Bewa­re the boars – Die neue Angst vor Wild­schwei­nen in Groß­bri­tan­ni­en


Schweine in der Suhle: Hunderte Jahre waren Wildschweine in England ausgestorben. Jetzt kommen sie zurück im Vereinigten Königreich - und es gibt Diskussionen
Gefahr für den englischen Rasen - und den Menschen? © iStock / Getty Images
Wolf, Luchs, Biber und Wild­schwein wur­den in Groß­bri­tan­ni­en schon vor über 400 Jah­ren aus­ge­rot­tet. Jetzt kom­men die Schwei­ne zurück – und sor­gen für neue Ängs­te.
Sie sind wie­der da  — und es schei­nen wah­re Mons­ter zu sein, die jetzt wie­der das Ver­ei­nig­te König­reich unsi­cher machen:
„Sie sind 50 Stun­den­ki­lo­me­ter schnell, haben rasier­mes­ser­schar­fe Hau­er, sie leben in einem Wald in dei­ner Nähe und jetzt fan­gen sie an Men­schen anzu­grei­fen“, schreibt die Zei­tung The Tele­graph in einem „Bericht von der Front des Wild­schwein­krie­ges“.

An der Front des Wild­schwein­krie­ges

Front, Krieg, Wild­schwei­ne, ist das bri­ti­scher Humor oder steht es denn wirk­lich so schlimm auf der Insel? Glaubt man den Schwei­ne­geg­nern, dann schon. Spa­zier­gän­ger berich­ten davon regel­recht von den Schwarz­kit­teln durch den Wald gejagt zu wer­den. Far­mer kla­gen über ver­heer­te Fel­der, geplät­te­te Zäu­ne, Rei­ter über durch­ge­hen­de Pfer­de, Gärt­ner über umge­gra­be­ne Bee­te und auch der gute eng­li­sche Rasen hat­te schon man­cher­orts zu lei­den.  Es gab den ers­ten Toten durch einen Auto­un­fall mit einem Schwein. Die Kos­ten, die Gefah­ren – die Angst: „Es ist gera­de nicht leicht ein Wild­schwein zu sein“, schreibt der Guar­di­an. „Sie wer­den für so ziem­lich alles außer Sata­nis­mus ange­klagt“.

Ent­lau­fe­ne Schwei­ne im Star Wars Wald

Fürchtet sich England davor? Eine Rotte Wildschweine mit Frischlingen auf der Flucht
Die ent­lau­fe­nen Schwei­ne sor­gen für Dis­kus­sio­nen — was tun mit der neu­en, alten Art? © iStock / Get­ty Images
Kei­ner weiß eigent­lich um wie vie­le Tie­re es sich han­delt. Geg­ner sehen sie hin­ter jedem Busch, man­che Exper­ten glau­ben nur an eini­ge weni­ge Popu­la­tio­nen. Klar ist: Die Schwei­ne leben vor allem in Sus­sex, Kent und dem Forest of Dean in Glouces­ter­shire (der unlängst auch als Loca­ti­on für Star Wars dien­te).  Sie sind Nach­kom­men flüch­ti­ger Tie­re aus Wild­schwein­far­men, es soll auch eini­ge (ille­ga­le) Aus­wil­de­run­gen gege­ben haben. Seit 1998 gibt es erst­mals seit Jahr­hun­der­ten wie­der über­le­bens­fä­hi­ge Popu­la­tio­nen – und Dis­kus­sio­nen, wie man mit ihnen umge­hen soll, allei­ne schon recht­lich. Sind ihrer Majes­tät Wild­schwei­ne nun eine inva­si­ve oder doch eine ein­hei­mi­sche Art? Die aktu­el­le Recht­spre­chung hat sich auf die Bezeich­nung ehe­ma­li­ge ein­hei­mi­sche Art geei­nigt. Wild­schwei­ne sind gesetz­lich nicht geschützt, Förs­ter und Land­be­sit­zer dür­fen sie jagen.

