Feu­er in Aus­tra­li­en: Zwi­schen­bi­lanz einer Kata­stro­phe


Tiere in Australien: Ein Kookaburra Vogel schaut auf einen verbrannten Wald
Was bleibt übrig? Kookaburra in verbranntem Wald © Adam Stevenson / WWF

Das gigan­ti­sche Aus­maß der Feu­er in Aus­tra­li­en

Seit Beginn der Feu­er im Okto­ber 2019 sind in Aus­tra­li­en mehr als zehn Mil­lio­nen Hekt­ar Land ver­brannt. Mehr als bei den jüngs­ten Brän­den im Ama­zo­nas und in Kali­for­ni­en zusam­men. Mehr als die Flä­che von Bel­gi­en und den Nie­der­lan­den. Allei­ne das Feu­er beim Gos­pers Moun­tain war etwa sechs Mal so groß wie ganz Ber­lin.

Ursa­che für das Aus­maß der Brän­de: Das Kli­ma

Brän­de sind in Aus­tra­li­en nor­mal. Aus­tra­li­en ist ein Land der Busch­feu­er. Aber die aktu­el­le Busch­brand­ka­ta­stro­phe ist nicht nor­mal. Aus­tra­li­en hat vier auf­ein­an­der­fol­gen­de Rekord­som­mer ver­zeich­net. Die bei­spiel­lo­se Tro­cken­heit in Ver­bin­dung mit nied­ri­ger Luft­feuch­tig­keit, hohen Tem­pe­ra­tu­ren, star­kem Wind ver­län­gert und ver­schlim­mert die Busch­feu­er­sai­son.

Natür­lich: Die Kli­ma­kri­se allein ver­ur­sacht kei­ne Feu­er. Das war auch bei den Wald­brän­den in Deutsch­land im letz­ten Som­mer nicht der Fall. Aber das Kli­ma schafft extre­me Brand­wet­ter­la­gen. Die Erd­er­hit­zung schafft schlicht per­fek­te Bedin­gun­gen für kata­stro­pha­le Feu­er.

Jetzt brennt es in Aus­tra­li­en an auch an Orten, die vor­her als sicher gal­ten. Regen­wäl­der im nörd­li­chen New South Wales, im tro­pi­schen Queens­land und in den ehe­mals feuch­ten Alt­wäl­dern in Tas­ma­ni­en. In einer Inten­si­tät, die noch nie zuvor erlebt wur­de.

Men­schen und die Feu­er: Tod und Zer­stö­rung

Min­des­tens 28 Men­schen kamen bei den Feu­ern ums Leben. Mehr als 2000 Häu­ser wur­den zer­stört. Die Mas­sen­eva­ku­ie­run­gen in New South Wales und Vic­to­ria gehö­ren zu den größ­ten, die jemals in Aus­tra­li­en statt­ge­fun­den haben. Die genaue Zahl der Geflo­he­nen bleibt unklar, es waren wohl etwa 60.000 Men­schen.

Die vol­len Aus­wir­kun­gen auf die Lebens­grund­la­gen der Men­schen sind noch nicht klar. Jeder Drit­te Aus­tra­li­er ist von der Luft­ver­schmut­zung betrof­fen. Die Luft­qua­li­tät im zen­tral­aus­tra­li­schen Capi­tal Ter­ri­to­ry war Anfang Janu­ar die schlech­tes­te der Welt.

Tie­re: Ver­trie­ben, ver­brannt — und aus­ge­stor­ben?

Schät­zun­gen gehen davon aus, dass bis­her mehr als 1,25 Mil­li­ar­den Tie­re betrof­fen sind. Meh­re­re Arten könn­ten durch die Feu­er aus­ge­stor­ben sein. Bis zum Abklin­gen der Brän­de wird das vol­le Aus­maß unbe­kannt blei­ben. Was schon klar ist: Koa­las sind schwer betrof­fen. In einer schon vor­her bedroh­ten Popu­la­ti­on an der soge­nann­ten „Koa­la Coast“ von New South Wales sind bis zu 30 Pro­zent der dor­ti­gen Tie­re bei Brän­den umge­kom­men – bis zu 8400 Tie­re. Gera­de dort, wo der WWF schon vor den Brän­den fürch­te­te, die Koa­las könn­ten bis 2050 aus­ster­ben, ist dies ist ein ver­hee­ren­der Schlag für eine ohne­hin bedroh­te Art. Denn die kata­stro­pha­len Feu­er könn­te das Abrut­schen der Koa­las in die regio­na­le Aus­rot­tung beschleu­ni­gen.

