10 Jah­re EDEKA & WWF: Am Anfang war der Fisch


WWF, Edeka und der Fisch: Schwarm von Stachel Makrelen © Jürgen Freund
Das Ziel: Fisch besser machen © Jürgen Freund /WWF

Für Fisch begann das Jahr­tau­send mit einem Rück­schlag. Die Reform der gemein­sa­men Euro­päi­schen Fische­rei­po­li­tik ver­fehl­te zen­tra­le Anlie­gen des Natur­schut­zes, wie den Abbau der über­di­men­sio­nier­ten euro­päi­schen Fang­flot­te. Vie­le kom­mer­zi­ell genutz­te Fisch­be­stän­de san­ken auf ein Rekord­tief. Die Fische­rei­mi­nis­te­ri­en der EU-Län­der miss­ach­te­ten sys­te­ma­tisch die wis­sen­schaft­li­chen Emp­feh­lun­gen zur Höhe der Fang­quo­ten. Der Raub­bau an den Mee­ren ging fast unge­zü­gelt wei­ter.

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Der WWF ent­schloss sich stär­ke­ren Fokus auf den Ver­brau­cher zu legen. Der WWF Fisch­rat­ge­ber wur­de ins Leben geru­fen. Ein klei­nes Heft, das es inzwi­schen auch als Web­site und App gibt. Die belieb­tes­ten Spei­se­fi­sche sind dar­in in einem Ampel­sys­tem ein­ord­net. Nach einem Work­shop mit deut­schen Ein­zel­händ­lern sprach EDEKA den WWF an: „Wir wol­len was tun“. Es begann ein Dia­log, der im Jahr 2009 in einer Part­ner­schaft für nach­hal­ti­gen Fisch und Mee­res­früch­te mün­de­te.

War­um EDEKA einen Hebel hat

Aber was kann ein Lebens­mit­tel­ein­zel­händ­ler für das Meer tun? Eini­ges. EDEKA hat mit 12.000 Geschäf­ten einen star­ken Hebel, um den Markt zu ver­än­dern. Der zen­tra­le Bau­stein der Part­ner­schaft ist für uns die Arbeit an den EDE­KA-Eigen­mar­ken. Das hat zwei Grün­de: Ers­tens sind die Eigen­mar­ken bei den Kun­den immer belieb­ter. Die Gesell­schaft für Kon­sum­for­schung hat für 2017 einen Markt­an­teil von mehr als einem Drit­tel für die Eigen­mar­ken­pro­duk­te deut­scher Super­märk­te errech­net. Bei Bio ist es sogar fast die Hälf­te. Zwei­tens haben die Super­märk­te hier natür­lich viel grö­ße­ren Ein­fluss auf die­se Pro­duk­te. In unse­rem Fall also auf die Her­kunft des Fischs.

Das Bei­spiel Fisch­stäb­chen

Eigen­mar­ken sind in unse­rem Bereich Fluch und Segen zugleich. Der Markt ist an die­ser Stel­le sehr wett­be­werbs­ori­en­tiert. Es gibt einen hohen Preis­druck. Das kann natür­lich zum Hin­der­nis wer­den, wenn man ver­sucht nach­hal­ti­ge­ren Fisch ein­zu­set­zen. Der ist in der Regel erst ein­mal teu­rer.

Ande­rer­seits kann der Wett­be­werb auch hilf­reich sein. Wenn ein Super­markt ein Umwelt­sie­gel auf sei­nem Pro­dukt hat, zie­hen die ande­ren oft nach. So geschah es etwa mit den Fisch­stäb­chen, die zu den ers­ten Pro­duk­ten gehör­ten, die im Rah­men der Part­ner­schaft umge­stellt wur­den. Kurz nach­dem EDEKA das blaue MSC Sie­gel auf der Packung hat­te, zogen ande­re Wett­be­wer­ber nach. Ver­sucht heu­te mal ein Fisch­stäb­chen ohne MSC Sie­gel zu fin­den! Das ist prak­tisch unmög­lich.

Zer­ti­fi­zier­ter Fisch ver­zehn­facht!

In den ers­ten Jah­ren der Part­ner­schaft nahm auch die Bekannt­heit des MSC Sie­gels bei den deut­schen Ver­brau­chern immer mehr zu. Der Markt­an­teil zer­ti­fi­zier­ter Fisch­pro­duk­te lag 2007 bei 4,5 Pro­zent. Inzwi­schen hat er sich mehr als ver­zehn­facht. Deutsch­land ist heu­te mit Abstand der wich­tigs­te Markt für den Umwelt­stan­dard. Hier­zu­lan­de sind dop­pelt so vie­le Pro­duk­te beim MSC regis­triert wie im zweit­wich­tigs­ten Markt Frank­reich.

