Was Du mit Wespen tun kannst (und besser bleiben lässt)


Wespe in Nahaufnahme. Ab August bis Spätsommer kommen die Raubinsekten verstärkt mit Menschen in Kontakt
Viele geraten bei dem Anblick in Panik © iStock / Getty Images

Bis etwa August geraten Wespen  in Vergessenheit. Dann sind sie aber eines der großen Aufregerthemen in Cafés und auf Grillfesten. Dabei haben die Wespen ihren schlechten Ruf völlig zu Unrecht. Hier sagen wir, was zu tun ist. 

Ihr kennt es bestimmt. Beim Picknick, beim Spaziergang mit Eis oder beim Grillen im Garten: Riecht es nach leckerem Essen, süßen Getränken oder verführerischem Parfüm, fühlen Wespen sich eingeladen.
Die Aufregung ist stets groß, Horrorgeschichten werden erzählt und viele geraten in Panik. Dabei ist das alles halb so wild, wenn man die schwarz-gelben Tierchen mal ein bisschen besser kennenlernt.
Allein für Allergiker ist Fernhalten oberstes Gebot. Für sie stellt die Wespe eine echte Gefahr dar. Das Gift der Wespe ist für Allergiker 20 Mal giftiger als das der Biene. Jedes Jahr führen die Stiche sogar zu etwa 20 Todesfällen.

In Deutschland gibt es rund 360 Wespenarten. Auch die Hornisse zählt zu den Wespen. Uns Menschen werden jedoch lediglich zwei Arten lästig: die Gemeine Wespe und die Deutsche Wespe. Leider sind sie auch die häufigsten…

Sommerzeit, Wespenzeit

Aber warum erst dann? Warum gehen uns die Wespen ausgerechnet im August so auf die Nerven?
Wespen leben nur einen Sommer lang. Nur die jungen Königinnen überwintern, um im Folgejahr einen neuen Staat aufzubauen. Ab Frühling bis etwa Mitte August ernähren sie sich hauptsächlich von Eiweiß, um die Larven zu versorgen. Zu dieser Zeit haben sie es besonders auf Insekten abgesehen. Wenn die Brut gegen August versorgt ist, müssen die erwachsenen Tiere sich um ihr eigenes Überleben bemühen: Sie brauchen Zucker!

Da kommen wir Menschen mit unseren süßen Verlockungen genau richtig. Wir interpretieren ein aggressives Verhalten der Wespen, weil es schlicht mehr von ihnen in unserer Nähe gibt – und das macht uns nervös. An dieser Stelle tun wir den Wespen oft unrecht. Denn eher müssen sie ums Überleben kämpfen und nicht wir.

Wespen und Hornissen sind wichtig!

Wespe im Getränk: Trinken kann jetzt gefährlich werden. Aber Wespen und Hornissen sind wichtig für das Ökosystem
Man weiß, welche Jahreszeit es ist © iStock / Getty Images

Was viele gar nicht wissen (wollen): Wespen sind nützliche Tiere. Da Insekten ihre Hauptnahrung sind, regulieren sie den Naturhaushalt. „Schädlinge“ wie Raupen, Blattläuse, aber auch Stechmücken, Bremsen, Spinnen und vieles mehr stehen auf ihrem Speiseplan.
Ein einziges Hornissenvolk schafft etwa 15 Kilogramm Insekten pro Saison! Ein Wespenvolk immerhin die Hälfte. Mehr Wespen, weniger Schädlinge: Der perfekte natürliche Insektenvernichter. Zudem helfen Wespen und Hornissen den Bienen im Frühjahr bei der Bestäubung von Blüten und dienen Vögeln als Nahrung.

Wein, Brot und Bier – Wespen sind die Freunde der Menschen

Die Erforschung der Wespen bringt derweil immer neue, interessante Erkenntnisse. Italienische Wissenschaftler fanden heraus, wie sehr Wespen eigentlich zu den Freunden der Menschen gehören. Denn Wespen tragen entscheidend zur Qualität von Wein, Bier und Brot bei. In Südtirol untersuchten Forscher, wie Hefepilze durch Insekten verbreitet werden. Dabei ist ihnen aufgefallen, dass diese Pilze in den Mägen der Wespen überleben. Noch besser: Sie vererben diese Hefen, denn es wurden exakt die gleichen „Test-Pilze“ in den Larven der „Test-Wespen“ nachgewiesen. Insgesamt 17 verschiedene Hefestämme waren es insgesamt – jedoch kein einziger davon bei Bienen.

Die größten Mythen über die Wespe

„Das Gift der Hornissen ist am gefährlichsten, drei Stiche töten einen Menschen, sieben ein Pferd.“

Das ist Unsinn. Das Gift von Hornissen ist nicht giftiger als das der Wespen oder Bienen. Ganz im Gegenteil: Bienengift ist sogar vier Mal giftiger!

