Coro­na­vi­rus: Ursprung Wild­tie­re


Der Handel mit Wildtieren ist vermutlich die Quelle des Coronavirus. © Aleksandar Plavevski / shutterstock
Der Handel mit Wildtieren ist vermutlich die Quelle des Coronavirus. © Aleksandar Plavevski / shutterstock

Die Welt blickt vol­ler Sor­ge nach Chi­na: Das Coro­na­vi­rus 2019-nCoV kann eine Lun­gen­krank­heit aus­lö­sen, an der bis­lang mehr als 200 Men­schen gestor­ben sind. Der Ursprung der Epi­de­mie liegt wahr­schein­lich auf Wild­tier­märk­ten.

Wei­ter wird davon aus­ge­gan­gen, dass die Quel­le des der­zei­ti­gen Aus­bruchs von einem Fisch­markt der chi­ne­si­schen Stadt Wuhan stammt, auf dem auch Wild­tie­re ille­gal ver­kauft wur­den. Vie­le von uns haben ein Déjà-vu: 2003 brach in Chi­na das SARS-Coro­na­vi­rus aus und töte­te fast 800 Men­schen. Der Ursprungs­ort war auch damals ein chi­ne­si­scher Markt, der Über­trä­ger eine Schleich­kat­zen­art. 17 Jah­re spä­ter wird in Chi­na wie­der wegen eines Coro­na­vi­rus zunächst ein Markt geschlos­sen, das Land rie­gelt Mil­lio­nen­städ­te ab. Inzwi­schen ist auch der Han­del mit Wild­tie­ren kom­plett unter­sagt.

Was ist das Coro­na­vi­rus?

Coro­na­vi­rus-Infek­tio­nen kom­men bei Men­schen und bei Tie­ren vor. Eini­ge Strän­ge sind zoo­no­tisch. Das heißt, sie kön­nen von Tier auf Mensch über­tra­gen wer­den. Die Men­schen auf dem Sea­food-Markt in Wuhan kamen dort auch mit Wild­tie­ren in Kon­takt wie Fle­der­mäu­se, Schlan­gen, Enten, Wild­ka­nin­chen und Wasch­bä­ren, die eben­falls dort gehan­delt wer­den. Die Tie­re wer­den auf engs­tem Raum in Käfi­gen gehal­ten. Das ist nicht nur aus Tier­schutz­grün­den bedenk­lich, son­dern bie­tet auch idea­le Bedin­gun­gen für Krank­heits­er­re­ger, die sich etwa über Kör­per­se­kre­te ver­brei­ten. Vie­le von den Tie­ren, die auf den Märk­ten gehan­delt wer­den, sind Wild­tie­re. Eini­ge davon gel­ten als stark gefähr­det.

Woher kommt das Coro­na­vi­rus?

Der genaue Ursprung des Virus ist noch unklar. Forscher:innen ver­mu­ten, dass das neue Virus, wie damals auch das SARS-Virus, von Fle­der­mäu­sen über einen Zwi­schen­wirt auf Men­schen über­tra­gen wur­de. Beim der­zei­ti­gen Aus­bruch sind Schlan­gen als Zwi­schen­wir­te im Ver­dacht. Eines ist aber sicher: Das Virus kann nun auch von Mensch zu Mensch über­tra­gen wer­den.

Die Huf­ei­sen­na­sen­fle­der­maus (Rhi­no­lo­phus) gilt als wahr­schein­li­cher Ursprung des neu­en Coro­na­vi­rus 2019-nCoV. © iStock/ get­ty images

Zoo­no­sen gibt es immer häu­fi­ger

Laut Welt-Tier­ge­sund­heits­organsia­ti­on OIE sind 60 Pro­zent der Infek­ti­ons­krank­hei­ten zoo­no­tisch (Tuber­ku­lo­se, Toll­wut, HIV) und min­des­tens 75 Pro­zent der neu­auf­tre­ten­den Infek­ti­ons­krank­hei­ten (Ebo­la, Influ­en­za, Nipah-Virus) haben einen tie­ri­schen Ursprung. Wie kommt es, dass die­se Zahl steigt? Es gibt immer mehr Men­schen auf der Welt, die dazu immer häu­fi­ger in Metro­po­len, also auf engem Raum leben. Zudem flie­gen Men­schen in Zei­ten der Glo­ba­li­sie­rung um die hal­be Erd­ku­gel und han­deln täg­lich mit Tie­ren und tie­ri­schen Pro­duk­ten, wel­che sie welt­weit ver­schif­fen. Das führt dazu, dass sich Erre­ger ein­fa­cher und schnel­ler aus­brei­ten kön­nen. Ins­be­son­de­re durch den Wild­tier­han­del wird ein Über­schwap­pen von Viren von Wild­tie­ren auf Men­schen ermög­licht. Laut Gesundheitsexpert:innen wür­den sich durch die Schlie­ßung der Wild­tier­märk­te vie­le sol­cher Aus­brü­che ver­hin­dern las­sen.

Die Ver­än­de­rung unse­rer Umwelt führt zu neu­ar­ti­gen Krank­hei­ten

Auch vom Men­schen ver­ur­sach­te Umwelt­ver­än­de­run­gen füh­ren zur ver­mehr­ten Aus­brei­tung von Krank­hei­ten. Ent­wal­dung und inten­si­ve Land­wirt­schaft erhö­hen das Risi­ko der Über­tra­gung von Infek­ti­ons­krank­hei­ten und deren Aus­wir­kun­gen. Denn je mehr wir unse­re Umwelt ver­än­dern, des­to mehr gera­ten auch Krank­heits­er­re­ger ins Ungleich­ge­wicht: Mensch­li­che Akti­vi­tä­ten füh­ren zu neu­en Dyna­mi­ken von Infek­ti­ons­krank­hei­ten und neu­en Aus­brei­tungs­mus­tern. Durch erhöh­te mensch­li­che Akti­vi­tät ent­steht eine immer grö­ße­re Schnitt­stel­le zwi­schen Mensch, Tier und Umwelt, an der sich Krank­hei­ten über­tra­gen kön­nen.

