Rät­sel um Ele­fan­tenster­ben in Bots­wa­na viel­leicht gelöst


Elefantensterben in Botswana
Was oder wer hat sie getötet? © picture alliance / REUTERS | Handout

Vor eini­gen Wochen erreich­ten uns schreck­li­che Bil­der und Besorg­nis erre­gen­de Infor­ma­tio­nen von einem mys­te­riö­sen Ele­fan­tenster­ben aus Bots­wa­na. Mehr als 350 Tie­re sind laut loka­len Arten­schutz NGOs in Nord-Bots­wa­na gestor­ben, die Behör­den bestä­tig­ten 281 Kada­ver. Schon im April wur­den ver­stärkt tote Ele­fan­ten im Oka­van­go-Del­ta gemel­det, mit bis zu 169 toten Tie­ren. Bis Mit­te Juni hat sich die Zahl anschei­nend mehr als ver­dop­pelt. 

Wor­an star­ben die Ele­fan­ten?

Von einem sol­chen Mas­sen­ster­ben von Ele­fan­ten habe ich außer­halb von Dür­re­pe­ri­oden noch nie gehört. Lan­ge war nicht klar, was die Todes­fäl­le ver­ur­sacht hat. Und auch nicht, ob sie eine Gefahr für die mensch­li­che Gesund­heit oder für wei­te­re Ele­fan­ten der Regi­on dar­stel­len könn­ten. Wir wuss­ten nur: Die Stoß­zäh­ne der ver­stor­be­nen Ele­fan­ten wur­den nicht ent­fernt. Das spricht gegen Wil­de­rei. Auch Anthrax (Milz­brand) — eine bak­te­ri­el­le Infek­ti­ons­krank­heit, die bereits in der Ver­gan­gen­heit zum Tod von Ele­fan­ten und ande­ren Wild­tie­ren wie Fluss­pfer­den führ­te — wur­de rela­tiv früh von den loka­len Behör­den als Ursa­che aus­ge­schlos­sen. 

Ers­te Ergeb­nis­se geben Hin­wei­se

Inzwi­schen wei­sen ers­te Test­ergeb­nis­se dar­auf hin, dass ein natür­li­ches bak­te­ri­el­les Toxin als Todes­ur­sa­che der vie­len Ele­fan­ten infra­ge kommt. Laut Natio­nal­park und Wild­tier­be­hör­de spre­chen die Labor­un­ter­su­chun­gen, die unter ande­rem in den USA durch­ge­führt wur­den, gegen eine Tier­seu­che. Die Unter­su­chun­gen sind noch nicht abge­schlos­sen, toxi­ko­lo­gi­sche Ergeb­nis­se aus Süd­afri­ka wer­den noch erwar­tet. Wir arbei­ten nicht in Bots­wa­na und ich will hier nicht spe­ku­lie­ren. Doch mög­lich ist es, dass Bak­te­ri­en, die bei­spiel­wei­se in Was­ser­lö­chern vor­kom­men, natür­li­che Gif­te erzeu­gen.

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Was jetzt pas­sie­ren muss 

Die Ergeb­nis­se müs­sen nun von wei­te­ren Labo­ren bestä­tigt wer­den und mehr Infor­ma­tio­nen zur Art des Toxins bekannt gege­ben wer­den. Ich als Tier­ärz­tin fin­de ohne­hin, dass Wild­tier­ge­sund­heit eine wich­ti­ge Rol­le im Arten­schutz spielt. Und oft ver­nach­läs­sigt wird. Zum Glück wer­den momen­tan kei­ne wei­te­ren toten Ele­fan­ten gemel­det.

Elefantensterben: Toter Elefant
Was ließ die Ele­fan­ten ster­ben? © ima­go images / image­bro­ker

Wir haben vor allem durch Wil­de­rei in den letz­ten Jah­ren vie­le tau­send Ele­fan­ten ver­lo­ren. Des­we­gen set­zen wir beim WWF uns mit einer Fül­le von Ansät­zen für das Über­le­ben der Ele­fan­ten ein.Eine Auf­klä­rung des Rät­sels wür­de uns neue Erkennt­nis­se zur Ele­fan­ten- und Gesund­heits­öko­lo­gie geben und könn­te wesent­li­che Infor­ma­tio­nen für den Arten­schutz lie­fern.

