Wo fin­de ich Stein­pil­ze? Tipps für’s erfolg­rei­che Pil­ze sam­meln


Zwei Steinpilze im Wald
Der Schatz am Ende des Waldspaziergangs: zwei prächtige Steinpilze. © iStock / Getty Images

Alle Jah­re wieder…Wenn die Tage kür­zer und küh­ler wer­den, der Som­mer sich lang­sam ver­ab­schie­det und in den Herbst über­geht, ist die bes­te Zeit für Wald­spa­zier­gän­ge. Denn im Spät­som­mer und Früh­herbst ist die Pilz­sai­son in vol­lem Gan­ge. Freun­de und Freun­din­nen der schmack­haf­ten Stein­pil­ze, Maro­nen und Rie­sen­schirm­lin­ge stau­ben ihre Körb­chen ab, schlei­fen ihre Opi­nel-Pilz­mes­ser und put­zen ihre Gum­mi­stie­fel. Doch wohin mit all der guten Pilz­lau­ne? In wel­chen Wäl­dern fin­det man über­haupt Spei­se­pil­ze? Und wann? Und was gilt es beim Sam­meln zu beach­ten?

Pil­ze sam­meln: Sie­ben Gol­de­ne Regeln

Stein­pil­ze oder nicht? Prü­fen, prü­fen, prü­fen!

Nie­mals – ich beto­ne: nie­mals! – einen Pilz essen, den ihr nicht genau kennt. Das eine Kri­te­ri­um, mit dem man einen gif­ti­gen von einem ungif­ti­gen Pilz unter­schei­den kann, gibt es nicht! Oft lässt sich ein Pilz erst anhand fünf oder mehr mar­kan­ter Merk­ma­le sicher bestim­men. Das Bestim­men ist gera­de am Anfang einer Pilz­sam­mel­kar­rie­re müh­sam, jedoch soll­tet ihr nie­mals – ich beto­ne: nie­mals! – einen Pilz ver­zeh­ren, der „unge­fähr so aus­sieht, wie der, den Thors­ten letz­tes Mal gefun­den hat.“ Schlaue Men­schen bestim­men ihre Pil­ze selbst vor und brin­gen dann zur Sicher­heit den gan­zen Fund zur ört­li­chen Pilz­be­ra­tungs­stel­le (vor dem Ver­zehr, nicht hin­ter­her!). Viel­leicht gibt es auch einen bera­tungs­wil­li­gen Pilz­sach­ver­stän­di­gen der deut­schen Gesell­schaft für Myko­lo­gie ganz in der Nähe.

Der frü­he Vogel…

Kurz und knapp: Ja, ihr müsst wirk­lich früh auf­ste­hen. Die ech­ten Pilz­nar­ren ste­hen näm­lich schon bei Son­nen­auf­gang im Wald. Wer zu spät kommt, fin­det nur noch die Pil­ze, die ande­re übrig gelas­sen haben. Das sind meist nicht sehr vie­le.

Pil­ze nicht schnei­den!

Oft ste­cken wich­ti­ge Bestim­mungs­merk­ma­le eines Pil­zes in der Knol­le — oder eben in ihrer Abwe­sen­heit. Daher schnei­den Pilz­ex­per­tIn­nen ihre Fun­de nie am Stiel ab, son­dern dre­hen den gan­zen Pilz vor­sich­tig aus dem Boden.

Nur die guten Pil­ze ins Körb­chen!

Sam­melt nicht wahl­los alle Pil­ze im Wald und ver­sucht erst hin­ter­her, sie zu bestim­men, denn so kön­nen Bruch­stü­cke von Gift­pil­zen zwi­schen die genieß­ba­ren Pil­ze gera­ten. Ver­sucht also immer zu prü­fen, ob es sich um einen genieß­ba­ren Pilz han­deln könn­te, bevor ihr ihn auf­nehmt. Gift­pil­ze soll­tet ihr unbe­dingt ste­hen­las­sen und nie­mals zer­stö­ren. Sie sind Nah­rung für ande­re Tie­re und von gro­ßer Bedeu­tung für das Öko­sys­tem.

Ein Eichhörnchen schnuppert an einem Fliegenpilz
Sogar die gif­ti­gen Flie­gen­pil­ze sind Nah­rung für vie­le Wald­be­woh­ner © iStock / Get­ty Images

Pil­ze gleich put­zen!

