5 Grün­de, war­um Braun­koh­le so unfass­bar schäd­lich ist


Schlote und dunkle Wolken - Blamage für die Bundesregierung: Deutschland hat seinen Klimaschutzplan 2050 nicht fertig bekommen. Und die Weltklimakonferenz COP 22 in Marrakesch läuft schon.
Kohlekraftwerke müssen für die deutschen Klimaziele vom Netz © iStock / Getty Images

Kein ande­res Land ver­brennt so viel Braun­koh­le wie Deutsch­land. Wir müs­sen raus, aus der Koh­le, so schnell wie mög­lich. Hier 5 gute Grün­de, war­um Braun­koh­le so unfass­bar schäd­lich ist. War­um wir aus­stei­gen müs­sen. Bes­ser jetzt als mor­gen.

1) Braun­koh­le ist der kli­ma­schäd­lichs­te Ener­gie­trä­ger

Braun­koh­le ist ein fos­si­ler Ener­gie­trä­ger und ent­hält sehr viel Koh­len­stoff, der bei Ver­bren­nung in Form von CO2 frei­ge­setzt wird. Das kras­se: Pro erzeug­te Kilo­watt­stun­de wird bei Braun­koh­le mehr CO2 als bei jedem ande­ren Ener­gie­trä­ger aus­ge­sto­ßen. Braun­koh­le­kraft­wer­ke sto­ßen rund drei  bis vier­mal so viel CO2 pro Kilo­watt­stun­de aus wie ein moder­nes Gas­kraft­werk. Braun­koh­le ist der größ­te Ein­zel­ver­ur­sa­cher von CO2. Und vier bis fünf der größ­ten CO2-Schleu­dern Euro­pas ste­hen in Deutsch­land.

Braunkohle Infografik: Kein Land verbraucht mehr als Deutschland

2) Braun­koh­le wei­ter zu för­dern ist sinn­los

Kein Land der Welt för­dert mehr Braun­koh­le. Doch wenn wir alle bereits frei­ge­ge­be­nen Braun­koh­le­re­ser­ven ver­bren­nen wür­den, wür­de Deutsch­land sein CO2-Bud­get für den gesam­ten Ener­gie­sek­tor aus­schöp­fen und die Atmo­sphä­re um zusätz­lich rund 3,84 Mil­li­ar­den Ton­nen CO2 belas­ten.

Das heißt: Die aller­meis­te Koh­le muss eh im Boden blei­ben. Schon im Jahr 2020 soll der deut­sche CO2-Aus­stoß gegen­über 1990 um 40 Pro­zent sin­ken. Bis­lang sind es 28 Pro­zent. Und die Abbau­ge­neh­mi­gung für den Tage­bau Ham­bach läuft erst 2040 aus.

För­dern wir also wei­ter flei­ßig Braun­koh­le, scha­det Deutsch­land sich selbst, dem Kli­ma und rui­niert sei­ne inter­na­tio­na­le Glaub­wür­dig­keit.

3) Braun­koh­le ist nicht bil­lig

Braun­koh­le ist wenigs­tens bil­lig. Von koh­le­freund­li­chen Poli­ti­kern und Lob­by­is­ten hört man das immer wie­der. Aber Braun­koh­le kommt bei Wei­tem nicht ohne Staats­hil­fen aus, wie von der Bran­che ger­ne gesagt wird. Im Gegen­teil: Die öffent­li­chen För­de­run­gen rei­chen bis in den drei­stel­li­gen Mil­li­ar­den-Euro-Bereich.

Die Sub­ven­tio­nen sind aber nur Teil der Kos­ten, die Braun­koh­le in der Rea­li­tät ver­ur­sacht. Auf gut 15 Mil­li­ar­den Euro kommt eine jün­ge­re Abschät­zung der „quan­ti­fi­zier­ba­ren gesell­schaft­li­chen Kos­ten“ (pdf) der deut­schen Braun­koh­le allein für das Jahr 2015. Ver­ant­wort­lich sind „exter­ne Kos­ten“, die durch CO2-Emis­sio­nen, Fein­staub, Queck­sil­ber und ande­re Schad­stof­fe ver­ur­sacht wer­den. Eben­so Ener­gie­steu­er­ver­güns­ti­gun­gen, Sanie­rung der ehe­ma­li­gen Tage­baue und so wei­ter.

