Plas­tik­müll: Was ich bei Lanz ger­ne auch noch gesagt hät­te


Über Plastikmüll reden: Marcella Hansch und Heike Vesper bei Lanz im Studio
Über Plastikmüll reden: Marcella Hansch und ich bei Lanz © ZDF / Cornelia Lehmann

In jedem Qua­drat­ki­lo­me­ter Meer schwim­men heu­te meh­re­re hun­dert­tau­send Tei­le Plas­tik­müll. Aus mei­ner Sicht ist es eines der größ­ten Pro­ble­me, die wir auf der Erde über­haupt haben. Ich bin froh, dass das The­ma inzwi­schen so weit im öffent­li­chen Bewusst­sein ange­kom­men ist, dass man auch in den Medi­en nicht dar­an vor­bei­kommt. Wenigs­tens das. Bei Hart aber Fair konn­te ich als Mee­res­ex­per­tin schon vor einer Wei­le etwas zu Plas­tik­müll sagen, jetzt war ich bei der Talk­show Mar­kus Lanz ein­ge­la­den. Aus­strah­lung heu­te um 23.30h, ZDF!

Es ging bei bei der Auf­zeich­nung der Sen­dung ums Müll sam­meln, den pro Kopf Plas­tik­ver­brauch und Recy­cling­quo­ten von Kunst­stoff in Deutsch­land. Ob wir hier mit den Fin­ger auf ande­re vor allem in Asi­en zei­gen dür­fen oder bes­ser nicht. Mikro­plas­tik, auch flüs­si­ges in Kos­me­tik war dabei. Gut, dass wir dar­über gere­det haben! Viel­leicht han­deln ja auch mehr Leu­te danach. Unse­re Mee­re hät­ten es drin­gend nötig.

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Ins­ge­samt hät­ten wir noch so viel mehr zum kom­ple­xen The­ma Plas­tik­müll sagen kön­nen. Gera­de, weil wir zu zweit waren. Aber so ist es eben. Mit mir zusam­men war Mar­cel­la Hansch im Stu­dio, die eine Kon­struk­ti­on erfun­den hat, um Klein­plas­tik aus dem Meer zu sam­meln — als Abschluss­ar­beit ihres Archi­tek­tur­stu­di­ums! Neben ihrer vol­len Berufs­tä­tig­keit setzt sie sich ehren­amt­lich für die Rea­li­sie­rung ihres Pro­jek­tes ein. Ein groß­ar­ti­ges Enga­ge­ment, das gro­ßen Respekt ver­dient hat. Dane­ben wur­de auch ganz kurz zum gera­de gestar­te­ten Oce­an Cleanup Pro­jekt gespro­chen.

Was über Plas­tik­müll aber noch gesagt wer­den muss:

Plas­tik­müll bedroht Arten!

Über 800 Tier­ar­ten im Meer wer­den vom Plas­tik­müll beein­träch­tigt, fast die Hälf­te der Mee­res­säu­ger- und See­vo­gel­ar­ten! Plas­tik im Magen beein­träch­tigt den Ver­dau­ungs­trakt der Vögel, die Tie­re ver­hun­gern. Auch Koral­len­rif­fe, wer­den durch Plas­tik­müll beschä­digt. Zehn­tau­sen­de Wale, Rob­ben und See­hun­de ver­fan­gen sich in „Fische­rei­müll“, also ver­lo­re­nen und weg­ge­wor­fe­nen Tau­en und Net­zen. So wird geschätzt, dass jedes Jahr 1 Mil­lio­nen See­vö­gel und 100.000 Mee­res­säu­ger wie Wale, Del­fi­ne und Rob­ben am Plas­tik ster­ben.

Plas­tik­müll stop­pen!

Plas­tik­kon­sum muss redu­ziert und der Ein­trag in die Umwlet unbe­dingt gestoppt wer­den. Denn die Mee­re auf­zu­räu­men ist rich­tig. Wenn aber wie bis­her jeden Tag ton­nen­wei­se Plas­tik­müll dazu­kom­men, ist das eine nicht lös­ba­re Auf­ga­be.

Auch Unter­neh­men sind für den Plas­tik­müll ver­ant­wort­lich!

Haupt­grün­de für die Flut an Plas­tik­müll sind die mas­sen­haf­te Ver­brei­tung von Ein­weg­plas­tik und feh­len­de Struk­tu­ren zum Sam­meln und zur Ver­ar­bei­tung von Abfäl­len. In Schwel­len- und Ent­wick­lungs­län­dern wird deut­lich weni­ger als die Hälf­te des Plas­tik­mülls ein­ge­sam­melt. An der Finan­zie­rung einer guten  Ent­sor­gung betei­li­gen die Unter­neh­men, die Plas­tik­ver­pa­ckun­gen auf den Markt brin­gen sich nicht oder viel zu wenig. Das hat zur Fol­ge, dass vor allem der Müll in Süd­ost­asi­en mas­sen­haft ins Meer gespült wird.

