Igel gefun­den — was tun? Igel rich­tig pfle­gen und füt­tern.


Ein Igel schläft im Herbstlaub
Nur ein Nickerchen © iStock / getty images

Es ist Herbst gewor­den. Zeit für den Igel, durch Gär­ten und Sied­lun­gen zu trap­sen und sich einen dicken Speck­vor­rat für den Win­ter­schlaf anzu­fres­sen. Gehen die Tem­pe­ra­tu­ren dann dau­er­haft gegen Null, so ver­krie­chen sich Igel in einem Unter­schlupf, in dem sie die kal­ten Win­ter­mo­na­te gemüt­lich ver­schla­fen kön­nen. Doch immer wie­der fin­den Men­schen nach Win­ter­ein­bruch akti­ve Igel, meist kran­ke oder jun­ge Tie­re, die nicht genü­gend Win­ter­speck für den Win­ter­schlaf anset­zen konn­ten. Wie soll­ten wir mit die­sen Tie­ren umge­hen? Mit­neh­men oder in Ruhe las­sen? Womit füt­tern? Und was brau­chen sie, um Win­ter­schlaf hal­ten zu kön­nen? Unse­re sie­ben Tipps hel­fen euch beim Umgang mit gefun­de­nen Igeln.

1. Braucht der Igel über­haupt Hil­fe?

Igel sind Wild­tie­re, kei­ne Haus­tie­re! Es ist gesetz­lich ver­bo­ten, sie aus der Natur zu ent­neh­men, es sei denn, sie brau­chen Hil­fe. Bevor ihr einen Fun­d­igel auf­nehmt, prüft daher bit­te genau, ob es sich um ein ver­letz­tes, kran­kes oder sehr jun­ges (ver­wais­tes) Tier han­delt.

2. Igel im Herbst bit­te in Ruhe las­sen!

Im spä­ten Herbst ver­krie­chen sich die sta­che­li­gen Tie­re in den Win­ter­schlaf und wachen Ende März oder Mit­te April, wenn die Tem­pe­ra­tu­ren auf über 15 Grad stei­gen, wie­der auf. Wenn ihr jetzt ein her­um­lau­fen­des Igel­chen seht, ist das noch kein Grund zur Sor­ge — es han­delt sich wahr­schein­lich um ein Tier, das sich erst noch ein aus­rei­chen­des Fett­pols­ter anfres­sen muss. Erst nach Win­ter­ein­bruch müs­sen Igel über­haupt „geret­tet“ wer­den. Wenn ein Igel bei Minus­gra­den oder Schnee her­um­läuft, dann stimmt etwas nicht. Die­ses Tier braucht Hil­fe.

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3. Unter­kühl­te Igel wär­men!

Die Kör­per­tem­pe­ra­tur eines Igels liegt bei 36°C. Wenn sich die wei­che Bauch­un­ter­sei­te des Igels deut­lich küh­ler als die eige­ne Hand anfühlt, dann soll­te das Tier sofort gewärmt wer­den. Dazu setzt ihr den Igel auf eine lau­war­me, in ein Hand­tuch gehüll­te Wärm­fla­sche und deckt ihn mit einem wei­te­ren Hand­tuch zu.

4. Vor­sich­tig unter­su­chen!

Ihr soll­tet das Tier vor­sich­tig nach Wun­den unter­su­chen und Para­si­ten wie Maden, Zecken oder Flö­he vor­sich­tig ent­fer­nen.

5. Rich­tig füt­tern!

Igel ernäh­ren sich nor­ma­ler­wei­se von Insek­ten und Regen­wür­mern. Da wohl die wenigs­ten Men­schen Zugriff auf die­se Spei­sen haben, sind etwas leicht ange­bra­te­nes (unge­würz­tes!) Hack­fleisch oder Rühr­ei mit wenig Öl auch eine gute Idee. Kat­zen­fut­ter ist auch gute Igel­nah­rung. Obst oder Gemü­se sowie Nüs­se, Brot, Nudeln oder Reis soll­ten dem Tier nicht ange­bo­ten wer­den. Zum Trin­ken bit­te nur Was­ser und nie­mals Milch geben, denn Milch ver­ur­sacht Durch­fall und kann zum Tod des Tie­res füh­ren.

