Zehn Tie­re, die in Deutsch­land aus­ge­stor­ben sind


In Deutschland ausgestorbene Tiere: Europäische Ziesel
Europäische Ziesel © WildWondersofEurope / Konrad Wothe / WWF

Frü­her leb­ten in Deutsch­lands Wild­nis Bären, Gei­er und Elche. Vie­le Tie­re, die hier ein­mal zu Hau­se waren, sind schon seit über 150 Jah­ren aus­ge­stor­ben, man­che erst vor Kur­zem. Eini­ge waren in Deutsch­land ende­misch, es gab sie also nur bei uns.

Ande­re bereits aus­ge­stor­be­ne Arten keh­ren lang­sam zurück und wer­den gera­de wie­der heimisch.

Flip­per leb­te einst in Nord- und Ostsee

Wenn wir an Del­fi­ne den­ken, haben wir meist Gro­ße Tümm­ler im Kopf: Die bekann­tes­te Del­fin-Art, auch durch die Fern­seh­se­rie Flip­per aus den 1960er Jah­ren. In der deut­schen Nord- und Ost­see gel­ten die Del­fi­ne seit 1970 als aus­ge­stor­ben. Ein­zel­ne Gro­ße Tümm­ler oder klei­ne Grup­pen tau­chen aber als unre­gel­mä­ßi­ge Gäs­te bei­spiels­wei­se manch­mal in der Kie­ler För­de oder auch in der Ost­see auf und erre­gen regel­mä­ßig Aufmerksamkeit

Euro­päi­sche Zie­sel: Unse­re „Erd­männ­chen“

Ein Zie­sel ist ein etwa 20 Zen­ti­me­ter gro­ßes, gelb­lich-brau­nes Hörn­chen. Fast erin­nern Zie­sel ein wenig an Erd­männ­chen: Die Step­pen­be­woh­ner leben eben­falls in Kolo­nien, machen Männ­chen, um Wache zu hal­ten und war­nen ihre Art­ge­nos­sen mit einem schril­len Pfiff. Aller­dings sind Zie­sel Nage­tie­re, kei­ne Raubtiere.

Mit­te der 1980er Jah­re sind die nied­li­chen Nager in Deutsch­land aus­ge­stor­ben – vor allem durch die Zer­stö­rung der Gras- und Wie­sen­land­schaf­ten. Eine Wie­der­an­sie­de­lung ver­lief lei­der erfolglos.

Braun­bä­ren: Impo­san­te Ex-Bewohner

Braun­bä­ren sind die größ­ten Land­raub­tie­re Mit­tel­eu­ro­pas. Auf­ge­rich­tet errei­chen sie eine Grö­ße zwi­schen 1,70 und 2,20 Metern. Je nach Ver­brei­tungs­ge­biet vari­iert das Gewicht zwi­schen 100 und 350 Kilo­gramm. In allen Popu­la­tio­nen aber sind die Männ­chen deut­lich grö­ßer und schwe­rer als die Weib­chen. Dabei ernäh­ren sich die gro­ßen Bären übri­gens vor­wie­gend vege­ta­risch. Schon im Mit­tel­al­ter muss­ten die fas­zi­nie­ren­den „Ted­dys“ sich in Deutsch­land immer wei­ter zurück­zie­hen. Ihre Wäl­der schwan­den und sie wur­den stark bejagt. Ein 1835 in Ober­bay­ern erschos­se­ner Braun­bär soll der letz­te sei­ner Art in Deutsch­land gewe­sen sein.

