Was Organismen mit Plastik anstellen – und umgekehrt


Plastik im Meer
Und wenn das einfach weggefressen würde? ©-Global-Warming-Image / WWF

Tiere essen kein Plastik, weil sie es nicht können. Das könnte sich aber schnell ändern. Die Evolution schläft nicht. 

Immer mal wieder tauchen Meldungen über Organismen auf, die Plastik auffressen können. So kürzlich die Meldung über Larven der Großen Wachsmotte (Galleria mellonella), die relativ zügig Löcher in Plastikbeutel aus Polyethylen frisst. Das ist außergewöhnlich. Schließlich handelt es sich bei Plastik um künstlich erzeugte Materialien, meist aus einem Gerüst aus stabilen Kohlenstoffketten bestehend. Bakterien, Pilze oder andere Organismen haben im Zuge der Evolution diese Polymerketten nicht kennengelernt. Sie können sie auch nicht – im Gegensatz zu Holz- oder Pflanzenfasern – zu eigenen Verzehrzwecken aufzuknacken.

Millionen Tonnen Plastik kommen dazu

In der offenen Umwelt braucht es Jahrhunderte, bis sich Plastik zersetzt. Derzeit gelangen etwa ein Drittel der Plastikverpackungen unkontrolliert in die Umwelt. 4,8 – 12,7 Millionen Tonnen Plastikmüll kommen jährlich in die Meere hinzu. Gut vorstellbar, welche Menge an nicht biologisch abbaubarem Material sich dort anreichert.

Natürlich leidet die Tierwelt darunter. Vor allem Meeressäuger, Vögel und Fische. Mittlerweile bekannt sind Bilder von Walen und Seehunden, die sich in Geisternetzen oder Plastikleinen verfangen haben. Aus diesem Grund führt der WWF auch Projekte durch, um diese Geisternetze zu bergen – z.B. aus der Ostsee.

Wale fressen Plastiktüten

Aber es passieren noch weitere Dinge. Meeresschildkröten verwechseln Plastiktüten mit Quallen, von denen sie sich sonst ernähren. In letzter Zeit haben Wissenschaftler sich bei gestrandeten oder verendeten Walen genauer der Mageninhalt angeschaut: Vor Bergen in Norwegen wurde beispielsweise ein Cuvier-Schnabelwal angespült – mit 30 Plastiktüten im Magen. Wahrscheinlich ist er daran verhungert.

Plastik Flaschen am Strand gesammelt
Millionen Tonnen Plastikmüll kommen jedes Jahr dazu © Peter Chadwick / WWF

Hilft die Evolution?

Evolution bedeutet, dass sich Organismen der Umwelt anpassen. Ob die plastikfressende Raupe schon immer die Fähigkeit hatte, stabile Kohlenstoffketten zu knacken (immerhin lebt sie von Bienenwachs – und hat mit ähnlichen chemischen Verbindungen zu tun) oder ob sie dieses durch Anpassung „gelernt“ hat, muss hier offen bleiben.

Irgendein Wurm wird es lernen – und dann?

Ich frage mich nur was passiert, wenn die  Umwelt weiterhin wie bisher plastifiziert wird. Irgendein schlauer Organismus, ob Wurm oder Bakterium, wird schon per Evolution auf die Idee kommen, dieses so massenhaft herumliegende Nahrungsangebot zu nutzen. Toll? Die Lösung aller Plastikmüllprobleme, wie schon jetzt bei derartigen Entdeckungen immer wieder erwähnt wird?

Wartet nur, bis Euch beim Öffnen des Kunststofffensters der Rahmen in der Hand zerbröselt und viele kleine satte Maden auf der Fensterbank entgegenkriechen. Neben den vielen an der Natur durch Plastikmüll angerichteten Schäden wäre dies ein weiterer Grund zu sagen: Plastik gehört nicht in die Umwelt.

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Über mich
Bernhard Bauske

Ich arbeite seit über 20 Jahren beim WWF und versuche, in der Arbeit mit Unternehmen den ökologischen Fußabdruck so zu reduzieren, dass am Ende tatsächlich etwas Messbares herauskommt. Der Widerspruch zwischen Ökonomie und Ökologie begleitet mich dabei täglich. Ein thematischer Schwerpunkt meiner Arbeit ist das Thema Verpackungen und Recycling. Ich beobachte gerade mit Entsetzen, wie die Weltmeere in eine Plastiksuppe verwandelt werden und hoffe, dass wir es schaffen, weltweit vorhandenen Sachverstand zusammenzubringen, um das Problem zu lösen.

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