Fische & Kli­ma­kri­se: Wenn Was­ser immer wär­mer wird


Auch für Fische hat die Klimakrise gravierende Folgen. © Doc White / WWF
Auch für Fische hat die Klimakrise gravierende Folgen. © Doc White / WWF

Nicht nur wir Men­schen spü­ren die Fol­gen der Kli­ma­kri­se, son­dern auch vie­len Tie­ren wird es zu warm auf der Erde bzw. im Was­ser. Wäh­rend für uns das Meer oft noch eine will­kom­me­ne Abküh­lung bedeu­tet, hat für vie­le Fische die Erwär­mung der Ozea­ne gra­vie­ren­de Kon­se­quen­zen.

Kürz­lich konn­te ich mich selbst davon über­zeu­gen. Ich war eine Woche lang mit phil­ip­pi­ni­schen Thun­fi­schern unter­wegs und habe mir ihre Geschich­ten ange­hört. Alle berich­te­ten mir davon, dass es viel schwe­rer gewor­den sei, über­haupt noch Thun­fisch zu fan­gen.

Kli­ma­kri­se: Fische wan­dern in tie­fe­re Mee­res­schich­ten

Weil die Erd­er­wär­mung die Mee­res­tem­pe­ra­tu­ren anstei­gen lässt, ent­fernt sich der Thun­fisch immer wei­ter von der Küs­te und wan­dert in tie­fe­re Mee­res­schich­ten ab. Außer­dem zie­hen grö­ße­re Fische ihrer Nah­rung hin­ter­her, was Fisch­wan­de­run­gen ent­lang der Län­gen­gra­de erwar­ten lässt. So wird sich bei­spiels­wei­se der Thun­fisch im Pazi­fik vor­aus­sicht­lich wei­ter nach Osten bewe­gen.

Für die Hand­lei­nen­fi­scher, die mit klei­nen Kanus und Nylon­an­gel­lei­nen unter­wegs sind, ist der Fisch dort kaum noch erreich­bar. Und ihre Fän­ge wer­den immer klei­ner – auch das ist eine Aus­wir­kung der Kli­ma­kri­se in Kom­bi­na­ti­on mit der Über­fi­schung.

Stei­gen­de Tem­pe­ra­tu­ren und stei­gen­der Sauer­stoff­be­darf

War­mes Was­ser ver­än­dert auch den Stoff­wech­sel von Fischen und ande­ren Lebe­we­sen. Der Sauer­stoff­be­darf steigt mit stei­gen­der Tem­pe­ra­tur – eine mög­li­che Fol­ge sind klei­ne­re Fische, deren redu­zier­te Kör­per­grö­ße ihre rela­ti­ve Sauer­stoff­auf­nah­me erhöht. Klei­ne­re Fische bedeu­ten eine gerin­ge­re Bio­mas­se im Meer – und für die Fischer gerin­ge Ein­nah­men.

Die Geburtenjahrgänge des pazifischen Kabeljaus fallen immer geringer aus. © Krasowi /Shutterstock/ WWF
Die Gebur­ten­jahr­gän­ge des pazi­fi­schen Kabel­jaus fal­len immer gerin­ger aus. © Kra­so­wi /Shutterstock/ WWF

Dabei müs­sen die Fischer schon mit ande­ren Her­aus­for­de­run­gen wie Stür­men, Küs­ten­ero­sio­nen und dem Anstieg des Mee­res­spie­gels fer­tig wer­den, was ihren Job extrem schwie­rig und gefähr­lich macht. Vor allem die Küs­ten­fi­scher im glo­ba­len Süden sind von den Ver­än­de­run­gen betrof­fen – und die­se Län­der haben die gerings­te Kapa­zi­tät, sich an die Ver­än­de­run­gen anzu­pas­sen.

Ost­see-Herin­ge lai­chen zu früh

Bis­her stellt man vor allem nega­ti­ve Kon­se­quen­zen des Kli­ma­wan­dels auf tra­di­tio­nel­le Fisch­ar­ten wie den Kabel­jau in der Nord­see oder den Hering der west­li­chen Ost­see fest. Dabei beein­flusst die Kli­ma­er­wär­mung die­se bei­den Arten und ihre Bestän­de auf unter­schied­li­che Wei­se. Beim soge­nann­ten Rügen-Hering zum Bei­spiel führt das wär­me­re Was­ser zu einem frü­he­ren Ablai­chen und Schlupf der Eier im Früh­jahr, zu einem Zeit­punkt wo die Beu­te der jun­gen Herin­ge noch gar nicht her­an­ge­wach­sen ist. Das Pflan­zen­wachs­tum hat zu die­ser Jah­res­zeit wegen des feh­len­den Tages­lichts noch nicht ein­ge­setzt. Zeit­gleich füh­ren die höhe­ren Was­ser­tem­pe­ra­tu­ren zu einem höhe­ren Sauer­stoff­ver­brauch der Herings­ei­er in den Flach­ge­wäs­sern. Die Über­le­bens­chan­cen der Jung­tie­re ver­rin­gern sich, wenn sich im Küs­ten­ge­wäs­ser sauer­stoff­ar­me Zonen bil­den.