Ihr soll­tet den Pilz an Ort und Stel­le grob abput­zen und Nadeln und Blät­ter ent­fer­nen. Es emp­fiehlt sich zudem, von Schne­cken und Wür­mern ange­fres­se­ne Stel­len groß­zü­gig abzu­schnei­den, sonst sind eure Pil­ze ver­schwun­den bevor ihr zu Hau­se ange­kom­men seid.

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Pil­ze nie­mals in Plas­tik!

Pil­ze soll­ten nie­mals in Plas­tik­tü­ten gesam­melt wer­den, da sich unter Luft­ab­schluss die Eiweiß­zer­set­zung beschleu­nigt. In Tüten oder Ruck­sä­cken zer­quet­schen die Pil­ze außer­dem sehr schnell. Statt­des­sen lie­ber ein klas­si­sches Pilz­körb­chen mit­neh­men.

Kei­ne Pil­ze Babys und Senio­ren!

Jun­ge Pil­ze zu sam­meln ist nicht nur raff­gie­rig, son­dern auch gefähr­lich, da sie oft sehr schwer zu bestim­men sind. Alte Pil­ze schme­cken nicht mehr, außer­dem kön­nen sie, wenn ihr sie ste­hen­lasst, ihre Spo­ren wei­ter­ge­ben und so für den Erhalt ihrer Art sor­gen.

Vier Geheim­tipps zum Pil­ze­sam­meln für Fort­ge­schrit­te­ne:

Sym­bio­sen ver­ste­hen

Vie­le Pil­ze leben in einer engen Sym­bio­se mit ganz bestimm­ten Pflan­zen. Die­se soge­nann­ten Mykorr­hi­za-Pil­ze belie­fern „ihre“ Pflan­ze mit Mine­ral­stof­fen, z.B. Stick­stoff (in Form von Nitrat) oder Phos­phat und erhal­ten im Gegen­zug vor allem Koh­len­hy­dra­te. Was dem enga­gier­ten Pilz­freund die­ses Wis­sen nützt? Ein ein­fa­ches Bei­spiel: In nitratrei­chen Böden brau­chen die Pflan­zen kei­ne Pilz­part­ner, da sie die wert­vol­len Stof­fe ganz allei­ne aus dem Boden zie­hen kön­nen. In nitratrei­chen Böden gibt es also kei­ne Mykorr­hi­za-Pil­ze (zu denen vie­le Röhr­lin­ge, unter ande­rem auch Stein­pil­ze gehö­ren). Dar­um lohnt es sich, auf Nitrat­zei­ger wie Spring­kraut oder Brenn­nes­seln zu ach­ten, denn wo sie wach­sen, wer­den wir Stein­pil­ze meist ver­geb­lich suchen. Auch ist es sinn­voll zu wis­sen, wel­che Pil­ze mit wel­chen Bäu­men in Sym­bio­sen ste­hen (Infor­ma­tio­nen gibt es z.B. hier). Denn die gro­ßen Bäu­me fin­den wir leich­ter als ihre klei­nen Pilz­part­ner. Die ech­te Pilz­ken­ne­rin wird sich gründ­lich mit der Flo­ra der Wäl­der ver­traut machen und schon bald wis­sen, dass Fich­ten, Kie­fern, Eichen und Buchen ger­ne ein paar Stein­pil­ze in ihrer Nähe haben.

Stamm­wäl­der pfle­gen

Hart­nä­ckig­keit zahlt sich auch bei der Pilz­su­che aus. Es lohnt sich, einen geeig­ne­ten Wald (zum Bei­spiel einen Buchen- oder Fich­ten­wald, denn vie­le Mykho­riz­za-Pil­ze leben in Sym­bio­sen mit Buchen oder Fich­ten) in der Nähe aus­zu­su­chen und die­sem in der Pilz­sai­son so oft wie mög­lich einen Besuch abzu­stat­ten. Nur so kann man einen Wald gründ­lich erfor­schen und die ertrag­rei­chen Pilz­ge­bie­te aus­ma­chen. Häu­fig wach­sen Pil­ze Jahr für Jahr in den­sel­ben Area­len, daher ist die Kenn­zeich­nung die­ser Orte auf einer Kar­te emp­feh­lens­wert. Auch tech­ni­sche Gerä­te wie Smart­pho­nes oder Navi­ga­ti­ons­ge­rä­te sind hilf­reich, um sich die GPS-Koor­di­na­ten beson­de­rer Pilz­ge­bie­te zu mar­kie­ren und so leich­ter zu ihnen zurück­zu­fin­den.