Braunbären Familie
1835 soll der letz­te Braun­bär in Deutsch­land erschos­sen wor­den sein © Dan­ny Green / WWF

Den meis­ten wird noch Bär Bru­no in Erin­ne­rung sein, der sich nach 171 Jah­ren end­lich wie­der zu uns ver­irr­te und schließ­lich soge­nann­ter „Pro­blem­bär“ sogleich erschos­sen wur­de. Um uns her­um in den Alpen leben noch klei­ne­re Bestän­de von eini­gen hun­dert Braun­bä­ren. Einer davon soll sich wie­der im Gehei­men nach Bay­ern auf­ge­macht haben. Gese­hen hat ihn kaum einer, aber des Öfte­ren wur­den sei­ne Spu­ren gefun­den. Wol­len wir hof­fen, dass es ihm nicht so wie dem armen Bru­no geht…

Opfer der indus­tria­li­sier­ten Land­wirt­schaft: Schwarzstirnwürger

Welche Arten sind in Deutschland bereits ausgestorben?
Schwarz­stirn­wür­ger: Trau­ri­ges Para­de­bei­spiel für das Aus­ster­ben von Arten durch die Land­wirt­schaft © ima­go / image­BRO­KER / HeinzHudelist

Der Schwarz­stirn­wür­ger (Lani­us minor) war bis Mit­te des 19. Jahr­hun­derts ein häu­fi­ger und in fast ganz Deutsch­land ver­brei­te­ter Brut­vo­gel. Er bevor­zugt einen offe­nen, land­wirt­schaft­lich exten­siv genutz­ten Lebens­raum. Mit der Inten­si­vie­rung der Land­wirt­schaft wur­den die Lebens­be­din­gun­gen für den Schwarz­stirn­wür­ger in ganz Mit­tel­eu­ro­pa immer schwie­ri­ger. Die Tie­re ernäh­ren sich fast aus­schließ­lich von boden­be­woh­nen­den Käfern und ande­ren Insek­ten. Die­se ver­schwan­den aber fast voll­stän­dig. So starb der Schwarz­stirn­wür­ger aus. Das letz­te Paar hat 1987 in Baden-Würt­tem­berg gebrü­tet. Danach ist es zwar gele­gent­lich noch zu Brut­zeit­be­ob­ach­tun­gen in Deutsch­land gekom­men, ein Brut­nach­weis gelang jedoch nicht mehr.

In Deutsch­land auch aus­ge­stor­ben: Clown-Vogel Papageitaucher

Es sind schil­lern­de Gestal­ten mit ihrem bun­ten Schna­bel, der auf­fäl­li­gen Augen­zeich­nung und den leuch­tend roten Bei­nen: Papa­gei­tau­cher wer­den etwa so groß wie Tau­ben und leben — wenn sie nicht gera­de brü­ten — auf dem offe­nen Meer. Hier sind sie in ihrem Ele­ment, an Land und in der Luft dage­gen nicht so sehr.

In Deutschland ausgestorben: Papageitaucher
Sel­te­ne Besu­cher: Papa­gei­tau­cher © Ralph Frank / WWF

Auch ihr Flug und der tap­si­ge Gang der pum­me­li­gen Vögel erschei­nen clow­nesk. Sie sind für ihre Grö­ße recht schwer, müs­sen mit ihren kur­zen Flü­geln häu­fig schla­gen und wir­ken bei Start und Lan­dung unge­schickt. Bis Anfang des 20. Jahr­hun­derts brü­te­ten die auf­fäl­li­gen Papa­gei­tau­cher noch auf Hel­go­land. Heu­te sind sie sel­te­ne Besu­cher, sol­len aber im Wat­ten­meer wie­der ange­sie­delt werden.

Ur-Tier Auer­och­se

Der Auer­och­se gehört zu den Arten, die nicht nur in Deutsch­land, son­dern welt­weit aus­ge­stor­ben sind. Auer­och­sen, auch Ure genannt, waren mäch­ti­ge Rin­der – vor der letz­ten Eis­zeit sogar bis zu zwei Meter groß, eine Ton­ne schwer und mit einem Kopf­um­fang von über drei Metern! Spä­ter wuch­sen sie etwas klei­ner. Doch die Jagd unse­rer Vor­fah­ren rot­te­te sie aus. Um 1470 wur­de der letz­te deut­sche Auer­och­se in Bay­ern erschos­sen, 1672 starb der letz­te Auer­och­se über­haupt in Maso­wi­en in Polen.

