Kornblumen brauchen‘s bio


Felder ökologische bio landwirtschaft und konventioneller Acker
Es gibt einen klaren Unterschied © Frank Gottwald

Wenn ich eine Kornblume wäre, würde ich lieber auf einem Bio-Acker stehen. Auf ökologisch bewirtschafteten Äckern geht es in Sachen Ackerwildkräutern, wie z.B. der Kornblume nämlich deutlich bunter und reicher zu als auf konventionellen Flächen.

Bio macht Vielfalt

Das ist das Ergebnis einer vergleichenden WWF-Analyse, die von den Naturschutz-Fachleuten des Leibniz Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF e.V.) ausgeführt wurde. Auf den Äckern der ökologischen Landwirtschaft ist die Vielfalt bis zu neunmal größer. Von Kornblume, Lämmersalat oder Feld-Rittersporn wachsen dort bis zu zwanzigmal mehr Exemplare. Die Kräuter bedecken bis zu 37 Prozent der ökologisch bewirtschafteten Fläche. In der konventionellen Landwirtschaft sind es höchstens sieben Prozent. Und wo es an Ackerwildkräuter mangelt, haben es viele Insekten, Vögel oder Säugetiere schwer.

biologische Landwirtschaft mit Vielvalt von Blumen und kräutern
Bio statt Monokulturen © Frank Gottwald

Dass in der ökologischen Landwirtschaft mehr Vielfalt herrscht, leuchtet ein. Öko-Landwirte verzichten auf chemisch-synthetische Pestizide und mineralischen Stickstoffdünger. Bei ihnen stehen Weizen, Roggen und Dinkel weniger dicht. Das schafft Raum und Licht für andere Pflanzen. Die Vielfalt der Ackerfrüchte ist größer.

Gefährdete Kräuter

Ackerwildkräuter sind speziell an die Lebensbedingungen auf Äckern angepasst. Die Intensivierung in der Landwirtschaft hat zu einem dramatischen Rückgang der Wildkräuter geführt. Experten stufen gut ein Drittel der etwa 350 auf Äckern vorkommenden Wildkräuter als bundesweit gefährdet ein. Auf Länderebene sind es teilweise noch mehr.

Vielfalt in der Landwirtschaft steigern!

Wir arbeiten seit Jahren mit unseren Partnern vom ZALF e.V. daran, dass  Öko-Landwirte den Reichtum von Flora und Fauna auf ihren Flächen noch weiter steigern können. Im Rahmen des Projekts „Landwirtschaft für Artenvielfalt“ setzen derzeit 60 Betriebe des ökologischen Anbauverbandes Biopark auf 40.000 Hektar Betriebsfläche zusätzliche Maßnahmen um. Die Produkte aus diesem Projekt können derzeit bei EDEKA Nord gekauft werden.

Was ihr tun könnt

Die Untersuchungen zeigen, dass Artenvielfalt auf Bio-Äckern deutlich höher ist – mit dem Kauf von möglichst regionalen und saisonalen Bio-Produkten könnt Ihr also einen echten Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt leisten.

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Über mich
Markus Wolter

Referent für Agrarrohstoffe und Tierhaltung beim WWF Deutschland. Landwirtschaft prägt mein Leben. Mich fasziniert dabei, dass es die weltweit einzige Wirtschaftsweise ist, die dank der Photosynthese in der Lage ist mehr zu erzeugen, als sie verbraucht. Und das mit der Natur und nicht gegen sie - das ist wahre Nachhaltigkeit! Ich bin Landwirt, Entwicklungshelfer, landwirtschaftlicher Berater, Einkäufer für Bio-Ölsaaten gewesen und jetzt Projektleiter für nachhaltigere Nutztierfütterung. +++Markus hat den WWF inzwischen verlassen+++

7 Kommentare

  1. Avatar
    Benedikt Blecher-Dietrich
    14. Februar 2017
    Antworten

    Ein paar Fragen zum Artikel:
    1. Wie hoch ist der Ertrag pro Fläche im Vergleich zum konventionellen Ackerbau?
    2. Wie hoch ist der Pestizidverbrauch pro Fläche im Vergleich zum konventionellen Ackerbau?
    3. Wie hoch ist der Wasserverbrauch pro Fläche im Vergleich zum konventionellen Ackerbau?
    4. Wie hoch ist die gesamte CO2 Bilanz pro Fläche im Vergleich zum konventionellen Ackerbau?

    • Avatar
      20. Februar 2017
      Antworten

      es ist schockierend und traurig, dass mit schweren Maschinen und viel Chemie bearbeitete Äcker als konventionell beschrieben werden und naturbelassene als was besonderes – das war noch vor wenigen Jahren genau anders. . . oder bin ich schon soooo alt ?

      • Avatar
        Benedikt Blecher-Dietrich
        21. Februar 2017
        Antworten

        Einen kultivierten Acker, egal ob konventionell oder nach Ökolandbau, als „naturbelassen“ zu bezeichnen ist illusorisch. Das anlegen eines Ackers ist schon der schwerste Eingriff in die Natur, wobei man da natürlich so tut als gehöre der Mensch nicht zur Natur dazu, zumindest nicht so wie Bienen oder Biber die auch einen massiven Einfluss auf ihre Umgebung haben. Das Ziel sollte sein, diesen Einfluss der Kultur so gering wie nötig zu halten und dazu sollte man diese Kennzahlen (und vielleicht noch weitere) gut im Auge behalten.

        • Avatar
          22. Februar 2017
          Antworten

          Hallo, ich nutze in meinem Beitrag das Wort „naturbelassen“ gar nicht. Ich beschreibe nur die Effekte der ökologischen und konventionellen Landwirtschaft auf die Vielfalt der Ackerwildkräuter.

          • Avatar
            Benedikt Blecher-Dietrich
            23. Februar 2017

            Du nicht, aber die Igelin

  2. Avatar
    16. Februar 2017
    Antworten

    Vielen Dank Benedikt für Deine spannenden Fragen.
    Hier meine Antworten.

    Ein paar Fragen zum Artikel:
    1. Wie hoch ist der Ertrag pro Fläche im Vergleich zum konventionellen Ackerbau?
    Ca. 50% des Ertrages auf den relativ schlechten Standorten mit Bodenpunkten von 20-35.

    2. Wie hoch ist der Pestizidverbrauch pro Fläche im Vergleich zum konventionellen Ackerbau?

    Im ökologischen Landbau sind zwar natürliche Pflanzenschutzmittel wie Neemprodukte und Pflanzenölemulsionen erlaubt, aber diese werden im Getreide-Anbau in der Regel nicht angewendet. Also 0 kg Verbrauch von Pestiziden im ökologischen Getreide-Anbau gegen eine uns unbekannte Menge auf den konventionellen.

    3. Wie hoch ist der Wasserverbrauch pro Fläche im Vergleich zum konventionellen Ackerbau?

    Es handelt sich hier um Regenfeldbau, und nicht um Bewässerungsflächen auf denen Wasser verbraucht wird.

    4. Wie hoch ist die gesamte CO2 Bilanz pro Fläche im Vergleich zum konventionellen Ackerbau?

    Das haben wir nicht erhoben. Wir haben nur die Artenvielfalt der Ackerwildkräuter erhoben.

    Viele Grüße,
    Markus

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