Sein oder Nicht-Sein für das Suma­tra Nas­horn


Sumatra Nashorn
Letzte Chance für Sumatra Nashorn © WWF-Indonesia / Gert Polet

Es gibt sie noch: Ibe­ri­sche Luch­se, Gold­lö­wen­äff­chen, den kali­for­ni­schen Kon­dor und die ara­bi­sche Oryx-Anti­lo­pe. Sie haben nur über­lebt, weil die letz­ten Exem­pla­re ein­ge­fan­gen, in auf­wän­di­gen Zucht­pro­gram­men ver­mehrt und ihre Nach­kom­men irgend­wann wie­der aus­ge­wil­dert wer­den konn­ten. Jetzt soll das Suma­tra Nas­horn das nächs­te Tier sein, das über­lebt.

Die Stra­te­gie ist teu­er und längst nicht immer erfolg­reich. Der jüngs­te Fehl­schlag ist der Tod „Sudans“,  des letz­ten nörd­li­chen Breit­maul­nas­horn­bul­len in einem Gehe­ge in Kenia.

Erfol­ge der Nas­horn­zucht

Sudan“ ist für mich ein Mahn­mal. Spe­zi­ell für den Nas­horn­schutz. Für das mensch­li­che Bei­tra­gen zum Ver­schwin­den einer Art. Aber dass Zucht­pro­gram­me auch beim Nas­horn funk­tio­nie­ren, zei­gen die unglaub­li­chen Erfol­ge des Breit­maul­nas­horns und des Spitz­maul­nas­horns in Afri­ka, die durch akti­ves Manage­ment vom Aus­ster­ben geret­tet wer­den konn­ten. Auch die Popu­la­tio­nen des Indi­schen Nas­horns konn­ten sich durch geziel­te Über­sie­de­lungs­pro­gram­me und stren­ge Schutz­maß­nah­men, vor allem in Nepal und Indi­en, wie­der erho­len.

Die­se Erfah­run­gen gilt es nun nach Indo­ne­si­en zu trans­fe­rie­ren — und mit der glei­chen Anstren­gung das Suma­tra Nas­horn zu ret­ten.

Zum ers­ten mal seit 80 Jah­ren droht eine Gat­tung aus­zu­ster­ben

Ich bin gera­de aus Indo­ne­si­en zurück­ge­kehrt, wo die Vor­be­rei­tun­gen für den Start eines groß ange­leg­ten Ret­tungs­plans auf Hoch­tou­ren lau­fen – für den nächs­ten Ver­wand­ten des vor 10.000 Jah­ren aus­ge­stor­be­nen Woll­nas­horns. Und genau die­ses Schick­sal wol­len wir dem Suma­tra Nas­horn erspa­ren. Und es wür­de mit dem Suma­tra-Nas­horn nicht nur eine Art aus­ster­ben, son­dern die gan­ze Gat­tung eines Land­säu­ge­tiers. Dies ist zuletzt 1936 mit dem Tas­ma­ni­schen Tiger pas­siert.

Aller­dings braucht es dazu eine gewal­ti­ge Kraft­an­stren­gung und einen Para­dig­men­wech­sel der bis­he­ri­gen Poli­tik. Nur mit Patrouil­len und dem ver­bes­ser­ten Manage­ment eini­ger Natio­nal­parks lässt sich das Pro­blem nicht mehr lösen. Des­we­gen haben sich 2017 alle in den Schutz die­ser bedroh­ten Art invol­vier­ten NGOs, füh­ren­de Wis­sen­schaft­ler und Regie­rungs­ver­tre­ter von Indo­ne­si­en auf eine gemein­sa­me Vor­ge­hens­wei­se geei­nigt, die mit dem Dog­ma des Schut­zes in der frei­en Wild­bahn bricht.

