Der Schwert­stör gilt nun als offi­zi­ell aus­ge­stor­ben


Traurige Nachrichten vom Stör: Der charismatische Schwertstör gilt nun offiziell als ausgestorben. © Natalia Belay / Shutterstock
Traurige Nachrichten: Der charismatische Schwertstör gilt nun offiziell als ausgestorben. © Natalia Belay / Shutterstock

Es gibt kei­nen Schwert­stör mehr. Wirk­lich über­ra­schend kam die­se Nach­richt vom Ver­schwin­den des Störs zwar nicht, trau­rig ist sie trotz­dem. Nach­dem meh­re­re Ver­su­che erfolg­los blie­ben, leben­de Exem­pla­re nach­zu­wei­sen, gilt der Rie­sen­fisch nun als aus­ge­stor­ben.

Ein ganz beson­de­rer Stör

Es geht mir nicht nur um den Stör. Für mich als Arten­schüt­zer ist der Ver­lust jeder Tier­art immer bedrü­ckend. Schließ­lich geht jede aus­ge­stor­be­ne Art unwie­der­bring­lich ver­lo­ren. Bei solch cha­ris­ma­ti­schen Arten wie dem Stör wird mir das beson­ders deut­lich. Schließ­lich war die­ser Fluss­rie­se ein ein­zig­ar­ti­ger Fisch – im wahrs­ten Sin­ne des Wor­tes. Er war der ein­zi­ge Ver­tre­ter sei­ner Gat­tung, die nun mit ihm ver­schwun­den ist. Er teilt sich eine sys­te­ma­ti­sche Fami­lie mit nur einer wei­te­ren Art, dem bedroh­ten Löf­fel­stör des US-ame­ri­ka­ni­schen Mis­sis­sip­pi.

Der Schwert­stör: Der ein­zi­ge sei­ner Gat­tung

Um die Trag­wei­te des Ver­lusts deut­lich zu machen, hilft ein Ver­gleich bei Säu­ge­tie­ren – die lie­gen mir und den meis­ten Men­schen ein­fach näher als die Fische. Die bei­den Ele­fan­ten­ar­ten zum Bei­spiel bil­den eben­falls zusam­men eine sys­te­ma­ti­sche Fami­lie und sind jeweils die ein­zi­gen Ver­tre­ter ihrer Gat­tung. Der Ver­lust die­ses Störs wiegt an evo­lu­tio­nä­rer Viel­falt inner­halb der Fische also ähn­lich schwer, als wenn der Asia­ti­sche Ele­fant inner­halb der Säu­ge­tie­re ver­schwin­den wür­de.

Fol­ge uns in Social Media

Facebook
Twitter
Instagram
YouTube
RSS

Ehe­mals waren der cha­ris­ma­ti­sche Stör, der durch­schnitt­lich bis zu drei Meter lang wur­de, aus­schließ­lich im chi­ne­si­schen Fluss Jang­tse behei­ma­tet. Dass zuletzt ein leben­der Schwert­stör in frei­er Wild­bahn gesich­tet wur­de, ist lan­ge her. Im Jahr 2003 lie­ßen For­scher und For­sche­rin­nen ein ver­se­hent­lich gefan­ge­nes Weib­chen mit einem Sen­der frei. Nach zwölf Stun­den ging das Signal ver­lo­ren. Nie­mand sah jemals wie­der einen Schwer­stör.

Auf­wän­di­ge Suche nach dem Stör

Und dass, obwohl auf der Suche nach dem Stör kein Auf­wand gescheut wur­de: Bei einer hydro­akus­ti­schen Echo­lot-Ortung fan­den Wis­sen­schaft­ler und Wis­sen­schaft­le­rin­nen in den Jah­ren zwi­schen 2006 und 2009 Hin­wei­se auf neun mög­li­che Stö­re. Davon konn­ten sie ledig­lich zwei “sehr wahr­schein­lich” der gesuch­ten Art zuwei­sen. Ein direk­ter Fang gelang jedoch nicht. Zwi­schen 2017 und 2018 wie­sen Unter­su­chun­gen zur Fisch­viel­falt im Jang­tse-Becken zwar 332 Fisch­ar­ten nach. Dar­un­ter befand sich aber kein ein­zi­ger Schwert­stör.

