War­um es immer weni­ger Schmet­ter­lin­ge gibt


Unsere Schmetterlinge verschwinden. Woran liegt das und was kann jeder selbst tun?
Schwalbenschwanz: Sind Schmetterlinge vom Aussterben bedroht? © J. Fieber, igreen media, WWF

Noch vor einer Genera­ti­on flat­ter­ten im Som­mer vie­le far­ben­präch­ti­ge Schmet­ter­lin­ge über blu­men­bun­te Wie­sen, Säu­me und Feld­rai­ne. Ich erin­ne­re mich gut an Admi­ral, Schwal­ben­schwanz, Segel­fal­ter, Mai­vo­gel , Tag­pfau­en­au­ge, C‑Falter und vie­le mehr. Ver­gan­gen. Vor­bei. Heu­te – so scheint es – muss man vie­ler­orts schon froh sein, wenn man einen Zitro­nen­fal­ter oder einen Kohl­weiß­ling erblickt.

War­um ver­schwin­den die Schmetterlinge?

Neue Stu­di­en zei­gen, dass es heu­te zwei Drit­tel weni­ger Tag­fal­ter gibt als noch vor 30 Jah­ren. Nicht nur die Zahl der Tie­re nimmt ab, auch die Arten wer­den immer weni­ger. Schuld dar­an ist die inten­si­ve Land­wirt­schaft. Dort, wo viel gespritzt und viel gedüngt wird, feh­len Schmet­ter­lin­ge und vie­le ande­re Insekten.

Weni­ger Blu­men, weni­ger Schmetterlinge

Warum sind die Schmetterlinge bedroht und wie kann ich sie füttern?
Nicht nur Nek­tar: Auch Schmet­ter­lings­rau­pen brau­chen Nah­rung © Images­i­nes, iStock Get­ty Images Plus

Vie­le Pflan­zen­ar­ten sind inzwi­schen ver­schwun­den. Auf den Fel­dern feh­len die Acker­wild­kräu­ter, die Säu­me und blu­men­bun­ten Rän­der. Auch die Wie­sen haben sich ver­än­dert: In mei­ner Kind­heit konn­te ich mit mei­ner Mut­ter fast über­all einen bun­ten Blu­men­strauß pflü­cken. Ver­sucht das heu­te mal! Die Wie­sen sind grün, das ja. Aber wenn etwas blüht, dann nur noch der Löwen­zahn. Es wird mehr gedüngt und viel mehr geschnit­ten als frü­her. Übrig blei­ben die Grä­ser. Das ist gut für den Ertrag, aber schlecht für die bio­lo­gi­sche Vielfalt.

Und noch schlim­mer: Viel Dün­ger wird in angren­zen­de Gebie­te „ver­weht“. Auch dort schwin­den dann sel­te­nen Arten, die auf nähr­stoff­ar­me („mage­re“, wie der Bio­lo­ge sagt) Ver­hält­nis­se ange­wie­sen sind. Oft sogar in Natur­schutz­ge­bie­ten, die in der Nähe inten­siv genutz­ter Äcker lie­gen. Auch Pes­ti­zi­de wer­den hier hineingeweht.

Sen­si­ble Schmetterlinge

Das Ver­schwin­den der Schmet­ter­lin­ge ist ein Anzei­ger dafür, wie schnell sich die Umwelt ver­än­dert. Denn Schmet­ter­lin­ge sind sehr emp­find­lich und reagie­ren sen­si­bel auf Veränderungen.
Vie­le Arten brau­chen je nach Ent­wick­lungs­sta­di­um zwei Lebens­räu­me. Die meis­ten Arten leben nur weni­ge Wochen als erwach­se­ne Fal­ter. In die­ser Zeit suchen sich Männ­chen und Weib­chen zur Paa­rung. Die Weib­chen müs­sen dann zur Eiab­la­ge eine Stel­le fin­den, wo sich die Rau­pe spä­ter ent­wi­ckeln kann. Die Spe­zia­lis­ten unter den Fal­tern ent­wi­ckeln sich oft nur an einer ein­zi­gen Pflan­zen­art. An die­ser Pflan­ze muss die Rau­pe fres­sen, bevor sie sich ver­pup­pen und schließ­lich zum aus­ge­wach­se­nen Schmet­ter­ling wer­den kann.

