Koh­le kos­tet Leben


Schauradbagger bei der Kohleförderung: Der Kohleusstieg ist nicht nur wegen des Klimas alternativlos - sondern auch wegen der Gesundheit
Eine Studie zeigt: Kohleverstromung schadet massiv der Gesundheit © iStock / Getty Images

Staub­lun­ge“ nen­nen die Berg­män­ner die gefürch­te­te Berufs­krank­heit, die vie­len von ihnen zu schaf­fen macht, nach­dem sie sich Jah­re unter Tage abge­ra­ckert haben. Koh­le­staub ist aber nicht nur für die Arbei­ter im Berg­werk gefähr­lich. Das zeigt die neue Stu­die Europe’s Dark Cloud von einer Grup­pe NGOs und dem WWF. Wir rech­nen dar­in vor, dass die Koh­le­ver­stro­mung allein inner­halb der EU für fast 23.000 vor­zei­ti­ge Todes­fäl­le, Zehn­tau­sen­de von Herz- und Lun­gen­krank­heits­fäl­len und mehr als 62 Mil­li­ar­den Euro Gesund­heits­kos­ten ver­ant­wort­lich ist.

Der Koh­le­aus­stieg ist schon aus Gesund­heits­grün­den not­wen­dig

Der Report berück­sich­tigt die Emis­si­ons­da­ten von 257 der 280 Koh­lemei­ler in der EU. Er macht deut­lich, dass ein Koh­le­aus­stieg nicht nur aus Grün­den des Kli­ma­schut­zes zwin­gend ist, son­dern auch aus gesund­heits­po­li­ti­schen Grün­den drin­gend ange­gan­gen wer­den muss.

Die vie­len vor­zei­ti­gen Todes­fäl­le beru­hen auf sta­tis­ti­schen Berech­nun­gen, denen der aktu­el­le Wis­sens­stand zu den Aus­wir­kun­gen von Fein­staub­be­las­tung und die Erkennt­nis­se gro­ßer epi­de­mio­lo­gi­scher Stu­di­en zugrun­de lie­gen. Die Opfer­zah­len sind des­halb aber nicht weni­ger real. Ihre Zahl bewegt sich in einer ähn­li­chen Grö­ßen­ord­nung wie die der jähr­lich zu bekla­gen­den Ver­kehrs­to­ten in der EU. Die Koh­le­ver­stro­mung ist nicht nur Gift fürs Welt­kli­ma, die schmut­zi­gen Abga­se aus den Schlo­ten der Koh­le­kraft­wer­ke machen an Län­der­gren­zen nicht halt und haben noch in gro­ßer Ent­fer­nung ver­hee­ren­de Aus­wir­kun­gen auf die Gesund­heit der Men­schen.

Schmutzige Kohle: Ein Helm liegt auf einer Kohlehalde: Lautb der Studie Dark Cloud sterben jährlich tausende Menschen an den Emissionen aus der Kohleverstromung verfrüht
Koh­le scha­det unse­rer Gesund­heit © iStock / Get­ty Images

Die fünf EU-Staa­ten, die am meis­ten den Kon­ti­nent belas­ten sind Polen, des­sen Kraft­wer­ke jähr­lich euro­pa­weit etwa 5830 vor­zei­ti­ge Todes­fäl­le ver­ur­sa­chen, Deutsch­land mit 4350 Fäl­len sowie Groß­bri­tan­ni­en (2860), Rumä­ni­en (2170) und Bul­ga­ri­en (1570). Die­se Län­der gehö­ren zum Teil auch zu den gro­ßen Leid­tra­gen­den: Die fünf EU-Staa­ten, die am meis­ten unter der Schad­stoff­be­las­tung durch Koh­le­ver­stro­mung lei­den sind Deutsch­land (3630 vor­zei­ti­ge Todes­fäl­le durch inlän­di­sche und aus­län­di­sche Koh­le­kraft­wer­ke), Groß­bri­tan­ni­en (2100), Polen (1860), Ita­li­en (1610) und Frank­reich (1380). Ein EU-wei­ter Koh­le­aus­stieg wür­de daher allen Bür­gern des Kon­ti­nents zugu­te kom­men. Jedes abge­schal­te­te Koh­le­kraft­werk wäre eine deut­li­che Ver­bes­se­rung für die gesund­heit­li­che Situa­ti­on der Anwoh­ner, aber auch für Men­schen in der wei­te­ren Umge­bung.

Deutsch­land muss Vor­rei­ter­rol­le im Kli­ma­schutz über­neh­men

Strom aus Koh­le schlägt uns gewis­ser­ma­ßen direkt auf die Lun­ge. Im Allein­gang wird kein EU-Land das Pro­blem der Luft­ver­schmut­zung lösen kön­nen. Nicht zuletzt weil Deutsch­land das am stärks­ten betrof­fe­ne Land in Euro­pa ist und zu den größ­ten Ver­ur­sa­chern zählt, soll­te dies die Bun­des­re­gie­rung zum Han­deln brin­gen. Ein Koh­le­aus­stieg muss zum Schutz der Bevöl­ke­rung so schnell wie mög­lich erfol­gen. Für kei­nen ande­ren Ener­gie­trä­ger zah­len wir einen so hohen Preis an exter­nen Gesund­heits­kos­ten wie für die Koh­le. Die Kos­ten für die Redu­zie­rung von Treib­haus­gas­emis­sio­nen und Luft­schad­stof­fen lie­ßen sich zum Teil durch damit ein­her­ge­hen­de sin­ken­de Gesund­heits­kos­ten finan­zie­ren.

Deutsch­land soll­te vor­an­ge­hen und in den kom­men­den Mona­ten die Grund­la­gen für einen sozi­al­ver­träg­li­chen Fahr­plan zum Aus­stieg aus der Koh­le­ver­stro­mung bis spä­tes­tens 2035 schaf­fen. Dazu gehört ein ambi­tio­nier­ter Kli­ma­schutz­plan 2050 eben­so wie die kurz­fris­tig wirk­sa­me Nach­schär­fung des Akti­ons­pro­gramms Kli­ma­schutz zur Errei­chung des Kli­ma­schutz­ziels von 40 Pro­zent weni­ger Treib­haus­gas­emis­sio­nen bis 2020.

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Über mich
Viviane Raddatz

Ist beim WWF Deutschland die Spezialistin für alle Fragen rund um die Themen Energie und Verkehr. Ich bin seit acht Jahren im WWF-Klimateam und zurzeit bin ich mit @LichtBlick_de dabei, die Energiewende zu beschleunigen. Ich komme aus Berlin und bedaure es verpasst zu haben meine Kinder zweisprachig (hochdeutsch und berlinernd) zu erziehen - worüber sich mein Sohn jüngst sehr beschwert hat, als er meine Oma nicht mehr verstand.

1 Kommentar

  1. […] des­we­gen sind Koh­le­kraft­wer­ke für Tau­sen­de vor­zei­ti­ge Todes­fäl­le ver­ant­wort­lich, wie eine Stu­die nach­ge­wie­sen hat. Damit ster­ben durch die gif­ti­gen Koh­le­ab­ga­se fast so vie­le Men­schen wie im […]

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