Das gefähr­li­che Leben der Mee­res­schild­krö­ten


Meeresschildkröten im Netz: Sie sind durch Fischerei bedroht
Meeresschildkröten sind durch Fischerei bedroht - unter anderem © Philipp Kanstinger / WWF

Abschied ins Meer

Das Leben mit dem Pan­zer wirkt beschwer­lich, doch Schild­krö­ten gibt es schon sehr lan­ge auf der Welt, etwa 200 Mil­lio­nen Jah­re. Von den rund 350 Schild­krö­ten­ar­ten auf der Erde leben nur sie­ben im Meer. Sie stam­men aber von den Land- respek­ti­ve Süß­was­ser­schild­krö­ten ab. Sie haben sich vor mehr als hun­dert Mil­lio­nen Jah­ren ins Meer ver­ab­schie­det. Und haben alle tro­pi­schen und sub­tro­pi­schen Mee­re besie­delt.

Schla­fen unter­was­ser

Mee­res­schild­krö­ten sind für das Leben im Was­ser per­fekt ange­passt. Ihr Pan­zer ist fla­cher und strom­li­ni­en­för­mi­ger als der ihre Ver­wand­schaft an Land. Die Füße sind flos­sen­ar­tig. Man­che haben Schwimm­häu­te zwi­schen den Kral­len. Sie tau­chen zwi­schen 5 und 40 Minu­ten lang – und kön­nen beein­dru­cken­de vier bis sie­ben Stun­den schla­fend tau­chen, bevor sie wie­der an die Ober­flä­che müs­sen. Sie ver­lang­sa­men dabei ihren Stoff­wech­sel erheb­lich.

Meerschildkröte taucht auf
Tief Luft holen! © Anto­nio Busi­el­lo / WWF-US

Eine hal­be Ton­ne Schild­krö­te!

Die Meer­schild­krö­te größ­te ist die Leder­schild­krö­te: Sie kann bis zu 1,8 Meter lang und 500 Kilo­gramm schwer wer­den. Die kleins­te: Kemp’s Bas­tard­schild­krö­te (Lepi­do­chelys kem­pii) mit 50–80 Zen­ti­me­tern Pan­zer­län­ge.

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Bas­tard! Unecht!

Bas­tard­schild­krö­ten haben ihren wenig freund­li­chen Namen, da sie frü­her als Hybri­den zwi­schen der Grü­nen Mee­res­schild­krö­te und der Unech­ten Karett­schild­krö­te gal­ten. Die unter­schei­det sich von der Ech­ten Karett­schild­krö­te wie­der­um durch einen grö­ße­ren Kopf. Es ist kom­pli­ziert.

Die Pan­zer, das Meer und die Hei­mat: Wie pflan­zen sich Schild­krö­ten fort?

Kom­pli­ziert ist auch die Fort­pflan­zung, nicht nur wegen der Pan­zer: Mee­res­schild­krö­ten sind meist Ein­zel­schwim­mer, ver­brin­gen ihr gan­zes Leben im Meer und legen dabei Tau­sen­de von Kilo­me­tern zurück. Die Paa­rung fin­det meist an der Was­ser­ober­flä­che statt. Dann wird es anstren­gend für die Weib­chen: Nur die sie kom­men zur Eiab­la­ge an Land – und zwar an jenen Strand, an dem sie selbst geschlüpft sind. Je nach Art keh­ren die Tie­re in Abstän­den von etwa drei Jah­ren zur Paa­rung in Küs­ten­ge­wäs­ser zurück. Meist legt ein Weib­chen bis zu drei­mal in einer Sai­son Eier ab – je nach Art etwa 50 bis 200 run­de, wei­ße Eier.

Wie fin­den Schild­krö­ten ihren Geburts­strand wie­der?

Die Schild­krö­ten ori­en­tie­ren sich am Magnet­feld der Erde, wie die Forscher:innen er Uni­ver­si­tät North Caro­li­na her­aus­ge­fun­den haben. Ganz ähn­lich machen es übri­gens Zug­vö­gel.

