Das 11. Gebot: Die Umwelt-Enzy­kli­ka von Papst Fran­zis­kus


Papst Franziskus findet klare Worte: Wir Menschen sind für den Klimawandel verantwortlich und stehen demnach auch in der Pflicht, etwas dagegegen zu unternehmen. © iStock / Getty Images
Papst Franziskus findet klare Worte: Wir Menschen sind für den Klimawandel verantwortlich und stehen demnach auch in der Pflicht, etwas dagegegen zu unternehmen. © iStock / Getty Images

Unmiss­ver­ständ­li­che Wor­te aus Rom. Papst Fran­zis­kus spricht mit sei­ner heu­te ver­öf­fent­lich­ten Enzy­kli­ka Klar­text:

Das Kir­chen­ober­haupt for­dert nicht weni­ger als das Ende des fos­si­len Zeit­al­ters und benennt den Men­schen als ein­deu­tig Haupt­schul­di­gen für die Erwär­mung des Kli­mas:

(…) zahl­rei­che wis­sen­schaft­li­che Studi­en zei­gen, dass der größ­te Teil der glo­ba­len Erwär­mung der letz­ten Jahr­zehn­te auf die star­ke Kon­zen­tra­ti­on von Treib­haus­ga­sen (Koh­len­di­oxid, Methan, Stick­stoff­oxi­de und ande­re) zurück­zu­füh­ren ist, die vor allem auf­grund des mensch­li­chen Han­delns aus­ge­sto­ßen wer­den.

Rücken­wind für die Kli­ma­kon­fe­renz in Paris

Dies ist ein wei­te­res, wich­ti­ges Signal für den welt­wei­ten Kli­ma­schutz nach der öffent­li­chen Erklä­rung der Staats- und Regie­rungs­chefs der G7-Staa­ten in Elmau. Das gibt Rücken­wind für die nächs­te Run­de der inter­na­tio­na­len Kli­ma­ver­hand­lun­gen in Paris (COP21), für ein neu­es glo­ba­les Kli­ma­schutz­ab­kom­men und die Dekar­bo­ni­sie­rung der Welt­wirt­schaft bis mög­lichst 2050. Gut auch, dass sich der Papst ent­schie­den den Leug­nern und Skep­ti­kern des Kli­ma­wan­dels ent­ge­gen­stellt. Und er nimmt die Poli­tik in die Pflicht:

Dar­um ist es drin­gend gebo­ten, poli­ti­sche Pro­gram­me zu ent­wi­ckeln, um in den kom­men­den Jah­ren den Aus­stoß von Koh­len­di­oxid und ande­ren stark ver­un­rei­ni­gen­den Gasen dras­tisch zu redu­zie­ren, zum Bei­spiel indem man die Ver­bren­nung von fos­si­lem Kraft­stoff ersetzt und Quel­len erneu­er­ba­rer Ener­gie ent­wi­ckelt.“

Die Mensch­heit ist gefor­dert

Aber auch jeder und jede Ein­zel­ne kann einen Bei­trag leis­ten. Der Papst for­dert eine Abkehr von einem sich immer wei­ter ver­brei­ten­den, zer­stö­re­ri­schen Lebens­stil, der auf Kos­ten der Natur und der Men­schen ins­be­son­de­re in den ärme­ren Län­dern geht. Das gemein­sa­me Haus der Mensch­heit (Was­ser, Böden, Bio­di­ver­si­tät) dür­fe nicht wei­ter zer­stört wer­den. Die Bedeu­tung der Schöp­fung und der Natur müs­se ins­ge­samt in den Vor­der­grund gerückt wer­den. Damit gibt der Pon­ti­fex wich­ti­ge Ant­wor­ten auf die bren­nends­ten Zukunfts­fra­gen.

Für den WWF bedeu­tet das wich­ti­ge und pro­mi­nen­te Unter­stüt­zung im Kampf gegen die Aus­beu­tung der letz­ten wert­vol­len Natur­schät­ze auf der Welt.