Erwei­ter­te Pro­du­zen­ten­ver­ant­wor­tung“ für Unter­neh­men!

Wir wol­len, dass Unter­neh­men, die ver­pack­te Pro­duk­te her­stel­len und/oder ver­brei­ten, sich an den Ent­sor­gungs­kos­ten betei­li­gen. So könn­ten bei­spiels­wei­se ‑wie in Deutsch­land beim Grü­nen Punkt- Unter­neh­men eine Geld-Abga­be pro Ver­pa­ckung zah­len, mit der dann Sam­meln und Recy­cling orga­ni­siert wird.

Beim Kampf gegen Plas­tik­müll müs­sen alle mit­ma­chen!

Alle müs­sen etwas machen. Poli­tik, Wirt­schaft und Ver­brau­cher. Kei­ner kann es allei­ne bewäl­ti­gen. Die ers­ten Schrit­te sind getan, aber das wird nicht rei­chen. Am Ende geht es ja auch um uns. Den unsin­ni­gen Umgang mit unse­ren natür­li­chen Res­sour­cen kön­nen wir uns ein­fach nicht mehr leis­ten. Wir haben nur die­sen einen Pla­ne­ten.

Ein Hin­weis noch: Bei der Ver­tei­lung der fünf Müll­stru­del in den Welt­mee­ren ist mir ein Pat­zer unter­lau­fen: Ich hab gesagt, es gebe einen im Pazi­fik, zwei im Atlan­tik und zwei bei den Polen. Das ist so natür­lich Quatsch! Es sind zwei im Pazi­fik, zwei im Atlan­tik und einer im Indi­schen Oze­an! Das kann in der Hit­ze so einer TV-Dis­kus­si­on lei­der auch mal pas­sie­ren, sor­ry.

Was kann man gegen Plas­tik­müll tun?

Auch in Deutsch­land kann jeder Plas­tik­müll redu­zie­ren!

  • Bit­te ver­zich­te auf Ein­weg­tü­ten beim Ein­kauf und Ein­weg­ge­schirr wie z.B. Ein­weg-Kaf­fee­be­cher, Plas­tik­tel­ler und Plas­tik­be­steck
  • Nut­ze wo immer mög­lich wie­der­ver­wend­ba­re Ver­pa­ckun­gen, wie etwa Mehr­weg­do­sen.
  • Wo mög­lich unver­pack­te Ware ein­kau­fen, z.B. auf dem Markt oder in ver­pa­ckungs­frei­en Läden
  • Auch im Urlaub Ein­weg­ta­schen und Ein­weg­ge­schirr ver­mei­den
  • Müll rich­tig tren­nen!
  • an Auf­räum­ak­tio­nen betei­li­gen – Plas­tik­müll am Ufer von Bächen und Flüs­sen kann irgend­wann im Meer lan­den
  • Abfäl­le beim Strand­ur­laub in die Müll­ton­ne wer­fen – oder wie­der mit­neh­men. Auch die Ziga­ret­ten­kip­pen – der Fil­ter ent­hält viel Plas­tik
  • Kei­ne Kos­me­tik­pro­duk­te mit Mikro­plas­tik nut­zen, nähe­re Infor­ma­tio­nen gibt es beim BUND.

 

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Heike Vesper

Über mich
Heike Vesper

Dass alles Leben aus dem Meer kommt und die Ozeane der größte Lebensraum auf der Erde sind, hatte mich schon als Kind völlig fasziniert. Ich träumte davon unter Wasser atmen zu können. Das Ausmaß der Naturzerstörung durch die Fischerei und besonders die Überfischung dagegen waren schockierend. Und sind sie heute noch. Ich arbeite beim WWF schon seit 1999. Wer festgefahrene Strukturen ändern will, braucht viel Geduld. Aber auch wenn die Fortschritte zum Schutz der Meere langsam sind darf man niemals Aufgeben – denn wer aufgibt, der hat schon verloren.

