Sumatra-Nashorn retten: Tams Tod und neue Hoffnung


Sumatra-Nashorn retten: Tam in seinem Reservat auf Borneo
Tam ist tot. Borneo Rhino © Alliance/dpa

Mit dem Tod des 35 Jahre alten Bullen Tam ist das Sumatra-Nashorn in Malaysia quasi ausgestorben. In dem südostasiatischen Land gibt es nur noch ein einziges weibliches Sumatra-Nashorn namens Iman.

Alle Hoffnungen ruhen jetzt auf Indonesien. Es bleibt nun das einzige Land, das eine fortpflanzungsfähige Population von Sumatra-Nashörnern hat. Nicht einmal 80 Tiere streifen noch durch die indonesischen Regenwälder. Sie leben verteilt auf neun isolierte Populationen. Wilderei und vor allem die fortschreitende Lebensraumzerstörung haben die Art bis kurz vor das Aussterben gebracht.

Der Plan: So wollen wir das Sumatra-Nashorn retten

Sumatra-Nashörner sind so wenige, dass Experten heute glauben, die Isolation sei die größte Bedrohung für den Fortbestand der Art ist. Doch wir arbeiten daran, das Überleben der letzten Tiere zu sichern. Und dass es wieder mehr werden.

Der Plan ist, möglichst viele, in den Wäldern isoliert lebende und fortpflanzungsfähige Sumatra-Nashörner aufzuspüren und einzufangen. Dann wollen wir die Tiere in Schutzzentren bringen, wo sie hoffentlich viele kleine neue Sumatra-Nashörner zur Welt bringen.

In diesem aufwändigen Rettungsprogramm arbeiten wir mit einer ganzen Reihe von Partnern. Gemeinsam mit der indonesischen Regierung, der Weltnaturschutzunion IUCN, dem National Geographic, der International Rhino Foundation und Global Wildlife Conservation wollen wir die Fortpflanzung in Gefangenschaft intensivieren, und außerdem die letzten wild lebenden Populationen des Sumatra-Nashorns zu schützen.

Gute Nachrichten von Sumatra-Nashorn Pahu

Die gute Nachricht ist: Ende 2018 konnten wir eine neue Nashorn-Dame namens Pahu in eine neue Zuchtstätte in Kelian bringen. Soweit das die Experten bisher sagen können, scheint Pahu reproduktiv gesund zu sein. Ihr geht es gut in ihrem neuen Zuhause. Und mit etwas Glück hat sie bald Gesellschaft. Jüngste Unteruchungen zeigen, dass es in den Wäldern von Kalimantan noch andere Nashörner gibt – was nicht nur mir neue Hoffnung gibt.

Komplizierte Fortpflanzung

Wir alle wissen: Das Sumatra-Nashorn zu retten ist fraglos ein sehr ambitioniertes Programm, wie ich schon hier einmal näher erklärt habe. Nicht nur das Fangen, auch die Fortpflanzung der Nashörner ist kompliziert. Die Fortpflanzungsrate des Sumatra-Nashorns ist ohnehin sehr niedrig. Dazu kommt noch erschwerend, dass viele der noch lebenden Tiere aufgrund ihrer langjährigen Isolation in freier Wildbahn unfruchtbar sein könnten. Die Weibchen können an ihren Fortpflanzungsorganen Zysten und Myome entwickeln, wenn sie zu lange ohne Paarung bleiben.

Es ist schwierig, es ist spannend. Aber uns bleibt keine andere Wahl. Die Alternative wäre dabei zuschauen, wie nach Tam auch die letzten Sumatra-Nashörner sterben oder für ihr Horn getötet werden. Die Uhr tickt für die kleinste Nashornart der Welt. Ohne unsere Hilfe ist der Artentod in wenigen Jahren vorprogrammiert.

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Über mich
Michael Zika

Ich bin ein Wiener Ökologe, der nun in Berlin lebt um sich dem Naturschutz in Asien zu widmen. Unverbesserlicher Optimist. Ich glaube, dass Vernunft und Naturverständnis über Konsumzwang und Erschließungsdrang des Menschen siegt, bevor die letzte Wildnis verschwunden ist. Wir müssen den Schwund der Arten, Wälder und frei fließenden Flüsse jetzt stoppen und endlich einen echten nachhaltigen Weg bei der Land- und Ressourcennutzung einschlagen.

1 Kommentar

  1. Es ist schlimm, was der Mensch alles anrichtet. So viele Arten stehen kurz vor dem Aussterben! Schaut man sich an, dass Botswana die Elefantenjagd wieder legalisiert hat, man das Gefühl der Mensch lernt es nie. Nur weil sich die Art leicht erholt hat und aus wirtschaftlichen Gründen gejagt werden müsse. Es ist 5 vor 12 mit allem! Ob Klimawandel, Artenschwund oder massive Umweltverschmutzung…

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