Der Schwert­stör gilt nun als offi­zi­ell aus­ge­stor­ben


Traurige Nachrichten vom Stör: Der charismatische Schwertstör gilt nun offiziell als ausgestorben. © Natalia Belay / Shutterstock
Traurige Nachrichten: Der charismatische Schwertstör gilt nun offiziell als ausgestorben. © Natalia Belay / Shutterstock

Es gibt kei­nen Schwert­stör mehr. Wirk­lich über­ra­schend kam die­se Nach­richt vom Ver­schwin­den des Störs zwar nicht, trau­rig ist sie trotz­dem. Nach­dem meh­re­re Ver­su­che erfolg­los blie­ben, leben­de Exem­pla­re nach­zu­wei­sen, gilt der Rie­sen­fisch nun als aus­ge­stor­ben.

Ein ganz beson­de­rer Stör

Es geht mir nicht nur um den Stör. Für mich als Arten­schüt­zer ist der Ver­lust jeder Tier­art immer bedrü­ckend. Schließ­lich geht jede aus­ge­stor­be­ne Art unwie­der­bring­lich ver­lo­ren. Bei solch cha­ris­ma­ti­schen Arten wie dem Stör wird mir das beson­ders deut­lich. Schließ­lich war die­ser Fluss­rie­se ein ein­zig­ar­ti­ger Fisch – im wahrs­ten Sin­ne des Wor­tes. Er war der ein­zi­ge Ver­tre­ter sei­ner Gat­tung, die nun mit ihm ver­schwun­den ist. Er teilt sich eine sys­te­ma­ti­sche Fami­lie mit nur einer wei­te­ren Art, dem bedroh­ten Löf­fel­stör des US-ame­ri­ka­ni­schen Mis­sis­sip­pi.

Der Schwert­stör: Der ein­zi­ge sei­ner Gat­tung

Um die Trag­wei­te des Ver­lusts deut­lich zu machen, hilft ein Ver­gleich bei Säu­ge­tie­ren – die lie­gen mir und den meis­ten Men­schen ein­fach näher als die Fische. Die bei­den Ele­fan­ten­ar­ten zum Bei­spiel bil­den eben­falls zusam­men eine sys­te­ma­ti­sche Fami­lie und sind jeweils die ein­zi­gen Ver­tre­ter ihrer Gat­tung. Der Ver­lust die­ses Störs wiegt an evo­lu­tio­nä­rer Viel­falt inner­halb der Fische also ähn­lich schwer, als wenn der Asia­ti­sche Ele­fant inner­halb der Säu­ge­tie­re ver­schwin­den wür­de.

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Ehe­mals waren der cha­ris­ma­ti­sche Stör, der durch­schnitt­lich bis zu drei Meter lang wur­de, aus­schließ­lich im chi­ne­si­schen Fluss Jang­tse behei­ma­tet. Dass zuletzt ein leben­der Schwert­stör in frei­er Wild­bahn gesich­tet wur­de, ist lan­ge her. Im Jahr 2003 lie­ßen For­scher und For­sche­rin­nen ein ver­se­hent­lich gefan­ge­nes Weib­chen mit einem Sen­der frei. Nach zwölf Stun­den ging das Signal ver­lo­ren. Nie­mand sah jemals wie­der einen Schwer­stör.

Auf­wän­di­ge Suche nach dem Stör

Und dass, obwohl auf der Suche nach dem Stör kein Auf­wand gescheut wur­de: Bei einer hydro­akus­ti­schen Echo­lot-Ortung fan­den Wis­sen­schaft­ler und Wis­sen­schaft­le­rin­nen in den Jah­ren zwi­schen 2006 und 2009 Hin­wei­se auf neun mög­li­che Stö­re. Davon konn­ten sie ledig­lich zwei “sehr wahr­schein­lich” der gesuch­ten Art zuwei­sen. Ein direk­ter Fang gelang jedoch nicht. Zwi­schen 2017 und 2018 wie­sen Unter­su­chun­gen zur Fisch­viel­falt im Jang­tse-Becken zwar 332 Fisch­ar­ten nach. Dar­un­ter befand sich aber kein ein­zi­ger Schwert­stör.

