CITES 2019: See­gur­ke, Mako­hai & Gei­gen­ro­chen


Seegurken gelten in Asien als Delikatesse. © Cat Holloway / WWF
Seegurken gelten in Asien als Delikatesse. © Cat Holloway / WWF

Schön­heit liegt ja bekannt­lich im Auge des Betrach­ters. Aber ich glau­be, ich leh­ne mich nicht all­zu weit aus dem Fens­ter, wenn ich behaup­te, See­gur­ken gehö­ren nicht zu den cha­ris­ma­tischs­ten Tier­ar­ten. Hier­zu­lan­de sind sie recht unbe­kannt. In Asi­en jedoch gel­ten sie als eine — durch Über­fi­schung lei­der sel­ten gewor­de­ne — Deli­ka­tes­se. Damit sie nicht gänz­lich ver­schwin­den, wur­de auf der Arten­schutz­kon­fe­renz (CITES COP 18) in Genf beschlos­sen, den Schutz der See­gur­ke zu ver­stär­ken. Um mit ihnen inter­na­tio­nal han­deln zu dür­fen, müs­sen die­se aus einer lega­len und nach­hal­ti­gen Quel­le stam­men. Ein wich­ti­ger Erfolg, denn ob cha­ris­ma­tisch oder nicht, See­gur­ken erfül­len wich­ti­ge Auf­ga­ben im Oze­an und gehö­ren nicht über­fischt und auf den Tel­ler.

Gemisch­tes Fazit für die Arten­schutz­kon­fe­renz CITES COP

Die dies­jäh­ri­ge CITES COP wird wohl eher als “Jahr der unbe­kann­ten Arten” ein­ge­hen. Außer­dem war sie wohl auch die größ­te Arten­schutz­kon­fe­renz aller Zei­ten – mit rekord­ver­däch­tig lan­gen Tages­ord­nun­gen. Mein Fazit jedoch fällt eher gemischt aus. Aus unse­rer Sicht wur­de vor allem eine wich­ti­ge Chan­ce ver­tan, so zen­tra­le, bereits exis­tie­ren­den Han­dels­ver­bo­te wie zum Bei­spiel für Ele­fan­ten-Elfen­bein und Nas­horn­horn effek­ti­ver durch­zu­set­zen und Ver­stö­ße künf­tig här­ter zu bestra­fen. Im Bezug auf den Elfen­bein­han­del und die damit ver­bun­de­ne Ele­fan­ten­wil­de­rei muss noch eini­ges getan wer­den. Erfreu­li­cher­wei­se stan­den 2019 aber eher die Arten im Ram­pen­licht, die sonst eher abseits der gro­ßen Büh­ne behan­delt wer­den.

Seegurken gehören nicht auf den Teller, sondern auf den Meeresboden. © iStock / Getty Images Plus
Die See­gur­ke gehört nicht über­fischt auf den Tel­ler, son­dern in aus­rei­chen­der Zahl auf den Mee­res­bo­den. © iStock / Get­ty Images Plus

See­gur­ken sind die Staub­sauger der Mee­res­bö­den

Oft­mals sind es ja die flau­schi­gen, put­zi­gen oder beson­ders gefähr­li­chen Tie­re, die im Fokus der Öffent­lich­keit ste­hen. Jede ein­zel­ne Art hat jedoch Ein­fluss auf das Öko­sys­tem und ihr Feh­len dem­nach auch. See­gur­ken, die auch als See­wal­zen bezeich­net wer­den, funk­tio­nie­ren bei­spiels­wei­se wie Staub­sauger auf dem Mee­res­grund. Ähn­lich wie Watt­wür­mer neh­men sie Sedi­men­te auf, ver­dau­en Mikro­al­gen und Plank­ton. Der gerei­nig­ten Sand wird wie­der aus­ge­schie­den. Dabei erhö­hen sie den PH-Wert ihrer Umge­bung — sie hel­fen gegen die durch die Kli­ma­kri­se ver­ur­sach­te Ver­saue­rung der Mee­re, die eine gro­ße Gefahr für Koral­len­rif­fe und Mee­re­söko­sys­tem welt­weit dar­stellt.

Es gibt aber auch noch die ande­re Sei­te: See­gur­ken wer­den auch als Trüf­fel der Mee­re bezeich­net. Ein Kilo­gramm kann leicht bis zu 1000 Euro kos­ten. Sie sind auf den Spei­se­kar­ten zahl­rei­cher edler Restau­rants vor allem in Japan und Korea zu fin­den. In Chi­na wer­den sie tra­di­tio­nell zum Neu­jahrs­fest gereicht. Sie gel­ten als gesund, brin­gen Glück und sol­len durch­aus lecker sein. Ihre Beliebt­heit führt dazu, dass die See­gur­ken durch Über­fi­schung sel­ten gewor­den sind. Die Ent­schei­dung, drei Arten der Holo­thu­ro­idea künf­tig stär­ker zu schüt­zen, ist dem­nach genau die rich­ti­ge Ent­schei­dung.