Ein Igel trägt einen Apfel auf dem Rücken
Nur tra­gen, nicht essen! Obst ist kei­ne geeig­ne­te Igel­nah­rung. © iStock / get­ty images

6. Kei­ne Igel-WG!

Igel sind Ein­zel­gän­ger und möch­ten auch ger­ne allei­ne woh­nen. Habt ihr durch einen (unglück­li­chen Zufall) meh­re­re Tie­re gefun­den, so setzt sie bit­te sepa­rat in Papp­kar­tons (es sei denn, es han­delt sich um eine Mut­ter mit Jung­tie­ren). Die Papp­kar­tons soll­ten mit Zei­tungs­pa­pier aus­ge­legt wer­den und einen Platz zum Ver­ste­cken bie­ten.

7. Ab zum Tier­arzt!

Ist die ers­te Ver­sor­gung erfolgt, so bringt das Tier bit­te schnellst­mög­lich zum Tier­arzt oder zu einer Igel­not­hil­fe. Adres­sen für Igel­schutz­ver­ei­ne in ganz Deutsch­land fin­det ihr hier. Die Igel-Exper­tIn­nen kön­nen euch bera­ten, was das Bes­te für euren Find­ling ist. Bit­te ver­sucht nicht, den Igel ohne ent­spre­chen­de Kennt­nis­se bei euch zu Hau­se zu über­win­tern.

Ich habe kei­nen Igel gefun­den, will aber trotz­dem Igel­ret­ter wer­den

Kein Pro­blem. Auch ohne Fun­d­igel könnt ihr wirk­lich eine Men­ge für die sta­che­li­gen Tier­chen tun.

  1. Augen auf bei der Gar­ten­pfle­ge! Bit­te Vor­sicht im Umgang mit Rasen­mä­hern, Laub­saugern oder Rechen, die­se kön­nen Igel töten oder schwer ver­let­zen. Beson­ders gern bau­en die Tie­re Nes­ter in Laub- oder Kom­post­hau­fen. Seid ganz vor­sich­tig beim Umgra­ben und lasst den Kom­post­hau­fen zwi­schen Novem­ber und April bes­ser ganz in Ruhe. Wenn ihr möch­tet, dass sich die sta­che­li­gen Tie­re in euren Gär­ten wohl­füh­len, schaut euch hier die Tipps für einen igel­freund­li­chen Gar­ten an.
  2. Sor­ge für Schlupf­lö­cher im Zaun und hei­ße Igel in Dei­nem Gar­ten will­kom­men! Igel wan­dern auf der Suche nach lecke­ren Insek­ten weit umher. Durch vie­le Zäu­ne kom­men sie aber nicht durch und kön­nen sogar in grob­ma­schi­gen Draht­zäu­nen hän­gen blei­ben.
  3. Vor­sich­tig fah­ren! Jedes Jahr ster­ben zahl­lo­se Igel im Stra­ßen­ver­kehr. Beson­ders auf­merk­sa­mes Fah­ren in der Däm­me­rung und nachts kann vie­le Leben ret­ten.
  4. Kei­nen Müll in die Natur schmei­ßen! Joghurt­be­cher und Blech­do­sen kön­nen zu töd­li­chen Fal­len wer­den, wenn die neu­gie­ri­gen Tie­re sich dar­in ver­fan­gen. Auch Plas­tik­tü­ten haben in der Natur nichts zu suchen. Stellt vol­le Müll­sä­cke bes­ser nicht schon Tage vor der Müll­ab­fuhr auf die Stra­ße, denn ein neu­gie­ri­ges Igel­chen auf der Suche nach einem Unter­schlupf könn­te sich im Sack ver­ste­cken und auf der Müll­kip­pe lan­den.

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Über mich
Albert Wotke

Schon als kleiner Junge in Nürnberg begeisterte ich mich für die Wunderwelt von Tieren und Pflanzen und wollte Biologe werden. Seit meiner Jugend arbeite ich ehrenamtlich in verschiedenen Naturschutzorganisationen. Nach dem Biologiestudium forschte ich einige Zeit zur Entwicklung von Naturwaldreservaten, arbeitete als freier Journalist zu Naturschutz- und Umweltthemen und leitete 13 Jahre lang die Bundesgeschäftsstelle der Deutschen Umwelthilfe in Berlin. Beim WWF setze ich mich seit 2014 dafür ein, die Naturschätze in Deutschland zu erhalten und den Verlust der Biodiversität zu stoppen.

20 Kommentare

  1. Avatar
    Anna
    21. Oktober 2016
    Antworten

    Bei Fress­napf gibt es sogar extra Igel­nah­rung.

