Lebens­mit­tel­ver­schwen­dung: 313 Kilo­gramm Müll pro Sekun­de


Die traurige Wahrheit: Das große Wegschmeißen. © iStock / Getty Images
Die traurige Wahrheit: Das große Wegschmeißen. © iStock / Getty Images

Ange­fan­gen hat­te bei mir alles mit einer gro­ßen Fra­ge: Was ist eigent­lich „nach­hal­ti­ge” Ernäh­rung? Die­se ist jedoch nicht zu beant­wor­ten, ohne dass wei­te­re Fra­gen gestellt wer­den müs­sen, wie ich lei­der fest­stell­te. Wie vie­le Lebens­mit­tel lan­den denn eigent­lich in Deutsch­land im Müll? Und war­um über­haupt?

WWF-Stu­die: Das gro­ße Weg­schmei­ßen

Im Jahr 2012 haben wir die Stu­die “Ton­nen für die Ton­ne” ver­öf­fent­licht. Dar­in unter­such­ten wir, was es mit der Lebens­mit­tel­ver­schwen­dung auf sich hat. Inzwi­schen ist es zu mei­nem Schwer­punkt­the­ma gewor­den – beruf­lich für den WWF, aber auch für mich ganz pri­vat. Denn schon die ers­ten Ergeb­nis­se zeig­ten uns, dass wir uns die­se absur­de Ver­schwen­dung in Zukunft ganz sicher­lich nicht mehr leis­ten kön­nen und soll­ten. Mit unse­rer neu­en Stu­die “Das gro­ße Weg­schmei­ßen” nähern wir uns die­sem The­ma noch ein­mal und zei­gen auf, wer vom Acker bis zum Tel­ler wel­chen Anteil an der Lebens­mit­tel­ver­schwen­dung trägt und vor allem, wie hoch das Ver­mei­dungs­po­ten­zi­al ist.

Hilf mit, die Lebens­mit­tel- ver­schwen­dung zu been­den: Unter­schrei­be unse­re Peti­ti­on an den Deut­schen Bun­des­tag!

Lebensmittelverluste entlang der Wertschöpfungskette in Deutschland © WWF
Lebens­mit­tel­ver­lus­te ent­lang der Wert­schöp­fungs­ket­te in Deutsch­land © WWF

Unvor­stell­ba­re 1,3 Mil­li­ar­den Ton­nen ess­ba­rer Lebens­mit­tel wer­den laut der FAO (Food and Agri­cul­tu­re Orga­ni­za­ti­on of the United Nati­ons) der­zeit unnö­ti­ger­wei­se weg­ge­wor­fen. Deutsch­land macht bei der Ver­schwen­dung kei­ne Aus­nah­me. Über 18 Mil­lio­nen Ton­nen an Lebens­mit­teln lan­den bei uns pro Jahr im Müll. Dies ent­spricht fast einem Drit­tel des aktu­el­len Nah­rungs­mit­tel­ver­brauchs Deutsch­lands (54,5 Mil­lio­nen Ton­nen). Und: Bereits heu­te wären davon fast 10 Mil­lio­nen ver­meid­bar.

Unser Ver­hal­ten ist öko­lo­gi­scher Wahn­sinn

Die­se Zah­len sind erschre­ckend. Sie zei­gen, wie unver­ant­wort­lich unser Umgang mit Nah­rungs­mit­teln ist. 10 Mil­lio­nen Ton­nen — 313 Kilo­gramm pro Sekun­de. Das ist nicht nur mora­lisch ver­werf­lich, son­dern auch öko­lo­gi­scher Wahn­sinn — eine Res­sour­cen­ver­schwen­dung von unge­heu­rem Aus­maß. Erst recht, wenn es tie­ri­sche Lebens­mit­tel sind, die ein­fach weg­ge­schmis­sen wer­den.