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3 Kommentare

  1. Avatar
    DUC
    3. Juli 2020
    Antworten

    Hal­lo
    Sie schrei­ben Ori­en­tie­rungs­lo­sig­keit der Ele­fan­ten
    Wie sieht es mit magne­ti­schen Strö­mun­gen in die­ser Regi­on aus gab es da Ver­än­de­run­gen?

  2. Avatar
    Tebogo D. Mench M.A.
    4. Juli 2020
    Antworten

    Sehr geehr­te Frau Hokan,
    ich bin Deut­scher, habe in Bots­wa­na Jah­re­lang als Eth­no­lo­ge bei den Busch­leu­ten und ins­ge­samt 10 Jah­re als Natu­re Guide/Ranger gear­bei­tet. Außer­dem habe ich außer­halb von Maun am Ran­de des Oka­van­go Del­ta eine klei­ne Farm. Ich ken­ne mich folg­lich sehr gut mit den ört­li­chen Ver­hält­nis­sen, respek­ti­ve mit Flo­ra und Fau­na Bots­wa­nas aus. Natür­lich ist das The­ma ELEFANT und die Erhal­tung sei­ner Art ein heiß dis­ku­tier­tes. Fol­gen­des soll­te aber nicht ver­ges­sen wer­den:
    Im nörd­li­chen Bots­wa­na leben der­zeit etwa 130 000 Ele­fan­ten. Das sind etwa 1/3 der gesam­ten Popu­la­ti­on Afri­kas! 1988 lag die Zahl noch bei etwa knapp 80 000. Und wäh­rend sich mensch­li­che Sied­lun­gen im Nor­den des Lan­des kaum aus­ge­wei­tet haben (natür­lich ist der Mensch über­all auf der Welt Schuld am Rück­gang der Tier- und Pflan­zen­welt) haben sich die Dick­häu­ter bei­na­he unge­stört ver­mehrt. Spe­zi­ell seit die Jagd in Bots­wa­na ver­bo­ten wur­de (inzwi­schen wie­der erlaubt). Inzwi­schen wan­dern Ele­fan­ten wie­der von Nord nach Süd durch die Kala­ha­ri, ver­wüs­ten Sied­lun­gen, Fel­der und gefähr­den Men­schen­le­ben in stei­gen­der Zahl. In der Gegend um Maun tauch­ten 2016 das ers­te Mal seit 30 Jah­ren wie­der Her­den auf, ris­sen Zäu­ne und Bäu­me auch auf unse­rem Grund­stück um, deck­ten im benach­bar­ten Dorf Dächer ab. Im Del­ta außer­halb des More­mi Wild­re­ser­va­tes wur­den schon Sied­lun­gen geräumt. In dem Ort Shaka­wa leben Men­schen inzwi­schen inmit­ten von Ele­fan­ten­her­den. In Kasa­ne am Cho­be Fluss im Nor­den wur­den drei Wild­tier­schnei­ßen ein­ge­rich­tet. Am hel­len Tag lau­fen Ele­fan­ten, Büf­fel, Löwen vom obe­ren Wald hin­un­ter zum Fluss qua­si durch die Ort­schaft, wo Men­schen ihren Tätig­kei­ten nach­ge­hen. Bei­na­he täg­lich kommt es zu Un- oder Todes­fäl­len. Um nur ein paar Bei­spie­le zu nen­nen. Soet­was wäre in Deutsch­land undenk­bar.
    Die Tole­ranz der Bevöl­ke­rung schwin­det zuneh­mend, da Bots­wa­na ja auch kein Frei­licht­park für Euro­pä­er ist, immer­hin aber 1/5 der Lan­des­flä­che (Bots­wa­na ins­ge­samt 581 730 qkm) zu Natur- und Wild­schutz­ge­bie­ten erklärt hat. Ergo nimmt z.B. Wil­de­rei zu. Und durch­aus kön­nen auch durch die zu gro­ße Dich­te an Ele­fan­ten auf zu engem Raum Krank­hei­ten auf­tre­ten. Milz­brand wird ja aus­ge­schlos­sen. Augen­zeu­gen spre­chen von z.T. Unter­ernäh­rung und Ori­en­tie­rungs­lo­sig­keit. Ver­ste­hen Sie mich rich­tig: Als Ranger/Guide und Natur­lieb­ha­ber lie­gen auch mir Ele­fan­ten am Her­zen. Und es ist trau­rig, dass vie­le auf uner­klär­li­che Wei­se ver­en­den. Ein paar Hun­dert weni­ger gefähr­den jedoch die Popu­la­tio­nen, gera­de in Bots­wa­na, nicht. Im Gegen­teil, die Natur kann sich durch deren Anzahl — z.B. am Cho­be-Fluss — kaum noch erho­len. Und man kann in Bots­wa­na nicht eine hei­le Ele­fan­ten­welt für das Rest­li­che Afri­ka kre­ieren.
    Als Mensch dert dort lebt weiß ich aus dem täg­li­chen Leben wovon ich rede. Und vie­le mei­ner betrof­fe­nen Mit­men­schen, selbst sol­che die im Tou­ris­mus oder Con­ser­va­ti­on pro­grams tätig sind, spe­zi­ell aber der ein­fa­che Bau­er sehen das auch so.
    Tier­schutz muss auch aus der Per­spek­ti­ve der ört­li­chen Bevöl­ke­rung und nicht nur mit dem Blick durch eine euro­päi­sche Hei­le-Welt-Bril­le gese­hen wer­den.
    Mit freund­li­chen Grü­ßen
    Tebo­go D. Mench M.A.