Suma­tra Nas­horn fan­gen — und züch­ten

Wie ich schon in mei­nem Blog letz­ten Jah­res geschrie­ben habe, müs­sen wir die Tie­re nun fan­gen und in soge­nann­te „Sanc­tua­ries“ über­stel­len. Etwa drei die­ser Ein­rich­tun­gen soll es zukünf­tig geben in Suma­tra und Bor­neo. Alle Tie­re sol­len als gemein­sa­me Popu­la­ti­on betrach­tet und gene­ti­sches Mate­ri­al hin- und her­ge­tauscht wer­den. Über­grei­fend muss, basie­rend auf dem einem bereits exis­tie­ren­den Sanc­tua­ry in Way Kam­bas auf Suma­tra,  ein natio­na­les Zucht­pro­gramm auf­ge­baut wer­den, inklu­si­ve künst­li­cher Befruch­tung. Aber auch die soge­nann­te Fort­ge­schrit­te­ne Repro­duk­ti­ons­tech­no­lo­gie wird eine Rol­le spie­len. Wo man aus Zel­len der Tie­re Game­ten trans­for­miert und dann mit­tels In Vitro Befruch­tung Embry­os erzeugt. Klingt hoch­kom­plex. Und ist es auch. Klingt nicht nach klas­si­schem Natur­schutz, und ist es auch nicht. Aber es not­wen­dig alle uns zur Ver­fü­gung ste­hen­den Mit­tel aus­zu­schöp­fen, um die Krea­tur vor dem Aus­ster­ben zu bewah­ren.

Es sind nur noch 50 Suma­tra-Nas­hör­ner übrig

Das Suma­tra-Nas­horn gilt mit geschätzt weni­ger als 100, wahr­schein­lich sogar weni­ger als 50 Exem­pla­ren als eines der sel­tens­ten Säu­ge­tie­re der Welt. Vie­le der Tie­re leben iso­liert und strei­fen allein durch die Wäl­der Indo­ne­si­ens. Hin­zu kommt, dass die Frucht­bar­keit bei län­ger iso­liert leben­den Tie­ren stark abnimmt: Ein wei­te­res Hin­der­nis für eine erfolg­rei­che Schwan­ger­schaft.

Sumatra Nashorn in Schlammkuhle
Das Suma­tra Rhi­no­ce­ros (Diceror­hi­nus suma­t­ren­sis) liebt Matsch © David Law­son / WWF-UK

Der Count­down bis zum Unter­gang der Art läuft. Aber wir haben in den letz­ten Mona­ten inten­siv mit Regie­rung und Part­nern an der Suche der ver­blei­ben­den Tie­re gear­bei­tet. Auf­grund der immer­wäh­ren­den Gefahr durch Wil­de­rei kön­nen wir nicht detail­liert erläu­tern, wie es genau um unse­re gewon­nen Kennt­nis­se steht. Aber es sei ver­ra­ten. Wir haben eini­ge Tie­re in teil­wei­se unzu­gäng­li­chem Gelän­de iden­ti­fi­zie­ren kön­nen, die für das Zucht­pro­gramm geeig­net sind.

Ret­tung des Suma­tra Nas­horns — unter Zeit­druck

Und eines kann ich noch ver­ra­ten: Wir berei­ten gera­de für ein Suma­tra Nas­horn eine Ret­tungs­ak­ti­on vor — eine Nas­horn­kuh im fort­pflan­zungs­fä­hi­gen Alter. Das macht Mut. Das Tier ist jedoch mas­siv bedroht, denn es lebt in einer Gegend, die von wei­te­rem Kahl­schlag bedroht ist. Ein Koh­le­ta­ge­bau­ge­biet frisst sich immer tie­fer in den Wald. Zudem trei­ben Wil­de­rer hier ihr Unwe­sen und wir befürch­ten, dass sich unse­re Akti­vi­tä­ten rum­spre­chen könn­ten.

Plan mit Risi­ko

Wir arbei­ten mit Hoch­druck mit den Behör­den, Tier­ärz­ten, der Wis­sen­schaft und Kol­leg­ne von ande­ren NGOs an die­sem Ret­tungs­plan. Doch unse­re Mis­si­on bleibt ein ris­kan­tes Unter­fan­gen. Fang, Betäu­bung und Trans­port sind für die Tie­re megast­res­sig. Fin­ger­spit­zen­ge­fühl und äußers­te Vor­sicht sind gebo­ten. Hier­für benö­tigt man Vete­ri­nä­re mit lang­jäh­ri­ger Erfah­rung und Spe­zi­al­wis­sen zum Umgang mit Rhi­nos.