Lebensmittelverschwendung konkret am Beispiel Kartoffeln. © WWF
Lebens­mit­tel­ver­schwen­dung kon­kret am Bei­spiel Kar­tof­feln. © WWF

Um das zu erklä­ren, ist es wich­tig zu wis­sen, wie unser Essen her­ge­stellt wird. Um 10 Mil­lio­nen Ton­nen über­haupt erst ein­mal zu pro­du­zie­ren, wer­den schät­zungs­wei­se 2,6 Mil­lio­nen Hekt­ar Anbau­flä­che benö­tigt. Das ent­spricht einer Flä­che so groß wie Meck­len­burg-Vor­pom­mern und das Saar­land zusam­men. Aber das ist noch nicht alles: Für 10 Mil­lio­nen Ton­nen Lebens­mit­tel wer­den zudem 22 Mil­lio­nen Ton­nen Treib­haus­gas in die Atmo­sphä­re gebla­sen (Dün­gung, Trans­port, Lage­rung usw.). Das ent­spricht der Kli­ma­be­las­tung einer 180 Mil­li­ar­den Kilo­me­ter lan­gen Auto­fahrt. Alles für Essen, wel­ches irgend­wann im Müll lan­det.

Bis 2020 Lebens­mit­tel­ver­schwen­dung um 50% redu­zie­ren

Drei Mülltonnen voller Lebensmittel werden in Deutschland pro Sekunde einfach weggeschmissen. © Robert Günther / WWF
Drei Müll­ton­nen vol­ler Lebens­mit­tel wer­den in Deutsch­land pro Sekun­de ein­fach weg­ge­schmis­sen. © Robert Gün­ther / WWF

Die eige­nen Ver­hal­tens­wei­sen zu ändern, ist schwie­rig genug. Eine gesamt­ge­sell­schaft­li­che Dis­kus­si­on in Gang zu brin­gen, in der alle – vom Land­wirt über den Wei­ter­ver­ar­bei­ter bis hin zum Restau­rant­be­sit­zer — in die Pflicht genom­men wer­den, noch ein­mal schwie­ri­ger. Aber genau das ist unser Ziel. Denn fest steht: Lebens­mit­tel­ver­schwen­dung will kei­ner und sowohl die EU als auch die Bun­des­re­gie­rung Deutsch­lands haben sich bis 2020 das Ziel gesetzt, die­se Abfäl­le zu hal­bie­ren.

Nur: Pas­siert ist bis­lang gar nichts

Es gibt kei­ne natio­na­le Stra­te­gie, kei­nen Akti­ons­plan, der dar­legt, wie die­ses Ziel erreicht und vor allem wie es gemes­sen und kon­trol­liert wer­den soll­te. Nach wie vor ist auch die Daten­grund­la­ge, wie viel Lebens­mit­tel­ab­fall wo ent­lang der Wert­schöp­fungs­ket­te anfällt, nicht aus­rei­chend. Die Schät­zun­gen für den Bereich Lebens­mit­tel­in­dus­trie rei­chen von 210.000 Ton­nen bis zu 4.580.000 t pro Jahr. Da fragt man sich, bei wel­chem Wert die Hälf­te erreicht sein soll.

Der WWF for­dert die Bun­des­re­gie­rung auf, noch in 2015 mit der Erar­bei­tung eines natio­na­len Akti­ons­plans zu begin­nen, der alle Akteu­re ent­lang der Wert­schöp­fungs­ket­te mit in die Pflicht nimmt. Die Ergeb­nis­se des Akti­ons­plans soll­ten Grund­la­ge für die Ent­wick­lung einer natio­na­len Stra­te­gie gegen Lebens­mit­tel­ver­schwen­dung sein, die kon­kre­te Zie­le und Arbeits­auf­ga­ben ent­hal­ten soll­te: Daten­lü­cken soll­ten so schnell wie mög­lich gefüllt wer­den; bran­chen­spe­zi­fi­sche Hand­lungs­leit­fä­den (gute fach­li­che Pra­xis) erar­bei­tet und eine gesamt­ge­sell­schaft­li­che Dis­kus­si­on ange­sto­ßen wer­den.

 

UNFASSBAR: 313 Kilo genieß­ba­res Essen lan­den pro Sekun­de in Deutsch­land im Müll! Die nega­ti­ven Aus­wir­kun­gen auf die…

Posted by WWF Deutsch­land on Don­ners­tag, 18. Juni 2015

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Über mich
Tanja Dräger

Ernährung. Landwirtschaft. Artenvielfalt. Alles Themen, die mich umtreiben. Mich beruflich und privat beschäftigen. Die Spaß machen. Seit 2005 für den WWF. Seit 2007 als lang angelegter Versuch in unserer vierköpfigen Familie – als Fischkopf aus dem Norden kommend, die zweite Hälfte vom Äquator. Woher kommt unser Essen? Auch bei uns ein ganz private Frage. Und ein Dazulernen ohne Ende.

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