Auf­trag für die Katho­li­sche Kir­che in Deutsch­land

Das fast 100-sei­ti­ge Schrei­ben des Kir­chen­ober­haupts gibt auch den deut­schen Bischö­fen eini­ges mit auf den Weg. Zwar zeigt sich die Katho­li­sche Kir­che hier­zu­lan­de gegen­über Umwelt- und Natur­schutz­fra­gen offen: Kir­chen­ge­bäu­de wer­den mit­un­ter mit Solar­an­la­gen aus­ge­stat­tet und auf Glo­cken­tür­men nis­ten wie­der Eulen und Fle­der­mäu­se. Aber der Papst geht deut­lich wei­ter und for­dert einen nach­hal­ti­gen Lebens­stil und umwelt­scho­nen­des Wirt­schaf­ten.

Die römisch-katho­li­sche Kir­che ist mit ver­mut­lich weit über 8.000 Qua­drat­ki­lo­me­tern Grund­ei­gen­tum (eine Flä­che halb so groß wie Thü­rin­gen) größ­ter pri­va­ter Grund­be­sit­zer in Deutsch­land. Genau hier gilt es, die Wor­te des Paps­tes mit Leben zu fül­len und die­se eige­nen Flä­chen nach­hal­tig zu ver­wal­ten. Papst Fran­zis­kus hat den Natur­schutz zur Chef­sa­che gemacht. Jetzt kommt es dar­auf an, dass sei­ne Bot­schaft auf allen Ebe­nen der Kir­chen­hier­ar­chie ankommt und ent­spre­chend umge­setzt wird.

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Über mich
Marco Vollmar

Ich bin Panda-Fan und leidenschaftlicher Kommunikator in der Geschäftsleitung beim WWF Deutschland. Verantwortlich für die Kampagnen, die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, die Kommunikation in den sozialen Kanälen, die Bildungsarbeit und das politische Lobbying. Vorher habe ich bei der Deutschen Welle das deutsche Radio- und Online-Programm geleitet. Ehrenamtlich engagiere ich mich für die Internationalen Journalistenprogramme IJP e.V. und organisiere jährlich einen Journalistenaustausch zwischen Deutschland und dem südlichen Afrika.

3 Kommentare

  1. Avatar
    Vassilios
    20. Juni 2015
    Antworten

    Ex Roma Lux. Der Papst ist zu sei­ner dif­fe­ren­zier­ten Ver­mäh­lung von “kon­ser­va­tiv” und “nach­hal­tig” nur zu beglück­wün­schen. Bleibt zu hof­fen, daß dies auch so in den Gemein­den ankommt und sich in tat­säch­li­chem Wan­del statt nur in Lip­pen­be­kennt­nis­sen und Drit­te-Welt-Basa­ren nie­der­schlägt.

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    Elvira Bothor
    25. Juni 2015
    Antworten

    Schö­ne Wor­te des Paps­tes. Was ich aber stark ver­mis­se ist das haupt­säch­li­che Ver­ur­sa­cher­the­ma der Treib­haus­ga­se (Koh­len­di­oxid, Methan), die Mas­sen­tier­hal­tung und den Fleisch­ver­zehr der Men­schen. Zu die­sem Men­schen­kreis zählt vor­bild­lich die Kir­che. Lach­haft auch zum The­ma das 5 Gebot (du sollst nicht töten), hier hat es die Kir­che bis heu­te noch nicht geschaft die­sen Uhr­zeit Irr­tum zu revi­die­ren. Wer­den wir es jeh­mals erle­ben, dass alle Geschöp­fe Got­tes gleich­ge­stellt sind.

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    Thomas Brueckner
    25. Juli 2015
    Antworten

    Schon komisch dass sich die Kir­che und der Vati­kan auf ein­mal nach tau­sen­den von Jah­ren der Ver­un­glimp­fung Jesus, des Chris­tus; dar­auf bestehen die Schöp­fung zu erhal­ten und schö­ne Wor­te fin­den. Waren es doch immer wie­der die kirch­li­chen Obrig­kei­ten die zu Völ­ker­mord, Hexen­ver­bren­nun­gen, Ket­zer­ver­fol­gung und Krie­gen befür­wor­tet haben und Ihren Segen dazu gaben. Hät­te man vor mehr als 100 Jah­ren sol­che Wor­te gefun­den und auch danach gehan­delt, dann wäre die­se unse­re Erde ein wun­der­ba­rer Wohn­pla­net, so zu sagen ein Para­dies für Mensch, Natur und Tie­ren. Doch die Gier nach Pro­fit und Macht war eben grö­ßer als die Ver­nunft und den Erhalt der Schöp­fung Got­tes.

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