Lie­be in den Zei­ten des Kli­ma­wan­dels


Nicht jeder hat einen Frosch, den er küssen kann © iStock / getty images
Nicht jeder hat einen Frosch, den er küssen kann © iStock / getty images

Als ob die Lie­be nicht schon so kom­pli­ziert genug wäre. Jetzt macht der Kli­ma­wan­del die Sache noch schwie­ri­ger — zumin­dest für eini­ge Tier­ar­ten. Die glo­ba­le Erd­er­wär­mung beein­flusst das Lie­bes­le­ben ver­schie­de­ner Arten auf viel­fäl­ti­ge Wei­se. Und das lei­der nicht immer zum Posi­ti­ven.

Wo Eis­bär und Grizz­ly sich Gute Nacht sagen

Habt ihr schon ein­mal einen Pizz­ly gese­hen? Ver­mut­lich nicht. Die­se Kreu­zung zwi­schen Grizz­ly-Bär und Eis­bär ist noch rela­tiv sel­ten. Das könn­te sich aber schon bald ändern, denn auf­grund der Erd­er­wär­mung durch den Kli­ma­wan­del drin­gen immer häu­fi­ger Grizz­ly-Bären in nörd­li­che­re Regio­nen vor. Dort tref­fen die brau­nen Rie­sen auf Eis­bä­ren, die ihrer­seits auf­grund des schmel­zen­den Eises auf das Fest­land im Süden ihres Ver­brei­tungs­ge­bie­tes aus­wei­chen müs­sen. Wenn sie sich paa­ren, ist der Nach­wuchs ein gene­ti­scher Mix aus den bei­den unter­schied­li­chen Arten — und so ist auch sein Name ein Hybrid aus „Polar-Bear“ und„Grizzly“: ein Pizz­ly oder Gro­lar Bear, wie ihn man­che Medi­en nen­nen.

Der Pizzly: Kuriose Mischung aus Grizzly und Eisbär © Ralph Frank / WWF (Grizzly) - Andrew E. Derocher/ picture alliance (Pizzly) - Steven Morello / WWF (Eisbär)
Der Pizz­ly: Kurio­se Mischung aus Grizz­ly und Eis­bär © Ralph Frank / WWF (Grizz­ly) — Andrew E. Derocher/ pic­tu­re alli­an­ce (Pizz­ly) — Ste­ven Morel­lo / WWF (Eis­bär)

Klingt erst ein­mal alles ganz nett und süß. Doch die Ent­ste­hung von Hybrid-Arten wie dem Pizz­ly ist nicht unpro­ble­ma­tisch. Für mich als Bio­lo­gin und Arten­schüt­ze­rin ist das größ­te Pro­blem, dass sol­che Kreu­zun­gen einen Ver­lust der gene­ti­schen Viel­falt und Bio­di­ver­si­tät mit sich brin­gen kön­nen. Denn eine Hybrid-Art führt nicht, wie vie­le anneh­men, zwangs­läu­fig dazu, dass ein­fach eine wei­te­re Art ent­steht, son­dern meist dazu, dass zwei Arten zu einer zusam­men­wach­sen. Meis­tens über­wie­gen irgend­wann die Gene der häu­fi­ge­ren Art. Wür­de sich der Pizz­ly wei­ter aus­brei­ten, so könn­te er das Aus­ster­ben der bedroh­ten Eis­bä­ren beschleu­ni­gen.

Oft sind Hybri­de aber auch schlech­ter an ihre Umwelt ange­passt oder sie haben weni­ger Erfolg bei der Fort­pflan­zung, wie z. B. die­se Stu­die an Hybri­den aus der Regen­bo­gen­fo­rel­le und der Cut­throat-Forel­le zeigt.