    • Avatar
      Pietsch Antje
      22. Oktober 2016
      Antworten

      Die gibt es in jedem gut sor­tier­tem Gar­ten­cen­ter oder Zoo­markt auch. Das Igel­fut­ter ist sehr teu­er im Ver­gleich zum Kat­zen­fut­ter und auch nicht unge­dingt bes­ser.

      • Avatar
        AMI
        26. Oktober 2016
        Antworten

        Das Fut­ter im Gar­ten­cen­ter und Co. ist in höchs­tem!!! Maße unge­eig­net, ent­hält getrock­ne­tes OBST, Äpfel z.B.…., geht gar nicht, oft auch Bäcke­r­ein­e­ben­er­zeug­nis­se d.h. ZUCKER und Teig­res­te. Sonst auch meist Nicht!!! Geeig­ne­te ande­re Zuta­ten. Die Igel fres­sen das nicht frei­wil­lig nur wenn sie am ver­hun­gern sind und dann geben Ihnen Magen Darm Pro­ble­me, Durch­fall etc den Rest. Lie­ber Herr Wott­ke, und anbra­ten des Rüh­reis sowie Rind­flei­sches ( was auch nicht so sehr zu emp­feh­len ist, bes­ser ist Huhn)
        Mögl. OHNE!! Fett!!!!. wenn dann bit­te nur wenig hoch­er­hitz­ba­res Öl
        . Und etwas Bana­ne oder auch Avo­ca­do wer­den ger­ne ange­nom­men, wegen Fett­ge­halt und Darmpflege…sind aber wie Süßig­kei­ten, also nicht so oft !!!!

        • Avatar
          Inge Steinhoff
          12. November 2019
          Antworten

          Oh je, habe mei­nem Igel aber schon­mal ein Rüh­ren gege­ben. Hat­te vor dies 1x die Woche zu geben. Wer­de ich strei­chen und gekoch­tes Hüh­ner­fleich geben. Wie­viel Gramm “muss” ein Igel in einer Woche zuneh­men??

    • Avatar
      AMI
      26. Oktober 2016
      Antworten

      Die wird nicht gefressen..Mal auf die Inhalts­an­ga­ben ach­ten, Res­te­ver­wer­tung, Bäckern­e­ben­er­zeug­nis­se , also Zucker, Mehl etc..das was man kei­nem Haus­tier geben sollte…das hier sind Wild­tie­re. Das Feucht­fut­ter wird auch nicht frei­wil­lig gefres­sen und bit­te auf Schwei­ne­fleisch!! Oft ver­deckt als Fleischne­ben­er­zeug­nis­se Ich weiß nicht war­um da noch NABU Stem­pel drauf sind !??? Die Kennt­nis­se kön­nen nicht
      Vor­han­den sein.
      Deutsch­land ist in den Baby­schu­hen was Igel­schutz angeht. Eng­land ist 10 Jah­re wei­ter.
      Es gibt Igel­hos­pi­tae­ler !!! Mit Inten­siv­sta­ti­on !!! So, und hier gibt es K e I n e !!! Wenn dann nur gaa­anz gaa­anz sel­ten Tier­ärz­te die über die 4 Stun­den Uni­grund­kennt­nis­se in den ers­ten Semes­tern !!! hin­aus über Haupt Ahnung haben und womög­lich beim Ster­ben nach­hel­fen mit Advo­cat, Spot on etc. Floh­pu­der oder Sprit­zen set­zen mit anti­wurm anri­pa­ra­sit Zeugs.…so sieht das hier aus !! Selbst Igel­for­scher sind hin­ten, ganz weit mit Kennt­nis­sen. unfass­bar !!! Und es ist das belieb­tes­te Wild­tier der Deut­schen !!! Wie geht das! ??? Und ! am aus­ster­ben !