Hit­ze­wel­len vor Alas­ka bedro­hen den Kabel­jau

Auch für den pazi­fi­schen Kabel­jau wird es unge­müt­lich. Etwa eine Mil­li­on Eier kann das Weib­chen des pazi­fi­schen Kabel­jaus legen. Eigent­lich müss­te das rei­chen, um den Bestand lang­fris­tig zu sichern. Wis­sen­schaft­ler aus Alas­ka haben jetzt aber raus­ge­fun­den, dass dem Kabel­jau­laich der Golf von Alas­ka zu warm ist. Immer wie­der gibt es dort Mee­res­hit­ze­wel­len (soge­nann­te „Blobs“), die dazu füh­ren, dass die Gebur­ten­jahr­gän­ge deut­lich schwä­cher aus­fal­len als in nor­ma­len Jah­ren. Dazu kommt, dass durch das wär­me­re Was­ser auch der Stoff­wech­sel des Kabel­jaus beschleu­nigt wird. Das heißt, er braucht mehr Nah­rung, die er aber nicht immer fin­den kann. Die For­scher glau­ben, dass dadurch ver­mehrt Tie­re ster­ben, die für die Fort­pflan­zung eigent­lich sehr wich­tig wären.

Fische in der Kli­ma­kri­se

Die Lage ist so ernst, dass der MSC jetzt sein Zer­ti­fi­kat für den Pazi­fi­schen Kabel­jau aus Alas­ka ent­zo­gen hat. Die zustän­di­ge Behör­de hat die Fische­rei kom­plett geschlos­sen, um Schlim­me­res zu ver­hin­dern. Der Welt­kli­ma­rat (IPCC) führt die Häu­fig­keit der Hit­ze­wel­len auf die Kli­ma­kri­se zurück und sagt für die Zukunft häu­fi­ge­re und auch stär­ke­re Hit­ze­wel­len in den Ozea­nen vor­aus.

Bei Fisch aus Aquakulturen ist es wichtig, dass sie BIO zertifiziert sind. © Yawar Motion Films/WWF US
Bei Fisch aus Aqua­kul­tu­ren ist es wich­tig, dass sie BIO zer­ti­fi­ziert sind. © Yawar Moti­on Films/WWF US

Der Kli­ma­wan­del stellt eine gro­ße Her­aus­for­de­rung für das Fische­rei­ma­nage­ment dar. Ins­be­son­de­re den Ent­wick­lungs­län­dern feh­len die Res­sour­cen, um Stra­te­gien zu ent­wi­ckeln und sich an die ver­än­der­ten Umwelt­be­din­gun­gen anzu­pas­sen. Eine nach­hal­ti­ge Bestands­be­wirt­schaf­tung, eine Ver­rin­ge­rung der Rück­wür­fe, die Bekämp­fung der ille­ga­len Fische­rei und nach­hal­ti­ge Aqua­kul­tur wür­den die Situa­ti­on ent­schär­fen.

Kli­ma­kri­se und ille­ga­ler Fisch­fang

Bis­her ver­folgt das Manage­ment meist die Maxi­mum Sus­tainab­le Yield-Stra­te­gie (MSY). Dabei wer­den so vie­le Fische gefan­gen, wie theo­re­tisch nach­wach­sen kön­nen. Ein Ein­bruch der Fisch­po­pu­la­ti­on durch die Kli­ma­kri­se oder auch die Ent­nah­me durch ille­ga­len Fisch­fang wer­den dabei außer Acht gelas­sen. Des­halb wäre es an der Zeit, die­se Ein­flüs­se in die Manage­ment­plä­ne mit ein­zu­be­zie­hen und einen Puf­fer ein­zu­pla­nen.

Wissenschaftler:innen schät­zen, dass es mög­lich wäre, durch ein nach­hal­ti­ges Fische­rei­ma­nage­ment auf glo­ba­ler Ebe­ne bis 2100 einen Anstieg der Fisch-Bio­mas­se um 60 Pro­zent zu errei­chen – aller­dings nur, wenn die glo­ba­le Erwär­mung in Schach gehal­ten wird. Wenn wir beim Kli­ma­wan­del und beim Fische­rei­ma­nage­ment untä­tig blei­ben, wird es zu einem dra­ma­ti­schen Rück­gang der Fisch­po­pu­la­tio­nen kom­men.

Der WWF-Fisch­rat­ge­ber

Jeder kann dazu bei­tra­gen, die Fisch­be­stän­de zu scho­nen und die Aus­wir­kun­gen des Kli­mas auf die Fische­rei zu beein­flus­sen. Das Wich­tigs­te, was die Ver­brau­cher tun kön­nen, ist nach­hal­ti­gen Fisch zu kau­fen. Nach­hal­tig bewirt­schaf­te­te Fisch­be­stän­de kom­men bes­ser mit den ver­än­der­ten Umwelt­be­din­gun­gen zurecht und sind wider­stands­fä­hi­ger. Wer bei der Aus­wahl Unter­stüt­zung braucht, soll­te den WWF-Fisch­rat­ge­ber nut­zen.

Auch Fische aus Bio-Aqua­kul­tur sind eine gute Alter­na­ti­ve. Eine nach­hal­tig bewirt­schaf­te­te Aqua­kul­tur zer­stört kei­ne küs­ten­na­hen Lebens­räu­me wie Man­gro­ven, die als Öko­sys­tem unver­zicht­bar sind.

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