Das Gre­at Bar­ri­er Reef sehen und (fast) ster­ben


Einmal das Great Barrier Reef mit eigenen Augen zu sehen, ist der Wunsch vieler Meeresforscher © iStock / Getty Images
Einmal das Great Barrier Reef mit eigenen Augen zu sehen, ist der Wunsch vieler Meeresforscher © iStock / Getty Images

Die meis­ten Mee­res­bio­lo­gen haben einen Traum: Ein­mal im Leben das Gre­at Bar­ri­er Reef sehen. Das größ­te Riff der Welt ist so etwas wie unser Mek­ka. Im August 2001 hat­te der WWF mei­ne Kol­le­gen und mich zur Jah­res­ta­gung nach Aus­tra­li­en ein­ge­la­den. Genau­er gesagt nach Towns­vil­le in Queens­land. Hier sitzt die Schutz­ge­biets­be­hör­de GBRMPA (Gre­at Bar­ri­er Reef Mari­ne Park Aut­ho­ri­ty). Das gro­ße Riff ist der größ­te leben­de Orga­nis­mus der Erde und end­lich konn­te ich es mit eige­nen Augen sehen.

Streng ver­bo­ten: die Regeln im Schutz­ge­biet

Magnetic Island Australien © iStock / Getty Images
Magne­tic Island im Gre­at Bar­ri­er Reef © iStock / Get­ty Images

Am Tag nach der Ankunft lud uns John Day vom GBRMPA zu einem Aus­flug auf die benach­bar­te Insel Magne­tic Island ein. Die­se Insel ist vor allem bei Back­pa­ckern bekannt und beliebt. Ich, ganz Tou­rist, hob ein paar Koral­len­brö­sel vom Strand auf, woll­te sie mir schon in die Tasche ste­cken, als mich John belehr­te: “Strict­ly for­bid­den”. Nicht nur wegen der Bestim­mun­gen des Arten­schutz­ab­kom­mens und mög­li­cher Kon­flik­te mit Zöll­nern. Auch wegen des geo­che­mi­schen Gleich­ge­wichts ist es im Schutz­ge­biet ver­bo­ten, abge­stor­be­nes Koral­len­ma­te­ri­al zu ent­neh­men. Da hät­te ich auch selbst drauf kom­men kön­nen.

Josh Lau­ghren vom WWF Kana­da erwies sich unter­des­sen als Rep­ti­li­en­fan. Stän­dig fuch­tel­te er mit einem Stock im Unter­holz her­um, immer in der Hoff­nung, eine Death Adder, eine der gif­tigs­ten Schlan­gen des Kon­ti­nents, zu fin­den. Mehr nach mei­nem Geschmack waren da schon eher die Koa­las,  die auf den Euka­lyp­tus­bäu­men hock­ten. Wuss­tet ihr, dass sie wie Hus­ten­bon­bons rie­chen?

Die Seewespen gehören zu den Würfelquallen. © iStock / Getty Images
Die See­wes­pen gehö­ren zu den Wür­fel­qual­len. © iStock / Get­ty Images

Muss ich ster­ben?” “Viel­leicht!”

Unse­re Wan­de­rung ende­te in einer klei­nen Bucht. Natür­lich woll­ten wir uns das Riff unter der Mee­res­ober­flä­che anschau­en. Tau­cher­bril­len soll­ten aus­rei­chen, um über das Rand­riff hin­weg­zu­schwim­men. Für die ande­ren zumin­dest. Mein Bade-Spaß ende­te nach zehn Sekun­den. Mein Unter­arm brann­te urplötz­lich so hef­tig, dass ich mich kaum noch bewe­gen konn­te. Mei­ne Haut warf rote Quad­deln und der gan­ze Arm war taub.

Der ers­te Gedan­ke: Hof­fent­lich war es nicht die töd­li­che See­wes­pe! Ich frag­te John: “Am I gon­na die?” Sei­ne Ant­wort: “May­be”. Grin­send beru­hig­te er mich, es wäre kei­ne Qual­len­sai­son. Er tipp­te daher auf eine stark nes­seln­de Koral­le. Bei­de Arten sind ja nahe Ver­wand­te. Von einer benach­bar­ten Yacht hol­te er Essig zum Ein­rei­ben. Nach ein paar Stun­den ver­ging zum Glück die Taub­heit, doch die Brand­fle­cken konn­te ich, nun­mehr “Mär­ty­rer der Mee­re”, noch wäh­rend der gan­zen Tagung vor­wei­sen.

