Deut­sche, Scha­len und unglaub­li­che Men­gen — 5 Fak­ten zu Kar­tof­feln


Ein Berg von Kartoffeln
Es gibt mehrere tausend Arten © iStock / Getty Images

1. Scha­len sind (oft) doch nicht gesund

Habt ihr bestimmt auch schon mal gehört: Das Gesun­de der Kar­tof­fel steckt in der Scha­le. Das stimmt lei­der nicht immer. Wie fast alle Obst und Gemü­se­sor­ten haben Kar­tof­feln eine Scha­le, die sie schützt. Kar­tof­feln haben — wie fast alle Pflan­zen — ja das Pro­blem, dass sie vor Fraß­fein­den nicht weg­lau­fen kön­nen. Um sich vor deren Zugriff oder Pil­zen zu schüt­zen hat die klu­ge Kar­tof­fel einen beson­de­ren Abwehr­me­cha­nis­mus ein­ge­baut. Es sind Bit­ter­stof­fe in der Scha­le, die ab einer gewis­sen Kon­zen­tra­ti­on auch gesund­heits­schäd­lich sein kön­nen. Jun­ge Kar­tof­feln haben noch eine dün­ne Scha­le, aber je älter eine Kar­tof­fel ist, des­to dicker wird auch die Scha­le. Daher gilt: Bis auf die ganz jun­gen soll­te jede Kar­tof­fel vor dem Ver­zehr geschält wer­den. Dann erhält man ein siche­res, gesun­des Lebens­mit­tel. Übri­gens: Die Scha­len der meis­ten Obst­sor­ten sind gesund und kön­nen beden­ken­los mit­ge­ges­sen wer­den.

2. Kar­tof­feln sind kei­ne Bio-Deut­schen

Der preußenkönig fördert die Kartoffel: Gemälde von Robert Müller (gen. Warthmüller, 1859-1895) Berlin, 1886
Fried­rich II. von Preus­sen ord­ne­te mehr­fach den Anbau von Kar­tof­feln an

Welt­weit gibt es rund 5000 Kar­tof­fel­sor­ten, die von Finn­land bis Indo­ne­si­en wach­sen. Eigent­lich über­all, nur nicht in den Tro­pen und der Ark­tis. Fast alle stam­men aus Süd­ame­ri­ka. In Peru gibt es mehr als 3000 ende­mi­sche Kar­tof­fel­sor­ten. In Euro­pa galt die Kar­tof­fel zunächst als Zier­pflan­ze, wegen ihrer schö­nen Blü­ten. Wie und durch wen die Kar­tof­fel zu uns kam, ist bis heu­te nicht genau geklärt, jeden­falls war es im 17. Jahr­hun­dert. In Deutsch­land sol­len die ers­ten Kar­tof­feln im Jah­re 1647 (nein, nicht in Preu­ßen) in Pil­grams­reuth, Ober­fran­ken ange­baut wor­den sein. Um den ste­ti­gen Hun­gers­nö­ten Herr zu wer­den, gab Fried­rich II. in Preu­ßen schließ­lich 1746 sei­nen ers­ten Kar­tof­fel­be­fehl her­aus. Den Bau­ern wur­de dar­in der Anbau „der sog. Tartof­feln, als ein sehr nütz­li­ches und sowohl für Men­schen als Vieh auf sehr viel­fa­che Wei­se dien­li­ches Erd-Gewäch­se, ernst­lich anbe­foh­len.“

Da bin ich voll beim alten Preu­ßen­kö­nig: Für die Kar­tof­feln spricht näm­lich, dass kei­ne Frucht so viel Kalo­ri­en pro Hekt­ar erzeu­gen kann wie die Kar­tof­fel — und sie hat auch noch die gerings­ten Treib­haus­gas­emis­sio­nen.

3. Deutsch­land impor­tiert Kar­tof­feln – obwohl das unnö­tig ist

Deutsch­land ist wich­tigs­tes Import­land für Früh­kar­tof­feln. Im Früh­jahr kom­men jedes Jahr immer noch Kar­tof­feln aus dem Aus­land, z.T. aus Spa­ni­en, Isra­el oder Ägyp­ten, wo es häu­fig gro­ße Pro­ble­me mit Was­ser­knapp­heit gibt. Dabei kann man an über 300 Tagen im Jahr Kar­tof­feln aus Deutsch­land genie­ßen, bei gewis­sen Abstri­chen an der Schön­heit kann man das gan­ze Jahr über deut­sche Kar­tof­feln essen. Ab Mai wer­den die im Lager zwar etwas schrum­pe­lig und grau, sind aber noch sehr gut zum Ver­zehr geeig­net. Ach­tet doch beim nächs­ten Kauf ein­mal dar­auf, wo die Kar­tof­feln so her­stam­men. Auch hier gilt wie immer: regio­nal und bio ist bes­ser. Damit seid ihr auf der rich­ti­gen Sei­te.