Schon mehr als 70 Hai­ar­ten auf der Roten Lis­te

Inzwischen stehen mehr als 70 Haiarten auf der Roten Liste. © Brian J. Skerry / National Geographic Stock / WWF
Inzwi­schen ste­hen mehr als 70 Hai­ar­ten auf der Roten Lis­te. © Bri­an J. Sker­ry / Natio­nal Geo­gra­phic Stock / WWF

Zwei wei­te­re Tier­ar­ten­grup­pen, die ein ähn­li­ches Schick­sal mit den See­gur­ken tei­len, wer­den künf­tig eben­falls stär­ker geschützt. Dabei ist die Rede von den Mako­hai und den Gei­gen­ro­chen. Alle die­se Arten sind Knor­pel­fi­sche, also ent­fern­te Ver­wand­te. Und bei­de wer­den vor allem auf­grund ihrer Flos­sen bejagt, teil­wei­se gezielt, teil­wei­se als wert­vol­ler und ger­ne genom­me­ner Bei­fang. Eben­so wie die See­gur­ken gel­ten die Hai- und Rochen­flos­sen als gro­ße Deli­ka­tes­se. Auf der inter­na­tio­na­len Roten Lis­te der Welt­na­tur­schutz­uni­on IUCN wer­den der Groß­teil die­ser Arten schon jetzt als bedroht geführt. Ich hof­fe, dass der neue Schutz vor Über­fi­schung ihnen in Zukunft etwas Erho­lung ver­schafft.

Ent­täu­schung über ver­pass­te Gele­gen­hei­ten

Ent­täuscht bin ich von der dies­jäh­ri­gen CITES COP bezüg­lich der Bekämp­fung des ille­ga­len Widl­tier­han­dels in Viet­nam. Der süd­ost­asia­ti­sche Staat war in den letz­ten Jah­ren immer wie­der durch mas­si­ve Auf­grif­fe von Elfen­bein, Nas­horn­horn, Schup­pen­tie­ren, Tiger und Edel­höl­zern auf­ge­fal­len. Auch dar­über­hin­aus gilt die Umset­zung der CITES-Ver­ein­ba­run­gen in Viet­nam als wenig zufrie­den­stel­lend. Jedoch wur­de die Gele­gen­heit nicht genutzt, den inter­na­tio­na­len Druck noch deut­li­cher zu erhö­hen.

Mehr Stär­ke und Trans­pa­renz gegen den Elfen­bein­han­del

Das glei­che gilt im Übri­gen auch für den inter­na­tio­na­len Kampf gegen den Elfen­bein­han­del. Lei­der wur­de 2018 zahl­rei­che Län­der aus dem soge­nann­ten Natio­na­len Elfen­bein­ak­ti­ons­plan Pro­zess (NIAP) ent­las­sen, die nach unse­rer Auf­fas­sung wei­ter dar­in hät­ten ver­blei­ben sol­len, dar­un­ter Chi­na und Tan­sa­nia. CITES hät­ten nun mehr Stär­ke in die­sen Pro­zess ein­flie­ßen las­sen kön­nen. Mehr Trans­pa­renz für die Aus­wahl der Län­dern hät­te dem Pro­zess künf­tig hel­fen sol­len, eben­so bei der Stan­dar­di­sie­rung des Moni­to­rings. Der Erfolg eines sol­chen Plans soll­te natür­lich am tat­säch­li­chen Rück­gang des ille­ga­len Elfen­bein­han­dels gemes­sen wer­den und nicht an nied­rig­schwel­li­gen, undurch­sich­ti­gen und oft durch die Par­tei­en selbst gesetz­ten Indi­ka­to­ren.

CITES 2019: klei­ner Erfolg im Tiger­schutz

Einen klei­nen Erfolg konn­ten wir beim Tiger­schutz fei­ern. Es wur­de die Ent­schei­dung getrof­fen, die Straf­ver­fol­gung zu ver­bes­sern. Damit ver­bun­den ist auch die Ein­däm­mung der Nach­fra­ge nach Tiger­tei­len und ‑Pro­duk­ten. Denn der Han­del ist und bleibt oft­mals die größ­te Bedro­hung für zahl­rei­che bedroh­te Arten.  Aller­dings brau­chen wir künf­tig wei­te­re Maß­nah­men für die asia­ti­schen Län­der, in denen Tiger in Gefan­gen­schaft gehal­ten wer­den oder die in den ille­ga­len Tiger­han­del ver­wi­ckelt sind.

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