Wil­de­rei auf Nas­hör­ner: Trend­wen­de in Süd­afri­ka?


Zwei Breitmaul Nashörner in Südafrika
Weniger Wilderei: Ein Silberstreif am Horizont für Südafrikas Nashörner © Brent Stirton/ WWF

In Süd­afri­ka hat die Wil­de­rei auf Nas­hör­ner mit 769 getö­te­ten Tie­ren im Ver­gleich zum letz­ten Jahr um ein Vier­tel abge­nom­men. Erst­mals seit 2012 sind es unter 1000 Nas­hör­ner, die ihr Leben für ihr begehr­tes Horn las­sen muss­ten. In Süd­afri­ka leben 80 Pro­zent aller afri­ka­ni­schen Nas­hör­ner. Natür­lich müs­sen wir vor allem dort die Trend­wen­de in der Wil­de­rei­kri­se schaf­fen, wenn die Nas­hör­ner über­le­ben sol­len.

Ein Erfolg für die Nas­hör­ner Süd­afri­kas

Gewon­nen ist noch nichts. Wir spre­chen hier immer noch von sehr, sehr vie­len getö­te­ten Nas­hör­nern. Der deut­li­che Rück­gang der Wil­de­rei ist aber ein gro­ßer Erfolg für die Arbeit aller, die sich gegen das ille­ga­le Töten der Nas­hör­ner stel­len. Für die Ran­ger, die Tag für Tag ihr Leben ris­kie­ren, für die Behör­den, die vie­len NGOs, für uns und sogar ein klit­ze­klei­nes Biss­chen für mich. Es macht mir Hoff­nung, dass wir auf dem rich­ti­gen Weg sind, dass wir den Kampf gegen die Wild­tier­ma­fia lang­fris­tig gewin­nen kön­nen.

Zwei Nashörner mit ihrem Jungen in Südafrika
Nas­hör­ner in Süd­afri­ka © Tere­sa McLaugh­lin / WWF

Wor­an liegt es?

Wir müs­sen jetzt ganz genau hin­se­hen, wor­an die­ser Trend liegt. Wir müs­sen ver­ste­hen: Ist es die effi­zi­en­te­re Wil­de­rei­ab­wehr oder sinkt die Nach­fra­ge in Asi­en end­lich? Liegt es an bei­dem?

Klar ist: Wir brau­chen Schutz für die Nas­hör­ner, dort wo sie leben. Schutz durch Ran­ger. Boots on the ground, wie wir dazu sagen. Aber die Zukunft des Nas­horns wird in Asi­en ent­schie­den. Nur wenn der Kon­sum von Nas­horn­horn deut­lich sinkt (und am bes­ten endet) kön­nen wir ver­hin­dern, dass sich der Trend wie­der umkehrt und das Über­le­ben der Arten lang­fris­tig sichern.

Haupt­ur­sa­che der Wil­de­rei ist die Nach­fra­ge aus Asi­en, ins­be­son­de­re in Viet­nam und Chi­na. Nash­horn­horn gilt als fie­ber­sen­ken­de und krampf­lö­sen­de Arz­nei. Sogar als Heil­mit­tel gegen Krebs wer­den die vor allem aus Kera­tin bestehen­den Nas­horn-Hör­ner ange­prie­sen. Das konn­te wis­sen­schaft­lich nie belegt wer­den, sorgt aber dafür, dass in den letz­ten Jah­ren aber­tau­sen­de Nas­hör­ner ster­ben muss­ten.

Die Nas­hör­ner brau­chen Ran­ger, Geset­ze — und weni­ger Käu­fer

In Chi­na und Viet­nam ist Nas­horn­horn wert­vol­ler als Gold. Wir müs­sen in Asi­en dafür sor­gen, dass die­se absur­de Nach­fra­ge endet. Wir müs­sen jedes ein­zel­ne Nas­horn vor den Kugeln der Wil­de­rer schüt­zen. Und wir müs­sen dafür sor­gen, dass der inter­na­tio­na­le Han­del mit Nas­horn­horn über das Washing­to­ner Arten­schutz­ab­kom­men ver­bo­ten bleibt. Ins­be­son­de­re Nas­horn-Far­mer set­zen sich für eine Locke­rung der Aus­fuhr­re­geln ein – für sie gäbe es Mil­lio­nen zu ver­die­nen. Wir leh­nen das kate­go­risch ab. Eine Öff­nung des inter­na­tio­na­len Han­dels wür­de sehr wahr­schein­lich die Nach­fra­ge in Asi­en anhei­zen – was wie­der­um die Wil­de­rei in Afri­ka befeu­ern könn­te. Zudem wird natür­lich die Straf­ver­fol­gung erschwert, wenn ille­ga­le Hör­ner in lega­len Märk­ten gewa­schen wer­den.

Ja, wir haben für den Moment eine Trend­wen­de für die Nas­hör­ner Süd­afri­kas geschafft. Jetzt heißt es, alles dar­an zu set­zen, dass der Trend sich wei­ter fort­ge­setzt. Um irgend­wann ein­mal hof­fent­lich die Wil­de­rei­kri­se zu been­den.

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Über mich
Katharina Trump

Als Tierökologin und Referentin für Wildereibekämpfung in Afrika beim WWF Deutschland habe ich für den Kontinent, seine Biodiversität, sowie den Kampf gegen die Wilderei und den illegalen Artenhandel eine ganz besondere Passion – aber auch für viele Schnittpunkte dazu: die Reduktion von Mensch-Wildtier-Konflikten, ländliche Entwicklung und alternative Einkommensgenerierung oder Umwelt- und Bewusstseinsbildung. Einfach alles, was Arten schützt, die Wildnis wild sein lässt und zu einer friedlichen Koexistenz beiträgt.

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