Lazarus-Effekt: Fünf ausgestorbene Tiere, die wieder auftauchten


Der urtümliche Quastenflosser wurde 1938 bei den Komoren wiederentdeckt. © Atypeek / iStock / Getty Images
Der urtümliche Quastenflosser wurde 1938 bei den Komoren wiederentdeckt. © Atypeek / iStock / Getty Images

Fast 30 Prozent der bekannten Tier- und Pflanzenarten weltweit sind laut der Internationalen Roten Liste in ihrem Bestand bedroht! Jedes Jahr verlieren wir unwiderruflich hunderte Arten, die sich über Jahrmillionen entwickelten. Weil wir Menschen ihre Lebensgrundlagen vernichten, ihre Lebensräumen zerstören und das Klima durch unsere Emissionen aufheizen. Hinzu kommt: Wir sammeln, jagen und fischen viele zu viele Tiere und Pflanzen.

Neuste Erhebungen gehen davon aus, dass sich das Aussterben durch menschliche Einflüsse um etwa den Faktor 1000 gegenüber der natürlichen Rate erhöht hat.

Lazarus-Effekt: Die Wiederkehr ausgestorbener Arten

Immer wieder gibt es aber auch Fälle, bei denen Tier- und Pflanzenarten wieder auftauchen, die schon als ausgestorben galten. Wie jüngst die Galapagos Riesenschildkröte Chelonoidis nigra phantasticus der Insel Fernandina. Wissenschaftler nennen es das Lazarus-Phänomen – nach dem Mythos von Lazarus, der von den Toten auferstanden sein soll. Hier sind fünf der prominentesten Fälle:

1) La-Gomera-Rieseneidechse

Die La-Gomera-Eidechse galt schon als ausgestorben, bis sie wiederentdeckt wurde. By Nanosanchez - Own work, Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2512193
Die La-Gomera-Rieseneidechse galt schon als ausgestorben, bis sie wiederentdeckt wurde. By Nanosanchez – Own work, Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2512193

Forscher beschrieben die Art erst im Jahr 1985 anhand von historischen Knochenfunden. Umso größer war die Überraschung, als spanische Biologen auf der berühmten ehemaligen Hippie-Insel sechs lebende Individuen fanden. Der Fundort war ein Steilhang direkt über einem Strand.

Von den bis zu einem halben Meter langen Tieren existieren heute rund 100 Tiere in Freiheit. Etwa 50 weitere leben in einer Zuchtanlage. Die Internationale Rote Liste führt die Art als vom Aussterben bedroht.

2) Chaco-Pekari

Erst 1974 wurden in Argentinien lebende Chaco-Pekari entdeckt. Gemeinfrei, Dave-Pape, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1791476
Erst 1974 wurden in Argentinien lebende Chaco-Pekari entdeckt.
Gemeinfrei, Dave-Pape, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1791476

Auch große Säugetiere können in schwer zugänglichen Lebensräumen lange unentdeckt bleiben. Taxonomen beschrieben die Chaco-Pekaris erstmals 1930 anhand von Knochenfunden. Man ging davon aus, dass sie ausgestorben wären. Erst 1974 bestätigten Wissenschaftler in Argentinien lebende Exemplare. Ihr Lebensraum ist das trockene, heiße und deshalb zumindest damals noch dünn besiedelte Chaco. Heute gelten sie in ihrem Verbreitungsgebiet in Argentinien, Paraguay und Bolivien als stark gefährdet. Denn das Chaco verliert große Flächen durch Rodung, aus denen Viehweiden und Soja-Plantagen entstehen.

3) Bayerische Kurzohrmaus

Im Jahr 2000 wurde im Tirol eine neue Population der Bayerischen Kurzohrmaus bestätigt CC BY-SA 4.0, Factadog, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=58250938
Im Jahr 2000 wurde im Tirol eine neue Population der Bayerischen Kurzohrmaus bestätigt
CC BY-SA 4.0, Factadog, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=58250938

Den Lazarus Effekt gibt es auch bei uns vor der Haustür. Die Bayerische Kurzohrmaus wurde erst 1962 bei Garmisch-Partenkirchen entdeckt. 23 Tiere wurden gefangen und als neue Art bestimmt. Und schon direkt danach galt sie wieder als verschollen. Erst im Jahr 2000 fanden Forscher im benachbarten Tirol eine neue Population.

Gerettet ist sie damit noch nicht. Trotz intensiver Nachsuche konnten weder in Deutschland noch in Österreich weitere Vorkommen festgestellt werden. Die IUCN stuft sie wegen ihres sehr kleinen Lebensraums und der dortigen Habitatzerstörung als „vom Aussterben bedroht“ (Critically Endangered) ein. In Deutschland gilt die Art weiterhin als ausgestorben.

4) Sehuencas-Wasserfrosch

Der vermeintlich letzte Sehuencas-Wasserfrosch lebte in Bolivien. Inzwischen wurden fünf weitere entdeckt. © Robin Moore / Global Wildlife Conservation
Der vermeintlich letzte Sehuencas-Wasserfrosch lebte in Bolivien. Inzwischen wurden fünf weitere entdeckt. © Robin Moore / Global Wildlife Conservation

Der Sehuencas-Wasserfrosch war eigentlich noch nicht ausgestorben. Nur sehr einsam. Der vermeintlich letzte seiner Art lebte alleine in einem Aquarium in einem Naturkundemuseum in Bolivien. Wissenschaftler entdeckten in einem Bach am Fuße eines Wasserfalls fünf Sehuencas-Wasserfrösche. Darunter auch Weibchen. Die Forscher hoffen, dass sich die Frösche fortpflanzen und so die seltene Art vor dem Aussterben bewahren.

5) Quastenflosser (Headerbild)

Die Wissenschaft war sich sicher: Den Quastenflosser gibt es nicht mehr. Und zwar seit fast 70 Millionen Jahren. Bis der urtümliche Fisch 1938 bei den Komoren wiederentdeckt wurde. 1997 fanden Zoologen vor der indonesischen Insel Sulawesi dann sogar noch eine sehr ähnliche zweite Art, den Manado-Quastenflosser (Latimeria menadoensis).

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Über mich
Arnulf Köhncke

Ich bin Ökologe und leite den Fachbereich Artenschutz beim WWF Deutschland. Seitdem ich vor einiger Zeit mal für knapp ein Jahr in Kambodscha gelebt und gearbeitet habe, bin ich von der Region Südost-Asien, seinen Menschen und seiner Natur fasziniert. Inzwischen arbeite ich allgemeiner an den Herausforderungen, bedrohte Arten zu schützen und dabei Umweltschutz und wirtschaftliche Entwicklung besser miteinander vereinbar zu machen. Meine Hauptarbeitsthemen sind Wilderei und der Handel mit illegalen Wildartenprodukten, vor allem Elfenbein und Nashornhorn. Gleichzeitig arbeite ich zum Schutz solcher bedrohter und ikonischer Arten wie den großen Menschenaffen, dem Eisbär, dem Großen Panda oder dem Sumatra-Nashorn.

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