Chi­na stoppt Finan­zie­rung von Koh­le im Ausland


Das Aus für die Kohle ist endgültig eingeläutet
Das Aus für die Kohle ist endgültig eingeläutet © Sam Hobson / WWF-UK

Die­ser Som­mer hat ein­mal mehr gezeigt, wie zer­stö­re­risch Extrem­wet­ter­er­eig­nis­se sind, die durch die Kli­ma­kri­se immer häu­fi­ger auf­tre­ten. Wäh­rend die Hoch­was­ser­ka­ta­stro­phe in Deutsch­land gan­ze Ort­schaf­ten weg­riss, lit­ten die Men­schen in Tei­len Euro­pas, Kana­das und den USA unter brü­ten­der Hit­ze und zer­stö­re­ri­schen Wald­brän­den. Auch Chi­na blieb nicht ver­schont. In eini­gen Pro­vin­zen fiel dort inner­halb von drei Tagen so viel Regen, wie sonst in einem Jahr. Dut­zen­de Men­schen kamen ums Leben. 

China Hochwasser Zhengzhou 2021
Auch Chi­na blieb 2021 nicht von Hoch­was­ser ver­schont Hoch­was­ser: © imago/Xhinhua

Xi for­dert mehr Tempo

Man könn­te mei­nen, dass die Bil­der auch beim chi­ne­si­schen Staats­chef, Xi Jin­ping, einen blei­ben­den Ein­druck hin­ter­las­sen haben. Im Rah­men der gest­ri­gen UN-Gene­ral­de­bat­te for­der­te Xi mehr Tem­po beim Über­gang zur treib­haus­gas­neu­tra­len Wirt­schaft und sicher­te zu, dass Chi­na alles tun wer­de, um das Ziel der Kli­ma­neu­tra­li­tät bereits vor 2060 zu errei­chen. Dazu wer­de das Land den Bau von neu­en Koh­le­kraft­wer­ken im Aus­land stop­pen und die Finan­zie­rung der Ener­gie­wen­de in den auf­stre­ben­den Län­dern des glo­ba­len Südens ausbauen. 

Wir begrü­ßen die­sen Schritt. Der Kli­ma- und Ener­gie­chef des WWF, Manu­el Pul­gar-Vidal sprach von einer Trendwende.

Mit einem nüch­ter­nen Satz kün­digt Xi das an, was wir zusam­men mit ande­ren Umwelt­or­ga­ni­sa­tio­nen und Energieexpert:innen bereits seit Jah­ren for­dern: ein Ende der Inves­ti­tio­nen in neue Koh­le­kraft­wer­ke. Chi­na ist aktu­ell welt­weit für die meis­ten Treib­haus­gas­emis­sio­nen ver­ant­wort­lich. Das Land stand, ange­sichts des jüngs­ten Berichts des Welt­kli­ma­ra­tes, zuneh­mend unter dem Druck der G7 Staa­ten, die das Aus für neue chi­ne­si­sche Koh­le­pro­jek­te im Aus­land for­der­ten. Zuletzt hat­ten die Pro­tes­te auch in den Län­dern zuge­nom­men, in denen Chi­nas Kraft­wer­ke gebaut wer­den — dar­un­ter sind Ban­gla­desch, Viet­nam und Kenia. Welt­weit sind mit Hil­fe staat­li­cher chi­ne­si­scher Ban­ken und Bau­fir­men Koh­le­kraft­wer­ke mit einer Gesamt­leis­tung von mehr als 53 Giga­watt (GWans Netz gegan­gen.  

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In ers­ter Linie ist die Nach­richt ein Durch­bruch für den Kli­ma­schutz. Immer­hin wer­den nun Koh­le­kraft­wer­ke mit einer Gesamt­ka­pa­zi­tät von 40 GW, ver­teilt auf 20 Län­der, nicht mehr ans Netz genom­men. Das ent­spricht der Gesamt­leis­tung der deut­schen Koh­lemei­ler. Min­des­tens genau­so wich­tig ist auch das Signal an die Kapi­tal­märk­te. Laut der Green Belt and Road Initia­ti­ve sind mehr als 70 Pro­zent der glo­ba­len Koh­le­kraft­wer­ke auf Finanz­sprit­zen aus Peking ange­wie­sen. Soll­te Chi­nas Kehrt­wen­de so umge­setzt wer­den, ist die wich­tigs­te Geld­quel­le für neue Koh­le­pro­jek­te welt­weit ver­siegt. Das könn­te mit­tel­fris­tig der ent­schei­den­de Sarg­na­gel für die Koh­le­ver­stro­mung sein.  

Glo­ba­ler Aus­stieg aus der Koh­le eingeleitet

Klar ist, dass der glo­ba­le Rück­zug aus der Koh­le­en­er­gie längst begon­nen hat. Eine neue Stu­die des Kli­ma-Think-Tanks E3G zeigt, dass Neu­bau­pro­jek­te für Koh­le­kraft­wer­ke seit dem Pari­ser Kli­ma­ab­kom­men um Drei­vier­tel ein­ge­bro­chen sind. 

