Schwei­ne­pest: frag­wür­di­ge Zäu­ne zwi­schen Polen und Deutschland


Zaun Deutschland Polen Schweinepest
Zaun an einer ASP Pufferzone zur Abwehr von Wildschweinen © Michael Gandl / WWF

Momen­tan ent­ste­hen hun­der­te Kilo­me­ter lan­ge Grenz­zäu­ne, um Schwei­ne an der Wan­de­rung von Polen nach Deutsch­land zu hin­dern. Das ist teu­er. Der Nut­zen ist zwei­fel­haft. Die Rechts­grund­la­ge umstrit­ten. Die Aus­wir­kun­gen auf ande­re Tier­ar­ten poten­zi­ell verheerend. 

Ich konn­te es kaum glau­ben, als ich es mit eige­nen Augen gese­hen habe. Ent­lang der Oder/Neiße steht an der Gren­ze zu Polen jetzt tat­säch­lich ein Zaun. Allei­ne in Bran­den­burg auf einer Län­ge von cir­ca 255 Kilo­me­tern. Dahin­ter soll jetzt noch eine zwei­te Zaun­rei­he entstehen.

Es ist ein wei­te­rer Ver­such die Aus­brei­tung der Afri­ka­ni­schen Schwei­ne­pest (ASP) durch infi­zier­te Wild­schwei­ne aus Polen zu ver­hin­dern. Wir haben hier schon öfter dar­über geschrie­ben: Die Krank­heit ist für Men­schen harm­los, für Schwei­ne töd­lich. Und daher von erheb­li­cher wirt­schaft­li­cher Bedeu­tung für die Schwei­ne­zucht. Aus Gegen­den in denen ASP-Fäl­le bestä­tigt wer­den (aktu­ell gera­de vor allem der Süd­os­ten Bran­den­burgs und der Nord­os­ten Sach­sens) darf kein Export von Schwei­ne­fleisch durch­ge­führt wer­den, da die ASP sich beson­ders durch Lebens­mit­tel ver­brei­tet. Und nicht ver­ges­sen: Deutsch­land ist einer der welt­weit größ­ten Expor­teu­re von Schweinefleisch.

Der Zaun kos­tet viel und bringt wenig

Jetzt sol­len also Grenz­zäu­ne die deut­schen Schwein­be­stän­de schüt­zen. Man muss kein Pro­phet sein, um zu sehen, dass das nicht klap­pen wird. Der Zaun kos­tet viel und wird wenig brin­gen. Es ist erwie­se­ner­ma­ßen vor allem der Fak­tor Mensch, der die ASP über gro­ße Ent­fer­nun­gen in die Stäl­le der Schweine(massen)haltung schleppt. Durch ver­un­rei­nig­te Gegen­stän­de (Werk­zeu­ge, Fahr­zeu­ge, Schuhe/Kleidung etc.), infi­zier­te Lebens­mit­tel, weg­ge­wor­fe­ne Essens­res­te oder kon­ta­mi­nier­tes Fut­ter. Außer­dem sind trotz des Zau­nes (und den längst abge­rie­gel­ten Grün­brü­cken) auch Stra­ßen und Wege noch offen, die auch vom Schwarz­wild genutzt wer­den. Es dürf­te aber zu mehr Ver­kehrs­un­fäl­len mit Wild­schwei­nen und ande­ren Wild­ar­ten kom­men, die ent­lang des Zau­nes die Stra­ßen mitbenutzen.

Schwei­ne kom­men durch — ande­re Arten nicht

Mal ganz davon abge­se­hen: Wild­schwei­ne sind sehr gut in der Lage Zäu­ne zu unter­gra­ben oder sich Durch­schlupf-Mög­lich­kei­ten zu schaf­fen. Für ande­re Wild­ar­ten ist der Zaun aber eine gefähr­li­che Bar­rie­re. Auch gro­ße Tie­re wie Rot­wild kön­nen sich ver­letz­ten. Für rück­wan­dern­de Tie­re wie Wisent und Elch stellt der Zaun eine star­ke, wenn nicht unüber­wind­ba­re Hür­de dar.

Zaun Schweinepest: Hirsch springt in den Zaun Fotofalle
Gefähr­lich: Dam­wild springt in den Zaun bei einer Grün­brü­cke. Das Tier blieb zum Glück unver­letzt. © Hum­boldt-Uni­ver­si­tä­t/EU-Inter­reg ŁośBonasus-Crossing!

Eini­ge kon­kre­te Bei­spie­le: Am umstrit­te­nen deutsch-däni­schen Grenz­zaun blie­ben mehr­fach Tie­re hän­gen, bra­chen sich Glied­ma­ßen und ver­en­de­ten qual­voll. Aus dem Natio­nal­park Unte­res Oder­tal wur­de im Febru­ar 2021 ähn­li­ches berich­tet. Nach star­kem Anstieg der Pegel durch Eis­rück­stau wur­den die Pol­der der Auen­land­schaft geflu­tet. Der Zaun hin­der­te die Wild­tie­re dar­an aus­zu­wei­chen. Erschöpf­te Tie­re muss­ten dar­auf­hin vom ört­li­chen Jäger im Bereich der Zäu­ne erlegt wer­den. Auch Foto­fal­len-Auf­nah­men der Hum­boldt-Uni­ver­si­tät aus unse­rem gemein­sa­men EU-Inter­reg geför­der­ten Pro­jekt „Łoś­Bo­na­sus-Cros­sing!“ zei­gen Tie­re, die immer wie­der ver­wirrt am Zaun hin- und her­lau­fen, dage­gen sprin­gen oder sogar hängenbleiben.

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Wir brau­chen eine fun­dier­te Bewer­tung der Zäune

Wir brau­chen jetzt drin­gend eine wis­sen­schaft­lich fun­dier­te Bewer­tung der Zäu­ne gegen die Schwei­ne­pest. Das EU-Recht schreibt in den betrof­fe­nen Natu­ra 2000-Gebie­ten vor, eine soge­nann­te FFH-Ver­träg­lich­keits­prü­fung durch­zu­füh­ren, um eine mög­li­che Beein­träch­ti­gung von geschütz­ten Arten und Lebens­räu­men zu über­prü­fen. Dies gilt für den bereits ste­hen­den Grenz­zaun genau­so wie für den geplan­ten zwei­ten Zaun. Bes­ser spät als nie.

Dar­über hin­aus wür­den wir ger­ne eine gesamt­heit­li­che Begleit­for­schung sehen. Inklu­si­ve der sozi­al-öko­no­mi­schen und öko­lo­gi­schen Aspek­te. Wir brau­chen regel­mä­ßi­ge Berich­te über die Wir­kung des Grenz­zauns auf Arten, Popu­la­tio­nen und Lebens­räu­me. Geplan­te und unge­plan­te Beein­träch­ti­gun­gen müs­sen kri­tisch geprüft wer­den. Und gege­be­nen­falls brau­chen wir Ausgleichsmaßnahmen.

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Die Natur zahlt den Preis für Massentierhaltung

Zäu­ne sind gene­rell ein zuneh­men­des Pro­blem für Wild­tie­re. Deutsch­land soll­te die­ses Pro­blem nicht noch ver­stär­ken. Und schon­mal über­haupt nicht, um ein Aus­lauf­mo­dell wie die Mas­sen­tier­hal­tung zu stützen.

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