Heimat der Störe: Der Jangtse-Fluss, der größte Fluss Asiens. © martinhosmart / iStock / Getty Images Plus
Der Jang­tse-Fluss ist der größ­te Fluss Asi­ens. © mar­tin­hos­mart / iStock / Get­ty Images Plus

Der gigan­ti­sche Stör war ein leben­des Fos­sil, das sich nur schwer an sich ver­än­dern­de Umwelt­ein­flüs­se anpas­sen konn­te. Die Grün­de für sein Aus­ster­ben sind dem­entspre­chend viel­fäl­tig. Zum einen benö­tig­ten Schwert­stö­re viel Zeit, um sich fort­zu­pflan­zen. Frü­hes­tens nach fünf Jah­ren erreich­ten die Männ­chen ihre Geschlechts­rei­fe. Bei den Weib­chen dau­er­te es noch etwas län­ger. Arten, die sich erst so spät fort­pflan­zen, sind lei­der beson­ders anfäl­lig für Stö­run­gen durch uns Men­schen. Die Zeit, die sie brau­chen, haben wir ihnen nicht mehr gege­ben.

Über­fi­schung im Jang­tse: 25 Ton­nen Schwert­stör im Jahr

Dabei war der Stör in his­to­ri­schen Zei­ten ein recht weit ver­brei­te­ter Süß­was­ser­fisch in den Flüs­sen, die im West-Pazi­fik mün­den. Seit den 1950ern wur­de er aber fast aus­schließ­lich im Jang­tse gese­hen. Und dort sorg­te die kom­mer­zi­el­le Über­fi­schung bald für einen dra­ma­ti­schen Rück­gang der Bestands­zah­len. Noch in den 70ern wur­den jähr­lich etwa 25 Ton­nen Schwert­stö­re im Jang­tse gefischt.

Gleich­zei­tig wur­de der Lebens­raum Fluss immer wei­ter zer­stü­ckelt. Beson­ders schwer­wie­gend für die Stö­re war dann der Bau des Gez­hou­ba-Was­ser­kraft­werks, der den Stör-Bestand in zwei Tei­le zer­schnitt und die Wan­de­rung der Alt­tie­re in die Laich­ge­bie­te ver­hin­der­te. Das besie­gel­te sein Aus­ster­ben – nur noch 210 Sich­tun­gen gelan­gen zwi­schen 1981 und 2003, die meis­ten unter­halb des Stau­dam­mes. Wenn sich eine Art nicht mehr fort­pflan­zen kann, wird sie lang­fris­tig ver­schwin­den. Da hilft ihr weder Grö­ße noch Lebens­dau­er.

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Schwert­stör aus­ge­stor­ben: Hät­te man etwas unter­neh­men kön­nen?

Ja, schät­zen die Exper­ten und Exper­tin­nen. Nur hät­te man schon viel frü­her anset­zen müs­sen, wohl schon in den 70ern oder 80ern. Hilf­reich für den Stör wären früh­zei­ti­ge Natur­schutz-Maß­nah­men wie Erhalt von Wan­der­be­we­gun­gen, Lebens­raum-Wie­der­her­stel­lung, Bei­fang-Reduk­ti­on und Fisch­fang-Stopps gewe­sen.