Was kön­nen wir tun, damit es wie­der mehr Schmet­ter­lin­ge gibt?

Warum verschwinden unsere Schmetterlinge und was kann jeder selbst tun?
Ein Schmet­ter­lings­gar­ten mit Schmet­ter­lings­pflan­zen hilft © Bern­hard Bauske, WWF

Wir selbst kön­nen in unse­ren Gär­ten oder auf dem Bal­kon etwas für Schmet­ter­lin­ge tun; wir kön­nen “Schmet­ter­lings­fut­ter­pflan­zen” anbau­en. Zum Bei­spiel in einer Ecke des Gar­tens ein paar Brenn­nes­seln oder Dis­teln ste­hen las­sen. Die bie­ten Schmet­ter­lin­gen Nek­tar und ihren Rau­pen Nah­rung. Oder Küchen­kräu­ter pflan­zen — das geht auch auf dem Bal­kon.

Was fres­sen Schmetterlinge?

Ger­ne mögen Schmet­ter­lin­ge diver­se Lip­pen­blüt­ler, die man spä­ter auch als Kräu­ter ern­ten kann: Sal­bei, Min­ze, Majo­ran, Ore­ga­no, Thy­mi­an, aber auch Cle­ma­tis und Veil­chen. Wei­te­re Schmet­ter­lings­pflan­zen sind zum Bei­spiel Som­mer­flie­der, Flo­cken­blu­men, Nat­tern­kopf und Nachtkerze.

Ganz wich­tig für das Über­le­ben der Schmet­ter­lin­ge ist aber auch, dass wir mög­lichst Essen ein­kau­fen, das eben nicht gespritzt und gedüngt wur­de – also Bio kau­fen.

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Schmet­ter­lin­ge füttern?

Schmetterlinge füttern? Eine Falter-Tankstelle für in den Süden ziehende Schmetterlingsarten hilft!
Admi­ra­le wan­dern im Herbst Rich­tung Süden © alexmak72427, iStock Get­ty Images Plus

Wer sei­nen Gar­ten oder Bal­kon natur­nah und schmet­ter­lings­freund­lich gestal­tet, bie­tet das bes­te Fut­ter für die hüb­schen Fal­ter. Zusätz­li­che Nah­rung könnt Ihr bereit­stel­len, wenn Ihr einen geschwäch­ten Schmet­ter­ling fin­det oder Wan­der­fal­tern im Herbst eine Stär­kung mit auf den Weg geben wollt. Denn wie die Zug­vö­gel flie­gen eini­ge Arten nach dem Som­mer gen Süden. Als „Ener­gy­drink“ eig­nen sich Zucker­lö­sung, Malz­bier oder auch ein­fach eine saf­ti­ge Orangenscheibe.

Wir brau­chen die Schmetterlinge

Schmet­ter­lin­ge sind nicht nur schön, sie sind auch sehr nütz­lich. Denn sie schwe­ben von Blu­me zu Blu­me und sau­gen Nek­tar durch ihre Rüs­sel. Dabei leis­ten sie einen wich­ti­gen Bei­trag zur Bestäu­bung von Pflan­zen. Außer­dem sind Schmet­ter­lin­ge eben­so wie Rau­pen, Käfer und ande­re Insek­ten Nah­rung für unse­re hei­mi­schen Vögel und ande­re Tiere.

Was bedeu­tet über­haupt der Name Schmetterling?

Im Eng­li­schen hei­ßen sie but­ter­flies – also But­ter­flie­gen! Auch der deut­sche Begriff “Schmet­ter­ling” lei­tet sich von But­ter ab, näm­lich vom mit­tel­deut­schen Wort “Schmet­ten”, was so viel wie Schmand oder Rahm bedeu­tet. Beim But­ter­schla­gen wur­den die Tie­re frü­her häu­fig ange­lockt. So bür­ger­te sich der Name ein. Schmet­ter­lin­ge hei­ßen auch Fal­ter, was ursprüng­lich von “flat­tern” kommt.