Häu­fig sind Art-Hybri­de auch unfrucht­bar, wie man es z.B. von Maul­tie­ren und Maul­eseln, also Kreu­zun­gen von Pferd und Esel, kennt. Wenn sich zwei unter­schied­li­che Arten auf­grund ver­än­der­ter Umwelt­be­din­gun­gen häu­fi­ger tref­fen und kei­ne pas­sen­den Part­ner der eige­nen Art fin­den, endet die Evo­lu­ti­on sozu­sa­gen in einer Sack­gas­se, was zwangs­läu­fig zum Arten­ster­ben führt. Der Pizz­ly scheint ers­ten Unter­su­chun­gen zufol­ge zwar fer­til zu sein, jedoch gibt es noch kei­ne Stu­di­en über die Gesund­heit und gene­ti­sche Fit­ness der Pizz­ly-Nach­kom­men.

Zug­vö­gel: Wer zu spät kommt…

Auch im Lie­bes­le­ben vie­ler Vogel­ar­ten bringt der Kli­ma­wan­del eini­ges durch­ein­an­der. Geeig­ne­te Part­ner fin­den sie zwar noch, doch kön­nen sie nicht mehr hin­rei­chend für das Über­le­ben ihrer Brut sor­gen, weil sie nicht mehr genü­gend Fut­ter fin­den.

Kommt leider oft zu spät: der Trauerschnäpper © iStock / getty images
Kommt lei­der oft zu spät: der Trau­er­schnäp­per © iStock / get­ty images

Der Trau­er­schnäp­per zum Bei­spiel hat allen Grund zum Trau­ern

Der Trau­er­schnäp­per ist auch in Deutsch­land hei­misch, über­win­tert aber im zen­tra­len Afri­ka. Nor­ma­ler­wei­se fällt sei­ne Rück­kehr nach Deutsch­land und das Schlüp­fen der Jun­gen genau mit dem Höhe­punkt der Insek­ten­dich­te zusam­men. Die Ver­sor­gung des Nach­wuch­ses ist somit gewähr­leis­tet. Nun wird es auf der Erde durch den Kli­ma­wan­del jedoch immer wär­mer und auch hier­zu­lan­de beginnt der Früh­ling immer frü­her. Insek­ten, die ihren Rhyth­mus der Tem­pe­ra­tur anpas­sen, ent­wi­ckeln sich bei war­men Tem­pe­ra­tu­ren schnel­ler. Die  Uhren der Zug­vö­gel ticken jedoch anders: Sie haben ein inter­nes, gene­tisch fest­ge­leg­tes Zug-Zeit­pro­gramm. Die meis­ten Vögel machen ihren Start und ihre Rück­kehr in den Nor­den nicht von der Tem­pe­ra­tur, son­dern von der Tages­län­ge abhän­gig. Der Trau­er­schnäp­per fliegt also zur glei­chen Zeit wie immer in Afri­ka los, doch wenn er dann in Deutsch­land ankommt, hat er den Höhe­punkt der Insek­ten­dich­te bereits ver­passt. So fin­det er weni­ger Nah­rung für sei­ne Jun­gen. Das ist der Grund dafür, dass der Brut­er­folg vie­ler Zug­vo­gel­ar­ten seit Jah­ren zurück­geht.

Frü­her aus­ge­schla­fen

Und als ob das nicht schon schlimm genug für die Zug­vö­gel wäre, macht ihnen hier­zu­lan­de auch noch ein klei­nes Nage­tier zu schaf­fen, das durch die wär­me­ren Tem­pe­ra­tu­ren ein­fach frü­her aus­ge­schla­fen hat. Der Sie­ben­schlä­fer been­det sei­nen Win­ter­schlaf heu­te bis zu vier Wochen frü­her als noch vor 30 Jah­ren und bezieht auch sei­ne Höh­len zur Jun­gen­auf­zucht eher. Die sind jedoch noch von Sing­vo­gel­ar­ten wie Trau­er­schnäp­per, Mei­sen oder Klei­ber belegt, deren Bru­ten eine will­kom­me­ne Mahl­zeit sind.