4. Deut­sche essen immer weni­ger Kar­tof­feln

Der Pro-Kopf-Ver­brauch nimmt immer wei­ter ab. Aß jeder Deut­sche im Jahr 2000 noch 70 Kilo­gramm Kar­tof­feln und Kar­tof­fel­er­zeug­nis­se pro Kopf im Jahr, sind es mitt­ler­wei­le nur noch 53,7 Kilo. 1950 waren heu­te kaum zu glau­ben­de 186 Kilo.

 

Kartoffel auf dem markt in China. Chinsen sollen mehr Kartoffeln essen, fordert die Partei
Chi­ne­sen soll mehr Kar­tof­feln essen. Die Par­tei will es — aus guten Grün­den © iStock / Get­ty Images

5. Chi­ne­sen essen immer mehr Kar­tof­feln

Auch Kar­tof­fel­pro­duk­ti­ons­welt­meis­ter sind die Deut­schen nicht. Russ­land pro­du­zier­te das drei­fa­che, Chi­na schon jetzt das Zehn­fa­che – und es soll noch deut­lich mehr wer­den. Für Wei­zen und Reis gibt es in Chi­na zu wenig Was­ser und zu vie­le Men­schen, jetzt soll die genüg­sa­me Knol­le hel­fen. Das chi­ne­si­sche Ernäh­rungs­mi­nis­te­ri­um preist die Kar­tof­fel in den letz­ten Jah­ren als „idea­les Nah­rungs­mit­tel“, das auch unter „kal­ten, tro­cke­nen und unfrucht­ba­ren Bedin­gun­gen“ gedei­he. Um den Chi­ne­sen die Knol­le schmack­haft zu machen, strahl­te der chi­ne­si­sche Staats­sen­der CCTV sogar eine Koch­se­rie aus, in der Köche die Ver­wen­dung nach klas­si­scher chi­ne­si­scher Rezep­tur zeig­ten: Kar­tof­fel süss-sau­er, Kung-Pao-Kar­tof­feln, Kar­tof­fel­nu­deln.

Und was kannst du tun?

Es ist alles ganz ein­fach:

  1. Weni­ger Fleisch, mehr Kar­tof­feln! Wie­so? Uke zeigt’s im Video.
  2. Bio-Kar­tof­feln aus hei­mi­schem Anbau kau­fen. Das ist gut für’s Kli­ma und für dich.

Guten Appe­tit!

 

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Über mich
Markus Wolter

Referent für Agrarrohstoffe und Tierhaltung beim WWF Deutschland. Landwirtschaft prägt mein Leben. Mich fasziniert dabei, dass es die weltweit einzige Wirtschaftsweise ist, die dank der Photosynthese in der Lage ist mehr zu erzeugen, als sie verbraucht. Und das mit der Natur und nicht gegen sie - das ist wahre Nachhaltigkeit! Ich bin Landwirt, Entwicklungshelfer, landwirtschaftlicher Berater, Einkäufer für Bio-Ölsaaten gewesen und jetzt Projektleiter für nachhaltigere Nutztierfütterung. +++Markus hat den WWF inzwischen verlassen+++

2 Kommentare

  1. Avatar
    Richard Wildner
    27. Oktober 2016
    Antworten

    In Ihrem Bei­trag über die Kar­tof­fel fehlt m.E. der Hin­weis, dass in der indus­treil­len Land­wirt­schaft das Kar­tof­fel­kraut vor der Ern­te mit einem Her­bi­zid zum Abster­ben gebrt­acht wird. Es han­delt sich dabei um Diquat bro­mi­de (Reg­lo­ne), das aber von man­chen Wis­sen­schaft­lern als kri­tisch ein­ge­stuft wird. Was mei­nen Sie dazu?
    Mit freund­li­chen Grü­ßem
    Richard Wild­ner

    • Avatar
      31. Oktober 2016
      Antworten

      Sehr geehr­ter Herr Wild­ner,
      ja Sie haben recht, das Pes­ti­zid Diquat Bro­mi­de wird laut PAN (Pes­ti­zid Akti­ons Netz­werk) Lis­te als akut gefähr­lich ein­ge­stuft und auch noch in Deutsch­land im Kar­tof­fel-Anbau ein­ge­setzt.
      Im kon­ven­tio­nel­len Anbau wer­den diver­se Pes­ti­zi­de ver­wen­det, mir ging es in mei­nem Blog aber nicht im Ein­zel­nen um die Wirk­stof­fe.
      Daher auch der Hin­weis mög­lichst Bio-Kar­tof­feln zu kau­fen, da im öko­lo­gi­schen Land­bau auf che­misch-syn­the­ti­sche Pes­ti­zi­de gänz­lich ver­zich­tet wird, damit ist man auf der siche­ren Sei­te und hat mög­lichst wenig nega­ti­ve Umwelt­aus­wir­kun­gen.

      Mit bes­ten Grü­ßen
      Mar­kus Wol­ter

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