Das Meer in der Kli­ma­kri­se: Aus dem Gleich­ge­wicht


Meer Klimakrise: Die Sonne scheint auf die Wasseroberfläche
Versauert, vermüllt, leergefischt: Unsere Meere. CC0 Alexey Ruban https://unsplash.com/photos/MmhZBm5ThbU

 

Das Meer lei­det unter der Kli­ma­kri­se. Wir wis­sen schon lan­ge, dass das Meer sich ver­än­dern wird. Die­ser Wan­del voll­zieht sich in die­sem Moment. Ich habe es selbst gese­hen. In den letz­ten Jah­ren habe ich vie­le zer­stör­te Koral­len­rif­fe betaucht. Wo vor weni­gen Jah­ren noch ein unglaub­lich bun­ter und arten­rei­cher Lebens­raum war, berei­ten sich heut­zu­ta­ge öde leb­lo­se Stein­wüs­ten aus.

Meer aus dem Gleich­ge­wicht

Unse­re Mee­re sind aus dem Gleich­ge­wicht gera­ten. Und wir sind dafür mit­ver­ant­wort­lich. Über­fi­schung, Ver­saue­rung und Ver­mül­lung sind nur eini­ge Fol­gen des welt­wei­ten Über­kon­sums. Seit 1970 ist die Popu­la­ti­on der mari­nen Wir­bel­tie­re um mehr als die Hälf­te zurück­ge­gan­gen. Und die Kri­se ver­schärft sich. Denn jetzt ver­stär­ken sich die­se Belas­tun­gen durch einen wei­te­ren mensch­li­chen Fak­tor: die Kli­ma­kri­se.

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Wei­ter­hin stei­gen­de Treib­haus­gas­emis­sio­nen und die glo­ba­le Erd­er­hit­zung gefähr­den die Mee­re extrem. Zum Bei­spiel weist der neu­es­te Bericht des UN-Kli­ma­rats die stär­ker wer­den­de Ver­saue­rung der Mee­re nach. Dies könn­te Arten­viel­falt und damit auch unse­re Nah­rungs­ver­sor­gung ernst­haft bedro­hen.

Bereits jetzt sind die ers­ten Ver­än­de­run­gen in den Mee­ren gut erkenn­bar. In den letz­ten Jah­ren wur­den die höchs­ten Mee­res­tem­pe­ra­tu­ren aller Zei­ten gemess­sen. Und auch die höchs­ten CO2-Wer­te. Das ark­ti­sche Eis ging wei­ter zurück als je zuvor. Stei­gen­de Mee­res­spie­gel, Koral­lenster­ben, zuneh­men­de Natur­ka­ta­stro­phen und Zusam­men­bruch mari­ner Nah­rungs­net­ze — all das pas­siert gera­de jetzt.

Meer und Klimakrise: Lebendiges Riff, totes Riff
Leben­di­ges Riff, totes Riff © Phil­ipp Kanstinger/ WWF

Was sich im Meer durch die Kli­ma­kri­se ändert

  • Die CO2-Auf­nah­me gerät ins Sto­cken.
  • Die obe­re Mee­res­schicht erwärmt sich, so genann­te Hot­spots ent­ste­hen.
  • Extrem­wet­ter­er­eig­nis­se neh­men zu und Mee­res­strö­mun­gen ver­än­dern sich.
  • Der Sauer­stoff­ge­halt im Was­ser nimmt ab, Todes­zo­nen brei­ten sich aus.
  • Der Mee­res­spie­gel steigt – vie­le Küs­ten­ge­bie­te sind bedroht.
  • Die Ver­saue­rung des Mee­res führt zum Ein­sturz von Nah­rungs­net­zen.
  • Die Koral­len­rif­fe ster­ben ab, See­gras­wie­sen wer­den sel­te­ner.
  • Ster­ben die Koral­len, ver­schwin­den auch vie­le Fische.