In der Ver­gan­gen­heit kam es bei sol­chen Ver­su­chen lei­der auch schon zu einem Todes­fall. 2016 starb ein Tier in einem Über­gangs­ge­he­ge, kurz nach der Fang­ak­ti­on. An Nie­ren­ver­sa­gen, Stress und einer ent­zün­de­ten Wun­de. Für das Tier kam lei­der die Ret­tung zu spät. Der Tod des Tie­res war eine Tra­gö­die. Aber wir pro­bie­ren es wie­der und haben uns peni­bel dar­auf vor­be­rei­tet. Die Vor­be­rei­tun­gen lau­fen nun bereits seit einem Jahr, das invol­vier­te Per­so­nal hat sich Trai­nings und Simu­la­tio­nen unter­zo­gen und inter­na­tio­na­le Exper­ten wur­den ein­ge­bun­den. Nichts-Tun ist kei­ne Opti­on.

Dau­men drü­cken für die Rhi­nos

Ihr müsst mit mir gemein­sam die Dau­men drü­cken, dass die Akti­on dies­mal glück­li­cher ver­läuft. Das Hof­fen auf ein Hap­py End wird geteilt von vie­len Unter­stüt­zern und Orga­ni­sa­tio­nen wie der IUCN, Natio­nal Geo­gra­phic , Glo­bal Wild­life Con­ser­va­ti­on, der Bor­neo Rhi­no Alli­an­ce und vie­len vie­len ande­ren. Sie alle sind sich der Risi­ken des Unter­fan­gens bewusst. Sie wis­sen zugleich,  dass es kei­ne Alter­na­ti­ve sein kann, dem Schick­sal sei­nen Lauf zu las­sen und die Hän­de in den Schoß zu legen. Wer kämpft, kann ver­lie­ren. Wer auf­gibt hat von vorn­her­ein ver­lo­ren.

Wir hal­ten Euch auf dem Lau­fen­den und hof­fen bald von die­sem und ande­ren erfolg­rei­chen Fän­gen und Über­stel­lun­gen berich­ten zu kön­nen.

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2 Kommentare

  1. Avatar
    Winfried Wastl
    6. Mai 2018
    Antworten

    Lie­ber Micha­el,
    Dein Ein­satz für den Schutz von bei­na­he aus­ge­rot­te­ten Tie­ren wie dem Suma­tra-Nas­horn und so vie­le ande­re Arten und Gat­tun­gen, die die­se “Zivi­li­sa­ti­on” dabei ist, auzu­rot­ten. Die­se Dei­ne Arbeit mit so vie­len Wis­sen­schaft­lern, Regie­rungs­ver­tre­tern, ande­ren Tier­schutz­or­ga­ni­sa­ti­on ist von einem uner­mess­li­chen Wert.
    Für mich ist es so, wenn irgend­ei­ne Gat­tung oder Art auf die­sem Pla­ne­ten für immer ver­schwin­det, ist die­se Erde nicht mehr die­sel­be. Mit dem Ver­schwin­den einer Art oder Gat­tung ver­liert die­se Erde etwas von unglaub­li­chem Wert, und dies ist vie­len Men­schen nicht bewusst. Das ist das Trau­ri­ge.
    Ich wün­sche Dir und Dei­nen Freun­den und Kol­le­gen Aus­dau­er und ein star­kes Herz, das auch bei Rück­schlä­gen sich nicht irri­tie­ren lässt, damit die­ser wun­der­ba­re Pla­net mit all sei­nen “Bewoh­nern” erhal­ten bleibt.
    Herz­li­che Grü­ße von Win­fried

  2. Avatar
    Laurens
    26. Juni 2018
    Antworten

    Hal­lo,
    ich fin­de das immer sehr trau­rig das Tie­re nur wegen einer Sache getö­tet wer­den. Noch schlim­mer ist es in die­sem Fall, wo eine gan­ze Ras­se vor dem Aus­ster­ben steht.
    Ich habe mich jedoch immer gefragt ob es nicht zu Pro­ble­men kommt, wenn nur noch so weni­ge Tie­re gibt ich mei­ne jetzt mit dem Gen Pol. So könn­te sich die Ras­se doch gar nicht mehr erho­len da die Babys Gen defek­te auf­wei­sen?

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