Die Feuer in Australien haben viele Tiere getötet. Dieser Koala hatte Glück
Die­ser Koa­la hat­te Glück © Tru­di Timps / WWF

Zahl­rei­che wei­te­re Arten sind stark betrof­fen, unter ande­rem der Süd­li­che Groß­flug­beut­ler und der Gro­ße Gleit­hörn­chen­beut­ler, das Lang­fuß-Kanin­chen­kän­gu­ru und das Bürs­ten­schwanz-Fels­kän­gu­ru, der Berg­bilch­beut­ler, der Süd­li­che Cor­roboree-Frosch sowie auf der beson­ders betrof­fe­nen Kän­gu­ru-Insel die nur dort vor­kom­men­de Kän­gu­ru-Insel-Schmal­fuß­beu­telmaus und die dort leben­den Braunkopf­kaka­dus.

Fol­ge uns in Social Media

Facebook
Twitter
Instagram
YouTube
RSS

Bei etwa 114 in Aus­tra­li­en bedroh­ten Arten ist min­des­tens die Hälf­te ihres Ver­brei­tungs­ge­bie­tes von den Feu­ern betrof­fen. Über 190 Arten haben mehr als 30 Pro­zent ihres Ver­brei­tungs­ge­bie­tes an die Feu­er ver­lo­ren. Meh­re­re Arten wur­den fast in ihrem gesam­ten Ver­brei­tungs­ge­biet von den Brän­den ver­zehrt, wie etwa die Berg-Trachy­me­ne, eine hoch bedroh­te Pflan­ze, die nach ihrer wis­sen­schaft­li­chen Beschrei­bung 1899 schon als aus­ge­stor­ben galt, bevor sie in den 1980er wie­der­ent­deckt wur­de. Sie kommt nur an zwei Stand­or­ten auf etwa 30 Hekt­ar im süd­öst­li­chen Hoch­land von New South Wales vor. Das klei­ne Vor­kom­men liegt zwar in einem Natio­nal­park, aber die­ser ist mas­siv von den Feu­ern betrof­fen und bleibt in Tei­len wegen der Gefah­ren durch die Flam­men wei­ter­hin für Besu­chen­de geschlos­sen.

Aus­tra­li­en brennt: Helft uns, die Koa­las zu ret­ten!

 

Selbst wenn sie den Flam­men ent­kom­men sind, ste­hen vie­le Tie­re vor har­ten Zei­ten. Ihr Fut­ter ging eben­so in Flam­men auf wie ihre Deckung vor Fein­den. Je nach Inten­si­tät der Feu­er sind nur klei­ne Teil-Lebens­räu­me ver­schont geblie­ben. Es kann gut sein, dass hier Bestän­de so klein sind, dass ein lang­fris­ti­ges Über­le­ben unsi­cher wird.

Wirt­schaft und die Feu­er: Mil­li­ar­den­schä­den

Die Feu­er wer­den die Wirt­schaft in Aus­tra­li­en min­des­tens fünf Mil­li­ar­den Aus­tra­li­sche Dol­lar an direk­ten Ver­lus­ten kos­ten – das ent­spricht etwa drei Mil­li­ar­den Euro. Das Wirt­schafts­wachs­tum dürf­te sich um bis zu 0,5 Pro­zent redu­zie­ren. Unter den Aus­wir­kun­gen wer­den der Tou­ris­mus und die Land­wirt­schaft lei­den.

Auch der wirt­schaft­li­che Wert des Ver­lusts an bio­lo­gi­scher Viel­falt ist schätz­bar. Er beträgt bis zu acht Mil­li­ar­den Euro. Der wirt­schaft­li­che Wert der durch die Brän­de ver­ur­sach­ten Koh­len­stoff­emis­sio­nen (auf der Grund­la­ge der Prei­se für Koh­len­stoff­kre­di­te) liegt bei bis zu fünf Mil­li­ar­den Euro.

Poli­tik und die Feu­er: Pre­mier Mor­ri­son unter Druck

Seit Beginn der Feu­er gibt es viel Kri­tik an der Regie­rung. Die Kri­tik rich­te­te sich vor allem gegen den schlecht getim­ten Urlaub des Pre­mier­mi­nis­ters Scott Mor­ri­son auf Hawaii. Dazu kam die anfäng­li­che Wei­ge­rung, frei­wil­li­ge Feu­er­wehr­män­ner zu bezah­len und der nur schlep­pen­de Ein­satz der Armee. Und die Kli­ma­po­li­tik Mor­ri­sons fin­det immer mehr Kri­ti­ker. Mor­ri­son möch­te in Zukunft eher noch mehr Koh­le för­dern las­sen möch­te. Aus­tra­li­en ist der welt­größ­te Koh­le­ex­por­teur.

