Ran­ger: Traum­be­ruf oder gefähr­li­ches Geschäft?


Ranger blickt in die Weite einer afrikanischen Landschaft, ein Gewehr über der Schulter.
Ranger: Oft das letzte Schutzschild gegen Wilderer. © Marco Kost, WWF

Was woll­tet ihr frü­her mal wer­den? Für vie­le Kin­der steht gera­de der ers­te Schul­tag bevor — ein auf­re­gen­der Tag, den die meis­ten unge­dul­dig erwar­ten: Sie wol­len auch zu den Gro­ßen gehö­ren! Man­che träu­men davon, Feu­er­wehr­mann zu wer­den, weil die­ser groß und stark ist und Men­schen ret­tet, oder viel­leicht Tier­ärz­tin, weil man Tie­re so ger­ne hat.

Den Nashörnern nah. © Lisa Blanken, WWF
Den Nas­hör­nern nah. © Lisa Blan­ken, WWF

Auch ich war eins von den Kin­dern, die mit Tie­ren arbei­ten woll­ten, um sie vor jeder Gefahr zu beschüt­zen. Mit mei­ner Arbeit beim WWF habe ich mir die­sen Traum zum größ­ten Teil erfüllt. Aber man­che ris­kie­ren dafür sogar ihr Leben – so wie die vie­len muti­gen Ran­ger, die jeden Tag Ele­fan­ten, Nas­hör­ner und Löwen gegen Wil­de­rer ver­tei­di­gen. Was wür­den die­se Män­ner und Frau­en unse­ren Kin­dern über den Beruf des Wild­hü­ters erzäh­len? Traum­be­ruf oder gefähr­li­ches Geschäft?

Vor Ort: Bei den Ran­gern in Süd­afri­ka

Ein gerin­ges Gehalt, stän­di­ge Gefahr für das eige­ne Leben und vie­le Wochen hin­ter­ein­an­der im Busch: Man muss sehr viel Erfül­lung aus dem Job zie­hen, um den Beruf des Ran­gers als Traum­be­ruf zu betrach­ten. Wäh­rend eines Urlaubs in Süd­afri­ka habe ich eine Kurz­aus­bil­dung im Tier­fähr­ten- und Spu­ren­le­sen gemacht und konn­te ich mich auch zwei Anti-Wil­de­rei-Patrouil­len von Wild­hü­tern anschlie­ßen. Vor allem in Süd­afri­ka ste­hen die Ran­ger vor wach­sen­den Her­aus­for­de­run­gen. Nicht nur die Nas­horn­wil­de­rei steigt immer mehr an, kürz­lich wur­de auch der ers­te Ele­fant im berühm­ten Krü­ger Natio­nal­park gewil­dert.

Ranger mit geschultertem Gewehr lächelt in die Kamera
Gefähr­li­cher Job © Ste­ve Fel­ton, WWF

Zu wis­sen dass wir jeder­zeit auf stark bewaff­ne­te Wil­de­rei-Bri­ga­den sto­ßen könn­ten, hat sich sehr unheim­lich anfühlt.
Pro Tag wer­den in Süd­afri­ka mehr als drei Nas­hör­ner getö­tet, und auch die beschlag­nahm­ten Men­gen von Nas­horn-Horn wer­den immer grö­ßer — eine Fol­ge der stän­dig zuneh­men­de Nach­fra­ge in Asi­en und gesteu­ert von inter­na­tio­na­len Ver­bre­cher-Syn­di­ka­ten. Die Ran­ger sind das letz­te Schutz­schild für Ele­fan­ten und Nas­hör­ner!

Wie wird man eigent­lich Ran­ger?

Wie wir in Deutsch­land müs­sen auch die Ran­ger zur Schu­le, um ihren Beruf zu erler­nen. Deren Schul­ban­ken befin­den sich aber oft drau­ßen in der Natur. Und auch die Schul­bü­cher fin­den sich im Feld: die Spu­ren zei­gen, wel­che Tie­re sich wo auf­ge­hal­ten haben. Auch wäh­rend mei­ner Kurz­aus­bil­dung ging kein Tag vor­bei, ohne dass wir etwas Neu­es gelernt oder viel­leicht die Fähr­te einer ganz beson­de­ren Art gefun­den haben.Mein per­sön­li­ches High­light war die Ent­de­ckung einer Spur des stark bedroh­ten Schup­pen­tie­res – eine Art, die man nur sel­ten zu Gesicht bekommt.