Abschie­ßen, bevor es wie in Deutsch­land ist?

Und das sol­len sie auch tun, for­dern die Schwei­ne­geg­ner. Abschie­ßen, bevor es zu spät ist. Als abschre­cken­de Bei­spie­le gel­ten die USA, wo sich Wild­schwei­ne seit 1890 in 45 Staa­ten aus­ge­brei­tet haben – und Deutsch­land. Soweit wie auf dem Kon­ti­nent dür­fe es nicht kom­men, wo jedes Jahr hun­dert­tau­sen­de Tie­re geschos­sen wür­den, um die Popu­la­ti­on müh­sam im Zaum zu hal­ten. Die bri­ti­schen Schwei­ne­geg­ner argu­men­tie­ren ganz ähn­lich zu den Wolf­geg­nern in Deutsch­land: Wild­schwei­ne wur­den in Eng­land aus­ge­rot­tet, als dort sechs Mil­lio­nen Men­schen leb­ten, heu­te sind es 60 Mil­lio­nen, Schwei­ne in frei­er Wild­bahn sei­en da ein­fach nur ein gefähr­li­cher und teue­rer Ana­chro­nis­mus.
Wildschwein wildschweine frischlinge jagd
My name is Boar. Wild Boar. © iStock / Get­ty
Der Guar­di­an sieht in den Wild­schwei­nen die wider­sprüch­li­chen Ein­stel­lun­gen zur Natur gespie­gelt: „Wir woll­ten sie hier, weil sie frü­her hier­her gehör­ten. Wir wol­len sie nicht, weil sie stö­ren und sich schwei­nisch beneh­men. Wir mögen sie, weil sie char­mant sind und gut schme­cken. Wir mögen sie nicht weil sie unor­dent­lich sind. Wir wür­den ger­ne ein Foto von ihnen machen, aber wir mögen sie lie­ber tot.“

Der Nut­zen der Wild­schwei­ne

Dass Wild­schwei­ne auch öko­lo­gi­schen Nut­zen haben, etwa gera­de weil sie den Boden auf­bre­chen, ver­mag die besorg­ten Bri­ten kaum zu beru­hi­gen. Auch nicht, dass Wild­schwein­ex­per­ten immer wie­der dar­auf hin­wei­sen, dass Ver­letz­te durch Schwarz­wild auch in Deutsch­land sehr sel­ten sind und sich die Men­schen sehr wohl in den Wald trau­en, obwohl es hier so vie­le Sau­en gibt.
Mensch-Tier-Kon­flik­te sei­en rund um die Welt nor­mal, schreibt die bri­ti­sche Autorin Helen Mac­Do­nald in der New York Times. In Groß­bri­tan­ni­en „haben wir nur ver­ges­sen wie es ist.“ Die Wild­schwei­ne bräch­ten nun etwas zurück: “Zu wis­sen, dass Wild­schwei­ne eine Umwelt mit mir tei­len, lädt das eng­li­sche Land­le­ben mit einer neu­en unge­wohn­ten Mög­lich­keit auf: Gefahr.”
Und wie man mit die­ser Gefahr in der Natur umgeht, ob sie nun von Wöl­fen oder Schwei­nen aus­geht: Das muss wohl jedes Land ‑und letzt­lich jeder auch für sich- ent­schei­den.

Der Wolf in Deutsch­land

Dort das Wild­schwein, hier der Wolf: Alles, was man über die Rück­kehr des Wolfs nach Deutsch­land wis­sen musst fin­dest Du hier

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1 Kommentar

  1. […] So oder ähn­lich könn­te man die aktu­el­le Situa­ti­on am bes­ten beschrei­ben. Ein Bei­trag im Blog des WWF hat mir heu­te Mor­gen doch direkt ein Lächeln auf das schlaf­trun­ke­ne Gesicht gezau­bert. Im […]

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