War­um Mil­lio­nen Küken geschred­dert wer­den


Legehennen in konventioneller Haltung mit kupierten Schnäbeln: Ihre Brüder wurden getötet.
Legehennen in konventioneller Haltung mit kupierten Schnäbeln: Ihre Brüder wurden getötet. © Markus Wolter, WWF

Alle Eier­käu­fer ste­hen vor einem ethi­schen Pro­blem – wenn sie davon wis­sen. 40 Mil­lio­nen männ­li­che Küken wer­den jedes Jahr direkt nach dem Schlüp­fen getö­tet, da sie nicht genü­gend Mus­kel­fleisch anset­zen. Ihre Schwes­tern legen die zehn Mil­li­ar­den Eier, die jedes Jahr in deut­schen Ein­kaufs­kör­ben lan­den.

Hoch­leis­tungs­hen­nen und ihre Brü­der

Heu­te wer­den in Deutsch­land vor allem Hen­nen gehal­ten, die auf eine extrem hohe Lege­leis­tung gezüch­tet sind. Bis zu 300 Eier legt solch eine Hen­ne. Deren Brü­der fin­den kei­ne Ver­wen­dung, da sie den heu­ti­gen Zucht­li­ni­en aus der Mast unter­le­gen sind. Sie set­zen nicht in der gefor­der­ten Zeit die nöti­ge Men­ge Fleisch an und wer­den des­halb nach dem Schlüp­fen aus­sor­tiert — und getö­tet. Meis­tens wer­den sie geschred­dert. Die­ses Pro­blem stellt sich auch für Bio-Eier Erzeu­ger, die auf die­sel­ben Zucht­li­ni­en wie die kon­ven­tio­nel­len Kol­le­gen zurück­grei­fen müs­sen. Eine eige­ne Bio-Lege­hen­nen-Zucht exis­tiert kaum mehr.

Tier­schüt­zer lau­fen seit Jah­ren dage­gen Sturm. Die Bun­des­re­gie­rung will das mil­lio­nen­fa­che Töten männ­li­cher Küken nun end­lich been­den. “Einen rea­lis­ti­schen Zeit­plan zum Aus­stieg aus der Küken­tö­tung noch vor Ostern”, kün­dig­te Agrar­mi­nis­ter Schmidt in der ‘Bild’-Zeitung an. Dabei blieb es aber.

Gericht kippt Ver­bot

In Nord­rhein-West­fa­len wur­de die Küken­tö­tung 2013 ver­bo­ten – was aber das Ver­wal­tungs­ge­richt Min­den wie­der kas­sier­te. Tie­re dür­fen laut Para­graph 1 des Deut­schen Tier­schutz­ge­set­zes nur mit ver­nünf­ti­gem Grund getö­tet wer­den. Das Gericht sah ihn in der wirt­schaft­li­chen Alter­na­tiv­lo­sig­keit des Ver­fah­rens.

Auf Hof Ankersolt bleiben die Brüder der Legehennen am Leben: Bauer mit zwei Bruderhähnen.
Die­se Brü­der durf­ten über­le­ben: Hof Anker­solt © Mar­kus Wol­ter, WWF

 

Ein gutes Bei­spiel

Es gibt Höfe, die auf den Küken­mord ver­zich­ten. Beim Hof Anker­solt etwa wer­den die Bru­der­kü­ken am Leben gelas­sen.

Wie das funk­tio­niert habe ich Chris­ti­an Jes­sen auf sei­nem Bio-Hof gefragt.

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Über mich
Markus Wolter

Referent für Agrarrohstoffe und Tierhaltung beim WWF Deutschland. Landwirtschaft prägt mein Leben. Mich fasziniert dabei, dass es die weltweit einzige Wirtschaftsweise ist, die dank der Photosynthese in der Lage ist mehr zu erzeugen, als sie verbraucht. Und das mit der Natur und nicht gegen sie - das ist wahre Nachhaltigkeit! Ich bin Landwirt, Entwicklungshelfer, landwirtschaftlicher Berater, Einkäufer für Bio-Ölsaaten gewesen und jetzt Projektleiter für nachhaltigere Nutztierfütterung. +++Markus hat den WWF inzwischen verlassen+++

2 Kommentare

  1. Avatar
    Patricia
    23. April 2015
    Antworten

    Folgt man dem Link im Blog-Arti­kel zum Hof Anker­solt, erreicht man deren Web­site. Hier wird ganz klar aus­ge­führt: “Auch die Bru­der­kü­cken unse­rer Lege­hen­nen wer­den kurz nach dem Schlüp­fen getö­tet”. Man kann ein­fach Nix und Nie­man­dem mehr glau­ben :o(

  2. Avatar
    24. April 2015
    Antworten

    Hal­lo Patri­cia,

    vie­len Dank für den Hin­weis.
    Du hast recht. Noch hat Chris­ti­an Jes­sen nicht so vie­le Kun­den für sei­ne Eier und Bru­der­häh­ne gefun­den, dass er das gan­ze Jahr hin­durch etwas anbie­ten kann. Des­halb ist es so wich­tig, dass die Kon­su­men­ten sich über die­ses The­ma bewusst wer­den und — wenn sie Eier essen — die Nach­fra­ge nach Bru­der­hahn-Eiern erhö­hen. Wie vie­le Bru­der­häh­ne es gibt, liegt letz­ten Endes in der Hand der Ver­brau­cher.
    Zum Zeit­punkt mei­nes Besu­ches auf dem Hof Anker­solt waren (die im Blog benann­ten) 250 Bru­der­häh­ne in der Mast und man konn­te die Eier aus der Bru­der­hahn Initia­ti­ve dort kau­fen.
    Aktu­ell kann Bau­er Jes­sen tat­säch­lich kei­ne Eier und Mast­hüh­ner anbie­ten. Aber Nach­fra­gen lohnt sich, denn er will unbe­dingt an dem The­ma dran­blei­ben und kann auch in nächs­ter Zeit wie­der etwas anbie­ten.
    Vie­le Grü­ße
    Mar­kus

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