Die Ver­wandt­schaft: 12 Fak­ten über Goril­las


Gorillas Familie im Kongo
Eine Familie aus Virunga © Brent Stirton / Reportage for Getty Images / WWF

Goril­las sind uns Men­schen sehr ähn­lich. Nicht nur gene­tisch. Sie machen sich brav ihre Bet­ten, die Männ­chen füh­ren sich manch­mal auf, sind aber doch meis­tens gute Väter. Unter­halt­sa­mes, Wis­sens­wer­tes und Trau­ri­ges über unse­re haa­ri­ge Ver­wandt­schaft.

Wo Goril­las leben

Unse­re Bio­lo­gen unter­schei­den zwei Arten mit jeweils zwei Unter­ar­ten: Den West­li­chen Goril­la, der in den West­li­chen Flach­land­go­ril­la und den Cross-River-Goril­la auf­ge­teilt wird. Die zwei­te Art ist der Öst­li­che Goril­la, unter­teilt in Öst­li­chen Flach­land­go­ril­la und Berg­go­ril­la.

Goril­las leben im mitt­le­ren Afri­ka nörd­lich des Kon­go-Flus­ses. Am meis­ten Tie­re gibt es noch von den West­li­chen Flach­land­go­ril­las. Sie leben im süd­li­chen Kame­run, dem Wes­ten der Zen­tral­afri­ka­ni­schen Repu­blik sowie Äqua­to­ri­al­gui­nea, Gabun und in der Repu­blik Kon­go.

Öst­li­che Goril­las bewoh­nen tau­send Kilo­me­ter ent­fernt die Virun­ga-Vul­ka­ne und den Bwin­di-Wald zwi­schen Ugan­da, Ruan­da und der Demo­kra­ti­schen Repu­blik Kon­go. Außer­dem eini­ge weni­ge Schutz­ge­bie­te der Regi­on.

Was alle Goril­las ver­bin­det: Ihr Lebens­raum ist der Wald. Und sie sind gefähr­det.

Nasen­ab­druck als Fin­ger­ab­druck

Tiger haben indi­vi­du­el­le Strei­fen, nach denen Natur­schüt­zer sie unter­schei­den kön­nen, Leo­par­den Punk­te. Bei Goril­las sind es die Nasen. Wis­sen­schaft­ler iden­ti­fi­zie­ren Indi­vi­du­en anhand der For­men und Fal­ten ihrer Rie­cher. Jeder Goril­la hat außer­dem einen unver­wech­sel­ba­ren Fin­ger­ab­druck. Nur: Wann kommt man dazu, einem Goril­la einen Fin­ger­ab­druck abzu­neh­men?

Westlicher Flachland Gorilla
West­li­cher Flach­land Goril­la© naturepl.com / Anup Shah / WWF

Goril­las kön­nen nicht schwim­men

Auch wenn sie nicht schwim­men kön­nen: Was­ser­scheu sind Goril­las gene­rell nicht. Goril­las wur­den schon beim Baden im Meer beob­ach­tet. Sie suchen auch in Sümp­fen nach Fres­sen. Aber: Goril­las durch­que­ren kei­ne Flüs­se, in denen sie nicht ste­hen kön­nen!

Genau des­halb konn­te mein Kol­le­ge Tho­mas Breu­er zum ers­ten Mal über­haupt frei­le­ben­de Goril­las beim Werk­zeug­ge­brauch beob­ach­ten und sogar fil­men! Das war vor über zehn Jah­ren, vor sei­ner Zeit beim WWF: Er hat­te ein Goril­la-Weib­chen ent­deckt, wie sie mit einem Stock die Tie­fe des Was­sers prüf­te, das sie durch­que­ren woll­te.

Die Sel­te­nen vom Cross-River

Apro­pos: Cross-River-Goril­las hei­ßen nicht so, weil sie Flüs­se über­que­ren. Son­dern weil sie aus­schließ­lich ent­lang des Cross-Rivers in der Grenz­re­gi­on zwi­schen Nige­ria und Kame­run leben. Über ihre Lebens­wei­se ist sonst sehr wenig bekannt. Ihre Gesamt­po­pu­la­ti­on wird auf nur 250 bis 300 Tie­re geschätzt. Umso schö­ner die­ses Bild, was gera­de neu­lich auf­ge­nom­men wur­de.

Cross River Gorilla Familie
Sel­te­nes Bild: Cross River Goril­las in einer Kam­er­fal­le in den Mbe Moun­tains in Nige­ria im Juni 2020 © pic­tu­re alliance/dpa/WCS Nige­ria

Kei­ne Nacht­eu­len

Goril­las sind kei­ne Nacht­eu­len. Zwi­schen 6 und 18 Uhr gehen sie ihren Geschäf­ten nach. Irgend­wann zwi­schen 10 und 14 Uhr gibt es eine aus­ge­dehn­te Sies­ta.
Goril­las bau­en sich zum Schla­fen Nes­ter aus Ästen und Blät­tern. Das geht zack­zack und dau­ert nicht län­ger als fünf Minu­ten. Dafür ist es dann auch nicht beson­ders nach­hal­tig: Meis­tens wird ein Nest nur für eine Nacht ver­wen­det.