4 Kommentare

  1. Avatar
    Helmut Schmidt
    10. Oktober 2018
    Antworten

    Sehr geehr­te Frau Ves­per,
    Sie haben in der Sen­dung viel Rich­ti­ges gesagt. In einem Punkt unter­lie­gen Sie auch einem Mythos: Die Deut­schen Müll­ver­bren­nungs­an­la­gen sind bes­tens aus­ge­las­tet. Die brau­chen die Plas­tik­ver­pa­ckun­gen nicht. Das eigent­li­che Pro­blem neben der Men­ge ist, dass die Ver­pa­ckun­gen zu 70% aus Misch- und Ver­bund­kunst­stof­fen bestehen, die nicht zu recy­celn sind. Hier ist eine Ver­wer­tung über die MVA sogar die bes­se­re Alter­na­ti­ve. Zumin­dest bes­ser als die­se Mate­ria­li­en nach Asi­en zu expor­tie­ren, wo sie schlimms­ten­falls doch im Meer lan­den. Außer­dem sind gera­de Lebens­mit­tel­ver­pa­ckun­gen oft­mals geruchs­be­las­tet und ded­halb fürs Recy­cling nicht geeig­net. An der Ver­mei­dung und Ver­rin­ge­rung von Ver­pa­ckun­gen führt deshal kein Weg vor­bei, auch wenn das unser Umwelt­mi­nis­te­ri­um nicht wahr­ha­ben will.
    Hel­mut Schmidt, Wek­lei­ter AWM Mün­chen a.D.

  2. Avatar
    10. Oktober 2018
    Antworten

    Dan­ke für die­se inter­es­san­te Infor­ma­ti­on. Sie haben in der Sen­dung ser viel Rich­ti­ges gesagt und ich bin ganz ihrer Mei­nung. Eure News sind sowie­so wie immer inter­es­sant, also macht wei­ter so!

  3. Avatar
    Henning Clewing
    14. Oktober 2018
    Antworten

    Sehr geehr­te Frau Ves­per,
    ich habe Ihre Sen­dung lei­der nicht gese­hen, beschäf­ti­ge mich mit der Mate­rie aber schon seit lan­gem. Was mich in der öffent­li­chen Dis­kus­si­on oft ärgert: Die Müll­ver­bren­nung wird gern dis­kri­mi­niert als eine schlech­te Lösung, die gewählt wird, wenn nichts ande­res übrig bleibt. Herr Schmidt hat oben schon erwähnt, war­um das Rezy­klie­ren von Plas­tik so pro­ble­ma­tisch ist: es ist nur da wirk­lich mög­lich, wo der Plas­tik­ab­fall in der Fabrik selbst erzeugt wird; als Bestand­teil des nor­ma­len Haus- oder auch Indus­trie­mülls ist Plas­tik wegen der gro­ßen Unter­schied­lich­keit sei­ner Kom­po­nen­ten ein nur begrenzt ein­satz­fä­hi­ger Roh­stoff. Dar­um ist die Ver­bren­nung die ein­zig rich­ti­ge Ver­wer­tung des Plas­tik­mülls. Sie spart beacht­li­che Men­gen an Koh­le und Schwer­öl ein, die sonst zur Ver­bren­nung von Müll nötig wären — ein Bei­trag zur Nach­hal­tig­keit der Ener­gie- und Wär­me­wirt­schaft.

  4. Avatar
    Beatrice
    24. April 2019
    Antworten

    Sehr geehr­te Frau Ves­per,

    in den letz­ten Mona­ten habe ich mich ver­mehrt dar­über infor­miert, was unse­ren Plas­tik­kon­sum betrifft und ver­su­che in mei­nem All­tag so viel Plas­tik wie mög­lich ein­zu­spa­ren und auch mei­ne Fami­lie dafür zu sen­si­bi­li­sie­ren.
    Mein Sohn hilft mir dabei sehr, da er sich im Rah­men von “Fri­days for future” enga­giert, wobei ich ihn selbst ver­ständ­lich auch unter­stüt­ze. In unse­rem haus­halt haben wir mitt­ler­wei­le im Bad z.B. dank Sham­po­o­bars unse­ren Plas­tik­kon­sum mini­miert und auch in der Küche haben wir größ­ten­teils auf unver­pack­te Nah­rungs­mit­tel umge­stellt.
    Bei mei­ner Recher­che, wel­ches Plas­tik wir vor allem im Super­markt als Ver­pa­ckun­gen fin­den und des­sen Wie­der­ver­wer­tung bin ich auch auf Sie und ihre Dis­kus­si­on bei Lanz auf­merk­sam gewor­den (die jedoch in Gän­ze lei­der nicht mehr ver­füg­bar ist). Ich wür­de des­halb ger­ne Ihre Mei­nung zu einem Pro­jekt hören, dass mir unter­kam: https://project-ae.com/
    Die­ses Pro­jekt stellt umwelt­freund­li­che Ver­pa­ckungs­ma­te­ria­len für Nest­lé, P&G und wei­te­re Glo­bal­play­er her. Den­ken Sie, dass das eine gute Alter­na­ti­ve ist und bei die­sen Fir­men nun auch ein Umden­ken statt­fin­det?
    Und haben Sie viel­leicht wei­te­re Tipps, wie man pri­vat mehr Men­schen davon über­zeu­gen kann, auf den Plas­tik­kon­sum zu ach­ten?

    Vie­len Dank und wei­ter­hin viel Erfolg bei ihrer Arbeit,
    Bea­te M.

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