      • Avatar
        G.Löffler
        28. Oktober 2016
        Antworten

        Hal­lo,
        inzwi­schen bin ich soweit, das es kei­nen Sinn hat immer zu wet­tern was es n i c h t gibt. Sie haben völ­lig Recht. Aber dadurch ändert sich nichts.
        Wie wäre es, eine Info­ein­heit auf­zu­bau­en, die Tier­me­di­zin­stu­den­ten einen ers­ten Ein­blick geben kann wie man mit Igeln umgeht? Wer dann Ansprech­part­ner ist? Schla­ge vor, dass man das erst­mal in Gie­ßen anbie­ten könn­te. Muss aber fun­diert sein. Gibt es sicher schon irgend­wo, könn­te man dann über­tra­gen. Muss wahr­schein­lich erst­mal ehren­amt­lich sein, wür­de aber mög­li­cher­wei­se aus Spen­den­gel­dern finan­zier­bar sein.
        Sie kön­nen ger­ne mit mir Kon­takt auf­neh­men, viel­leicht läßt sich was ent­wi­ckeln.
        Lg G.L.

  2. 22. Oktober 2016
    Antworten

    […] Nach Win­ter­ein­bruch müs­sen Igel „geret­tet“ wer­den. Wenn ein Igel bei Minus­gra­den oder Schnee her­um­läuft, dann stimmt etwas nicht. Die­ses Tier braucht Hil­fe. Igel gefun­den – was tun? […]

  3. Avatar
    AMI
    26. Oktober 2016
    Antworten

    IGEL die im Spät­herbst, oder Win­ter her­um­ir­ren tags­über , oder nachts EGAL!!
    MÜSSEN drin­gend !!!! Rein­ge­holt wer­den. Sie sind krank, unter­kühlt und haben eben nicht genug Fett­re­ser­ven, das heißt unter­ernährt!!! Und fin­den auch kaum noch Fut­ter, da die Gär­ten von jedem Herbst Blatt befreit !!! KEINE Nah­rung mehr bie­ten können..Laufkaefer, Ohr­wür­mer etc. Die Igel müs­sen sofort rein­ge­holt wer­den und gewärmt. Es ist falsch was Sie schrei­ben, dass man sie so lau­fen las­sen soll im Win­ter, käl­ter Jah­res­zeit. Ein Igel im Win­ter­schlaf schraubt sei­ne Tem­pe­ra­tur auf bis zu 2 Grad runter.Ja, Was pas­siert wenn er auf­wacht? Ener­gie­spar­mo­dus rast auf vol­le Pul­le hoch, sprich an die 36 Grad…und ver­braucht sehr, sehr viel Ener­gie, das heißt die letz­ten Reserven..Auch Rat­ten wegen dem zuneh­men­den Müll!!! über­all Stra­ße Parks Geh­we­ge sind ein rie­si­ges Pro­blem sie stö­bern die Nes­ter auf und fres­sen die Igel… Jetzt aber bit­te nicht irgend­wo RTten­gift ver­tei­len !!! Auch Igel fres­sen das !!! Gera­de wenn es nur ein­fach in die Löcher gestopft wird und nicht!!! Gesi­chert in ent­spre­chen­den Köder Boxen…Leider machen selbst pro­fes­sio­nel­le Schäd­lings­be­kämp­fer die­sen Feh­ler. Hun­de Kat­zen bud­deln das auch aus…oder Men­schen!!!

  4. Avatar
    AMI
    26. Oktober 2016
    Antworten

    Lie­ber Herr Wott­ke,
    Ich fin­de es toll, dass Sie sich für unse­re Natur enga­gie­ren.
    Ich wür­de mich ger­ne malit Ihnen kurz­schlie­ßen in punc­to Igel.
    Es muss drin­gend!! Auf­klä­rungs­ar­beit geleis­tet wer­den, das geht so nicht wei­ter.
    Es wer­den total ver­al­te­te Weis­hei­ten wei­ter­ge­ge­ben. Das meis­te ist über­holt, und noch wich­ti­ger es müs­se n drin­gendst Tier­ärz­te Schu­lun­gen die­se Tie­re betref­fend erhal­ten. Es ist fast schon zu spät wir haben kaum noch Igel.
    Ret­ten Sie die letz­ten mit mir ?
    Bin mit Eng­land ver­netzt, die Igel Socie­ty dort treibt mich auch an das zu tun, sie sind ent­setzt wie rück­stän­dig Deutsch­land in Sachen Igel ist !!!! Eine Kata­stro­phe .