Män­ner­schwund bei Mee­res­schild­krö­ten

Auch unter den Mee­res­be­woh­nern sieht es nicht bes­ser aus mit der Lie­be in Zei­ten des Kli­ma­wan­dels. Bei vie­len Schild­krö­ten­ar­ten sorgt die Erd­er­wär­mung für eine Ver­schie­bung der Geschlech­ter­ver­hält­nis­se. Zum Bei­spiel im Fal­le der Unech­ten Karett­schild­krö­te: Ihr Geschlecht wird nicht wie bei den Säu­ge­tie­ren durch ein X bzw. Y‑Chromosom bestimmt, son­dern ent­wi­ckelt sich erst im Ei und ist abhän­gig von der Nest­tem­pe­ra­tur. Ist es im Nest warm, so schlüp­fen haupt­säch­lich Schild­krö­ten­weib­chen. Ist es kalt, so ent­wi­ckeln sich in den Eiern Männ­chen. Hei­ße Ladies und coo­le Typen, sozu­sa­gen.

Auf der Suche nach Liebe? Schildkröte unter Wasser
Auf Män­ner­jagd? © Jur­gen Freund, www.freundfactory.com

Einer Stu­die der Flo­ri­da Atlan­tic Uni­ver­si­ty zufol­ge zei­gen sich schon ers­te Aus­wir­kun­gen des Kli­ma­wan­dels auf das Geschlech­ter­ver­hält­nis der Unech­ten Karett­schild­krö­te: Es gibt immer mehr Weib­chen und immer weni­ger Männ­chen. Die Unech­te Karett­schild­krö­te ist ohne­hin schon bedroht und das Leben der klei­nen Schild­krö­ten beson­ders gefähr­det. Nur eines von 2500 bis 7000 Schild­krö­ten­ba­bys erreicht über­haupt das Erwach­se­nen­al­ter. Wenn nun auch noch die Weib­chen kei­ne männ­li­chen Part­ner mehr fin­den, so ist die Art der Unech­ten Karett­schild­krö­te dem Unter­gang geweiht. Genau­so könn­te es auch der in Deutsch­land vom Aus­ster­ben bedroh­ten Euro­päi­schen Sumpf­schild­krö­te erge­hen. Bei Bebrü­tungs­tem­pe­ra­tu­ren unter 28°C schlüp­fen aus­schließ­lich Männ­chen, über 29,5°C nur noch Weib­chen. Mini­ma­le Tem­pe­ra­tur­än­de­run­gen kön­nen hier also das gesam­te Geschlech­ter­ver­hält­nis durch­ein­an­der brin­gen.

Wird es Amor bald zu heiß?

Allen, denen die­se Bei­spie­le noch nicht rei­chen, um die Gefah­ren der glo­ba­len Erd­er­wär­mung für vie­le Arten zu erken­nen, sei gesagt: Auch in Bezug auf die mensch­li­che Lie­be könn­te der Kli­ma­wan­del zer­stö­re­ri­sche Kräf­te ent­fal­ten. Eine lus­ti­ge Stu­die aus den USA zeigt, dass Tem­pe­ra­tur­an­stie­ge zu einem Ver­lust der mensch­li­chen Frucht­bar­keit und zu ver­rin­ger­ter sexu­el­ler Akti­vi­tät füh­ren könn­ten. Und das wäre, wenn auch nicht akut bestands­ge­fähr­dend, doch immer­hin sehr, sehr scha­de.

 

Wenn ihr noch mehr über die Aus­wir­kun­gen des Kli­ma­wan­dels auf ver­schie­de­ne Tie­re und auch Pflan­zen erfah­ren wollt, fin­det ihr eine gan­ze Rei­he an Bei­spie­len in unse­ren Hin­ter­grund­do­ku­men­ten:

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1 Kommentar

  1. Avatar
    javila
    16. März 2019
    Antworten

    Es gibt nur eine Lösung: jeder muß für sich umwelt­be­wußt und nach­hal­tig leben und über­flüs­si­gen Kon­sum ver­mei­den! Dies soll­te die Poli­tik natür­lich auch för­dern. Dazu ist eine radi­ka­le Umkehr vom Pro­fit­stre­ben der Groß­un­ter­neh­men erfor­der­lich. Mensch­li­che Arbeit muß wie­der etwas wert sein, und es soll­te nicht bil­li­ger sein, was neu­es zu kau­fen und das alte weg­zu­wer­fen. Die­ser Wohl­stands­müll belas­tet unse­re Umwelt!

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