WWF-Stra­te­gie: Fische­rei und Mee­res­schutz­ge­bie­te

Und die­se ver­lief sehr erfolg­reich. Wir erar­bei­te­ten eine kom­plet­te neue Mee­res­schutz­stra­te­gie des WWF mit den bei­den Säu­len “Fische­rei” und “Mee­res­schutz­ge­bie­te”. Nach anstren­gen­den Sit­zun­gen war­te­te am Ende eine Fahrt mit dem Kata­ma­ran ins äuße­re Riff auf uns. Die Spe­zia­lis­ten erklär­ten alles, was wir über die Umwelt­pro­ble­me und das Manage­ment des Schutz­ge­biets wis­sen soll­ten.

Schließ­lich der Moment, auf den die meis­ten gewar­tet hat­ten: Tau­chen und Schnor­cheln im größ­ten und bedeu­tends­ten Riff der Welt. Es war ein­zig­ar­tig und kei­ner von uns wird die­sen Tag jemals ver­ges­sen. Ich als Tauch­muf­fel schnor­chel­te an der Was­ser­ober­flä­che ent­lang und blieb von wei­te­ren Nes­sel­an­grif­fen ver­schont.

Die Bedro­hung des Welt­na­tur­er­bes

Die meisten der letzten Dungongs unserer Welt leben in Australien © iStock / Getty Images
Die meis­ten der letz­ten Dungongs unse­rer Welt leben in Aus­tra­li­en © iStock / Get­ty Images

Das Gro­ße Bar­rie­re­riff ist die Hei­mat von fast 450 ver­schie­de­nen Koral­len­ar­ten, mehr als 7000 Arten ande­rer wir­bel­lo­ser Tie­re und 1500 Fisch­ar­ten. Auch sel­te­ne See­kü­he und Mee­res­schild­krö­ten leben hier. Mein per­sön­li­ches High­light war die Fahrt in einem Glas­boot, bei dem man im Tro­cke­nen die fas­zi­nie­ren­de Unter­was­ser­welt beob­ach­ten konn­te. Als wir am Abend die Rück­fahrt unter­bra­chen, um auf einer Insel noch biss­chen zu fei­ern und dort von Scha­ren rosa­far­be­ner Kaka­dus begrüßt wur­den, dach­te ich nie im Leben dar­an, dass wir es 14 Jah­re spä­ter mit einer der­ar­ti­gen Bedro­hung für das Riff zu tun haben wür­den.

UNESCO-Tagung in Bonn

Am 28. Juni ent­schei­det die UNESCO in Bonn, ob das Welt­na­tur­er­be Gre­at Bar­ri­er Reef end­lich bes­ser geschützt wird. Genau­er gesagt: Die aus­tra­li­sche Regie­rung plant, den Koh­le­ha­fen von Abott Point mas­siv zu erwei­tern. Ursprüng­lich soll­ten der aus­ge­bag­ger­te Schlamm ein­fach ins Meer ver­klappt wer­den. Ich glau­be, jeder kann sich vor­stel­len, wel­che Fol­gen dies für ein extrem sen­si­bles Öko­sys­tem gehabt hät­te. Das Groß­schutz­ge­biet galt lan­ge als welt­wei­te Iko­ne des Mee­res­schut­zes, nicht zuletzt wegen sei­ner vor­bild­li­chen Ver­wal­tung. Zeit­wei­se stand jedoch sogar sein Sta­tus als Welt­na­tur­er­be der UNESCO auf dem Prüf­stand. Zum Glück sind die poli­ti­schen Wei­chen inzwi­schen anders gestellt wor­den.

Mr. Abbott, ret­ten Sie das Riff!

Ich kann nicht in Wor­te fas­sen, wie ich mich bei dem Gedan­ken füh­le, die­ses Para­dies könn­te eines Tages durch uns Men­schen zer­stört wer­den. Ob der aus­tra­li­sche Regie­rungs­chef Tony Abbott — Nomen est Omen — über­haupt weiß, wie es im Riff aus­sieht und was dort kreucht und fleucht? Ich mei­ne nicht aus dem Fern­se­hen, son­dern ob er es mit eige­nen Augen gese­hen hat? Wer ein­mal durch die­ses glas­kla­re Was­ser die bio­lo­gi­sche Viel­falt des Riffs geschaut hat, kann doch beim bes­ten Wil­len nicht in Kauf neh­men, dass es durch fein­kör­ni­gen Hafen­schlamm getrübt wird und die­ser sich auf die Koral­len­stö­cke legt. Pre­mier­mi­nis­ter Abbott, bit­te fah­ren Sie doch mal mit dem Glas­boot raus. Sie wer­den anschlie­ßend alles dafür tun, die­ses Riff zu schüt­zen. Da bin ich mir sicher. 

 

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