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5 Kommentare

  1. Avatar
    Christian Küssner
    11. Juni 2020
    Antworten

    Es ist wie immer ganz ein­fach. Mäht die Wie­sen rich­tig, lasst Blüh­strei­fen ste­hen. Es wer­den auch nach Infor­ma­tio­nie­rung der zustän­di­gen Personen(Bürgermeister usw) immer noch alles Abge­mäht was geht . Lie­ber Eng­li­scher Rasen als Schmet­ter­lin­ge und Natur. Trau­rig aber dat sehe ich jeden Mor­gen als Fens­ter­an­sicht auf dem Land. CDU geführ­te Gemein­den haben kein Inter­es­se an Umwelt­schutz und Nächs­ten­lie­be. Mei­ne Erfah­run­gen mit sol­chen Personen(reine Geld­gier) im Kopf.

  2. Avatar
    Yoshi86
    30. Juni 2020
    Antworten

    Oder mal gar nicht mehr mähen?
    Ver­steh die­sen Gar­ten­mäh­re­flex sowie­so nicht. Hob­by­los oder ein­fach eitel? Lebens­raum ver­nich­ten und wofür? Unbe­greif­lich für mich.

  3. Avatar
    Andrea Jakobs
    6. August 2020
    Antworten

    Lei­der sind die Schmet­ter­lin­ge auch aus dem Gar­ten ver­schwun­den, indem ich bis Anfang die­ses Jah­res gewohnt habe. Es ist ein alt ange­leg­ter Gar­ten, der sich aber eigent­lich in kei­ner Wei­se in den letz­ten Jah­ren ver­än­dert hat­te. 2015 habe ich noch ein Foto von der Herbst­as­ter gemacht mit etwa 10 Pfau­en­au­gen. Letz­tes Jahr besuch­te kein ein­zi­ges Pfau­en­au­ge unse­ren Gar­ten. Auch in den Nach­bar­gär­ten, die eben­falls sehr vie­le Wild­blu­men, Kräu­ter und alte Blu­men­sor­ten haben, gibt es fast nur noch die Kohl­weiß­lin­ge. Selbst der Som­mer­flie­der lebt ver­waist. Wie lässt sich denn das erklären?

    • Avatar
      6. August 2020
      Antworten

      Lie­be Andrea Jacobs,
      auch wenn unse­re Tipps und zum Bei­spiel Wild­blu­men im Gar­ten hel­fen, gibt es lei­der ins­ge­samt durch die ver­än­der­te Land­schaft und die inten­si­ve Land­wirt­schaft weni­ger Schmetterlinge.
      Vie­le Grüße,
      Albert Wotke

  4. Avatar
    Ronald
    20. Dezember 2020
    Antworten

    Das Lied “Frü­her war alles bes­ser” wur­de schon vor Genera­tio­nen, genau genom­men schon in der Anti­ke gesun­gen. Und seit­her wohl in jeder Genera­ti­on. Das ist nor­mal, jeder Mensch erin­nert sich gern an die bes­se­ren Zei­ten, als er jung war. Der Rea­li­tät ent­spricht das nicht unbe­dingt. “Man sieht sie sel­ten” ent­spricht nicht zwin­gend “sie sind selten”.

    Gera­de die letz­ten drei Som­mer waren bei­lei­be kei­ne schlech­ten Schmet­ter­lings­jah­re. Ich per­sön­lich (52) hat­te in mei­nem Leben genau 1 mal einen Schwal­ben­schwanz im Jugend­al­ter gese­hen. Vor zwei Jah­ren hat­ten sie bei uns im Gar­ten am Dill 7 Rau­pen, an einer konn­ten wir Ver­pup­pung und Schlupf beob­ach­ten. Die­ses Jahr im Früh­jahr konn­te ich wie­der einen Schwal­ben­schwanz sehen.