Klet­tern wie ein Goril­la?

Ein durch­schnitt­li­cher männ­li­cher Goril­la kann bis zu 230 Kilo schwer und 170 Zen­ti­me­ter groß wer­den. Nicht vie­le Äste tra­gen ein sol­ches Gewicht und die meis­ten Goril­las leben am Boden. Vor allem erwach­se­ne Berg­go­ril­las beob­ach­tet man sel­ten auf Bäu­men. Das liegt dar­an, dass es in ihrem Lebens­raum nicht vie­le Frucht­bäu­me gibt und die meis­ten Bäu­me auch für den Nest­bau nicht geeig­net sind. Flach­land­go­ril­las hin­ge­gen fin­det man auch auf Bäu­men, da der Anteil von Früch­ten in ihrer Nah­rung grö­ßer ist. Einen Schwanz als Klet­ter­hil­fe haben Goril­las aber nicht.

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Kei­ne Gewalt (meis­tens)

King Kong ist auch nach zahl­rei­chen Remakes immer noch ein Ren­ner. Mit der Rea­li­tät hat das aller­dings wirk­lich wenig zu tun. Goril­las jagen uns gehö­ri­gen Respekt ein, allein schon durch ihre Sta­tur. Doch sie sind meist sehr fried­lich.
Sie reagie­ren gegen­über Men­schen nur aggres­siv, wenn sie über­rascht oder bedroht wer­den. Dann ist aller­dings Ner­ven­stär­ke gefragt: Sil­ber­rü­cken dro­hen mit Zäh­ne­flet­schen, star­rem Blick, lau­ten Schrei­en und dem berühm­ten Trom­meln auf der Brust. Auch das Her­um­schleu­dern von Zwei­gen gehört zum Reper­toire. Noch ein­dring­li­cher sind Schein­an­grif­fe: Goril­las kön­nen laut brül­lend auf den Ein­dring­ling zulau­fen und blei­ben erst kurz vor ihm ste­hen, manch­mal erst in einer Ent­fer­nung von einem Meter. Weg­lau­fen pro­vo­ziert die erreg­ten Tie­re aber eher. Dann kön­nen Goril­las die Ver­fol­gung auf­neh­men und auch zubei­ßen. Bes­ser ist es, ste­hen zu blei­ben oder sich mit dem Blick abge­wandt auf den Boden zu kau­ern. Damit signa­li­siert man Unter­wür­fig­keit. Im Nor­mal­fall lässt sich der Sil­ber­rü­cken so wie­der besänf­ti­gen.

Goril­la-Grup­pen gehen sich eher aus dem Weg. Wenn sie sich doch tref­fen, kann es zum zeit­wei­li­gen Zusam­men­schluss kom­men. Gibt es ein­mal Streit zwi­schen Grup­pen endet das meist mit viel Gebrüll. Hand­greif­lich­kei­ten ver­mei­den Goril­las aller­dings meis­tens. Es gibt aber Füh­rungs­kämp­fe, die töd­lich enden kön­nen.

Wir tei­len unse­re DNA, aber nicht das Immun­sys­tem

Goril­las gehö­ren zu den Men­schen­af­fen. Mit Goril­las tei­len wir 98 Pro­zent unse­res Erb­gu­tes. Aus die­sem Grund kön­nen sie auch an mensch­li­chen Krank­hei­ten erkran­ken. Da ihr Immun­sys­tem aber nicht an unse­re Krank­heits­er­re­ger gewöhnt ist, kann selbst eine Erkäl­tung ihnen poten­zi­ell schwer scha­den. Natür­lich kön­nen anders her­um auch Krank­hei­ten von Goril­las auf Men­schen über­sprin­gen. Zum Schutz der Goril­las und zu unse­rem eige­nen wird bei Goril­la-Beob­ach­tun­gen peni­bel auf Abstand und Mund­schutz geach­tet. Und das schon lan­ge vor Coro­na.

Übertragung von Viren zwischen Wildtieren und Menschen: Menschen können Krankheiten auf Gorillas übertragen, die für sie gefährlicher sind als für uns. Ein Mundschutz ist unerlässlich.
Schon vor Coro­na: Mund­schutz schützt Goril­las © David Santiago/WWF

Goril­las essen viel und lan­ge

Goril­las ver­brin­gen etwa die Hälf­te ihres Tages mit der Nah­rungs­su­che und dem Fres­sen von Blät­tern und Trie­ben, Flach­land­go­ril­las naschen auch Früch­te. Jeden­falls brau­chen sie eine Men­ge davon: Bis zu 30 Kilo bei einem erwach­se­nen Männ­chen.

Hun­dert­pro­zen­ti­ge Vege­ta­ri­er schei­nen Goril­las nicht zu sein. West­li­che Flach­land­go­ril­las wur­den dabei beob­ach­tet, dass sie Ter­mi­ten­hü­gel auf­bra­chen und die Insek­ten ver­zehr­ten. Das macht aber nur 0,1 Pro­zent der Nah­rung aus.

