Palm­öl-Check: ein biss­chen Klas­se & viel trä­ge Mas­se


Es steckt in Mar­ga­ri­ne, Scho­ko­la­de, Chips, Brot, Piz­za, Wasch­mit­tel, Sei­fe, Cremes und Sham­poo. Indi­rekt auch in Fleisch, Ei oder Käse, weil Palm­öl auch ein belieb­tes Fut­ter­mit­tel ist. Und wer mit dem Auto zum Ein­kau­fen fährt, hat womög­lich Palm­öl im Tank.

Palm­öl ist das begehr­tes­te Pflan­zen­öl der Welt. 62 Mil­lio­nen Ton­nen wer­den welt­weit pro­du­ziert, ange­baut auf mehr als 17 Mil­lio­nen Hekt­ar. Das ent­spricht der Hälf­te der Flä­che Deutsch­lands. Der Palm­öl-Boom schafft mas­si­ve Pro­ble­me. In Indo­ne­si­en und Malay­sia ver­nich­ten Plan­ta­gen den Lebens­raum von Orang-Utans, Ele­fan­ten und Nas­hör­nern. Torf­bö­den wer­den tro­cken gelegt, Men­schen ver­trie­ben und Treib­haus­ga­se ver­ur­sacht.

Kein Palm­öl ist kei­ne Lösung

Raus aus dem Palm­öl“ ist aber kei­ne Lösung. Ver­gli­chen mit ande­ren Pflan­zen­ölen benö­tigt es weni­ger Flä­che. Der Ersatz von Palm­öl etwa durch Soja- oder Kokos wür­de das Pro­blem nicht lösen, son­dern ver­la­gern und ver­schlim­mern.

Palmöl-Check: Regal im Supermarkt
Palm­öl steckt über­all drin © WWF / Richard Stone­house

Es hilft ja nichts: Wir müs­sen dafür sor­gen, dass Palm­öl nach­hal­ti­ger wird. Und die Unter­neh­men die­ses nach­al­tig pro­du­zier­te Öl auch ver­wen­den. Denn es gibt sie ja, die bes­se­ren Alter­na­ti­ven.

Wir fra­gen die Unter­neh­men

 

Alle zwei Jah­re fra­gen wir bei den deut­schen Unter­neh­men im Palm­öl-Check ihre Ein­kaufs­po­li­tik ab. 2011 haben wir 64 Unter­neh­men gefragt. Dies­mal sind es 255 Unter­neh­men. Der gute Trend: Immer mehr deut­sche Unter­neh­men sind dem RSPO bei­getre­ten. Immer­hin. Eini­ge Vor­rei­ter sind in den letz­ten acht Jah­ren am Ball geblie­ben und haben sich wei­ter­ent­wi­ckelt. Sie set­zen sich inten­siv mit dem Palm­öl aus­ein­an­der und enga­gie­ren sich für Ver­bes­se­run­gen. Dar­un­ter auch die Mit­glie­der des Forum nach­hal­ti­ges Palm­öls (FONAP).

Selbst nachlesen: Zum Palmöl Check 2017
Selbst nach­le­sen: Zum Palm­öl Check 2017

44 Pro­zent der befrag­ten Unter­neh­men geben an, zer­ti­fi­zier­tes Palm­öl voll­stän­dig oder zumin­dest teil­wei­se ein­zu­set­zen. 88 Unter­neh­men set­zen zu aus­schließ­lich zer­ti­fi­zier­te Ware ein, das waren 2015 nur 29 Unter­neh­men. Auch der Anteil an rei­nem, zer­ti­fi­zier­tem Palm­öl (SG-Qua­li­tät) wächst. 25 Unter­neh­men bezie­hen aus­schließ­lich segre­gier­tes Palm­öl – vor zwei Jah­ren waren es nur neun.

Die Hälf­te der Fir­men sagt (und tut) nichts

Vie­le Fir­men tun anschei­nend nichts. Seit Jah­ren haben wir eine trä­ge, intrans­pa­ren­te Mas­se. Fast die Hälf­te der befrag­ten Unter­neh­men ver­wei­gern zum Teil seit Jah­ren Aus­kunft über ihre Palm­öl-Ein­kauf.