    • May Hokan
      May Hokan
      29. Juli 2020
      Antworten

      Dan­ke für den Kom­men­tar. Ich stim­me völ­lig zu. Das Pro­blem der Ver­tei­lung der Popu­la­ti­ons­dich­te, und die damit ein­her­ge­hen­den Mensch-Tier Kon­flik­te, ist uns bewusst und stellt einen wesent­li­chen Bestand­teil unse­rer Arten­schutz-Arbeit dar. Aus genau die­sen im Kom­men­tar auf­ge­zähl­ten Grün­den kon­zen­triert sich der WWF in sei­ner Arbeit im süd­li­chen Afri­ka auf soge­nann­te Wild­tier­kor­ri­do­re zur Siche­rung von Wan­der­rou­ten. Ziel ist es, dass Ele­fan­ten wie­der ver­mehrt wan­dern kön­nen, z.B. nach Ango­la wo es weni­ger Ele­fan­ten gibt, und die Hot­spots mit hoher Ele­fan­ten­po­pu­la­ti­on ent­las­tet wer­den, was vor­teil­haft für die Men­schen und für natür­li­che Res­sour­cen (Was­ser, Pflan­zen) in den Gebie­ten ist. Sor­gen um die Ele­fan­ten­po­pu­la­ti­on mach­ten wir uns zum Zeit­punkt des Erschei­nens des Arti­kels weni­ger auf­grund der Zahl der ver­stor­be­nen Tie­re, son­dern weil es unklar war wie sich die­se Zahl wei­ter ent­wi­ckelt z.B. im Fal­le einer Tier­seu­che. Wir wis­sen von ande­ren Seu­chen, wie z.B. Ebo­la bei Men­schen­af­fen oder Chy­tri­dio­my­ko­se bei Amphi­bi­en, dass die­se gan­ze Arten gefähr­den kön­nen. Eine früh­zei­ti­ge Erken­nung der Ursa­che erlaubt uns die Situa­ti­on bes­ser ein­zu­schät­zen. Die Ursa­che ist wei­ter­hin unge­klärt.

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