Freun­de sind wich­tig — aber nicht zu vie­le

Freun­de sind gut und wich­tig. Doch wir kön­nen nicht immer mehr und mehr davon haben. Das ist bei Men­schen und Goril­las ähn­lich.

Eine neue Stu­die über Berg­go­ril­las in Ruan­da zeigt, dass in einer Grup­pe von 12 bis 20 Indi­vi­du­en hin­aus das sozia­le Leben nicht kom­ple­xer wird, ega­le wie vie­le Tie­re dar­in leben.

Ähn­lich wie beim Men­schen deu­tet viel dar­auf hin, dass Goril­las eine end­li­che Anzahl enger Freun­de haben, mit denen sie zurecht­kom­men — und nur schwa­che Bin­dun­gen mit dem Rest unter­hal­ten. Eini­ge Goril­las kön­nen aller­dings bes­ser sozia­li­sie­ren als ande­re. Es ist halt nicht jeder Goril­la wie der ande­re.

Goril­las sind gute Väter

Die meis­ten Goril­las leben in Fami­li­en mit einem domi­nan­ten Männ­chen und meh­re­ren Weib­chen. Sowohl die Männ­chen als auch die Weib­chen in der Grup­pe küm­mern sich um ihre Klein­kin­der, umar­men sie und spie­len mit ihnen. Irgend­wann heißt es aber Abschied neh­men. Die meis­ten Männ­chen und ein Teil der Weib­chen ver­las­sen ihre Geburts­grup­pe. Im Fal­le der Weib­chen, um sich einer ande­ren Fami­lie anzu­schlie­ßen. Im Fal­le der Männ­chen, um eine eige­ne Fami­lie zu grün­den. Das hilft, Inzucht zu ver­mei­den.

Sil­ber­rü­cken sind nicht alle Chefs

Männ­chen zwi­schen acht und zwölf Jah­ren wer­den als “Black­backs” bezeich­net. Ab zwölf Jah­ren wach­sen den Männ­chen dann sil­ber­ne Haa­re über Rücken und Hüf­ten, was ihnen den Namen “Sil­ber­rü­cken” ein­bringt.
Domi­nan­te Sil­ber­rü­cken sind die Anfüh­rer ihrer Grup­pe. Sie tra­gen Ver­ant­wor­tung für den Zusam­men­halt, die Sicher­heit und das Wohl­erge­hen. Sie schlich­ten Kon­flik­te und ent­schei­den zum Bei­spiel über die Wan­de­run­gen der Grup­pen. Bedro­hun­gen wie durch mensch­li­che Wil­de­rer (!) stel­len sie sich ent­ge­gen.

In einer Grup­pe kann es auch nicht domi­nan­te Sil­ber­rü­cken geben. Die­se ver­su­chen, dem Boss die Füh­rung strei­tig zu machen, wenn sie die Zeit dafür gekom­men sehen.

Goril­las sind bedroht

Wil­de­rei, Krank­hei­ten, Zer­stö­rung des Lebens­raums durch Abhol­zung – die Gefah­ren für Goril­las sind zahl­reich. Auch wenn die Goril­las meist nicht das Ziel der Jagd sind, tre­ten oder fas­sen sie des Öfte­ren in Draht­schlin­gen, die für Anti­lo­pen aus­ge­legt wur­den. Ein Goril­la kann dadurch Hand oder Fuß ver­lie­ren, wenn die Draht­schlin­ge fest­ge­zurrt die Blut­zu­fuhr stoppt. Sol­che Ver­let­zun­gen kön­nen durch Infek­tio­nen auch zum Tod eines Tie­res füh­ren. In ein­zel­nen Gebie­ten wer­den Goril­las außer­dem gezielt bejagt.

Goril­las wagen sich auch auf Acker­land, um Mais und Bana­nen zu fres­sen. Kon­flik­te mit den Bau­ern sind die Fol­ge. Tou­ris­mus kann hel­fen, die Tie­re zu schüt­zen und der loka­len Bevöl­ke­rung ein Ein­kom­men zu ermög­li­chen. Ein sol­cher Öko­tou­ris­mus muss aber strik­ten Regeln und best prac­ti­ces fol­gen, damit sowohl Tier als auch Mensch davon pro­fi­tie­ren kön­nen.

Alle vier Goril­la-Unter­ar­ten sind der­zeit auf der Roten Lis­te zu fin­den. Nur rund 300 Cross River‑, 1064 Berg- und höchs­tens 3500 Öst­li­che Flach­land­go­ril­las durch­strei­fen noch ihre Lebens­räu­me. Wir müs­sen hel­fen, damit sie nicht ver­schwin­den.

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1 Kommentar

  1. Avatar
    19. August 2020
    Antworten

    Wir müs­sen unse­re Umwelt schüt­zen zum Wohl der Tie­re. Die Men­schen haben den Tie­ren die Höl­le auf Erden gebracht.

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