Was die Poli­tik tun muss

Um die­se Unter­neh­men zu errei­chen, sind unse­re Arbeit und der Druck der Ver­brau­cher anschei­nend nicht genug. Hier muss die Poli­tik ein­grei­fen und alle Palm­öl-Impor­te an die Ein­hal­tung von öko­lo­gi­schen und sozia­len Kri­te­ri­en knüp­fen.

Geht doch: Palm­öl fair, bio und sozi­al

Aber es geht auch fort­schritt­lich: Bio und fair und Palm­öl. Eini­ge weni­ge Unter­neh­men nut­zen Bio-Palm­öl. Sie gehen damit einen gro­ßen Schritt vor­an. Die Bio-Pro­duk­ti­on setzt näm­lich orga­ni­sche Dün­ger ein und ver­zich­tet gänz­lich auf Pes­ti­zi­de. Eini­ge Vor­rei­ter set­zen zusätz­lich zu Bio noch auf eine „Fair for Life“-Zertifizierung, um auch gute sozia­le Bedin­gun­gen zu schaf­fen. Ins­be­son­de­re für Klein­bau­ern.

Aber auch der kon­ven­tio­nel­le Markt muss unbe­dingt muss mehr tun. Denn immer noch fal­len Mil­lio­nen Hekt­ar Wald dem Palm­öl­an­bau zum Opfer!

Wir for­dern von den Unter­neh­men:

  • sofort mit der Umstel­lung auf 100 Pro­zent zer­ti­fi­zier­tes, segre­gier­tes Palm­öl zu begin­nen
  • nur noch von Lie­fe­ran­ten zu kau­fen, die wei­ter­füh­ren­de Kri­te­ri­en wie FONAP erfül­len
  • auch bei Palm­kern­öl und Deri­va­ten nur zer­ti­fi­zier­te Ware ein­zu­set­zen
  • wo eine phy­si­sche Umstel­lung noch nicht mög­lich ist, sofort den gesam­ten Ein­kauf mit Zer­ti­fi­ka­ten abzu­de­cken.
  • die Unter­stüt­zung von Klein­bau­ern beim nach­hal­ti­ge­ren Anbau durch den Kauf von Zer­ti­fi­ka­ten oder durch Unter­stüt­zung in Pro­jek­ten vor Ort
  • aktiv bei der Zer­ti­fi­zie­rungs­sys­te­men mit­zu­ar­bei­ten
  • Pro­duk­te zu kenn­zeich­nen, um bewuss­te­re Kauf­ent­schei­dun­gen zu ermög­li­chen

Was Du tun kannst

  • Acht Pro­zent des impor­tier­ten Palm­öls wer­den an Geflü­gel, Schwei­ne und Rin­der ver­füt­tert! Des­we­gen: Weni­ger und dafür bes­se­res Fleisch (am bes­ten bio) hilft auch den Palm­öl-Fuß­ab­druck zu ver­rin­gern.
  • Mit fri­schen Lebens­mit­teln statt Fer­tig­pro­duk­ten kochen.
  • weni­ger Süßes und Fet­ti­ges (ohne­hin gesün­der)
  • lie­ber Fahr­rad oder Bahn statt Auto nut­zen (sie­he oben)
  • Wenn Ihr Pro­duk­te mit Palm­öl ein­kauft, soll­tet ihr auf eine Zer­ti­fi­zie­rung ach­ten. Dabei gilt: am bes­ten Bio, min­des­tens RSPO.

In der Score­card könnt Ihr Euch infor­mie­ren, wel­che Mar­ken gut daste­hen beim The­ma Palm­öl und wel­ches Palm­öl zum Bei­spiel  in die Eigen­mar­ken im Super­markt um die Ecke fließt.

Wer Code­check nutzt, fin­det dort auch die Ergeb­nis­se der Score­card.

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Über mich
Ilka Petersen

Expertin für Palmöl, seit 2009 beim WWF Deutschland. Anfangs habe ich nicht verstanden, warum wir bei den Runden Tischen mitmachen. Aber bei Besuchen in den Produktionsländern habe ich gesehen, dass wir uns mit dem Thema beschäftigen müssen. Manchmal frustrierend, weil alles viel zu langsam geht - aber wenn man auf einer guten Palmöl-Plantage steht, zerbrechen schon mal Feindbilder. Im Urlaub stecke ich den Kopf am liebsten beim Tauchen unter Wasser. Im Büro sorgt mein Hund Lotte für Entspannung.

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