Pil­ze: Nicht nur im Herbst suchen

Pil­ze wach­sen das gan­ze Jahr über. Wer im Früh­ling oder Win­ter nach ihnen sucht, wird zwar manch ungläu­bi­gen Blick von Spa­zier­gän­gern ern­ten, aber dafür außer Kon­kur­renz die herr­lichs­ten Spei­se­pil­ze fin­den, wie zum Bei­spiel Schopf­tint­lin­ge, Mor­cheln oder Mai­pil­ze.

Pilz­se­mi­na­re besu­chen

Auch für die erfah­re­nen Pilz­samm­le­rIn­nen lohnt sich der Besuch eines Pilz­se­mi­nars, um spe­zi­el­le Fra­gen zu klä­ren und Tipps vom ech­ten Pro­fi zu erhal­ten. Die deut­sche Gesell­schaft für Myko­lo­gie bil­det Pilz­sach­ver­stän­di­ge aus, die in ganz Deutsch­land Pilz­kur­se anbie­ten. Im Raum Ber­lin-Bran­den­burg sind bei­spiels­wei­se die Pilz­ex­kur­sio­nen und –semi­na­re von Dirk Har­mel eine emp­feh­lens­wer­te Anlauf­stel­le.

 

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Über mich
Gesa Labahn

Journalistin, Philosophin und nun Videoredakteurin beim WWF. Ich mag Essbares aus der Natur, Salat vom Großstadtbalkon und digitale Delikatessen. Außerdem glaube ich fest daran, dass wir alle gemeinsam mit nur wenig Mühe viel verbessern können.

14 Kommentare

  1. Wo finde ich Steinpilze? Tipps für's Pilzesammeln. I WWF Blog - Natur Insider
    1. November 2016
    Antworten

    […] Quel­le: Wo fin­de ich Stein­pil­ze? Tipps für’s Pil­ze­sam­meln. I WWF Blog […]

    • Avatar
      Floppi
      29. September 2018
      Antworten

      Die Sei­te ist nicht sehr hilf­reich, denn Stein­pil­ze fin­det man def­in­ti­tiv an fol­gen­den Orten: Da wo Wald­amei­sen ihre Hügel haben, gibt es Stein­pil­ze genau­so da wo es Flie­ge­ne­gen­pil­ze als den soge­nann­ten Seit­pilz­fin­der gibt. Auch da wo der schmack­haf­te ess­ba­re Hexen­röhr­ling der roh gif­tig ist wächst und der ger­ne als “Satans­pilz” ste­hen gelas­sen wird, da gibt es Stein­pil­ze. Wer durch die Wäl­der streift und die­se Regeln beach­tet, der fin­det an den Wald­rän­dern die gesuch­ten Stein­pil­ze. also Schluss mit der Geheim­nis­tue­rei.

      • Avatar
        8. Oktober 2018
        Antworten

        Hal­lo Flop­pi, mit Aus­sa­gen wie “Stein­pil­ze fin­det man defi­ni­tiv…” wäre ich gene­rell vor­sich­tig ;-). Aber du hast recht: Flie­gen­pil­ze sind, genau wie Stein­pil­ze, Mykorr­hi­za-Pil­ze. Das heißt, sie leben in Sym­bio­se mit Bäu­men, in die­sem Fall meist mit Fich­ten. Da sich bei­de Pilz­ar­ten in ähn­li­chen Bio­to­pen wohl­füh­len, ist es kein Zufall, dass sie häu­fig bei­ein­an­der wach­sen. Häu­fig wird jedoch beob­ach­tet, dass Flie­gen­pil­ze etwas spä­ter als Stein­pil­ze wach­sen.

        Die Sache mit den Amei­sen­hü­geln kann­te ich noch gar nicht, vie­len Dank für den Hin­weis! Lei­der sehe ich sehr sel­ten Amei­sen­hü­gel in unse­ren Wäl­dern — aber ich wer­de mal dar­auf ach­ten und dir dann Bescheid geben, ob dein Tipp hilf­reich war ;-).

