Gerade komme ich von einem mehrtägigen Trip aus dem Sebangau Nationalpark zurück, sitze frisch geduscht im Eingangsbereich des Hotels in Palangkaraya (Insel Borneo) und warte auf meinen indonesischen WWF-Kollegen — einen Orang-Utan Experten.

Viele Eindrücke geistern durch meinen Kopf: Da sind Gemeindetreffen, in denen man stundenlang auf dem harten Fußboden hockend zubringt und bemerkt, dass man doch keine 20 mehr ist. Oder die endlosen Bootstouren durch noch endlosere Landschaften vorbei an vielen kleinen Dörfern; die Besichtigungen von Aufforstungen bei sengender Hitze und durch Torfmoor watend (wahrscheinlich vorbei an vielen Schlangen, die mein ungeübtes Auge nicht sieht). Und natürlich noch die Gespräche mit Kollegen und lokaler Bevölkerung über den unermüdlichen Kampf um den Schutz und die Regeneration des tropischen Torfmoorwaldes.
Palmölplantagen statt Regenwald
Der Weg zum Nationalpark führt uns durch riesige Gebiete der Verwüstung – Urwälder müssen der Monokultur aus Palmöl weichen, um den stetig wachsenden weltweiten Bedarf zu decken. Wo war nochmal überall Palmöl drin? Shampoo, (Sonnen-)Creme, Eis, Butter, Fertigessen?
Wo sind die „Waldmenschen“?

Der Sebangau Nationalpark gehört zu ihren Hotspots. Umgeben von Flüssen, hat er für sie Inselcharakter, da sie wie wir Menschen nicht von Natur aus schwimmen können. Die meiste Zeit verbringen sie auf Urwaldbäumen, was ihnen sicher auch ihren Namen Orang-Utan – übersetzt „Waldmensch“ – eingebracht hat. Aus diesem Grund ist es so wichtig, den Wald zu erhalten und das Habitat durch Aufforstungen entwaldeter Flächen zu verbessern, ansonsten entzieht man den Orangs ihre Lebensgrundlage. Leider bekam ich keinen der scheuen Menschenaffen auf meiner Reise zu Gesicht. Wegen der beginnenden Trockenzeit war es uns nicht möglich, über die Flüsse tief genug in den Park vorzudringen.
Orang-Utans werden als Haustiere gehandelt!

Borneo hat bereits in den letzten Jahrzehnten die Hälfte seines Waldes verloren. Nach neuen Schätzungen könnten bis 2030 nochmals rund 22 Millionen Hektar entwaldet werden – das entspricht dem Zweifachen der deutschen Waldfläche. Der Hauptgrund liegt in der Umwandlung zu Palmölplantagen. Auf den Plantagen werden Orang-Utans entweder als Plage getötet, oder sie gehen ein, da sie keine Nahrung mehr finden können. Außerdem sind sie gern gesehene Haustiere – als Babys werden sie auf dem Schwarzmarkt gehandelt, um dann ein Leben in Kleidchen gesteckt in der Zivilisation zu fristen. Die Händler erzählen, sie hätten die Babys verwaist aufgefunden und sich ihrer angenommen. Dies sei aber niemals möglich, so berichtete mir mein Kollege. Orang-Utan Babys bleiben ca. sieben Jahre bei ihren Müttern. Dann haben sie genügend gelernt, um sich alleine durchzuschlagen. In dieser Zeit bekommt die Mutter kein weiteres Baby, weswegen der Geburtsintervall der längste aller Menschenaffen ist. Um überhaupt an die Kleinen zu kommen, so mein Kollege, müsse man die Mutter töten, da sie unter keinen Umständen ihr Kind preisgeben würde.
Nun bin ich gespannt, mehr über die aktuelle Orang-Utan-Zählung im Nationalpark zu erfahren. Ein Lichtblick: Die Population hat zugenommen, waren es 2006 noch 5400, so sind es heute 5826. Ich verlasse Indonesien in der Hoffnung, bei meinem nächsten Besuch wenigstens einen der Waldmenschen zu Gesicht zu bekommen.
Vielen Dank für diesen Beitrag. Wir leben in Sabah (Lahad Datu). Bei uns gibt es unter anderen das Danum Valle, Tabin Wildlife Conservation Area, Sungai Kapur und Bukit Piton. Im Letzteren leben relativ viele Orang-Utans und viele andere unter anderem gefährdeten Arten. Mit gezielten Aufforstungsprojekten versuchen wir mitzuhelfen, dieses first class Reserve aufzuwerten. Ich denke, es besteht Hoffnung.