Bra­si­li­en: Chef­sa­che für die Bun­des­kanz­le­rin!


Brasilien unter Bolsonaro: Brandrodung für Soja
Feuer in Brasilien. Wald schwindet immer schneller für die Landwirtschaft. © David Bebber / WWF-UK

Als Jair Bol­so­na­ro im Herbst 2018 die Wahl in Bra­si­li­en gewann, mach­te auch ich mir Sor­gen um den Ama­zo­nas, um den Wald- und Kli­ma­schutz. Zu Recht, wie sich seit­dem zeig­te. Was in Bra­si­li­en der­zeit pas­siert, kön­nen wir ein­fach nicht akzep­tie­ren. Bra­si­li­en beraubt sich damit selbst. Sei­ner Natur­schät­ze und den Fort­schrit­ten, die in den letz­ten Jah­ren gemacht wur­den. Es ist tra­gisch — und völ­lig unnö­tig.

  • Die Ent­wal­dung am Ama­zo­nas und in ande­ren Wald­ge­bie­ten ist im Ver­gleich zum Vor­jahr stark ange­stie­gen. Allein im Juni wur­den dem­nach 920 Qua­drat­ki­lo­me­ter Regen­wald abge­holzt. Eine Flä­che fast so groß wie das Saar­land. Fast dop­pelt so viel wie im Juni 2018. Die Wer­te für Juli sind noch alar­mie­ren­der. Sie zei­gen eine Stei­ge­rung von mehr als 200 Pro­zent im Ver­gleich zum Vor­jahr.
  • Die Lage für die Indi­ge­nen, vor allem am Ama­zo­nas hat sich dra­ma­tisch ver­schlech­tert. Es gab schon Tote durch Kon­flik­te mit Gold­grä­bern, immer wie­der wer­den Indi­ge­ne von Land­räu­bern oder deren Hand­lan­gern umge­bracht. Es droht wei­te­res Blut­ver­gie­ßen.
  • Der gesam­te Umwelt­ap­pa­rat wird gera­de demon­tiert. Das ist völ­lig unnö­tig, völ­lig kon­tra­pro­duk­tiv. Bol­so­na­ro liegt über Kreuz mit der Bun­des­be­hör­de Inpe, die eigent­lich für Raum­fahrt zustän­dig ist. Für den Prä­si­den­ten aber wird Inpe vor allem in Sachen Umwelt­schutz zum Pro­blem, weil sie die Satel­li­ten­bil­der auf­nimmt, die Abhol­zun­gen im Ama­zo­nas-Regen­walds doku­men­tie­ren. Inpe-Chef Ricar­do Gal­vão muss­te gehen. Bra­si­lia­ni­schen Medi­en zufol­ge will die Regie­rung nun ein alter­na­ti­ves Satel­li­ten­sys­tem star­ten, das ande­re Daten lie­fern soll.

Deutsch­land muss ein star­kes Zei­chen gegen die Poli­tik Bol­so­na­ros sen­den!

So kann es nicht wei­ter­ge­hen. Wir erwar­ten von der bra­si­lia­ni­schen Regie­rung die Rück­kehr zu einer nor­ma­len Zusam­men­ar­beit. Beim Wald­schutz, bei der Poli­tik gegen­über den Indi­ge­nen, aber auch für die Han­dels­be­zie­hun­gen. Bra­si­li­en braucht das auch in sei­nem eige­nen Inter­es­se.

Bra­si­li­en muss zur Chef­sa­che wer­den!

Ich fin­de, dass jetzt ein star­kes Zei­chen gegen die mas­siv gestie­ge­ne Abhol­zung im Ama­zo­nas ange­bracht ist. Ich fra­ge mich jedoch, ob das Zurück­hal­ten von Mit­teln für den Wald­schutz die nöti­ge Durch­schlags­kraft besitzt. Bol­so­na­ros Reak­ti­on dar­auf deu­tet eher auf das Gegen­teil hin. Die deut­schen Wald­schutz­gel­der sind ihm schein­bar egal. Er ist damit nicht an einer emp­find­lich getrof­fen. Zudem fra­ge ich mich, ob es nicht kon­tra­pro­duk­tiv ist, wenn das Bun­des­um­welt­mi­nis­te­ri­um sei­ne Kli­ma­gel­der für Wald­schutz stoppt? Wer­den hier­mit nicht genau die rich­ti­gen Initia­ti­ven unmög­lich gemacht und gute Part­ner der Bun­des­re­gie­rung geschwächt?

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Kla­re Zei­chen an Bra­si­li­en — auch beim Han­del!

Ich fin­de: Bun­des­kanz­le­rin Ange­la Mer­kel soll­te das The­ma jetzt zur Chef­sa­che machen! Die Bun­des­re­gie­rung muss kla­re Zei­chen set­zen.

  • Das Frei­han­dels­ab­kom­men mit Mer­co­sur muss um stär­ke­re Sozi­al- und Umwelt­stan­dards nach­ver­han­delt wer­den. Hier kann die Bun­des­re­gie­rung zusam­men mit der EU deut­lich machen, dass es nicht nur um Geld, son­dern auch um eine wer­te­ba­sier­te Zusam­men­ar­beit geht.
  • EU muss über Soja-impor­te aus Bra­si­li­en nach­den­ken. Wir soll­ten kei­ne Waren impor­tie­ren, für die Wäl­der im Ama­zo­nas oder sonst­wo in Bra­si­li­en abge­holzt wer­den.
Brasilien unter Bolsonaro: Soja
Soja: Sol­len wir wei­ter impor­tie­ren, was dem Regen­wald scha­det? © David Beb­ber / WWF-UK

Der größ­te Regen­wald der Erde mit sei­ner unver­zicht­ba­ren Bedeu­tung für die Welt­ge­mein­schaft darf nicht kurz­fris­ti­gen Pro­fit­in­ter­es­sen nicht geop­fert wer­den. Die ein­deu­ti­ge Bot­schaft muss sein: Geht der Regen­wald ver­lo­ren, ist der Kampf gegen die Erd­er­hit­zung zum Schei­tern ver­ur­teilt.

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Über mich
Roberto Maldonado

Ich bin Diplom-Forstwirt und Südamerika-Referent beim WWF Deutschland - mit 15 Jahren Berufserfahrung in Lateinamerika und Afrika. Mindestens genauso lange arbeite ich auch schon für den Schutz des Amazonas-Regenwaldes. Schwerpunkte meiner Arbeit sind die Ausweisung, der Schutz und die Finanzierung von Schutzgebieten, die Anpassung an den Klimawandel, die Bekämpfung der Entwaldung durch Vieh- Landwirtschaft und Infrastrukturprojekte - und die Planung und Durchführung von umweltpolitischen Kampagnen.

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