Dazu kom­men noch Kos­ten, die nur schwer fest­ge­hal­ten wer­den kön­nen, wie die Umsied­lung von Dör­fern, die Ver­le­gung von Auto­bah­nen oder die Belas­tung von Grund­was­ser.

Was sich aber berech­nen lässt sind die Kos­ten für still­ge­leg­te Kraft­wer­ke. Auch wenn die schlimms­ten Dreck­schleu­dern end­lich vom Netz sind, blei­ben eini­ge in „Sicher­heits­be­reit­schaft“ – also einem Stand-by für Not­fäl­le. Kos­ten­punkt: 1,6 Mil­li­ar­den Euro. Auch wenn kei­ne ein­zi­ge Kilo­watt­stun­de Strom fließt.

Das Umwelt­bun­des­amt hat zudem errech­net, dass jede Ton­ne CO2, die wir in die Atmo­sphä­re bla­sen, 180 Euro Umwelt­kos­ten ver­ur­sacht. Für das Jahr 2016 kommt man da auf gan­ze 46 Mil­li­ar­den Euro.

4) Braun­koh­le macht krank

Durch Braun­koh­le wer­den nicht nur Unmen­gen an CO2 in die Luft gebla­sen, son­dern auch Stick­oxi­de, Schwe­fel­di­oxid, Fein­staub und Queck­sil­ber. Das ist nicht nur für die Umwelt eine Kata­stro­phe, son­dern die­ser gif­ti­ge Mix kann Atem­we­ge schä­di­gen, Herz-Kreis­lauf-Krank­hei­ten und Schlag­an­fäl­le aus­lö­sen.

Und des­we­gen sind Koh­le­kraft­wer­ke für Tau­sen­de vor­zei­ti­ge Todes­fäl­le ver­ant­wort­lich, wie eine Stu­die nach­ge­wie­sen hat. Damit ster­ben durch die gif­ti­gen Koh­le­ab­ga­se fast so vie­le Men­schen wie im Stra­ßen­ver­kehr.

5) Braun­koh­le zer­stört Hei­mat

Die Koh­le­ta­ge­baue machen gan­ze Land­sti­che kaputt. Das betrifft nicht nur den Ham­ba­cher Wald, son­dern auch Dör­fer wer­den abge­ris­sen. Mehr als 300 Sied­lun­gen und rund 100.000 Men­schen wur­den umge­sie­delt. Ver­lo­re­ne Hei­mat.

Des­halb: Am 1. Dezem­ber 2018 raus auf die Stra­ßen. In Ber­lin und Köln heißt es dann: Kli­ma schüt­zen – Koh­le stop­pen! Auf zur gro­ßen Kli­ma-Demo im Dop­pel­pack!

Klima-Demo Plakat für den 1. Dezember

  • Köln: 12 Uhr, Deut­zer Werft
  • Ber­lin: 12 Uhr, Kanz­ler­amt

Wir brau­chen Euch! Wir sehen uns!

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Julia Thiemann

Über mich
Julia Thiemann

Durch und durch Naturliebhaberin und stets draußen unterwegs, ob beim Beachvolleyball oder Wassersport, beim Fotografieren oder Geocachen. Studierte Journalistin und VJ, nun im Dienste des Pandas und somit auch offiziell Umweltschützerin.

2 Kommentare

  1. Avatar
    Cetin
    1. Dezember 2018
    Antworten

    Ich stim­me dem Arti­kel voll­kom­men zu. Ich fin­de dei­ne Arti­kel sehr hilf­reich und inter­es­sant. Ich hof­fe du bekommst viel mehr Erfolg. Mach wei­ter so!

  2. Avatar
    Artur
    31. Mai 2019
    Antworten

    hal­lo,
    ich inter­es­sie­re mich sehr für Kli­ma- und Umwelt­schutz und fin­de die­sen Blog sehr infor­ma­tiv.
    Mei­ne Beden­ken sind, wie kön­nen wir nach Abschal­tung der Kohl­kraft­wer­ke unse­ren Ener­gie­be­darf decken? Ob das tech­nisch über­haupt mög­lich sein wird, wenn zusätz­lich noch nahe­zu alle E‑fahrzeuge mit Strom ver­sorgt wer­den müs­sen.

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