Das Salz muss wie­der raus

Stich­wort Anpas­sung: Über Salz­drü­sen an den Augen schei­den sie stän­dig Salz aus, das die Mee­res­schild­krö­ten über das Meer­was­ser auf­neh­men und wie­der los­wer­den müs­sen.

Sup­pe und Bril­len

Der Mensch hat die Mee­res­schild­krö­ten in den letz­ten Jahr­hun­der­ten schwer dezi­miert. Der grau­se­li­ge Name der Art Aus­tra­li­sche Sup­pen­schild­krö­te (Nata­tor depres­sus) erin­nert noch dar­an, dass sie sehr ger­ne geges­sen wur­den. Dabei hat frü­her die tra­di­tio­nel­le und loka­le Nut­zung der Schild­krö­te als Eiweiß­quel­le den Bestand nie ernst­haft gefähr­det. Erst seit Schild­krö­ten­sup­pe zu einer Deli­ka­tes­se und Schild­patt zu exklu­si­ven Bril­len und Schmuck­stü­cken ver­ar­bei­tet wur­de, begann der bedroh­li­che Nie­der­gang vie­ler Popu­la­tio­nen. Übri­gens: Noch in den 1970er Jah­ren stand auch in Deutsch­land Schild­krö­ten­sup­pe auf der Spei­se­kar­te.

Coro­na-Not­spen­de: Hil­fe­ru­fe aus der gan­zen Welt

 

Was bedroht Meer­schild­krö­ten?

Meer­schild­krö­ten kön­nen wahr­schein­lich bis zu hun­dert Jah­re alt wer­den. Fress­fein­de haben sie weni­ge, wenn sie erst mal die gefähr­li­che Kind­heit über­stan­den haben. Es dro­hen aber vie­le Gefah­ren. Jedes Jahr enden hun­dert­tau­sen­de Tie­re als unge­woll­ter Bei­fang in Fischer­net­zen oder an Lang­lei­nen. Außer­dem wer­den die Brut­ge­bie­te der Rep­ti­li­en vie­ler­orts Opfer einer unge­brems­ten Strand­be­bau­ung und inten­si­ver tou­ris­ti­scher Nut­zung.

Der inter­na­tio­na­le Han­del mit Fleisch, Eiern und Schild­patt sind eigent­lich seit 1981 welt­weit ver­bo­ten. Die­ses Ver­bot wur­de aber erst 1994 wirk­lich durch­ge­setzt.

Mee­res­schild­krö­ten sind beson­ders gefähr­det durch Plas­tik­müll

Der Tisch der Mee­res­schild­krö­ten ist reich gedeckt. Je nach Art und Lebens­ab­schnitt fres­sen sie Plank­ton, Algen, See­gras, Muscheln, Tin­ten­fi­sche, Pflan­zen, Schne­cken, Fisch­ei­er, Qual­len, Koral­len, Tin­ten­fi­schen, Krebs­tie­ren, Krab­ben und noch manch ande­res mehr. Ihr Appe­tit auf Qual­len kann ihnen aller­dings zum Ver­häng­nis wer­den. Trei­ben­de Plas­tik­tü­ten sehen Qual­len lei­der zum ver­wech­seln ähn­lich aus – und immer mehr Schild­krö­ten ver­en­den dar­an.

Meeresschildkröte mit Plastiktüte
Mee­res­schild­krö­ten hal­ten Tüten für Qual­len © Troy May­ne / WWF

Hil­fe hilft!

Bei den Meer­schild­krö­ten haben wir es sogar wis­sen­schaft­lich bestä­tigt, dass sich unse­re Arbeit, die Arbeit aller Naturschützer:innen lohnt. Es gibt Pro­jek­te fast über­all, wo Schild­krö­ten leben, vom Pelo­pon­nes bis zu den Phil­ip­pi­nen. Strän­de wer­den bewacht, Nes­ter beschützt, Fische­rei umge­stellt. Lang­sam, lang­sam schei­nen sich man­che Bestän­de zu erho­len, wie das Sci­ence Mag schreibt.