  5. Avatar
    Verena Wendt
    27. Oktober 2016
    Antworten

    Schon allein die Abbil­dung von dem Igel im Schnee ist ein Witz, denn hier­bei han­delt es sich nicht um unse­ren Braun­brust­igel, son­dern um eine exo­ti­sche Art.
    Dann immer die­se undif­fe­ren­zier­ten Auf­ru­fe, dass man alle Igel im Herbst in Ruhe las­sen soll, die für vie­le Igel töd­li­che Fol­gen haben. Denn auf­grund zuneh­mend erschwer­ter Lebens­be­din­gun­gen gibt es immer häu­fi­ger kran­ke Igel. Wor­an man die­se erkennt, soll­te mal auf­ge­führt wer­den und nicht die­ser pau­scha­le Unsinn, den Herr Wott­ke da ver­zapft. Herr Wott­ke soll­te sich vor wei­te­ren Ver­öf­fent­li­chun­gen zur “Igel-Hil­fe” bes­ser erst­mal bei wirk­li­chen Igel­fach­leu­ten schlau machen. Zumin­dest auf die Sei­ten von Pro Igel soll­te er mal im Inter­net schau­en, dann wür­de er sei­ne Feh­ler erken­nen.
    Was ich auch sehr ver­mis­se, ist der Hin­weis, dass Igel in einem war­men Raum bei ca. 20 Grad unter­ge­bracht wer­den. Dass ist über­le­bens­wich­tig für die Tie­re. Und auch der Hin­weis von Herrn Wott­ke, den Fun­d­igel umge­hend einem Tier­arzt vor­zu­stel­len, ist falsch, denn lei­der gibt es deutsch­land­weit so gut wie kei­nen Tier­arzt, der die erfor­der­li­che Sach­kennt­nis hat, einen Igel kor­rekt medi­zi­nisch zu ver­sor­gen. So ist es trau­ri­ge Tat­sa­che, dass für die meis­ten Igel der Weg zum Tier­arzt der letz­te ist. Vor allem dann, wenn man den Igel umge­hend einem Tier­arzt vor­stellt. Denn waren die Tie­re nicht vor einer Tier­arzt­be­hand­lung meh­re­re Stun­den in einem war­men Raum unter­ge­bracht, besteht die gro­ße Gefahr, dass sie im unter­kühl­ten Zustand behan­delt wer­den, was töd­li­che Fol­gen für die Igel hat. Und das pas­siert lei­der — auf­grund feh­ler­haf­ter Ver­öf­fent­li­chun­gen in den Medi­en — sehr häu­fig. Dass es immer weni­ger Igel gibt, liegt nicht nur am Stra­ßen­ver­kehr, son­dern das jedes Jahr zig Igel bei den Tier­ärz­ten auf­grund feh­len­der Sach­kennt­nis und Inter­es­se unnö­ti­ger­wei­se zu Tode behan­delt wer­den. Zeigt man die­sen Miss­stand bei den Tier­ärz­te­kam­mern an, besteht kei­ner­lei Inter­es­se dage­gen vor­zu­ge­hen. Dabei wäre es zum Wohl des Igels drin­gend erfor­der­lich, sämt­li­che Tier­ärz­te zu Fort­bil­dungs­maß­nah­men zu ver­pflich­ten und an den Uni­ver­si­tä­ten in der tier­ärzt­li­chen Aus­bil­dung das The­ma Igel zu inte­grie­ren. Falls nicht, wird es irgend­wann kei­ne Igel mehr geben.

    • Avatar
      1. November 2016
      Antworten

      Sehr geehr­te Frau Wendt, wir freu­en uns sehr, dass Sie sich so enga­giert und aktiv für den Igel­schutz ein­set­zen. Sie haben recht: Inten­si­ve Auf­klä­rung und fun­dier­te Infor­ma­tio­nen sind die Grund­vor­aus­set­zung, um hel­fen zu kön­nen. Auf der von Ihnen zitier­ten Sei­te http://www.pro-igel.de fin­den sich vie­le nütz­li­che Infor­ma­tio­nen für Igel-Ret­ter. Ihre Skep­sis gegen Tier­ärz­te kön­nen wir aber so pau­schal nicht tei­len. Igel sind die häu­figs­ten Wild­tie­re, die in Klein­tier­pra­xen vor­ge­stellt wer­den. Dank her­vor­ra­gen­der Wei­ter­bil­dungs-Unter­la­gen, unter ande­rem von Pro-Igel, ken­nen sich die meis­ten Tier­ärz­te inzwi­schen wirk­lich gut aus. Es gibt auch eine Rei­he von Igel-Sta­tio­nen, die auf die Hil­fe von Igeln spe­zia­li­siert sind, und die sich gut aus­ken­nen. Gesun­de, wohl­ge­nähr­te Igel brau­chen im Herbst kei­ne Hil­fe. Ver­letz­ten und kran­ken Igel oder ver­wais­ten Igel­säug­lin­gen soll­te gehol­fen wer­den. Haben Sie vie­len Dank für den Hin­weis auf das Bild. Da ist unse­rer Bild­re­dak­ti­on ein Feh­ler unter­lau­fen. Noch ein Hin­weis zum Umgang: Auch wenn Ihnen die Sachen der Igel sehr am Her­zen liegt, bit­ten wir Sie, Ihre Kri­tik sach­lich vor­zu­tra­gen. Pau­scha­le Vor­wür­fe hel­fen unse­rer gemein­sa­men Sache nicht.

