Vogel aus dem Nest gefal­len – Was tun?


Was tun, wenn man einen hilflosen Jungvogel findet? Ist er wirklich aus dem Nest gefallen? Schadet man ihm, wenn man ihn anfasst?
Darf man einen hilflosen Vogel auf die Hand nehmen? Foto: Pezibear / Pixabay / CC0 / bit.ly/2JiVBUY

Auf ein­mal fiepst etwas im Gar­ten vor dem Haus. Ein klei­ner Vogel, ist wohl aus dem Nest gefal­len und jam­mert. Was soll man nur tun? Wie­der ins Nest set­zen? Mit­neh­men und füt­tern? Aber wie mache ich das rich­tig? Und an wen kann ich mich wen­den, wenn ich Hil­fe brau­che? Hier gebe ich Euch eini­ge Tipps, was Ihr tun könnt.

Ver­wais­ter Jung­vo­gel?

Wenn Ihr Jung­vö­gel fin­det, die fast voll­stän­dig befie­dert sind und kaum noch Flaum­fe­dern haben, ist meist alles in Ord­nung. Sie ver­las­sen ihr Nest ganz nach Plan und gehen auf Ent­de­ckungs­tour. Sie ken­nen noch kei­ne Gefah­ren und war­ten auf die nächs­te Füt­te­rung durch ihre Eltern.

Was tun, wenn man einen hilflosen Jungvogel findet? Ist er wirklich aus dem Nest gefallen? Schadet man ihm, wenn man ihn anfasst?
Solch ein Jung­vo­gel ist meist gar nicht ver­waist. Foto: 4028mdk09 / Own work, CC BY-SA 3.0, commons.wikimedia.org

Ihr soll­tet sie in einen siche­ren Grün­be­reich set­zen. Dort rufen sie meist nach Mama und Papa, von denen sie bald wie­der gefüt­tert wer­den. Das ist inter­es­sant zu beob­ach­ten, Ihr müsst aber nichts tun. Die bes­te Über­le­bens­chan­ce haben die Vögel bei ihren Eltern.

Und wenn doch ein Vogel­ba­by aus dem Nest gefal­len ist?

Vogelbaby: So sehen hilfebedürftige Vögel aus. Das Spatzenbaby ist aus dem Nest gefallen und kann hier noch nicht alleine überleben.
So ein jun­ges Vogel­ba­by ist außer­halb des Nes­tes hilf­los. © wachi­ra aekwira­phong / iStock / Get­ty Images

Jung­vö­gel, die noch nackt oder kaum befie­dert sind, soll­ten am bes­ten zurück ins Nest gesetzt wer­den — wenn Ihr wisst, woher der Vogel stammt. Macht Euch kei­ne Sor­gen über den Men­schen­ge­ruch, der an dem Vögel­chen haf­ten könn­te. Vögel rie­chen schlecht und ihnen macht es nichts aus. Kom­men die Eltern­vö­gel zurück zum Nest und füt­tern ihren Nach­wuchs wei­ter, ist die Ret­tung gelun­gen. Wenn die Eltern län­ge­re Zeit nicht zurück­kom­men, könnt Ihr das Vögel­chen auch zu ande­ren Vogel­el­tern der­sel­ben Art ins Nest set­zen und sozu­sa­gen „zur Adop­ti­on frei­ge­ben“. Aber Vor­sicht: Das klappt nicht immer und man braucht eini­ge Fach­kennt­nis. Fragt am bes­ten vor­her jeman­den um Rat, der sich aus­kennt.

Hilf­lo­sen Jung­vo­gel von Hand auf­zie­hen?

Sind weder Eltern noch Nes­ter ande­rer Vogel­paa­re der­sel­ben Art in der Nähe und ist der Vogel wirk­lich noch klein, flau­mig und hilf­los, könnt Ihr das Tier auch von Hand auf­zie­hen. Aber das ist sehr schwie­rig und oft wer­den die Vögel auf den Men­schen geprägt, ent­wi­ckeln ein selt­sa­mes Ver­hal­ten und kön­nen mit den eige­nen Art­ge­nos­sen nichts mehr anfan­gen. Vie­le Exper­ten leh­nen des­halb Hand­auf­zuch­ten ab. Ihr soll­tet Euch auch von Vogel­ex­per­ten bera­ten las­sen und even­tu­ell den Vogel dahin brin­gen.

Ver­letz­ten Vogel gefun­den

Verletzte Vögel oder aus dem Nest gefallene Jungvögel: Wie weit kann man selbst helfen? Wo kann man sie hinbringen?
Ver­letz­te Vögel und jun­ge Greif­vö­gel brau­chen pro­fes­sio­nel­le Hil­fe. Foto: Cou­leur / Pixabay / CC0

Nicht nur Jung­tie­re, beson­ders auch ver­letz­te erwach­se­ne Vögel brau­chen pro­fes­sio­nel­le Hil­fe. Vie­le Arten, zum Bei­spiel Greif­vö­gel und Eulen, kön­nen von Lai­en kaum fach­ge­recht auf­ge­zo­gen wer­den. Es gibt in ganz Deutsch­land Exper­ten und Auf­zucht­sta­tio­nen, an die Ihr euch wen­den könnt. Auf der Sei­te www.wildvogelhilfe.org fin­det Ihr Sta­tio­nen in Eurer Nähe und vie­le tol­le Infor­ma­tio­nen. Auch vie­le Grup­pen vom Natur­schutz­bund NABU und ande­rer ehren­amt­li­cher Orga­ni­sa­tio­nen bie­ten Hil­fen an. Ihr könnt außer­dem bei der Unte­ren Natur­schutz­be­hör­de nach­fra­gen.