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Ver­schol­len: Baye­ri­sche Kurzohrmaus

Die Baye­ri­sche Kurz­ohr­maus ist höchs­tens rund zehn Zen­ti­me­ter groß und knapp 30 Gramm schwer. Ihre Ohren sind so klein, dass sie im Fell ver­schwin­den. Die eben­falls sehr klei­nen, run­den Knopf­au­gen sind viel­leicht das auf­fäl­ligs­te Merkmal.

Welche Tiere sind in Deutschland ausgestorben?
Baye­ri­sche Kurz­ohr­maus © Richard­Kraft / Baye­ri­sches Lan­des­amt für Umwelt / dpa

Die Mäus­chen gehö­ren zu den Wühl­mäu­sen und ver­dan­ken ihren Namen ihrer Ent­de­ckung in Gar­misch-Par­ten­kir­chen in Bay­ern. Erst 1961 wur­de die Art hier das ers­te Mal beschrie­benund starb im glei­chen Jahr aus: Nach­dem man 23 Exem­pla­re gefan­gen hat­te, wur­den in Deutsch­land nie wie­der Baye­ri­sche Kurz­ohr­mäu­se gefun­den. Genau­ge­nom­men gel­ten die pos­sier­li­chen Tie­re laut der Roten Lis­te bedroh­ter Arten als „aus­ge­stor­ben oder ver­schol­len“. Es gibt nur einen wei­te­ren Fund­ort und bekann­ten Lebens­raum in Tirol in Öster­reich. Doch auch hier wur­den seit 1977 kei­ne der Mäus­chen mehr gesichtet.

Ost­igel: In Deutsch­land ausgestorben

In Deutschland ausgestorbener Igel
Ost­igel und Wes­t­igel © IMAGO(2) Mon­ta­ge WWF

Was vie­le viel­leicht nicht wis­sen: Frü­her gab es zwei ver­schie­de­ne Igel-Arten in Deutsch­land. Einen Ost­igel und einen Wes­t­igel. Ja, wirk­lich. Der Ost­igel oder Weiß­brust­igel unter­schei­det sich, wie der Name schon sagt, durch sei­ne wei­ße Keh­le und Brust von dem Igel, der heu­te noch bei uns lebt: Dem Wes­t­igel oder Braunbrustigel.

Ost­igel leben heu­te noch bei­spiels­wei­se im Iran, in Russ­land, Isra­el, auf der Bal­kan-Halb­in­sel, auf Kre­ta und im nörd­li­chen Kau­ka­sus. Bei uns gel­ten sie seit vor 1945 als ausgestorben.

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Gab es nur hier: Bodensee-Kilch

Der Boden­see-Kilch war ein knapp 30 Zen­ti­me­ter lan­ger Süß­was­ser­fisch mit oliv­grü­nem oder brau­nem Rücken, den es nur im Boden­see gab. Er klaub­te Muscheln und Schne­cken vom Grund, wes­halb sei­ne Mund­öff­nung nach unten zeig­te – ein soge­nann­tes unter­stän­di­sches Maul. Der Boden­see-Kilch wur­de auch kom­mer­zi­ell befischt. Doch vor allem litt er unter dem sin­ken­den Sauer­stoff­ge­halt des Was­sers durch Dün­ge­ein­trä­ge aus der Land­wirt­schaft. Seit den 1970er Jah­ren gilt die Art als ausgestorben.

Gän­se­gei­er — seit fast 200 Jah­ren in Deutsch­land ausgestorben

In Deutschland ausgestorbener Vogel: Gänsegeier
Gän­se­gei­er © IMAGO Natur­e­Pic­tu­re­Li­bra­ry DannyGreen

Der Gän­se­gei­er sieht aus, wie man sich einen typi­schen Gei­er vor­stellt – nur hüb­scher. Er ist einer der Gro­ßen unter den Alt­welt­gei­ern mit einer Flü­gel­spann­wei­te von etwa zwei­ein­halb Metern. Beson­de­res Merk­mal sind sei­ne hel­len Kra­gen­fe­dern und die zwei­far­bi­gen Flügel.