  6. Avatar
    Eberhard Diezel
    27. Oktober 2016
    Antworten

    EDi
    Wir haben schon mehr­fach Igel im Spät­herbst ver­sorgt. Beach­tet wer­den muss das Gewicht und der kör­per­li­che Zustand. Die meis­ten Igel kön­nen nach einer Stär­kungs­kur wie­der im Spät­herbst oder einem mil­den Win­ter­an­fang in die Natur ent­las­sen wer­den, was sicher­lich das Bes­te ist.
    Bei­spiel: Jun­ger gefun­de­ner Igel neben einem gepark­ten Auto Mit­te 10/2015 — Gewicht 180 g — Tier völ­lig teil­nahms­los und total unter­kühlt — nicht mehr geh­fä­hig.
    Wär­mung u. etwas Warm­was­ser zum Trin­ken — s.kleine Nah­rungs­stü­cke anfangs mit Stei­ge­rung (Baby-Kat­zen-fut­ter) bis zu einem rie­si­gen Appe­tit bereits nach weni­gen Tagen. Nach 4 Wochen wur­de der quick­le­ben­di­ge und run­de Igel mit 750 g Kör­per­ge­wicht wie­der in der Natur (ohne Auto­ver­kehr) aus­ge­setzt, wo er sich sofort in einen vor­be­rei­te­ten Stroh­hau­fen begab ohne wei­te­re Nah­rungs-auf­nah­me in den Fol­ge­ta­gen (Kon­trol­le!). Ganz geschwäch­te Tie­re haben wir auch im Win­ter in einem gros­sen Kar­ton mit Ver­steck­mög­lich­keit durch­ge­bracht. Sie schla­fen viel bei etwas abge­senk­ter Wohn­raum­tem­pe­ra­tur, wachen öfters auf und trin­ken etwas mit wenig Nah­rungs­auf­nah­me.
    Im April geht es wie­der an die fri­sche Luft. Manch­mal kom­men sie abends zurück, weil sie offen­bar bekann­te Stim­men ver­neh­men. Natür­lich wer­den sie dabei auch ein biss­chen “belohnt”.

  7. Avatar
    28. Oktober 2016
    Antworten

    Wir freu­en uns, dass Sie sich so enga­giert für Igel ein­set­zen, die Hil­fe brau­chen. Dan­ke für die guten Tipps und Anre­gun­gen. Ger­ne neh­me ich mit Ihnen direkt Kon­takt auf.

    • Avatar
      Ralf Hempe
      28. Oktober 2016
      Antworten

      Hal­lo,
      gibt es ein Min­dest­ge­wicht, ab dem gefun­de­ne Igel vor dem Win­ter Hil­fe brau­chen und ab wann (z.B. Mit­te Novem­ber)?

      • Avatar
        1. November 2016
        Antworten

        Die Fach­leu­te haben sich dar­auf geei­nigt, dass ein Jun­g­igel Anfang Novem­ber unge­fähr 500 Gramm wie­gen soll­te, um den Win­ter unbe­scha­det zu über­ste­hen. Je spä­ter im Jahr ein unter­ge­wich­ti­ger Igel gefun­den wird, des­to wahr­schein­li­cher ist es, dass er krank ist und Hil­fe braucht. Jetzt im Novem­ber gibt es auch immer weni­ger Nah­rung.

  8. Avatar
    Heike
    28. Oktober 2016
    Antworten

    Noch etwas ande­res, lei­der nimmt die Popu­la­ti­on der Mar­der in Deutsch­land sehr zu, es gibt ja kaum noch ien Revier ohne und die gehen auch auf Igel. Unse­ren Igel haben sie auch umge­bracht . Wir haben die Res­te in unse­rem Dach gefun­den, wo die Mar­der ihr Unwe­sen trei­ben.

