Brasilien: Die nächste Umweltkatastrophe naht!


Schlammlawine überflutet ein Dorf in Brasilien und vergiftet den Fluss Rio Doce
Der Dammbruch: Am Tag, nachdem am Rio Doce alles anders war © Antonio Cruz/Agência Brasil

Brasiliens bisher grösste Umwelt-Katastrophe ist kein bisschen bewältigt, wenngleich die Regierung so tut – und die nächsten Desaster nahen schon.

Es war die bisher größte Umweltkatastrophe Brasiliens:

Im November 2015 brachen die Mauern zweier Abraumbecken einer Erzmine in Mariana (Bundesstaat Minas Gerais). Das Dorf Bento Rodrigues wurde überflutet, die Schlammlawine tötete 17 Menschen, mehr als 50 Millionen Tonnen Schlamm liefen in den Fluss Rio Doce.

Die Natur am Rio Doce wird Jahre brauchen, um sich vom Desaster zu erholen

Betroffen sind nicht nur 600 Kilometer Flusslauf, sondern auch die ökologisch wertvolle Mündungsregion des Rio Doce, wo sich die Schlammbrühe kilometerweit im Meer ausgebreitet hat. Es wird Monate, wenn nicht Jahre dauern bis sich die Umwelt von den Schäden erholt.

Dem Staat gehört ein Viertel des verantwortlichen Konzerns

Der Betreibergesellschaft Samarco drohen Schadenersatzforderungen  in Milliardenhöhe. Samarco gehört zur Hälfte den weltgrößten Bergwerkskonzernen BHP Billiton und dem brasilianischen Vale, an dem die brasilianische Regierung knapp die Hälfte der Anteile hält.

Alles jetzt schon in Ordnung – sagt die Studie der Regierung

Das Wasser des Rio Doce kann nach entsprechender Behandlung ohne Risiko getrunken werden, behauptete Mitte Dezember eine Studie im Auftrag der brasilianischen Regierung. Es seien keine giftigen Metallrückstände festgestellt worden.

Das ist nicht nur für die Bewohner des Flusses ein Hohn. Für eine Studie der brasilianischen NGO SOS Mata Atlantica wurden auf einer Länge von 620 Kilometern an 18 Punkten Wasser und Schlammproben entnommen und zur Analyse ins Labor geschickt.

Alles weiterhin ein absolutes Desaster – sagt die NGO-Studie

Unabhängige Untersuchung: Mitarbeiter der NGO SOS Mata Atlantica entnehmen Proben am brasilanischen Fluss Rio Doce
Wasserprobe: An 16 Stellen am Fluss wurden Proben genommen © SOS Mata Atlântica Foundation

Die Wasserqualität war an 16 der 18 Messpunkte sehr schlecht. Die Konzentration von Magnesium, Mangan, Kupfer und Aluminium lagen über den gesetzlichen Grenzwerten. Die Studie zeigt, dass die Trübung und Feststoffkonzentrationen im Wasser viel höher als die bestehenden Rechtsvorschriften sind. Die Trübheit des Wassers lag zwischen 5150 und 1220 NTU (Neophelometric Turbicity Unit). Empfohlen sind 40 NTU. Selbst Nutztiere sollten es nicht trinken.

Die nächsten Zeitbomben ticken schon!

Samarco hat noch keinen Reparationsplan für den Rio Doce vorgelegt. Zyniker könnten sagen, das sei auch zu früh: Schließlich  gibt viele weitere Rückhaltebecken für Bergbauabfälle, die in ähnlich schlechtem Zustand sind wie die geborstenen am Rio Doce. Daher fordert SOS Mata Atlantica (und wir), dass die Umweltauflagen für Zulassung und Betrieb verbessert/verschärft werden – und nicht, wie zurzeit im Kongress vorangetrieben, aufgeweicht werden.

Sonst wird irgendwann Brasiliens größter Katastrophe noch eine Katastrophe folgen.

Mehr erfahren: 

1.) Lest hier nach, was im Detail am Rio Doce passiert ist

2.) Hier findet ihr meine weiteren Artikel zu Brasilien und dem Amazonas

3.) Teilt mir Eure Fragen, Meinungen und Gefühle zum Rio Doce und dem Bergbau in Brasilien hier unten in den Kommentaren mit!

 

Vorheriger Beitrag Kuh der Woche: Take me to the Jungle!
Nächster Beitrag Die drei goldenen Regeln beim Fischkauf

Über mich
Roberto Maldonado

Ich bin Diplom-Forstwirt und Südamerika-Referent beim WWF Deutschland - mit 15 Jahren Berufserfahrung in Lateinamerika und Afrika. Mindestens genauso lange arbeite ich auch schon für den Schutz des Amazonas-Regenwaldes. Schwerpunkte meiner Arbeit sind die Ausweisung, der Schutz und die Finanzierung von Schutzgebieten, die Anpassung an den Klimawandel, die Bekämpfung der Entwaldung durch Vieh- Landwirtschaft und Infrastrukturprojekte - und die Planung und Durchführung von umweltpolitischen Kampagnen.

1 Kommentar

  1. Sandra
    22. Mai 2016
    Antworten

    So schlimm das alles ist, bin ich sehr dankbar, dass es Leute
    gibt, die dranbleiben und sich ganz konkret einsetzen!!!
    Bitte machen Sie weiter und geben Sie nicht auf!

Einen Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.