Gän­se­gei­er leben heu­te noch in Süd­eu­ro­pa, in Marok­ko, Alge­ri­en, auf der Ara­bi­schen Halb­in­sel und dem Bal­kan. Im Mit­tel­al­ter waren sie auch bei uns ver­brei­tet. Doch Aas ist knapp in unse­rer auf­ge­räum­ten Agrar­land­schaft. Schon um 1850 ist der Gän­se­gei­er in Deutsch­land aus­ge­stor­ben. Aller­dings kann man ihn – von Süd­eu­ro­pa auf Nah­rungs­su­che kom­mend – seit ein paar Jah­ren sel­ten auch wie­der an unse­rem Him­mel entdecken.

Erfolgs­nach­rich­ten: Die Rückkehrer

Das sind nicht die ein­zi­gen aus­ge­stor­be­nen Tier­ar­ten in Deutsch­land. Eini­ge ande­re, sehr cha­ris­ma­ti­sche und für unser Öko­sys­tem und unse­re Arten­viel­falt wich­ti­ge Tie­re keh­ren glück­li­cher­wei­se lang­sam zu uns zurück oder kön­nen erfolg­reich wie­der ange­sie­delt wer­den. Dazu gehö­ren Wolf, Luchs, Wisent, Elch und Kegel­rob­be.

Mehr über die Rück­keh­rer kannst Du hier lesen!

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2 Kommentare

  1. Avatar
    Silke Sorge
    4. Juni 2022
    Antworten

    Lie­ber Herr Wotke,
    in dem Arti­kel fehlt eine Art (sicher­lich meh­re­re), für die es sehr wich­tig wäre: das West­li­che Hasel­huhn (Tetras­tes bona­sia rhen­ana). In Deutsch­land ist es bereits aus­ge­stor­ben, in ande­ren Gebie­ten des Ver­brei­tungs­ge­bie­tes wur­den nach inten­si­ver Nach­su­che durch Hasel­huhn-Exper­ten vor ein paar Jah­ren gera­de mal noch 3 Brut­paa­re gefunden.
    Inzwi­schen dürf­te die­se Unter­art also kom­plett ver­schwun­den sein. Da rhen­ana nicht nur ein ande­res Äuße­res, son­dern auch ande­re Habi­tat­an­sprü­che hat­te als ande­re Hasel­huhn-Unter­ar­ten, läßt sich das West­li­che Hasel­huhn in West­eu­ro­pa auch nicht durch Aus­wil­dern ande­rer Unter­ar­ten erset­zen. Auch in Men­schen­hand (Zoos) befin­det sich die­se Unter­art nicht.
    Viel­leicht fän­de man mit viel Auf­wand doch noch irgend­wo ein letz­tes Brut­paar, dem man die Eier neh­men könn­te, um sie in eine Erhal­tungs­zucht zu über­füh­ren. Aber dafür bräuch­te es Geld und die ent­spre­chen­den Geneh­mi­gun­gen, die man in Deutsch­land z.B. nicht bereit war zu erteilen.
    Infos und Kon­tak­te ver­mit­telt z.B. der Zoo Landau.
    Vie­le Grüße,
    Sil­ke Sorge

  2. Avatar
    8. Juni 2022
    Antworten

    Lie­be Frau Sor­ge, vie­len Dank für den Hin­weis! Lei­der sind bei uns schon vie­le Tier‑, pflan­zen und Pilz­ar­ten aus­ge­stor­ben. Wir sind gemein­sam auf­ge­ru­fen, dafür zu sor­gen, dass es nicht noch mehr wer­den. Vie­le lie­be Grü­ße Albert Wotke

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