Drei Mil­lio­nen Ton­nen weni­ger Fisch durch jedes Grad Kli­ma­er­wär­mung

Wis­sen­schaft­ler pro­gnos­ti­zie­ren, dass pro Grad Erwär­mung das glo­ba­le Fang­po­ten­zi­al von Fisch und Mee­res­früch­ten um mehr als drei Mil­lio­nen Ton­nen sinkt. Am stärks­ten sind die Ent­wick­lungs­län­der nahe dem Äqua­tor betrof­fen. In man­chen Län­der wird sich bis 2050 der Fisch­fang hal­bie­ren. Über zwei Drit­tel der Ent­wick­lungs­län­der in Afri­ka, Asi­en, Ozea­ni­en und Latein­ame­ri­ka sind von ihrer hei­mi­schen Fische­rei abhän­gig. Eini­ge der wich­tigs­ten Fisch­ar­ten für die Ernäh­rungs­si­cher­heit wie Sar­del­len und Sar­di­nen sind beson­ders kli­ma­ab­hän­gig. Ver­schwin­den die­se, man­gelt es der Bevöl­ke­rung an einem wich­ti­gen Grund­nah­rungs­mit­tel. Und das Ein­kom­men fehlt. In Komb­na­ti­on mit der gna­den­lo­sen indus­tri­el­len Über­fi­schung haben Klein­fi­scher in der Zukunft kei­ne Chan­cen mehr.

Wir brau­chen mehr Res­sour­cen als je zuvor!

Für 2050 wird eine Welt­be­völ­ke­rung von fast zehn Mil­li­ar­den Men­schen pro­gnos­ti­ziert. Wir benö­ti­gen mehr Res­sour­cen als je zuvor. Dies lässt sich mit kon­ven­tio­nel­lem Fische­rei­ma­nage­ment nicht schaf­fen. Nur eine nach­hal­ti­ge Bestands­be­wirt­schaf­tung, eine Ver­rin­ge­rung der Rück­wür­fe, eine ver­stärk­te Nach­fra­ge nach klei­nen und schnell wach­sen­den Fisch­ar­ten (die ansons­ten als Tier­fut­ter ver­schwen­det wür­den), sowie ein Über­gang zu nach­hal­ti­ger Aqua­kul­tur wür­den die Situa­ti­on ver­bes­sern.

Junge mit Fisch
Über­fi­schung betrifft die Ent­wick­lungs­län­der am stärks­ten © Clare­ne Lala­ta / Unsplash

Nur eine Ver­rin­ge­rung des CO2-Aus­sto­ßes und nach­hal­ti­ge Fische­rei kön­nen das Meer ret­ten!

Wis­sen­schaft­ler schät­zen, dass sich durch ein welt­weit nach­hal­ti­ges Fische­rei­ma­nage­ment die Fisch­bio­mas­se in den Mee­ren um 60 Pro­zent stei­gern lässt. Aller­dings nur dann, wenn die Erd­er­hit­zung in Gren­zen gehal­ten wird! Wenn der CO2-Aus­stoß so wie bis­her unbe­grenzt wei­ter­geht, wird es zu einem Mas­sen­ster­ben von Arten in den Ozea­nen kom­men. Vie­le mari­ne Öko­sys­te­me wer­den kol­la­bie­ren. Blei­ben wir untä­tig bei Fische­rei und Kli­ma­kri­se, wird dies zu dra­ma­ti­schen Ein­bu­ßen füh­ren. Damit wer­den Mil­lio­nen Men­schen ihre Exis­tenz ver­lie­ren. Und auch Hun­gern müs­sen.

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1 Kommentar

  1. Avatar
    Reinhard Laska
    2. Dezember 2019
    Antworten

    Sehr geehr­ter Herr Kan­stin­ger,
    ein inter­es­san­ter Bei­trag. Ich arbei­te für Fron­tal 21 an einer Repor­ta­ge über den Fisch in der Ost­see. Ich wür­de gern mit Ihnen spre­chen und auch wis­sen, ob Sie als Tau­cher viel­leicht über Unter­was­ser­auf­nah­men ver­fü­gen, die ich ggf. nut­zen könn­te.
    Freund­li­che Grü­ße
    Rein­hard Las­ka

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