Bald nur noch Männ­chen?

Alle die­se wun­der­ba­ren Erfol­ge könn­ten jedoch durch den Kli­ma­wan­del auf­ge­fres­sen wer­den. Bei Schild­krö­ten ist die Ver­tei­lung der Geschlech­ter näm­lich von äuße­ren Bedin­gun­gen abhän­gig. Wär­me und Feuch­tig­keit des Nests bestim­men, ob sich die Embry­os in den Schild­krö­ten­ei­ern zu Männ­chen oder Weib­chen ent­wi­ckeln. Durch die zuneh­men­de Erwär­mung ver­schiebt sich das Geschlechts­ver­hält­nis. Bei wär­me­ren Tem­pe­ra­tu­ren schlüp­fen mehr Weib­chen. An eini­gen Strän­den schlüp­fen inzwi­schen zu 99 Pro­zent Weib­chen. Bei Kro­ko­di­len ist es übri­gens umge­kehrt: Hier sind die Nach­kom­men durch die höhe­ren Tem­pe­ra­tu­ren immer öfter männ­lich.

Meeresschildkröte durch den WWF gerettet
Im Fischer­netz gefan­ge­ne Schild­krö­te befreit und wie­der frei­ge­las­sen © Peter Den­ton / WWF

Was macht der WWF?

Alles hängt mit allem zusam­men, wie schon der alte Hum­boldt erkann­te. Beson­ders gut zu erken­nen beim Schutz der Meer­schild­krö­ten. Es ist wich­tig, die Strän­de zur Eiab­la­ge zu beschüt­zen. Ja, das Han­dels­ver­bot muss kon­se­quent umge­setzt wer­den. Wir brau­chen eine ande­re Fische­rei. Durch soge­nann­te „turt­le exclu­der devices“ (TEDs) in den Net­zen kön­nen Schild­krö­ten ent­kom­men. In der Lang­lei­nen-Fische­rei hilft der Ein­satz von spe­zi­el­len run­den Haken, um den unge­woll­ten Bei­fang zu ver­hin­dern. Wir uns set­zen dafür ein, dass bis 2030 ein Drit­tel der Welt­mee­re unter Schutz zu stel­len. Der ste­ti­ge Ein­trag von Plas­tik­müll muss nach­hal­tig enden. Und letzt­end­lich wird nur eine Ver­rin­ge­rung des CO2-Aus­sto­ßes und die Bekämp­fung der Kli­ma­kri­se das Meer ret­ten. Wir arbei­ten an all die­sen Stell­schrau­ben. Es ist kom­plex. Und wir sind für jede Hil­fe dank­bar.

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3 Kommentare

  1. Avatar
    20. Juni 2020
    Antworten

    Die Men­schen haben den Tie­ren die Höl­le auf Erden gebracht. Wir müs­sen acht­sam mit unse­rer Umwelt umge­hen, damit sie sich wie­der erholt und die Tie­re elen­dig ster­ben. Das abhol­zen der Wäl­der, der gan­ze Plas­tik­müll es ist unfass­bar, wir müs­sen das ändern solan­ge es noch Zeit ist. Jeder muss sei­nen Bei­trag leis­ten, denn jeder Trop­fen gibt ein gan­zes Meer. Auf­hö­ren mit dem vie­len Fleisch essen, damit die Tie­re nicht so lei­den durch uns Men­schen.

  2. Avatar
    20. Juni 2020
    Antworten

    Berich­ti­gung … und die Tie­re N i c h t Elen­dig ster­ben

  3. Avatar
    Defne
    27. Juni 2020
    Antworten

    Das hat mir sehr gehol­fen ich habe einen Vor­trag über die Schild­krö­te 🐢

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