Goldschakal: Aufsteiger auf vier Pfoten


Goldschakal unterwegs
Zuwanderer: Der Goldschakal © Ola Jennersten-WWF-Schweden

Den ersten Beweis gab es vor mehr als 20 Jahren: Seitdem huscht der Goldschakal immer wieder mal auf Aufnahmen von Fotofallen. Bei Freising wurde 2017 ein Goldschakal totgefahren. Inzwischen wurden die Tiere auch sporadisch in Hessen, Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Brandenburg und Vorpommern nachgewiesen.

Was Goldschakale von Wölfen unterscheidet

Die vereinzelten Goldschakale sind Boten einer enormen Expansion. Europaweit gibt es laut Weltnaturschutzunion (IUCN) inzwischen 117.000 Goldschakale, siebenmal mehr als die 17.000 Wölfe. Der Goldschakal ist jetzt neben dem Wolf der zweite Vertreter der Gattung Canis in Europa. Auf den ersten Blick könnte man sie auch verwechseln. Der Goldschakal sieht mit seinem gelblich grauen und dunkel gescheckten Fell sowie seiner auffällig weißen Zeichnung am Hals dem Wolf durchaus ähnlich. Goldschakale sind aber deutlich kleiner, etwas größer als ein Fuchs.

Goldschakal mit Fisch im Maul im Donua Delta in Rumänien
Warum nicht auch mal Fisch? © Cristian Remus Papp/WWF RO.

Die ursprüngliche Heimat des Goldschakals reicht von Indien bis in die Türkei. Vom Balkan aus weitet er sein Siedlungsgebiet nun bis nach Mitteleuropa aus. Auf natürliche Weise. In allen Länder sind sie stets von allein eingewandert – und nicht angesiedelt worden.

Wo Goldschakale einwandern

Fachleute rätseln, wie sich ein mittelgroßes Raubtier in Europa fast unbemerkt ausbreiten konnte. Ich bin mir sicher, dass es mit seinem großen Verwandten zu erklären ist. Wo Wölfe fehlen wandern Schakale ein. Goldschakale meiden Regionen, in denen der stärkere Wolf sich bereits angesiedelt hat. Fraglos hat die jahrzehnte-, oft jahrhundertelange Abwesenheit des Wolfes den Schakalen geholfen ihre Lebensräume zu vergrößern.

Zugute kommen den Goldschakalen aber sicher auch die wärmeren Temperaturen durch den Klimawandel. Schnee, Eis und Kälte meiden die Tiere, weshalb sie in den Alpen nicht zu finden sind. Goldschakale bevorzugen lichte Wälder, Feuchtgebiete und Gestrüpp. Dichte Wälder mag er eben so wenig wie deckungslose Flächen.

Erfolgreicher Zuwanderer: Goldschakal
Erfolgreicher Zuwanderer: Goldschakal in Europa © Ola Jennersten / WWF-Schweden

Was Goldschakale fressen

Goldschakale sind anpassungsfähige Opportunisten und kommen mit dem Nachbarn Mensch gut aus. Ihr Tisch ist reich gedeckt: Sie fressen Frösche, Eidechsen, kleine Säugetiere wie etwa Mäuse, bodenbrütende Vögel, Aas und auch Insekten. Auch Pflanzen stehen saisonabhängig auf dem Speiseplan. In manchen Gegenden zeigten Untersuchungen von Mageninhalten gar bis zu 90 Prozent vegetarische Kost. Größere Beutetiere werden zusammen mit dem Partner oder im Rudel gejagt. In seltenen Ausnahmen trauen sie sich auch an Schafe heran. Im März 2017 wurden in Schleswig-Holstein drei Schafe von einem Schakal verletzt. In diesem Fall konnte der Halter der Schafe wie auch bei einem Wolfsriss Entschädigung beantragen.

Was die Einwanderung der Goldschakale bedeutet

Die ökologischen Folgen der enormen Expansion des Goldschakals sind noch schwer zu beurteilen. Verschieben sie lokal die Räuber-Beute-Verhältnisse? Bisher sind in Deutschland ja lediglich einzelne Tiere aufgetaucht. Schlüsse über seinen Einfluss auf heimische Tierarten können wir nicht ziehen. Wo er sich bisher angesiedelt hat, nimmt der Goldschakal eine ähnliche ökologische Rolle ein wie der Fuchs. Rotfuchs und Goldschakal stehen damit aber nicht automatisch in direkter Konkurrenz. In einigen Regionen ließ sich ein leichter Rückgang der Fuchspopulation feststellen, im Kernverbreitungsgebiet Bulgarien ist das aber nicht der Fall.

Aber ob es dazu kommt und sich der Schakal auch in Deutschland fest ansiedelt und Rudel bildet, kann noch niemand sagen. Viel dagegen spricht nicht – außer der zunehmenden Präsenz des Wolfs.

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Nina Gandl

Über mich
Nina Gandl

Wildnis und Wildtiere – bei mir dreht sich alles um diese beiden Themen: ob in der Freizeit in Wald und Wiese, im Urlaub in Dschungel und Savanne oder im Arbeitsalltag durch Management und Meetings. Nach meinem Studium mit Spezialisierung in Wildtier- und Schutzgebietsmanagement (M.Sc.) und einem Praxisjahr in Afrika und Kanada, darf ich mich nun beim WWF als Referentin für den Schutz von Wildnis und Wildtieren einsetzen.

3 Kommentare

  1. Avatar
    30. März 2019
    Antworten

    Wir sind zu viele Menschen auf der Welt. Stoppt die Vermehrung , damit Natur und Tiere auch existieren können.

  2. Avatar
    Bepero
    30. März 2019
    Antworten

    Toller Beitrag! Es ist faszinierend wie in der Natur immerwieder Defizite und Ungleichgewichte, die wir erzeugen, ausgeglichen werden.
    Es ist so wichtig, die Bewusstheit über und das Wunder der (noch) vorhandenen Heilungskräfte der Natur bei uns allen zu stärken und mehr Menschen, egal in welcher Position, zu vermitteln.
    Danke an Euch WWF-Pioniere.

  3. Avatar
    Reinhard Robert Geissler
    30. März 2019
    Antworten

    Hallo Nina Gandl,
    der Beitrag über den Goldschakal ist schon sehr interessant aber es wird wohl eher bei Einzelbeobachtungen von Goldschakalen bleiben hier in Deutschland. Teilweise sind es sogar Zoo- und Wildgehege-Flüchtlinge, die hier in Deutschland immer wieder vereinzelt auftauchen. Ob sich mittel- oder langfristig eine Goldschakal-Population etablieren wird in Deutschland wird wohl stark davon abhängig sein, wie gross die Einflüsse die Wolfspopulation auf Goldschakale haben wird. Siehe Beispiele von Grauwölfen in Amerika auf die Coyotenpopultation, die teilweise mehr als 50% eingebrochen sind nachdem der Grauwolf in diese Revieren etabliert hat.

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