Ich habe die Ran­ger beim mor­gend­li­chen Trai­ning für euch gefilmt. Lei­der war es noch recht dun­kel und ich hat­te kei­ne pro­fes­sio­nel­le Kame­ra. Aber ich den­ke, die Stim­mung könnt ihr gut nach­emp­fin­den!

Der Arbeits“tag“ eines Ran­gers

Ein Ran­ger, der den Busch wie ein Buch lesen kann, ist unend­lich viel wert. Tags­über strei­fen die Ran­ger durch ihnen zuge­teil­te Gebie­te und erfor­schen sie. Sie befrei­en ver­letz­te Tie­re aus Fal­len und sam­meln Daten­ma­te­ri­al – wenn sie Tier­spu­ren gefähr­de­ter Arten fin­den, tra­gen sie die Posi­ti­on zum Bei­spiel mit­hil­fe von GPS-Gerä­ten in Kar­ten ein.

Zwei Wildhüter mit GPS-Gerät beim Fährtenlesen
Spu­ren­le­sen © Hel­ge Den­ker, WWF

Auch mensch­li­che Akti­vi­tä­ten kann man, wenn gelernt, genau ver­fol­gen. Das hilft letzt­end­lich dabei, Wil­de­rer auf fri­scher Tat zu ertap­pen, Bewei­se sicher zu stel­len und die Ver­däch­ti­gen so spä­ter vor Gericht zu ver­ur­tei­len.
Nachts sieht die Arbeit anders aus, da lau­fen oder fah­ren die Ran­ger Patrouil­le. Vor allem beim Voll­mond sind die Wil­de­rer wegen der guten Sicht sehr aktiv. Dann machen Wild­hü­ter vie­le nächt­li­che Über­stun­den, kon­trol­lie­ren Zäu­ne von Reser­va­ten, patrouil­lie­ren ent­lang bestimm­ter Risi­ko­ge­bie­te und lau­schen, ob man Schüs­se hört.

Früh auf­ste­hen für die Ran­ger-Schu­le

Obwohl die Wil­de­rei-Kri­se gera­de einen Höhe­punkt erreicht hat, bin ich davon über­zeugt, dass wir den Kampf gegen die Wil­de­rei gewin­nen kön­nen. Die Arbeit der Hel­den des Natur­schut­zes ist aber nicht ein­fach. Gera­de des­halb brau­chen Ran­ger unbe­dingt bes­se­re Aus­rüs­tung und mehr Trai­ning. Welt­weit unter­stützt der WWF die Aus­bil­dung und den Ein­satz von Ran­gern.

In Süd­afri­ka haben wir 1996 die Hoch­schu­le und das Trai­nings­zen­trum SAWC (Sou­thern Afri­can Wild­life Col­le­ge) gegrün­det, an der Ran­ger und Schutz­ge­biets­ma­na­ger lang­fris­tig und pro­fes­sio­nell aus­ge­bil­det wer­den. Der Schul­tag fängt dort früh an: Um halb sechs star­ten alle Aus­zu­bil­den­den mit dem mor­gend­li­che Trai­ning. Als ich mit Gän­se­haut dastand und die jun­gen Män­ner aus vol­ler Brust sin­gen hör­te, wäh­rend sie ein Fuß­ball­feld hoch und hin­un­ter rann­ten, hat­te ich nur einen Gedan­ken: Traum­job!

Schild des SAWC (Southern African Wildlife College)
Ran­ger­schu­le © Lisa Blan­ken, WWF
Schuppentierspur
Schup­pen­tier­spur © Lisa Blan­ken, WWF
Fußabdruck eines Nashorns (c) Lisa Blanken, WWF
Nas­horn­spur © Lisa Blan­ken, WWF

 

Helft uns im welt­wei­ten Kampf gegen die Wil­de­rei

 

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