei­se pro­fi­tie­ren die Erzeu­ger  nicht, weil ihre Ern­ten immer dürf­ti­ger aus­fal­len. Vie­le Bau­ern, ins­be­son­de­re in West­afri­ka, kämp­fen um exis­tenz­si­chern­de Ein­kom­men. Kin­der­ar­beit auf den Plan­ta­gen ist bit­te­re Rea­li­tät.  Die Bran­che steht vor der Her­aus­for­de­rung, fai­re Han­dels­prak­ti­ken und dau­er­haft exis­tenz­si­chern­de Ein­kom­men zu gewähr­leis­ten sowie nach­hal­ti­ge Anbau­me­tho­den zu för­dern, um die bren­nen­den sozia­len und öko­lo­gi­schen Pro­ble­me zu lösen.

Scho­ko­la­den­in­dus­trie und Verbraucher:innen

Die stei­gen­den Kos­ten und die Knapp­heit von Kakao haben direk­te Aus­wir­kun­gen auf die Scho­ko­la­den­in­dus­trie. Her­stel­ler sehen sich mit höhe­ren Pro­duk­ti­ons­kos­ten kon­fron­tiert. Dies könn­te zu Preis­er­hö­hun­gen füh­ren. Aller­dings muss man sich vor Augen füh­ren, dass ledig­lich sechs Pro­zent des Ver­kaufs­prei­ses bei den Bäue­rin­nen und Bau­ern in den Anbau­ge­bie­ten ankommt. Der Groß­teil strei­chen ande­re Akteu­ren in Zwi­schen­han­del, Scho­ko­la­den­her­stel­lung und dem Ein­zel­han­del ein . Die­ser Logik fol­gend dürf­ten die Preis­er­hö­hun­gen durch den teu­re­ren Roh­stoff eigent­lich nicht all­zu hoch sein.

Krü­mel­be­trä­ge. Das Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Inter­na­tio­na­le Zusam­men­ar­beit rech­net vor: Vom Umsatz einer Tafel Scho­ko­la­de beka­men die Bau­ern gera­de mal sechs Cent. Durch die gestie­ge­nen Welt­markt­prei­se sind es inzwi­schen sogar nur noch vier.  ©goir/GettyImages

Für Ver­brau­che­rin­nen und Ver­brau­cher bedeu­tet dies, bewuss­ter ein­zu­kau­fen und beim Kauf auf nach­hal­ti­gen Anbau und fai­re Prei­se zu ach­ten . Die Kakao-Kri­se könn­te als Weck­ruf die­nen, um die glo­ba­len Anstren­gun­gen zur Bekämp­fung des Kli­ma­wan­dels zu inten­si­vie­ren und gerech­te Han­dels­be­din­gun­gen zu fördern.

Zeit für den Wandel

Die Kakao-Kri­se ist nicht nur eine Her­aus­for­de­rung für die Scho­ko­la­den­in­dus­trie, son­dern auch eine Auf­for­de­rung zum Han­deln. Ent­schei­dend ist die Schaf­fung von viel­fäl­ti­gen und nach­hal­ti­gen Anbau­sys­te­men. Dazu gehö­ren Agro­forst­sys­te­me, die wider­stands­fä­hig gegen die Aus­wir­kun­gen des Kli­ma­wan­dels und die Ver­brei­tung von Krank­hei­ten sind und den Bäue­rin­nen und Bau­ern gleich­zei­tig eine nach­hal­ti­ge Lebens­grund­la­ge bieten.

Mit dem WWF-News­let­ter nichts mehr verpassen!

Süße Emp­feh­lung

Leicht am Pan­da-Logo auf der Tafel zu erken­nen: Pac­ca­ri-Scho­ko­la­de © Julia Forch­heim / WWF Deutschland

Es liegt an uns, die süße Ver­lo­ckung der Scho­ko­la­de mit einem Ver­ant­wor­tungs­be­wusst­sein für Mensch und Umwelt zu genie­ßen. Der WWF arbei­tet am Auf­bau von ent­wal­dungs­frei­en Scho­ko­la­den-Lie­fer­ket­ten. Der Kakao wird in der Ama­zo­nas­re­gi­on durch indi­ge­ne Koope­ra­ti­ven im soge­nann­ten Chakra-Sys­tem ange­baut, einem beson­ders viel­fäl­ti­gen Agro­forst­sys­tem. Das Pro­jekt wird im Auf­trag des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums für wirt­schaft­li­che Zusam­men­ar­beit und Ent­wick­lung (BMZ) umge­setzt und von der Deut­schen Gesell­schaft für Inter­na­tio­na­le Zusam­men­ar­beit (GIZ) GmbH unter­stützt. Wir koope­rie­ren dabei mit indi­ge­nen Orga­ni­sa­tio­nen und mit Part­nern wie dem Scho­ko­la­den­her­stel­ler Pac­ca­ri.

 

Wie hat Dir die­ser Bei­trag gefallen? 

Sehr schön, das freut uns! Viel­leicht magst Du ja… 

…die­sen Bei­trag jetzt teilen: 

Scha­de, dass Dir der Bei­trag nicht so gut gefal­len hat. 

Dein Feed­back wäre sehr wert­voll für uns. 

Wie könn­ten wir die­sen Bei­trag Dei­ner Mei­nung nach optimieren? 

Fol­ge uns in Social Media:
Facebook
Twitter
Youtube
Instagram
LinkedIn
TikTok
Newsletter
Vorheriger Beitrag Rezepte für die Ernährungspolitik
Nächster Beitrag Hätte, hätte, Lieferkette

1 Kommentar

  1. Gisela Kroll
    16. März 2024
    Antworten

    Es braucht ein Lieferkettengesetz,
    es braucht mehr Gerechtigkeit!!!
    Es braucht ein öko­lo­gi­sches Gleich­ge­wicht, es braucht Ver­ant­wor­tung gegen­über den Lebe­we­sen und unse­rer Umwelt!!!
    Es braucht ein sofor­ti­ges Ende der Mas­sen­tier­hal­tung und der Tier­trans­por­te in Drittländer!!
    Und vie­les mehr …
    Herz­li­che Grü­ße Gise­la Kroll

Einen Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert