Vogel­zug: Die Zeit der Kra­ni­che


Kranich startet
Einer von vielen tausend Kranichen, die zurzeit in Deutschland zu sehen sind © Ralph Frank / WWF

Das Schilf rauscht im Wind. Geschnat­ter. Hun­der­te, tau­sen­de, sehr vie­le Vögel schau­keln auf dem Grim­nitz­see. Ver­schie­de­ne Arten von Gän­sen, Enten, die Bläss­hüh­ner sind gar nicht mehr ein­zeln zu sehen, sie bil­den qua­si einen schwar­zen Kreis auf dem Was­ser. Etwas dahin­ter auf dem Fel­sen war­tet ein See­ad­ler dar­auf, dass er hung­rig genug ist, um sich zu bewe­gen. Dass sich eine güns­ti­ge Gele­gen­heit bie­tet. Am frü­hen Abend flie­gen dann die Kra­ni­che ein, die schon den gan­zen Nach­mit­tag mit ihrem cha­rak­te­ris­ti­schen Trom­pe­ten am Him­mel zu hören sind. Sie schla­fen dann ste­hend im Was­ser. Das schützt sie vor Fress­fein­den wie dem Fuchs.

Jetzt im Herbst ist viel­leicht die spek­ta­ku­lärs­te Zeit für Natur­er­leb­nis­se in unse­ren Brei­ten. Die Blät­ter leuch­ten in den schöns­ten Far­ben, Pil­ze schie­ßen aus dem Boden, geschäf­tig sam­meln über­all die Eich­hörn­chen ihre Win­ter­vor­rä­te, in der Däm­me­rung röh­ren die Hir­sche. Und es ist die Zeit der Kra­ni­che. wenn sie sich in gro­ßen Grup­pen für den lan­gen Wei­ter­flug in den Süden sam­meln. Man muss kein Orni­tho­lo­ge sein, um von die­sem Natur­schau­spiel gepackt zu wer­den.

Kraniche bei der Futtersuche
Kra­ni­che brau­che Feucht­ge­bie­te © Ralph Frank / WWF

Aktu­ell ras­ten in Deutsch­land vie­le zehn­tau­send Kra­ni­che in den was­ser­rei­chen Gebie­ten Nord- und Mit­tel­deutsch­lands. Dort wo sie fin­den, was sie brau­chen: Feucht­ge­bie­te. Also fla­che Tei­che, Sümp­fe, Moo­re oder wei­te, nas­se Fel­der. Am Tage sieht man die Vögel auf abge­ern­te­ten Äckern und Wie­sen nach Fut­ter suchen, abends keh­ren sie in gro­ßen Scha­ren in ihre Schlaf­ge­wäs­ser zurück.

Hier am Grim­nitz­see bei Joa­chims­thal sind es meh­re­re tau­send Kra­ni­che. In Linum sind es noch viel mehr. Der klei­ne Ort in Bran­den­burg ist einer der größ­ten Kra­nich­rast­plät­ze Euro­pas. Hier wur­den an man­chen Tagen schon über 80.000 Exem­pla­re gezählt.

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Ins­ge­samt 15 Kra­nich­ar­ten gibt es welt­weit. Die ein­zi­ge in Euro­pa vor­kom­men­de Art ist der Graue Kra­nich (Grus Grus). Der ist mit sei­ner Grö­ße von bis zu 1,30 Meter der größ­te Vogel Euro­pas. Kra­ni­che gehö­ren zu den bes­ten Lang­stre­cken­flie­gern der Welt. Sie flie­gen bis zu 130 Stun­den­ki­lo­me­ter schnell und bis zu 4000 Meter hoch. Man­che Vögel flie­gen bis zu 6.000 Kilo­me­ter weit!