„Man soll Wespen nicht schlagen, sondern wegpusten!“

Falsch! Beides ist nicht gut. Denn das Kohlenstoffdioxid in unserem Atem löst bei Wespen ein Alarmsignal aus und lässt sie panisch werden.

„Mit Wespenfallen am Tisch ist das Problem gelöst.“

Keine gute Idee. Die Fallen aus Bier und Saft sind nämlich gar nicht so toll. Die Wespen (manchmal auch Bienen) ertrinken qualvoll darin. Außerdem lockt dieser vermeintliche Trick noch weitere Insekten an.

Wespen in meinem Garten

Ich kenne wohl niemanden, der sich unbedingt ein Wespennest im Garten oder am Haus wünscht.

Was viele aber nicht wissen: Nester die frei hängen, gehören nicht zu den lästigen Arten. Die lästigen Wespen sind Dunkelhöhlennister! Das bedeutet, sie bauen ihre Nester nur in der Erde oder hinter dunklen Verschalungen. Wenn Euch ein frei hängendes Nest nicht stört, könnt Ihr es einfach hängen lassen.

Notfalls Rat beim Imker

Soll das Nest trotzdem weichen, zieht Ihr am besten einen Spezialisten zu Rate, beispielsweise einen Imker. Dieser kann das Nest mit einem Schutzanzug umsiedeln. Dann müssen die Tiere nicht getötet werden und Ihr bringt Euch selbst nicht in Gefahr. Wespen sind am Nest nämlich immer im Verteidigungsmodus.

Übrigens: Eure Nachbarn können grundsätzlich keinen Anspruch darauf erheben, ein Nest zu entfernen. Das heißt, Ihr würdet nur für ein Nest und seine Folgen haften, wenn Ihr es eigenständig an dem besagten Ort angesiedelt hättet.

Was Du mit Wespen tun kannst (und besser bleiben lässt)

  • Hektische und schnelle Bewegungen vermeiden, denn davon fühlen sich die Tiere bedroht.
  • Getränke mit Deckeln abdecken und aus einem dünnen Strohhalm trinken. Vor jedem Schluck nochmal tief ins Glas schauen – vor allem bei Dosen ist Vorsicht geboten!
  • Auch Essen im Freien immer abdecken. (Wespen stehen neben Süßkram auch total auf Fleisch.)
  • Sich im Park nicht in die Nähe von Mülleimern setzen und auch zuhause die Mülltonnen immer verschlossen halten.
  • Geht nicht barfuß über Wiesen!
  • Wer sehr ängstlich ist, sollte auf bunte Kleidung verzichten.
  • Nach einem Stich: Kühlen hilft und eine rohe halbe Zwiebel auf den Stich zu legen, wirkt entzündungshemmend. Wenn man nichts zur Hand hat – sogar Spucke neutralisiert das Insektengift.
  • Bei Schwindel, Herzrasen oder Übelkeit nach einem Stich bitte sofort einen Arzt aufsuchen!
  • Bitte niemals die Einstichstelle mit dem Mund aussaugen, so gelangt das Gift durch die Schleimhäute noch schneller in Euren Körper. Korrekte Tips zum Umgang mit Stichen hier von der Feuerwehr.
  • Als Allergiker ab August immer die Notfall-Apotheke dabei haben!

Aber das allerbeste Mittel gegen die Wespen bleibt: einfach in Ruhe lassen. Auch wenn es schwer fällt.

Vorheriger Beitrag G20-Gipfel: Protestwelle gegen Umweltzerstörung und Ungerechtigkeit
Nächster Beitrag Foodhelden: Zu Besuch bei "Hufe 8" & den Bruderhähnen

Über mich
Johanna Bischoff

Ich studiere zurzeit Kommunikationsmanagement und arbeite als Freie für die Zeitung. Die vielen Umweltthemen finde ich super spannend und freue mich total, so viel dazuzulernen. Von der Welt möchte ich noch viel sehen, aber am glücklichsten bin ich immer am Meer.

13 Kommentare

  1. Kornelia Pauck
    27. Juli 2016
    Antworten

    Bei uns im Garten haben auch mal Wespen ein Nest gebaut. Es war interessant wie grazil dieses Nest war und die Tiere ihr Nest immer wieder bearbeitet haben während der Bauzeit. Ich stelle immer einen Deckel mit Zuckerwasser (1 mm tief – damit die Wespen nicht ertrinken) in ein paar Metern von uns in den Garten. Es ist schade, dass die interessanten Tiere immer mehr vernichtet werden.

    Viele Grüße

    Kornelia Pauck

  2. Herbert
    27. Juli 2016
    Antworten

    Vielen Dank Johanna, solch umfassende Informationen habe ich mir schon lange gewünscht.