Ver­wais­ter Jung­vo­gel: Hand­auf­zucht ist nicht ein­fach!

Wollt Ihr es den­noch selbst ver­su­chen, soll­tet Ihr Euch auch erst­mal bera­ten las­sen. Einen klei­nen Vogel auf­zu­zie­hen ist rich­tig anstren­gend – und teu­er. Setzt ihn zunächst in einen Kar­ton mit Luft­lö­chern und einer wei­chen Unter­la­ge, zum Bei­spiel einem Hand­tuch. Bes­ser nicht in einen Vogel­kä­fig. Dann soll­tet Ihr her­aus­fin­den, um was für einen Vogel es sich han­delt.

Was tun, wenn man einen verwaisten Jungvogel findet? Soll man ihn von Hand aufziehen?
Ver­wais­ten Jung­vo­gel von Hand auf­zie­hen? Foto: Sal­ly Mey­er / Own work, CC BY-SA 4.0, commons.wikimedia.org

Je nach Art mögen die Klei­nen etwas ande­res zu fres­sen, brau­chen ande­re Unter­brin­gun­gen und müs­sen anders auf ein Leben in der Frei­heit vor­be­rei­tet wer­den. Wild­vö­gel von streng geschütz­ten Arten müs­sen auf jeden Fall in fach­kun­di­ge Obhut gege­ben wer­den. Denkt dar­über nach, ob Ihr die Zeit auf­brin­gen könnt: Even­tu­ell müsst Ihr von jetzt auf gleich Euren Tages­ab­lauf über den Hau­fen wer­fen und ein paar Tage lang von früh bis spät Vogel­m­a­ma oder –papa wer­den.

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Gefahr für unse­re Vögel

Gefähr­li­cher als aus dem Nest zu fal­len, ist für ein­hei­mi­schen Vögel der Ver­lust von Lebens­räu­men, der dra­ma­ti­sche Rück­gang von Insek­ten, die Aus­räu­mung der Agrar­land­land­schaft, der Rück­gang von arten­rei­chem, mage­rem Grün­land und so wei­ter.
Wuss­tet Ihr, dass Deutsch­land in nur zwölf Jah­ren über 12,7 Mil­lio­nen Vogel­brut­paa­re ver­lo­ren hat? Selbst frü­her häu­fi­ge Aller­welts­ar­ten wie Kie­bitz oder Feld­ler­che sind inzwi­schen sehr sel­ten gewor­den. Hier müs­sen wir drin­gend etwas tun. Der WWF kämpft poli­tisch für eine bes­se­re Natur­schutz- und Agrar­po­li­tik in der EU und in Deutsch­land und geht mit einer Rei­he von guten Bei­spie­len vor­an. Wir brau­chen dabei Eure Unter­stüt­zung.

Hier könnt Ihr unse­re aktu­el­len Pro­jek­te unter­stüt­zen!
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Über mich
Albert Wotke

Schon als kleiner Junge in Nürnberg begeisterte ich mich für die Wunderwelt von Tieren und Pflanzen und wollte Biologe werden. Seit meiner Jugend arbeite ich ehrenamtlich in verschiedenen Naturschutzorganisationen. Nach dem Biologiestudium forschte ich einige Zeit zur Entwicklung von Naturwaldreservaten, arbeitete als freier Journalist zu Naturschutz- und Umweltthemen und leitete 13 Jahre lang die Bundesgeschäftsstelle der Deutschen Umwelthilfe in Berlin. Beim WWF setze ich mich seit 2014 dafür ein, die Naturschätze in Deutschland zu erhalten und den Verlust der Biodiversität zu stoppen.

8 Kommentare

  1. Avatar
    Heike Stockhardt
    1. Juni 2019
    Antworten

    Vie­len Dan­ke für die Info!

  2. Avatar
    Moni Meyer
    1. Juni 2019
    Antworten

    Solan­ge Men­schen sich unkon­trol­liert ver­meh­ren wird die Natur ver­mehrt aus­ge­rot­tet. Des­halb hilft nur Gebur­ten­kon­trol­le welt­weit.