Heimat der Störe: Der Jangtse-Fluss, der größte Fluss Asiens. © martinhosmart / iStock / Getty Images Plus
Der Jang­tse-Fluss ist der größ­te Fluss Asi­ens. © mar­tin­hos­mart / iStock / Get­ty Images Plus

Der gigan­ti­sche Stör war ein leben­des Fos­sil, das sich nur schwer an sich ver­än­dern­de Umwelt­ein­flüs­se anpas­sen konn­te. Die Grün­de für sein Aus­ster­ben sind dem­entspre­chend viel­fäl­tig. Zum einen benö­tig­ten Schwert­stö­re viel Zeit, um sich fort­zu­pflan­zen. Frü­hes­tens nach fünf Jah­ren erreich­ten die Männ­chen ihre Geschlechts­rei­fe. Bei den Weib­chen dau­er­te es noch etwas län­ger. Arten, die sich erst so spät fort­pflan­zen, sind lei­der beson­ders anfäl­lig für Stö­run­gen durch uns Men­schen. Die Zeit, die sie brau­chen, haben wir ihnen nicht mehr gege­ben.

Über­fi­schung im Jang­tse: 25 Ton­nen Schwert­stör im Jahr

Dabei war der Stör in his­to­ri­schen Zei­ten ein recht weit ver­brei­te­ter Süß­was­ser­fisch in den Flüs­sen, die im West-Pazi­fik mün­den. Seit den 1950ern wur­de er aber fast aus­schließ­lich im Jang­tse gese­hen. Und dort sorg­te die kom­mer­zi­el­le Über­fi­schung bald für einen dra­ma­ti­schen Rück­gang der Bestands­zah­len. Noch in den 70ern wur­den jähr­lich etwa 25 Ton­nen Schwert­stö­re im Jang­tse gefischt.

Gleich­zei­tig wur­de der Lebens­raum Fluss immer wei­ter zer­stü­ckelt. Beson­ders schwer­wie­gend für die Stö­re war dann der Bau des Gez­hou­ba-Was­ser­kraft­werks, der den Stör-Bestand in zwei Tei­le zer­schnitt und die Wan­de­rung der Alt­tie­re in die Laich­ge­bie­te ver­hin­der­te. Das besie­gel­te sein Aus­ster­ben – nur noch 210 Sich­tun­gen gelan­gen zwi­schen 1981 und 2003, die meis­ten unter­halb des Stau­dam­mes. Wenn sich eine Art nicht mehr fort­pflan­zen kann, wird sie lang­fris­tig ver­schwin­den. Da hilft ihr weder Grö­ße noch Lebens­dau­er.

Mit dem Bau der Gezhouba-Talsperre im Jahr 1970 wurde das Aussterben des Schwertstörs besiegelt © BluesyPete - Own work, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=20541109
Mit dem Bau der Gez­hou­ba-Tal­sper­re im Jahr 1970 wur­de das Aus­ster­ben des Schwert­störs besie­gelt CC BY-SA 3.0, Blue­sy­Pe­te commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=20541109

Schwert­stör aus­ge­stor­ben: Hät­te man etwas unter­neh­men kön­nen?

Ja, schät­zen die Exper­ten und Exper­tin­nen. Nur hät­te man schon viel frü­her anset­zen müs­sen, wohl schon in den 70ern oder 80ern. Hilf­reich für den Stör wären früh­zei­ti­ge Natur­schutz-Maß­nah­men wie Erhalt von Wan­der­be­we­gun­gen, Lebens­raum-Wie­der­her­stel­lung, Bei­fang-Reduk­ti­on und Fisch­fang-Stopps gewe­sen.