  2. Avatar
    Alex
    26. März 2017
    Antworten

    Das ist echt ein super Arti­kel! Und auch wenn mich Spa­zier­gän­ger viel­leicht komisch anschau­en, wer­de Ich mich dem­nächst mal auf die Suche nach den ers­ten Stein­pil­zen des Jah­res machen!
    lg Alex

  3. Avatar
    10. Oktober 2017
    Antworten

    Und wie­der was gelernt, vie­len Dank. Das man­che Pil­ze in Sym­bio­sen zu Pflan­zen ste­hen wuss­te ich nicht, obwohl ich nun mitt­ler­wei­le schon über 30 Jah­re durch den Wald gehe 🙂
    Alles ande­re ist auch mir bekannt und wird von mir bestä­tigt.

    Alles Gute sagt Dani­el

  4. Avatar
    15. Oktober 2017
    Antworten

    Schö­ner Bericht und was dazu gelernt. Muss doch mal um Win­ter raus. 🙂

    Dann kann ich unse­re Pre­mi­um Aro­men even­tu­ell mit Mor­cheln zu neu­en Geschmacks­va­ria­tio­nen umän­dern. 🙂

  5. Avatar
    Rainer
    13. Februar 2018
    Antworten

    Ein klei­ner Tipp:
    Wo Flie­gen­pil­ze wach­sen ist der Stein­pilz nicht weit.

  6. Avatar
    Volker
    9. September 2018
    Antworten

    Wenn Ihr Pfif­fer­lin­ge fin­det, dreht sie bit­te nicht aus dem Boden her­aus, wie in dem Arti­kel beschrie­ben ist. Schnei­det sie mit dem Mes­ser ab, dann wächst der Pilz nach. So sorgt Ihr für nach­hal­ti­ges Pilz­sam­meln und erhal­tet für spä­ter nach­fol­gen­de Samm­ler Fund­stel­len. Zusätz­lich soll­tet Ihr die klei­nen Exem­pla­re für Eure Pilz­samm­ler­kol­le­gIn­nen ste­hen las­sen.

  7. Avatar
    Kamil
    18. September 2018
    Antworten

    Mei­ne Oma sag­te immer, dass man immer sehr früh im Wald sein muss und an den Stel­len suchen soll­te, wo kei­ne sucht. Das sind Ihre Tipps zum Erfolg!

  8. Avatar
    Daniel
    25. November 2018
    Antworten

    Bei uns hier im bay­ri­schen Wald wür­den so vile Stein­pil­ze wach­sen aber lei­der dau­ert die Halb­werts­zeit vom Cäsi­um, wel­ches sich durch die Atom­ka­tas­ro­phe am Boden bei uns in Bay­ern abge­la­gert hat noch ca. 25 Jah­re.

  9. […] Bei­trag Wo fin­de ich Stein­pil­ze? Tipps für’s erfolg­rei­che Pil­ze­sam­meln erschien zuerst auf WWF […]

  10. Avatar
    Dieter
    10. Oktober 2019
    Antworten

    Stein­pil­ze fin­dest du in guten Fein­kost­ge­schäf­ten . So scha­dest du dem Wald­bo­den
    am wenigs­ten , ver­gif­test dich nicht , störst Wald­le­ben nicht , kurz­um : mach das
    was du kannst , geh zum Super­markt ! oder eben auf den Wald — Wan­der­we­gen
    spa­zie­ren .
    Und , par­ke dein ” Liebs­tes ” nicht im Wald , son­dern in der Haus- Gara­ge .
    Dan­ke !

  11. Avatar
    Sassa
    23. Oktober 2019
    Antworten

    Also Die­ter,
    das ist ja reich­lich kurz­sich­tig: da man Stein­pil­ze nicht züch­ten kann, wur­den die Exem­pla­re in dei­nem Fein­kost­la­den natür­lich im Wald gesam­melt- sind also genau­so Cäsi­um belas­tet wie selbst gepflück­te und wer­den eben­falls meis­tens per Auto abtrans­por­tiert.
    Sat­tel am bes­ten auf Cham­pi­gnons um 😉!
    Sas­sa

  12. Avatar
    Margit
    1. November 2019
    Antworten

    Mei­ne Mut­ter sag­te immer, dass jeder Stein­pilz einen Bru­der hat.
    Tat­säch­lich ist in den meis­ten Fäl­len ein zwei­ter Her­ren­pilz nicht weit. Also sich wei­ter umse­hen.

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