    • Avatar
      19. November 2016
      Antworten

      Hal­lo Hei­ke, ich dach­te immer die Popu­la­ti­on der Mar­der geht deut­lich zurück. Hast Du da viel­leicht eine Quel­len­an­ga­be für mich? Wei­ter gilt es doch wohl auch zu beach­ten, dass dies in der Tier­welt ganz nor­mal ist. Der Mar­der reist einen Igel wahr­schein­lich nicht nur zum Spaß. Lie­be Grü­ße

  9. Avatar
    Verena Wendt
    30. Januar 2017
    Antworten

    Sehr geehr­ter Herr Wott­ke,
    zu mei­nem Bedau­ern muss ich fest­stel­len, dass Ihre Bild­re­ak­ti­on noch nim­mer nicht die Auf­nah­me des exo­ti­schen Igels gegen den hei­mi­schen Igel aus­ge­tauscht hat. Auch bezüg­lich Ihrer Aus­sa­ge, dass sich die meis­ten Tier­ärz­te mitt­ler­wei­le her­vor­ra­gend bei der Behand­lung von Igeln aus­ken­nen, irren Sie sich lei­der.
    Denn Fakt ist, dass deutsch­land­weit kaum ein Tier­arzt über die erfor­der­li­che Sach­kennt­nis für eine Igel­be­hand­lung ver­fügt, wes­we­gen die meis­ten Igel einen Besuch beim Tier­arzt nicht über­le­ben und selbst wenn, ster­ben sie die dar­auf­fol­gen­den Tage oder Wochen nahe­zu aus­nahms­los, weil sie nicht gezielt und mit beim Igel wirk­sa­men Medi­ka­men­ten behan­delt wur­den. Das muss ich lei­der bei mei­ner prak­ti­schen Arbeit stän­dig erfah­ren, dar­um auch mei­ne Inter­ven­ti­on.
    Zudem wur­de mir sogar vor kur­zem von einer Tier­ärz­tin bestä­tigt, dass sie nicht einen ein­zi­gen Tier­arzt­kol­le­gen kennt, der sich mit der Behand­lung von Igeln aus­kennt.
    Auch Ihrer Aus­sa­ge, dass es eine Rei­he von Igel-Sta­tio­nen gibt, die sich gut aus­ken­nen, muss ich lei­der wider­spre­chen, denn qua­li­fi­zier­te und erfah­re­ne Igel­sta­tio­nen gibt es lei­der viel zu weni­ge.
    Dass lei­der auch bei Ihnen die Sach­kun­de fehlt oder nur unzu­rei­chend vor­han­den ist, wird dadurch ver­deut­licht, dass Ihnen die Aus­füh­run­gen vom 27.10.16 von Eber­hard Die­zel in dem Maße sach­kun­dig vor­kom­men, dass Sie sogar Kon­takt mit die­sem auf­neh­men möch­ten.
    Dabei ist lei­der auch bei Herrn Die­zel kaum Igel-Sach­kun­de vor­han­den. So setzt man einen 180 Gramm leich­ten Jun­g­igel nach­dem die­ser auf­ge­päp­pelt wur­de, nicht ein­fach wie­der Mit­te oder Ende Novem­ber irgend­wo in der Natur aus, son­dern der Igel muss zunächst in einem Frei­ge­he­ge, in dem er wei­ter mit Fut­ter ver­sorgt wird, an die neue Umge­bung gewöhnt wer­den und auch dar­an, wie­der selb­stän­dig Nah­rung zu suchen. Vor allem, wenn das Tier erst so spät im Jahr (Mit­te oder sogar erst Ende Novem­ber) wie­der aus­ge­wil­dert wird. Zudem müs­sen Igel gene­rell nach ihrer Aus­wil­de­rung noch min­des­tens 14 Tage im Gar­ten zuge­füt­tert wer­den. Vor allem, wenn sie erst Mit­te oder Ende Novem­ber wie­der aus­wil­dert wer­den, da zu die­ser Zeit auf­grund viel­fach küh­ler Nacht­tem­pe­ra­tu­ren kaum mehr die Nah­rungs­tie­re des Igels vor­han­den sind.