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Viren ver­än­dern sich schnell. Das macht ihre Aus­brei­tung unvor­her­seh­bar und die Ent­wick­lung eines Impf­stof­fes beson­ders schwie­rig. Es ermög­licht Forscher:innen aber auch nach­zu­voll­zie­hen, wie sich der Erre­ger ent­wi­ckelt hat. Denn wenn das Virus von einer Art auf eine ande­re über­springt, mutiert es. Das heißt, es ver­än­dert sich gene­tisch. So kann letzt­lich auch sein Ursprung bestimmt wer­den.

Egal wo das Coro­na­vi­rus nun genau her­kommt: Ein tie­ri­scher Ursprung ist sehr wahr­schein­lich. Das zeigt, dass Wild­tier­han­del nicht nur Tier­ar­ten gefähr­det, son­dern auch uns Men­schen.

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May Hokan

Über mich
May Hokan

Ich bin Tierärztin und seit 2019 beim WWF. Nachdem ich in Syrien aufwuchs und in Deutschland studierte, zog es mich immer wieder nach Afrika, wo ich Lemuren erforschte und mit Elefanten arbeitete. Mich interessiert v.a. der gesundheitliche Aspekt des Zusammenhangs von Mensch, Tier und Umwelt. Beim WWF setzte ich mich für den Lebensraumschutz von Löwen, Elefanten und Geparden im südlichen Afrika ein.

12 Kommentare

  1. Avatar
    Allah
    26. Januar 2020
    Antworten

    Fleisch ist Gift

    • Avatar
      Gott
      27. Januar 2020
      Antworten

      Reli­gio­nen auch x)

      • Avatar
        Futzi
        29. Januar 2020
        Antworten

        Da haben sich die Tie­re wohl gerächt. Bad Kar­ma

      • Avatar
        Jesus
        31. Januar 2020
        Antworten

        Vater wie­so hast du uns das ange­tan XD

  2. Avatar
    Tja
    1. Februar 2020
    Antworten

    Wie­so wun­dert mich das nicht dass es von Chi­na kommt wenn sie sol­che wil­den Tie­re essen bzw. mit denen Han­del betrei­ben??

  3. Avatar
    Fabian
    11. Februar 2020
    Antworten

    schlan­ge als Zwi­schen­wirt ist falsch, die Fle­der­maus ist der Zwi­schen­wirt und das Virus kommt von einer Mücke soviel ich weiß…fragt mich nicht woher ich das weiß…vielleicht hilft die­ser bei­trag hier ja..LG

  4. Avatar
    Masya
    15. Februar 2020
    Antworten

    Den Wild­tier­han­del zu ver­bie­ten ist natür­lich rich­tig und ein super Schritt in die rich­ti­ge Rich­tung! Aber den Wild­tier­han­del für den Coro­na­vi­rus ver­ant­wort­lich zu machen, ist in mei­nen Augen ziem­lich an den Haa­ren her­bei­ge­zo­gen. Sehr viel nahe­lie­gen­der ist die Ver­mu­tung, dass der Virus aus dem natio­na­len Labor für Bio­si­cher­heit Chi­nas in Wuhan (von wo aus sich ja auch die Erkran­kung aus­brei­te­te und es die mit deut­li­chem Abstand höchs­ten Infek­ti­ons­zah­len gibt) stammt, in dem an dem SARS-Virus gear­bei­tet wur­de, um Impf­stof­fe zu ent­wi­ckeln. Mög­lich ist, dass der Virus nicht mal absicht­lich nach außen gelang­te, son­dern durch irgend­ei­ne Toll­pat­schig­keit…

    • Avatar
      25. Februar 2020
      Antworten

      Ich habe angst den Coro­na Virus zu bekom­men hof­fe der wird nicht nach deutsch­land kom­men🙏🙏🙏🙏🙏

  5. Avatar
    26. Februar 2020
    Antworten

    Hal­lo May,

    vie­len Dank für den tol­len Arti­kel. Ich fin­de auch den Ein­satz des WWF´s super für das Tier­wohl. Es soll­te viel mehr auf die Lebe­we­sen geach­tet wer­den. Die Men­schen müs­sen end­lich begrei­fen, dass sie im Ein­klang mmit der Natur leben müs­sen und die­se nicht sinn­los zer­stö­ren.

    lg
    Andy

  6. Avatar
    Yve
    26. Februar 2020
    Antworten

    Lei­der zu spät. Der Virus ist bereits in Deutsch­land. Ich habe auch Angst zumal ich schon eine Vor­er­kran­kung habe und ein stark geschwäch­tes Immun­sys­tem. Aber wir soll­ten ein­fach auch alle ein wenig mit­ar­bei­ten. Nähe­ren Kon­takt mit Men­schen ver­mei­den die bereits erkäl­tet sind oder stark Hus­ten bzw Grip­pe Ähn­li­che Sym­pto­me auf­wei­sen, auf das Hän­de Schüt­teln beim Begrü­ßen ver­zich­ten, Hän­de stets des­in­fi­zie­ren, Grö­ße Men­schen­an­samm­lun­gen ver­mei­den. Alles in allem kann man nur ver­su­chen das bes­te draus zu machen und ein biss­chen mit­zu­ar­bei­ten und zu hof­fen das es nicht noch schlim­mer wird.

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