  3. Wolf-Dieter Hohe
    27. Juli 2016
    Antworten

    Hey Frau Bischoff,

    Danke im Interesse der Wespen – ich dachte ich wüsste schon alles – wie gesagt… ich dachte… W.D. Hohe

  4. 27. Juli 2016
    Antworten

    Hallo Frau Bischoff,
    ich hätte sehr gern wieder ein Wespennest im Garten.
    Letztes Jahr hatten wir in unserem kleinen Grünbereich ein WespenNest im Erdreich, das Loch befand sich genau im Eingang unseres Gewächshauses. Um in das Gewächshaus zu kommen, mußte ich immer über das WespenNestLoch steigen, ebenso beim Verlassen des GewächsHauses. Da ich niemanben kannte, der konkrete Erfahrungen mit einem ErdNest gemacht hatte, versuchte ich über das Internet nützliche Informationen zu bekommen. Das war sehr schwierig, meist wurde zu 3 m Abstand geraten und oder zur Vernichtung des Nestes. So habe ich dann 1 Woche mit mir gerungen ob ich heißes Wasser in das Nest gießen sollte. Habe ich dann zum Glück nicht getan – ich wurde nicht gestochen und wir hatten kaum Mücken. Dieses Jahr haben wir viele Mücken und viele Mückenstiche und leider haben sich keine Wespen angesiedelt. schöne Grüße aus Dortmund Ulrike Fischer

  5. Mareike
    27. Juli 2016
    Antworten

    Wir kaufen Gewürznelken – viele – und verteilen diese über den Tisch und haben sie auch in einem Schälchen neben dem Essen
    Die Wespen mögen den Duft von Gewürznelken überhaupt nicht und fliegen, nachdem sie ein-zweimal kontrollieren, flugs weg
    Wir haben dann unsere Ruhe
    Hinterher kommen die Nelken in ein verschließbares Glas und werden beim nächsten Draußenessen wieder herausgeholt. An sich bei unseren Wespen schon „rumgesprochen“ 😉

    • Mona
      27. Juli 2016
      Antworten

      Ein guter Rat. Danke. Ob wohl auch Kardamom hilft? Ich werds mal probieren.

    • Daria
      5. August 2017
      Antworten

      Liebe Mareike,
      das ist ein Super-Tipp!

    • Marlu Hubert
      17. August 2017
      Antworten

      Bei uns im Garten gab es in einem Mäuseloch ein Wespennest, direkt am Rande des Hauptweges. Wir konnten ungestört dicht an ihrem Ein-/Ausflugloch vorbeigehen. Einmal stand ich unaufmerksam mit dem Fuß ganz dicht (3 cm) neben dem Flugloch – da flogen die Tierchen doch sehr aufgeregt um meine nackten Beine herum. Die Erklärung, die sich für mich daraus ergibt: Sie kannten mich! Der Geruchssinn ist bei allen Tieren einer der wichtigsten Sinne – sie kannten meinen Geruch! Auch Besucher hatten nie Probleme, Menschen waren ihnen vertraut. Kommt man dagegen im Wald einem Wespennest zu nahe, muß man mit Angriffen rechnen. Und wenn wir sie versehentlich quetschen verteidigen sie ihr Leben – wer tut das nicht?

  6. Doris Graef
    27. Juli 2016
    Antworten

    Hallo Frau Bischoff,
    bei mir im naturnahen Garten mitten in einem Gewerbegebiet ist jedes Tier willkommen.
    Wespen hatte ich letztes Jahr im Vordach über der Haustür. Das Einflugloch war seitlich. Also haben die
    Wespen nicht gestört. Bzw. nur ich wusste davon 🙂
    Als Dank hatte ich keine Mücken, obwohl mein Garten halbschattig ist.
    Und als dann im Spätsommer der große Hunger auf Süßes kam, habe ich auf meinem Gartenregal flache Schalen mit Apfelsaft 2 x täglich aufgestellt.
    70 – 80 Wespen haben sich gefreut.
    Ich wurde nie gestochen. Auch nicht beim Fotografieren in Nahaufnahme.
    Da ich mich angemessen benehme, machen ‚meine Wespen‘ das auch.
    Viele Grüße aus Hannover

  7. 30. Juli 2016
    Antworten

    Super Artikel ich bin ja wirklich kein Freund von Insekten , Hab den Artikel aber dennoch aufmerksam gelesen. Danke für diese Information weiter …so Olaf

  8. 13. Februar 2017
    Antworten

    Wahnsinn und neben den ganzen Nützlichkeiten und Funktionen, welche die Wespe erfüllt, auch höchst faszinierend, ist schon alleine die Tatsache, dass nur die Königinnen überwintern und länger leben, als alle anderen Artgenossen. Man möge sich vorstellen, dies wäre beim Menschen das Gleiche..

    VG
    Stefan

  9. Daria
    5. August 2017
    Antworten

    Liebes Team,
    Frau Bischoff ist eine Autor-IN!! Warum schweigen Sie die Weiblichkeit tot?

    • 23. August 2017
      Antworten

      Hallo Daria, du hast natürlich völlig recht. Wir haben das nun auch geändert. Vielen Dank für deinen Hinweis. Liebe Grüße vom WWF

Einen Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.