    Schon fast blau­äu­gig ist die Vor­ge­hens­wei­se von Herrn Die­zel, den Igel in einen Stroh­hau­fen zu set­zen und zu glau­ben, dass er dar­in dau­er­haft bleibt. Zumal Stroh kein geeig­ne­tes Nist­ma­te­ri­al für Igel ist, denn auf­grund sei­ner star­ren, sper­ri­gen Struk­tur kön­nen län­ge­re Hal­me Schleim­haut­lä­sio­nen im Maul­be­reich ver­ur­sa­chen oder sich in die Rachen­schleim­haut eins­prie­ßen. Zudem besteht durch die Dreh­be­we­gun­gen des Igels die Gefahr, dass er sich mit einem län­ge­ren Halm ein Bein­chen abschnürt. Das schei­nen aber offen­sicht­lich auch Sie selbst, wer­ter Herr Wott­ke, nicht zu wis­sen.
    Zudem hat Herr Die­zel offen­sicht­lich kei­ne Ahnung, wie man Igel in mensch­li­cher Obhut Win­ter­schlaf machen lässt, denn die von ihm emp­foh­le­ne “abge­senk­te Zim­mer­tem­pe­ra­tur” ist völ­lig falsch, da die Tie­re dadurch nur in einen kräf­te­zeh­ren­den Däm­me­rungs­schlaf ver­fal­len, was der Grund ist, wes­we­gen die Tie­re immer wie­der auf­wa­chen. wie auch er selbst beschreibt.
    Feh­ler über Feh­ler, wes­we­gen es zum Woh­le des Igels bes­ser wäre, wenn Natur­schutz­ver­bän­de dass The­ma Igel wirk­li­chen Igel­fach­leu­ten über­las­sen wür­den.
    Im Übri­gen ist nicht das Gewicht des Igels aus­schlag­ge­bend für sei­ne Hilfs­be­dürf­tig­keit, son­dern die Fund­um­stän­de. So sind tagak­ti­ve Igel nahe­zu aus­nahms­los krank und des­halb hilfs­be­dürf­tig. Gleich, wel­ches Gewicht sie haben. Völ­lig falsch ist aber, einen sofor­ti­gen Tier­arzt­be­such zu emp­feh­len, denn das erhöht die Gefahr, dass die Tie­re den nicht über­le­ben wer­den, weil sie im geschwäch­ten und unter­kühl­ten Zustand behan­delt wur­den. Bes­ser wäre dar­auf hin­zu­wei­sen, dass der Igel eben nicht sofort einem Tier­arzt vor­ge­stellt wer­den darf, son­dern erst nach­dem er meh­re­re Stun­den in einem ca. 20 Grad war­men Raum unter­ge­bracht wur­de, um zumin­dest das Risi­ko zu ver­rin­gern, dass er im unter­kühl­ten Zustand behan­delt wird. Im Übri­gen muss gene­rell nicht jeder Igel noch am Fund­tag einem Tier­arzt vor­ge­stellt wer­den, son­dern nur sol­che Tie­re, die Ver­let­zun­gen haben, die Nah­rungs­auf­nah­me ver­wei­gern, Durch­fall haben oder einen star­ken Ekto­pa­ra­si­ten­be­fall auf­wei­sen. Aber auch die­se Igel dür­fen einem Tier­arzt erst dann vor­ge­stellt wer­den, wenn sie meh­re­re Stun­den in einem ca. 20 Grad war­men Raum auf­ge­wärmt wur­den.

  10. Avatar
    Maren Pejas-Bremer
    16. Oktober 2017
    Antworten

    Hal­lo
    Bei mir hat ges­tern geklappt.
    Lie­be Grü­ße
    Maren

  11. Avatar
    16. September 2018
    Antworten

    Guten Tag,
    es ist gut, wenn Natur- und Tier­freun­de auch an die Igel den­ken… Jedoch, wir emp­feh­len einen Link / Ver­weis im Text von WWF/ Herrn Wot­ke auf die Web­site des bun­des­weit täti­gen Ver­ein Pro Igel e.V. — s. http://www.pro-igel.de , um aktu­el­les Know-how und detail­lier­te Infor­ma­tio­nen zu Igel, Igel­schutz und Igel­hil­fe zu ver­mit­teln. Hilfs­be­dürf­tig­keit beim Igel unter­liegt nicht ein­fach dem Kri­te­ri­um einer Jah­res­zeit, son­dern ist je Ein­zel­fall zu beur­tei­len. MfG U. See­wald, Vor­sit­zen­de Pro Igel e.V.

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