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44 Län­der haben sich seit 2015 gegen neue Koh­le­kraft­wer­ke posi­tio­niert. In wei­te­ren 40 Län­dern wären der­zeit ohne­hin kei­ne Koh­le­kraft­wer­ke in den ent­schei­den­den Pro­jekt­pha­sen. Die Schwel­le liegt hier also nied­rig, sich eben­falls end­gül­tig von neu­en Koh­le­pro­jek­ten los­zu­sa­gen. Ins­ge­samt sei­en seit 2015 unglaub­li­che 1175 GW an Koh­le­strom-Kapa­zi­tä­ten nicht ans Netz gegan­gen. Das ent­spricht in etwa der gesam­ten Koh­le­kraft­ka­pa­zi­tät Chi­nas. Mög­lich gemacht wur­den die­se Schrit­te nicht nur durch Trend­wen­den in der Kli­ma- und Ener­gie­po­li­tik vie­ler Län­der. Unlängst hat sich auch der Kapi­tal­markt von der schmut­zigs­ten Form der Ener­gie­ver­sor­gung abge­wen­det. Schließ­lich trei­ben auch Umwelt­or­ga­ni­sa­tio­nen und die Zivil­ge­sell­schaft den Wan­del in ent­schei­den­dem Maße vor­an.   

WWF Grafik Sinkende Investitionen in fossile Energie
Die Inves­ti­tio­nen in fos­si­le Ener­gie gehen zurück © WWF

Die­se Fra­gen blei­ben noch offen 

Chi­na bleibt der Dreh- und Angel­punkt, wenn es dar­um geht, wirk­sa­me Ener­gie- und Kli­ma­po­li­tik auch auf inter­na­tio­na­lem Niveau vor­an zu brin­gen. Selbst wenn wirk­lich Schluss sein soll­te mit chi­ne­si­schen Inves­ti­tio­nen in neue Koh­le­pro­jek­te im Aus­land, blei­ben vie­le Fra­gen offen. So nann­te Xi in sei­ner Rede kein Datum, ab dem die Finan­zie­rung inter­na­tio­na­ler Koh­le­kraft­pro­jek­te ein­ge­stellt wird. Frag­lich bleibt auch, ob es sich dabei aus­schließ­lich um Pro­jek­te han­delt, die sich noch in der Pla­nung befin­den – oder ob auch im Bau befind­li­che Koh­le­kraft­wer­ke betrof­fen sind. Zudem ist unklar, inwie­weit sich die Aus­sa­ge auf staat­li­che oder pri­va­te Unter­neh­men bezieht. 

Auch in Chi­na selbst ist noch eini­ges zu tun: Allein im ver­gan­ge­nen Jahr gin­gen inner­halb Chi­nas Koh­le­kraft­wer­ke mit einer Gesamt­ka­pa­zi­tät von rund 38 GW ans Netz – das Drei­fa­che der welt­weit neu gebau­ten Kapa­zi­tä­ten. Laut eines Exper­ten­be­richts der Initia­ti­ve Car­bon Tra­cker sind wei­te­re Koh­le­kraft­wer­ke mit einer Leis­tung von ins­ge­samt 187 GW in der Pipe­line. Das ent­spricht mehr als der Hälf­te der welt­weit im Bau befind­li­chen Koh­le­kraft­ka­pa­zi­tä­ten. Koh­le ist im chi­ne­si­schen Strom­mix noch der wich­tigs­te Ener­gie­trä­ger – und die neu gebau­ten Kraft­wer­ke haben Lauf­zei­ten von bis zu 50 Jahren.

Son­nen­kraft­werk in Chi­na © imago/Xinhua/Gao Han

Gleich­wohl sind auch Chi­nas erneu­er­ba­re Kapa­zi­tä­ten eben­falls in beträcht­li­chem Umfang gewach­sen. Es drängt sich also die Fra­ge auf, wann Chi­na auch inner­halb sei­ner Lan­des­gren­zen die Abkehr von der Koh­le­ver­stro­mung kon­se­quent voll­zieht. 

Ein Signal vor dem Klimagipfel

Xi Jin­pings Ankün­di­gung kommt zu einem ent­schei­den­den Zeit­punkt. In weni­gen Wochen fin­det der G20-Gip­fel in Rom statt, bei dem es unter ande­rem dar­um geht, den kli­ma­schäd­li­chen Sub­ven­tio­nen ein Ende zu set­zen und die benö­tig­te Kli­ma­fi­nan­zie­rung zu ent­fes­seln. Im Novem­ber folgt der Kli­ma­gip­fel in Glas­gow. Chi­na ist eines der Schüs­sel­län­der, wenn es dar­um geht, die Erd­er­hit­zung zu begren­zen und die Kli­ma­zie­le ein­zu­hal­ten. Wie vie­le ande­re wer­den wir daher genau beob­ach­ten, inwie­fern den ambi­tio­nier­ten Plä­nen nun auch Taten folgen.

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