Bra­si­li­ens Wald- und Kli­ma­schutz in Gefahr


Klimaschutz Brasilien: Luftbild Amazonas mit Entwaldungsgrenze
Am Amazonas wurde im letzten Jahr mehr gerodet als in den letzten zehn Jahren © Greg Armfield / WWF

7900 Qua­drat­ki­lo­me­ter. Das sind knapp 10.000 Fuß­ball­fel­der. So viel Wald haben wir am Ama­zo­nas in Bra­si­li­en laut offi­zi­el­len vor­läu­fi­gen Anga­ben zwi­schen 2017 und 2018 ver­lo­ren. So viel war es seit zehn Jah­ren nicht mehr. Ich selbst habe es im Novem­ber gese­hen.

Brasilien und Klimawandel: Luftbild von brennendem Amazonas
Der Ama­zo­nas brennt wie­der groß­flä­chi­ger © Rober­to Maldonado/ WWF

Die Fol­gen sind dra­ma­tisch für die Men­schen und die Natur vor Ort. Aber auch für die Land­wirt­schaft, Ener­gie- und Trink­was­ser­ver­sor­gung in ganz Bra­si­li­en, da sie stark vom Regen aus dem Ama­zo­nas­re­gen­wald abhän­gen. Über dem Ama­zo­nas bil­det sich zu wenig Regen. Grund ist die zuneh­men­de Ent­wal­dung. Und bei stär­ke­rer Ent­wal­dung droht der Regen wei­ter aus­zu­blei­ben. Ein Taxi­fah­rer erzähl­te mir bei mei­ner Rei­se im Novem­ber in der Haupt­stadt Bra­si­lia, dass es bis vor kur­zem eine andert­halb Jah­re andau­ern­de Was­ser­ra­tio­nie­rung gab. Dazu sind die Strom­prei­se gestie­gen, da die Rück­hal­te­be­cken der Was­ser­kraft­wer­ke zu wenig Was­ser hat­ten.

Bra­si­li­en und der Kli­ma­schutz

Die Fol­gen tra­gen nicht nur Mensch und Natur in Süd­ame­ri­ka, son­dern wir alle. Bra­si­li­en ist vor allem wegen der Ent­wal­dung der siebt­größ­te Treib­haus­gas­emit­tent der Welt. Wir brau­chen Bra­si­li­en und Bra­si­li­ens Wäl­der, um die glo­ba­le Erd­er­wär­mung zu bekämp­fen. Daher ist die Skep­sis der neu­en Regie­rung Bra­si­li­ens gegen­über dem UN-Abkom­men zur Bekämp­fung des Kli­ma­wan­dels besorg­nis­er­re­gend. Ende Novem­ber hat die bra­si­lia­ni­sche Regie­rung die Bewer­bung zur Aus­rich­tung der UN-Kli­ma­kon­fe­renz COP 25 2019 zurück­ge­zo­gen. Offi­zi­ell wegen des Gel­des.

Die gute Nach­richt ist, dass wich­ti­ge Akteu­re Bra­si­li­ens natio­na­le Kli­ma­zie­le und vor allem die Bekämp­fung der Ent­wal­dung in Ama­zo­nas und im Cer­ra­do, dem zweit­größ­ten Biom des Lan­des und die arten­reichs­te Savan­ne der Welt, unter­stüt­zen. Die Armee macht sich zuneh­mend Sor­gen um die „natio­na­le Sicher­heit“, wenn der Ama­zo­nas­re­gen­wald wei­ter gero­det wird. Tei­le der export­ori­en­tier­ten Agrar­in­dus­trie befür­wor­ten zuneh­mend einen Ent­wal­dungs­stopp. Es ist schlicht und ergrei­fend bes­ser fürs Geschäft, wenn man nicht stän­dig inter­na­tio­nal wegen der Umwelt und sozia­len Miss­stän­den kri­ti­siert wird.

Was wir in Bra­si­li­en tun

Wir set­zen uns in unter­schied­li­chen Koali­tio­nen in Bra­si­li­en für eine ent­wal­dungs­freie Land­wirt­schaft ein. Seit Jah­ren, immer wie­der, immer wei­ter. Wir kämp­fen für die legal bin­den­de Wie­der­her­stel­lung von meh­re­ren Mil­lio­nen Hekt­ar Wäl­dern. Wie es im bra­si­lia­ni­schen Forest Code vor­ge­ge­ben ist. Und wir ver­su­chen vor­han­de­ne Schutz­ge­bie­te und indi­ge­ne Ter­ri­to­ri­en vor Ent­wal­dung zu schüt­zen.

In Deutsch­land müs­sen wir mehr gegen die nega­ti­ven Kli­ma­wan­del­fol­gen auch für Bra­si­li­en tun, indem wir die Ener­gie­wen­de erheb­lich beschleu­ni­gen und höhe­re Umwelt­stan­dards bei den Agrar­im­por­ten ein­for­dern.

Am Wochen­en­de sind die gro­ßen Kli­ma­de­mos in Köln und Ber­lin. Es ist eine Gele­gen­heit Kli­ma­so­li­da­ri­tät zu zei­gen. Als Zei­chen, das auch in Bra­si­li­en gese­hen wer­den kann.

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Über mich
Roberto Maldonado

Ich bin Diplom-Forstwirt und Südamerika-Referent beim WWF Deutschland - mit 15 Jahren Berufserfahrung in Lateinamerika und Afrika. Mindestens genauso lange arbeite ich auch schon für den Schutz des Amazonas-Regenwaldes. Schwerpunkte meiner Arbeit sind die Ausweisung, der Schutz und die Finanzierung von Schutzgebieten, die Anpassung an den Klimawandel, die Bekämpfung der Entwaldung durch Vieh- Landwirtschaft und Infrastrukturprojekte - und die Planung und Durchführung von umweltpolitischen Kampagnen.

3 Kommentare

  1. Avatar
    Cetin
    30. November 2018
    Antworten

    Die­ses The­ma soll­te wahr­ge­nom­men wer­den, weil das ist extrem wich­tig für unse­re Zukunft. Ich wer­de eure News wei­ter ver­fol­gen, weil sie wie immer sehr inter­es­sant sind. Macht wei­ter so!

  2. Avatar
    Jan
    1. Dezember 2018
    Antworten

    Es soll­te einer viel brei­te­re Öffent­lich­keit erklärt wer­den. Nach dem Mot­to ste­ter Trop­fen höhlt den Stein. Bleibt dran und macht wei­ter so.

  3. Avatar
    Eva König
    6. Mai 2019
    Antworten

    möch­te Sie gern bei Ihrem Pro­jekt in Bra­si­li­en unterstützen!mit einer Spen­de von 10 €.Vie­len Dank!Mit freund­li­chen Grüs­sen Ihre Eva König.

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