Der Schwert­stör ist indes in sei­nem Schick­sal lei­der nicht allei­ne. Auch der Chi­ne­si­sche Fluss­del­fin, der im Jang­tse­kiang behei­ma­tet war, gilt als aus­ge­stor­ben. Wei­te­re Arten wie der Chi­ne­si­sche Stör und die Yangt­ze Rie­sen­weich­schild­krö­te ste­hen kurz vor der Aus­rot­tung. Auch in ande­ren Fluss­sys­te­men sind wan­dern­de Rie­sen­fi­sche sind durch Über­fi­schung und Damm­bau­ten vom Aus­ster­ben bedroht, unter ande­rem der Mekong-Rie­sen­wels im süd­oasia­ti­schen Mekong,

Fisch­fang­ver­bot im Jang­tse­kiang erlas­sen

Die chi­ne­si­sche Regie­rung hat nun reagiert und ein Fisch­fang­ver­bot für den Jang­tse­kiang erlas­sen. Gan­ze zehn Jah­re lang soll sich der längs­te Fluss Asi­ens rege­ne­rie­ren kön­nen. So sehr die­se Ent­schei­dung zu begrü­ßen ist, für den Stör kommt sie lei­der zu spät.

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Über mich
Arnulf Köhncke

Ich bin Ökologe und leite den Fachbereich Artenschutz beim WWF Deutschland. Seitdem ich vor einiger Zeit mal für knapp ein Jahr in Kambodscha gelebt und gearbeitet habe, bin ich von der Region Südost-Asien, seinen Menschen und seiner Natur fasziniert. Inzwischen arbeite ich allgemeiner an den Herausforderungen, bedrohte Arten zu schützen und dabei Umweltschutz und wirtschaftliche Entwicklung besser miteinander vereinbar zu machen. Meine Hauptarbeitsthemen sind Wilderei und der Handel mit illegalen Wildartenprodukten, vor allem Elfenbein und Nashornhorn. Gleichzeitig arbeite ich zum Schutz solcher bedrohter und ikonischer Arten wie den großen Menschenaffen, dem Eisbär, dem Großen Panda oder dem Sumatra-Nashorn.

2 Kommentare

  1. Avatar
    Gilbert
    11. Januar 2020
    Antworten

    So, wie sich der Bericht liest, ist der Schwert­stör nicht aus­ge­stor­ben.
    Das sind die Sau­ri­er.
    Der Schwert­stör wur­de aus­ge­rot­tet.
    Ein Fisch­fang­ver­bot wird wenig nut­zen, fürch­te ich, wenn nicht Was­ser­we­ge zu den Laich­ge­bie­ten geschaf­fen wer­den, die Däm­me und Was­ser­kraft­wer­ke umge­hen. Ich hof­fe, in Deutsch­land und Euro­pa sind sol­che Maß­nah­men mitt­ler­wei­le Stan­dard.

    Am Ran­de: Gibt es nicht drei Ele­fan­ten­ar­ten — oder täu­sche ich mich, und die klei­ne ist nur eine Sub­spe­ci­es (Ras­se)?

  2. Avatar
    David Marjanović
    13. Januar 2020
    Antworten

    Der afri­ka­ni­sche Savannen­ele­fant und der afri­ka­ni­sche Wal­d­e­le­fant gal­ten lan­ge als Unter­ar­ten der­sel­ben Art (Loxodon­ta afri­ca­na afri­ca­na, Loxodon­ta afri­ca­na cyclo­tis); seit etwa 20 Jah­ren spricht man sie lie­ber als getrenn­te Arten an (Loxodon­ta afri­ca­na, Loxodon­ta cyclo­tis); vor zwei­ein­halb Jah­ren hat sich her­aus­ge­stellt https://elifesciences.org/articles/25413 , dass es sogar Sinn erge­ben wür­de, sie als getrenn­te Gat­tun­gen zu klas­si­fi­zie­ren (Loxodon­ta afri­ca­na, Palaeo­loxodon cyclo­tis) – immer­hin haben sie sich vor 4 bis 7 Mil­lio­nen Jah­ren getrennt – ; und seit zwei Jah­ren weiß man, dass alles noch kom­pli­zier­ter ist. https://www.pnas.org/content/115/11/E2566

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