Wo soll der Fisch her­kom­men?

Nach zehn Jah­ren Part­ner­schaft gibt es natür­lich auch vie­le neue The­men an denen wir arbei­ten. Heu­te gibt es zum Bei­spiel kaum noch Fisch­be­stän­de, die man noch stär­ker befi­schen könn­te. Die Nach­fra­ge nach Fisch steigt aber trotz­dem. Des­halb kom­men immer mehr Fisch­pro­duk­te aus Zuch­ten auf den Markt.

Wir Deut­schen mögen vor allem Lachs und Gar­ne­len. Für den Umwelt­schutz stel­len sich hier ganz ande­re Fra­gen. Zum Bei­spiel: Womit wird der Zucht­fisch gefüt­tert? Für Raub­fi­sche wie den Lachs muss Wild­fisch gefan­gen wer­den, was die Mee­re zusätz­lich belas­tet. Pflanz­li­che Antei­le des Fisch­fut­ters stam­men oft aus Süd­ame­ri­ka und kön­nen dort im schlimms­ten Fall der Rodung des Regen­wal­des Vor­schub leis­ten. Shrimp Far­men gibt es in tro­pi­schen Län­dern Asi­ens und Süd­ame­ri­kas. Hier ist es unter ande­rem wich­tig dar­auf zu ach­ten, dass kei­ne Man­gro­ven für die Far­men abge­holzt wer­den, denn die­se bie­ten Lebens­raum für unzäh­li­ge Arten und bie­ten zudem einen her­vor­ra­gen­den Küs­ten­schutz. Ande­rer­seits sind Fische sehr gute Fut­ter­ver­wer­ter. Sie brau­chen weni­ger davon als Schwei­ne und Rin­der, des­halb haben selbst Zucht­fi­sche oft eine bes­se­re Öko­bi­lanz. Für das Kli­ma ist das Fisch­bröt­chen eben oft bes­ser als der Ham­bur­ger.

Neue Wege in der Aqua­kul­tur

Gera­de in der Aqua­kul­tur gibt es aber auch span­nen­de Ent­wick­lun­gen, die wir auf­merk­sam ver­fol­gen. Dazu zäh­len Insek­ten­lar­ven die sich von Lebens­mit­tel­res­ten ernäh­ren. Die­se Lar­ven kön­nen dann als Fut­ter für Zan­der oder Forel­len ein­ge­setzt wer­den. Unse­re Nach­barn in Hol­land arbei­ten an Fisch­fut­ter aus Algen, die wert­vol­le ome­ga-3-Fett­säu­ren pro­du­zie­ren und damit den Lachs nicht nur lecker son­dern auch gesund machen. Mit ihrer Hil­fe könn­te der Anteil von Wild­fisch im Fut­ter deut­lich gesenkt wer­den. In der Part­ner­schaft haben wir uns zum Ziel gesetzt, ein Aqua­kul­tur­pro­jekt zu unter­stüt­zen, um neue Ansät­ze zu för­dern. Auch im Wild­fisch­be­reich sol­len nach­hal­ti­ge Metho­den geför­dert wer­den.

Es begann alles mit Fisch. Jetzt ist es viel, viel mehr gewor­den. Wir haben schon eine Men­ge erreicht. Aber natür­lich arbei­ten wir wei­ter mit Hoch­druck an einem Hap­py End für Schol­le Lachs und Hering.

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2 Kommentare

  1. Avatar
    AdPoint GmbH
    24. April 2019
    Antworten

    Hal­lo,
    das ist ein inter­es­san­ter Bei­trag. Nach­hal­ti­ger Fisch sowie nach­hal­ti­ge Mee­res­früch­te sind defi­ni­tiv wich­tig für den Umwelt­schutz.

    Freund­li­che Grü­ße

  2. Avatar
    Linus Winter
    25. April 2019
    Antworten

    Ein wirk­lich inter­es­san­ter Bei­trag. Ich fin­de es sehr wich­tig, dass über etwas berich­tet wird was bereits gut funk­tio­niert um dar­auf auf­zu­bau­en. Neben­bei auch ein sehr gut geschrie­be­ner Arti­kel!

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