Ihre Kli­ma­schutz­po­li­tik will die Regie­rung trotz des zuneh­men­den öffent­li­chen Drucks aber nicht ändern. In einer Umfra­ge des Syd­ney Morning Herald lag die Zustim­mungs­ra­te für den Chef der kon­ser­va­ti­ven Libe­ra­len aber nur noch bei 32 Pro­zent.

Der WWF und die Brän­de: Die Her­ku­les­auf­ga­be

Wenn es an der Kata­stro­phe etwas Gutes gab, dann war es die welt­wei­te Unter­stüt­zung. Die Groß­zü­gig­keit war über­wäl­ti­gend, auch aus Deutsch­land. Sie hat nicht nur die not­wen­di­gen Mit­tel bereit­ge­stellt, um auf die­se bei­spiel­lo­se Kri­se zu reagie­ren, son­dern ist auch eine unschätz­ba­re Quel­le der Moti­va­ti­on und Soli­da­ri­tät in die­sen schwie­ri­gen Zei­ten. Aus­tra­li­en steht vor einer gigan­ti­schen Auf­ga­be — und der WWF ist mit­ten­drin.

Der WWF-Aus­tra­li­en hat einen aus­tra­li­schen Wild­life and Natu­re Reco­very Fund ein­ge­rich­tet. Die Unter­stüt­zung wird es uns ermög­li­chen, die Mit­tel dort zu ein­zu­set­zen, wo sie am meis­ten benö­tigt wer­den. Sie wer­den uns auch die nöti­ge Fle­xi­bi­li­tät geben, um uns an eine sehr dyna­mi­sche Situa­ti­on anzu­pas­sen – das heißt dort zu hel­fen, wo es am nötigs­ten ist.

Das heißt kon­kret: Zunächst geht es um Sofort­hil­fe. Wir brin­gen Nah­rung für die Tie­re in die ver­brann­ten Gebie­te. der WWF unter­stützt Auf­fang­sta­tio­nen für Tie­re, etwa für ver­letz­te Koa­las. Nach­rich­ten über durch die Feu­er getö­te­te Tie­re müs­sen wir sam­meln, um ein genau­es Bild von der Kata­stro­phe zu bekom­men.

Die Zukunft nach den Feu­ern sichern

Wir stel­len sicher, dass unver­brann­ter Lebens­raum geschützt wird. Wir iden­ti­fi­zie­ren nicht oder nur teil­wei­se ver­brann­te Gebie­te und schüt­zen sie vor Vieh und Rodung. Die ent­schei­den­den Lebens­räu­me von bedroh­ten Arten müs­sen wir wie­der ver­net­zen und vor dem Ein­drin­gen inva­si­ver Pflan­zen- und Tier­ar­ten schüt­zen. Anpas­sung und Wider­stands­fä­hig­keit gilt es zu för­dern, etwa durch pflan­zen von Arten mit höhe­rer Tole­ranz gegen hohe Tem­pe­ra­tu­ren, Feu­er und Dür­re. Es sind Auf­ga­ben für vie­le Jah­re.

Natür­lich set­zen wir uns wei­ter dafür ein, dass Aus­tra­li­en und alle Mit­glie­der der inter­na­tio­na­len Staa­ten­ge­mein­schaft end­lich star­ke Maß­nah­men gegen den Kli­ma­kri­se im Ein­klang mit dem Pari­ser Abkom­men ergrei­fen!

Wir ken­nen die genaue Bilanz der Kata­stro­phe in Aus­tra­li­en noch nicht. Was aber jetzt schon klar ist: Wir sind mit­ten in einer Her­ku­les­auf­ga­be, um zu ret­ten, was zu ret­ten ist – und die Zukunft der Natur Aus­tra­li­ens zu sichern.

Aus­tra­li­en brennt: Helft uns, die Koa­las zu ret­ten!

Wie hat Dir die­ser Bei­trag gefal­len?

Durch­schnitt­li­che Bewer­tung 5 / 5. Anzahl Bewer­tun­gen: 1

Sehr schön, das freut uns! Viel­leicht magst Du ja…

…die­sen Bei­trag jetzt tei­len:

Scha­de, dass Dir der Bei­trag nicht so gut gefal­len hat.

Dein Feed­back wäre sehr wert­voll für uns.

Wie könn­ten wir die­sen Bei­trag Dei­ner Mei­nung nach opti­mie­ren?

Vorheriger Beitrag Gesetz zum Kohleausstieg: Absage an den Klimaschutz
Nächster Beitrag Coronavirus: Ursprung Wildtiere

Kein Kommentar

Einen Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.