  3. Avatar
    2. Juni 2019
    Antworten

    Das geht nicht, Moni. Aus ganz ande­ren Grün­den gab es das in Chi­na, doch heu­te nicht mehr und befür­wor­te ich auch. Es muss ande­re Lösun­gen geben, dass die Indus­trie zur Rechen­schaft gezo­gen wird und ihre Pro­duk­te ändert! Auch nicht weg lässt, ansons­ten gäbe es wie­der zu vie­le Arbeits­lo­se. Ändern könn­te die Indus­trie die “Che­mie — Pro­duk­te” und soll­te sich zum Woh­le aller von Bio­lo­gen (z.B.) ver­nünf­tig bera­ten las­sen und danach han­deln. Dazu fehlt lei­der immer noch das Gesetz, aber ein Gesetz, wel­ches nicht zu wei­te­rer Arbeits­lo­sig­keit führt, son­dern zur Umstel­lung der ein­zel­nen Pro­duk­te und zwar schnell. Das geht und fängt schon beim Wasch­mit­tel an… Das gilt auch für den Lebens­mit­tel­be­reich! Der dop­pel­te Preis, z. B. für Indus­trie-Che­mie-Pro­duk­te und kei­ne Wer­bung mehr für die­se. Doch wohl die Wer­bung, mit gro­ßem Umfang, für Natur­pro­duk­te aus­rich­ten. “Preis­wert-Gesund-Lecker” oder “Gehirn­nah­rung” oder “Alters­be­schwer­den? Nicht mit die­sen Lebens­mit­teln” Da gibt es vie­le Mög­lich­kei­ten die Wer­bung anders zu gestal­ten in allen Berei­chen, doch ohne Bio­lo­gen geht es nicht und müss­te in nor­ma­len Geschäf­ten ange­bo­ten, bzw. ein­fach aus­ge­tauscht wer­den. Der Ver­brau­cher sieht das dann als nor­mal an, die Che­mie-Pro­duk­te sind zu teu­er gewor­den und wer­den nicht mehr oder sel­te­ner gekauft, bis die­se dann irgend­wann vom Markt ver­schwin­den zumin­dest zuerst in ganz Euro­pa. Könn­te funk­tio­nie­ren.

  4. Avatar
    Michelle
    20. Juni 2019
    Antworten

    Wir haben einen Jung­vo­gel ganz nackt gefun­den. Das Nest ist lei­der in unse­rer Regen­rin­ne auf dem Dach und kön­nen ihn somit nicht zurück ins Nest set­zen.
    Die Eltern sind auch auf­merk­sam gewor­den.
    Was sol­len wir machen

    • Avatar
      Hans
      25. Juni 2019
      Antworten

      Hal­lo Michel­le, hast Du eine Ant­wort bekom­men? Mir ist gera­de fast das­sel­be pas­siert, aller­dings kom­me ich an das Vögel­chen auch nicht ran, weil es zu weit weg ist von mei­nem Bal­kon. Das Nest muss unter einem Dach­zie­gel sein und das Tier ist von dort in die Regen­rin­ne gefal­len. Ich weiss auch nicht, was ich jetzt machen soll.

  5. Avatar
    Stefanie
    28. Juni 2019
    Antworten

    Oh je, jetzt habe ich ein schlech­tes Gewis­sen. Ich habe letz­tes Jahr ein Tau­ben Jung­tier zwi­schen Fahr­rad­stän­dern gefun­den. Die Fahr­rad­stän­der waren direkt an einer viel befah­re­nen Stra­ße, weil sich dort ein Ein­kaufs­cen­ter befin­det. Ich habe lei­der kein Nest gese­hen und von den Eltern war auch kei­ne Spur. Das Jung­tier war nicht mehr nackt, son­dern hat­te schon sehr viel Flaum und ein paar Federn. Ich habe es mit­ge­nom­men und an eine Auf­fang­sta­ti­on für Vögel über­ge­ben, weil ich Angst hat­te, dass es auf die Stra­ße geht oder von Fahr­rä­dern ver­letzt wird. Jetzt habe ich aber die Sor­ge, dass ich den Eltern ein­fach ihr Jung­tier weg­ge­nom­men habe, wenn es viel­leicht nur auf Ent­de­ckungs­tour war 🙁

  6. Avatar
    Connie
    6. Juli 2019
    Antworten

    Wir haben ein Rot­kel­chen Nest auf unse­rem Bal­kon unter dem Dach. Es hat lei­der nur ein Jung­tier über­lebt. Das jedoch ist zum drit­ten Mal aus dem Nest gefal­len. Wir haben das Jung­tier immer wie­der zurück ins Nest gesetzt und ver­sucht das Nest zu schüt­zen, aber es fällt immer wie­der raus und aus einer Höhe auf den Holz­bo­den. Was kön­nen wir machen? Zur­zeit haben wir es in eine offe­ne Box gesetzt und die Box in die Nähe der Ein­flug­schnei­se der Eltern unter einen Baum platziert.wie kann es wei­ter gehen?

  7. Avatar
    Toby
    2. August 2019
    Antworten

    Wir haben immer wie­der in unse­rem Kas­ten für den Rol­la­den ein Nest von Vögeln. Wir haben jetzt schon des öfte­ren das Nest ent­fernt, weil der Rol­la­den nicht mehr run­ter ging, aber Sie kom­men immer wie­der. Wis­sen jetzt nicht mehr was wir machen sol­len. Even­tu­ell einen Käfig wie hier https://www.vogelkaefige.de/wellensittichkaefig/ dane­ben anbrin­gen, damit Sie dort Ihr Nest bau­en kön­nen ?

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