    Noch nie vor­her gese­hen konn­te ich die­ses Jahr meh­re­re Male den wun­der­schö­nen Trau­er­man­tel (evtl. nicht ein­mal hei­misch) beob­ach­ten. Sehr inter­es­sant war die Beob­ach­tung eines sehr stand­ort­treu­en Admi­rals, der offen­bar an einem unse­rer Pflau­men­bäu­me sein Revier ver­tei­dig­te. Die her­un­ter­ge­fal­le­nen Pflau­men waren wohl eine beson­de­re Leckerei.

    Der ers­te Schmet­ter­ling im Früh­jahr war natür­lich ein Zitro­nen­fal­ter, da die­se ja als eine der weni­gen Arten hier über­win­tern. Dis­tel­fal­ter, teils recht zer­zaust, da sie ja wie Zug­vö­gel über die Alpen zie­hen, beehr­ten uns zahlreich.

    Das übli­che Gewu­sel der Kohl­weis­lin­ge beson­ders am Laven­del war enorm, wie immer. Tag­pfau­en­au­gen und Klei­ne Füch­se sahen wir vie­le. Auch Kai­ser­män­tel konn­ten wir etli­che beob­ach­ten, beson­ders an Stu­den­ten­blu­men. Aurora­fal­ter sehen wir seit Jah­ren regel­mä­ßig hier.

    Wir hat­ten außer­dem im Gar­ten Schach­brett­fal­ter, Land­kärt­chen und vie­le ande­re klei­ne Arten, die wir gar nicht bestim­men konn­ten. Eine beson­de­re Freu­de waren wie immer die klei­nen “Kolibri”-Schwärmer, die Tau­ben­schwänz­chen und erst­mals auch der sehr ähn­li­che Ska­bio­sen­schwär­mer (gibt noch ein paar Arten mehr). Die­se Arten zeich­nen sich durch beson­de­re Pünkt­lich­keit aus; man kann sie wirk­lich oft minu­ten­ge­nau an Fol­ge­aben­den sichten.

    Was vie­len nicht bewußt ist: gera­de bei den schö­nen Tag­fal­tern sind vie­le Arten kei­ne fröh­li­chen Flat­ter­män­ner, die nur dar­auf war­ten, daß sie jemand auf einer roman­tisch zir­pen­den Blu­men­wie­se ertappt. Sie strei­fen Revie­re ab, die sie zum einen gegen Kon­kur­ren­ten zu behaup­ten ver­su­chen, und sie sind ent­spre­chend oft nur kurz anwe­send. Dazu haben sie ganz bestimm­te Tages­zei­ten. Wer eine rea­lis­ti­sche Aus­sa­ge über Häu­fig­keit tref­fen will, muß stun­den- und tage­lang beob­ach­ten. Ande­ren­falls ent­ste­hen natür­lich Aus­sa­gen wie die im Arti­kel. Wenn ich mal 10 Minu­ten auf die Ter­ras­se tre­te oder eine hal­be Stun­de auf einer Wie­se bin, sehe ich auch nix.

    Fazit: Ich zweif­le die pes­si­mis­ti­sche Sicht des Autors vehe­ment an. Schmet­ter­lin­ge sind wei­ter­hin häu­fig, und gera­de sel­te­ne Arten sind in den letz­ten guten Schmet­ter­lings­jah­ren gut zu beob­ach­ten gewe­sen. Dafür muß man sehr viel Zeit in ihrem Habi­tat ver­brin­gen, das ist klar. Aber wer uns erzäh­len will, daß man 1920, 1950 oder 1980 nur mal kurz auf eine Wie­se gehen muß­te, um Schmet­ter­lin­ge aller Arten in Mas­sen zu sehen, ist ent­we­der ein ideo­lo­gi­sier­ter Lüg­ner oder hat eine gefärb­te Erinnerung.

    Wenn das Ziel dabei in einer Schär­fung des Bewußt­seins für die Viel­falt der Arten und für die Ret­tung und Erwei­te­rung der Lebens­räu­me sein mag, so tei­le ich dies 100%. Nicht aber die Mittel!

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