Der Vogel des Glücks

Der Mensch war schon immer von den Kra­ni­chen fas­zi­niert. Er spielt sei­ne Rol­le in den Mytho­lo­gien der Grie­chen und Kel­ten, Kra­ni­che kom­men bei Homer und Aris­to­te­les vor. In Chi­na waren sie ein Sym­bol für Weis­heit und lan­ges Leben. In Japan sind Papier­kra­ni­che Glücks­brin­ger und sogar Sym­bol der Anti­atom­waf­fen­be­we­gung.

Kra­ni­che brau­chen Feucht­ge­bie­te

Die Fas­zi­na­ti­on des Men­schen half den Kra­ni­chen in Euro­pa aber zunächst ein­mal nicht. Groß­flä­chi­ge Ent­wäs­se­run­gen, aber auch Beja­gung dräng­ten die ursprüng­lich in Euro­pa weit ver­brei­te­ten Vögel nach Nor­den zurück. Ihr Haupt­ver­brei­tungs­ge­biet haben sie heu­te in Skan­di­na­vi­en, im Bal­ti­kum und im nörd­li­chen Russ­land.

Kraniche in V-Formation
Abflug: Kra­ni­che in der berühm­ten V‑Formation © Ralph Frank / WWF

 

Der WWF begann schon 1973 ein Kra­nich­schutz-Pro­jekt in Nie­der­sach­sen und Schles­wig-Hol­stein. Feucht­ge­bie­te wur­den rena­tu­riert und Ruhe­zo­nen gesi­chert. Mit Natur­schutz­pro­jek­ten wie die­sen konn­te der Rück­gang gestoppt wer­den. Seit den 1980er Jah­ren Jah­re hat sich der Bestand der Kra­ni­che ver­viel­facht.

Kli­ma­kri­se setzt auch den Kra­ni­chen zu

Neu­er­dings setzt aber die Kli­ma­kri­se den Kra­ni­chen zu. In Bran­den­burg ist die­ses Jahr das drit­te schlech­te in Fol­ge. Nor­ma­ler­wei­se wer­den etwa 10 bis 15 Pro­zent Jung­vö­geln in den Kra­nich­grup­pen gezählt, in die­sem Jahr sol­len es gera­de ein­mal fünf Pro­zent sein. Auch bei Kra­ni­chen liegt es an der Tro­cken­heit: Es gibt immer weni­ger Brut­plät­ze und weni­ger Nah­rung für die Kra­ni­che.

Wo kann man Kra­ni­che sehen – und was gibt es zu beach­ten?

Noch gibt es trotz­dem ein­drucks­voll vie­le Kra­ni­che zu sehen. Jetzt im Herbst wer­den vie­le Füh­run­gen und Kra­nich­beo­ach­tun­gen ange­bo­ten. Wie in Wan­ni­chen bei Luckau, bei den Alt­fried­län­der Tei­chen in Bran­den­burg, am Grim­nitz­see, im Natio­nal­park Unte­res Oder­tal oder in Linum. So kann der Laie auch klei­ne­re Zug­vö­gel wie Kie­bitz, Kampf­läu­fer und Bekas­si­ne erken­nen.

  • Wer es ein­rich­ten kann, am bes­ten an einem Wochen­tag kom­men, dann ist der Andrang nicht ganz so groß.
  • Wich­tig: Mög­lichst respekt­voll und ruhig ver­hal­ten, um die Vögel nicht zu stö­ren.
  • Fern­glas nicht ver­ges­sen! Kra­ni­che sind sehr scheu und flie­gen schon bei einer Annä­he­rung auf etwa 300 Metern auf.

Kei­ne Zeit? Doch zu viel ande­res vor? Dann ein wenig Geduld. Von Anfang März bis Anfang April sind die Kra­ni­che wie­der auf ihrem Weg zurück in die Brut­hei­mat nach Ost­eu­ro­pa und in Skan­di­na­vi­en. Dann gibt es aller­dings noch etwas ande­res zu sehen: den “Tanz” der Kra­ni­che, den die bal­zen­den Vögel in der Paa­rungs­zeit mit Feder­schlag und lau­tem Trom­pe­ten auf­füh­ren.

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