Der Schwert­stör ist indes in sei­nem Schick­sal lei­der nicht allei­ne. Auch der Chi­ne­si­sche Fluss­del­fin, der im Jang­t­se­kiang behei­ma­tet war, gilt als aus­ge­stor­ben. Wei­te­re Arten wie der Chi­ne­si­sche Stör und die Yangt­ze Rie­sen­weich­schild­krö­te ste­hen kurz vor der Aus­rot­tung. Auch in ande­ren Fluss­sys­te­men sind wan­dern­de Rie­sen­fi­sche sind durch Über­fi­schung und Damm­bau­ten vom Aus­ster­ben bedroht, unter ande­rem der Mekong-Rie­sen­wels im südo­asia­ti­schen Mekong,

Fisch­fang­ver­bot im Jang­t­se­kiang erlas­sen

Die chi­ne­si­sche Regie­rung hat nun reagiert und ein Fisch­fang­ver­bot für den Jang­t­se­kiang erlas­sen. Gan­ze zehn Jah­re lang soll sich der längs­te Fluss Asi­ens rege­ne­rie­ren kön­nen. So sehr die­se Ent­schei­dung zu begrü­ßen ist, für den Stör kommt sie lei­der zu spät.

Wie hat Dir die­ser Bei­trag gefal­len?

Durch­schnitt­li­che Bewer­tung 5 / 5. Anzahl Bewer­tun­gen: 4

Sehr schön, das freut uns! Viel­leicht magst Du ja…

…die­sen Bei­trag jetzt tei­len:

Scha­de, dass Dir der Bei­trag nicht so gut gefal­len hat.

Dein Feed­back wäre sehr wert­voll für uns.

Wie könn­ten wir die­sen Bei­trag Dei­ner Mei­nung nach opti­mie­ren?

Vorheriger Beitrag Zu nah am Dorf: 56 Eisbären auf der Suche nach Nahrung
Nächster Beitrag Feuer bedroht seltene Tiere in Australien

2 Kommentare

  1. Avatar
    Gilbert
    11. Januar 2020
    Antworten

    So, wie sich der Bericht liest, ist der Schwert­stör nicht aus­ge­stor­ben.
    Das sind die Sau­ri­er.
    Der Schwert­stör wur­de aus­ge­rot­tet.
    Ein Fisch­fang­ver­bot wird wenig nut­zen, fürch­te ich, wenn nicht Was­ser­we­ge zu den Laich­ge­bie­ten geschaf­fen wer­den, die Däm­me und Was­ser­kraft­wer­ke umge­hen. Ich hof­fe, in Deutsch­land und Euro­pa sind sol­che Maß­nah­men mitt­ler­wei­le Stan­dard.

    Am Ran­de: Gibt es nicht drei Ele­fan­ten­ar­ten — oder täu­sche ich mich, und die klei­ne ist nur eine Sub­s­pe­ci­es (Ras­se)?

  2. Avatar
    David Marjanović
    13. Januar 2020
    Antworten

    Der afri­ka­ni­sche Savannen­ele­fant und der afri­ka­ni­sche Wal­d­e­le­fant gal­ten lan­ge als Unter­ar­ten der­sel­ben Art (Loxodon­ta afri­ca­na afri­ca­na, Loxodon­ta afri­ca­na cyclo­tis); seit etwa 20 Jah­ren spricht man sie lie­ber als getrenn­te Arten an (Loxodon­ta afri­ca­na, Loxodon­ta cyclo­tis); vor zwei­ein­halb Jah­ren hat sich her­aus­ge­stellt https://elifesciences.org/articles/25413 , dass es sogar Sinn erge­ben wür­de, sie als getrenn­te Gat­tun­gen zu klas­si­fi­zie­ren (Loxodon­ta afri­ca­na, Palaeo­loxodon cyclo­tis) – immer­hin haben sie sich vor 4 bis 7 Mil­lio­nen Jah­ren getrennt – ; und seit zwei Jah­ren weiß man, dass alles noch kom­pli­zier­ter ist. https://www.pnas.org/content/115/11/E2566

Einen Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.