Bra­si­li­en: Fünf Fra­gen zu den Wald­brän­den im Ama­zo­nas


Brasilien: Mehr als 70.000 Waldbrände wurden bereits im Amazonas registriert. © Day's Edge Productions / WWF-US
Brasilien: Mehr als 70.000 Waldbrände wurden bereits im Amazonas registriert. © Day's Edge Productions / WWF-US

Was pas­siert aktu­ell in Bra­si­li­en?

Der­zeit brennt es im bra­si­lia­ni­schen Ama­zo­nas lich­ter­loh. Es wur­den bereits mehr als 70.000 Wald­brän­de regis­triert – unzäh­li­ge Hekt­ar Regen­wald ste­hen in Flam­men. Bei die­ser Viel­zahl an Wald­brän­den im Ama­zo­nas wird so viel Rauch erzeugt, dass noch in 3000 Kilo­me­tern Ent­fer­nung der Him­mel ver­dun­kelt wird.

Wer steckt hin­tern den Wald­brän­den im Ama­zo­nas?

Ange­trie­ben von der aggres­si­ven Rhe­to­rik des bra­si­lia­ni­schen Prä­si­den­ten wird der­zeit die Umwelt­po­li­tik stark ein­ge­schränkt. In den Jah­ren zuvor sank die Ent­wal­dung deut­lich. Die­ser Erfolg basier­te vor allem an der stren­gen Kon­trol­le und der Ver­fol­gung der ille­ga­len Ent­wal­dung. Unter der aktu­el­len Regie­rung änder­te sich die­se Poli­tik grund­le­gend.

Da die ille­ga­le Ent­wal­dung nun nicht mehr kon­se­quent ver­folgt wird, füh­len sich vie­le Land­wir­te ange­sta­chelt. Die Fol­ge sind unzäh­li­ge ille­ga­le Wald­brän­de im Ama­zo­nas.

Der bis­lang trau­ri­ge Höhe­punkt soll ein “Tag des Feu­ers” gewe­sen sein, an dem sich meh­re­re Groß­be­sit­zer zur geziel­ten Brand­stif­tung ver­ab­re­de­ten. Sie beab­sich­ti­gen durch die Brand­ro­dung lukra­ti­ve Wei­de­flä­chen zu gewin­nen.

War­um wer­den die Wald­brän­de erst jetzt gelöscht?

Die bra­si­lia­ni­sche Regie­rung reagier­te jetzt wahr­schein­lich sowohl auf inter­nen als auch auf exter­nen Druck. Die EU ist einer der wich­tigs­ten Han­dels­part­ner Bra­si­li­ens. Nor­we­gen hat­te bei­spiels­wei­se damit gedroht, Finanz­hil­fen auf Eis zu legen, solan­ge der Ama­zo­nas in Flam­men steht.

Auch auf dem G7-Gip­fel­tref­fen in Biar­ritz (24. — 26. August 2019) waren die Wald­brän­de im Ama­zo­nas ein wich­ti­ges The­ma. Bei den aktu­el­len Gesprä­chen ging es aller­dings haupt­säch­lich um direk­te Hil­fe, die Feu­er zu bekämp­fen.

Was bedeu­tet der Wald­ver­lust für die bio­lo­gi­sche Viel­falt und das Kli­ma?

Der Ama­zo­nas Bra­si­li­ens ist die wich­tigs­te Kli­ma­an­la­ge der Welt. Durch die Was­ser­ver­duns­tung  im Ama­zo­nas­re­gen­wald ent­steht ein wich­ti­ger Kühl­ef­fekt für unse­re sich immer wei­ter auf­hei­zen­de Erde. Gleich­zei­tig sind im Ama­zo­nas rie­si­ge Men­gen Koh­len­stoff gebun­den. Die­se gelan­gen beim Ver­bren­nen als Treib­haus­gas CO2 in die Atmo­sphä­re.

Ein­fach gesagt: Wenn wir den Ama­zo­nas ver­bren­nen, kön­nen wir jeg­li­che glo­ba­len Kli­ma­zie­le ver­ges­sen – auch das so wich­ti­ge 1,5 Grad-Ziel. Der Ama­zo­nas gilt zudem auch als Bio­di­ver­si­tätshot­spot. Die Aus­wir­kun­gen vom Ver­lust der Wäl­der auf Arten wie den Jagu­ar ist leicht vor­stell­bar.

Dar­über hin­aus gibt es aber auch Arten, die teil­wei­se nur auf einem ein­zi­gen Baum anzu­tref­fen sind. Wird genau die­ser Urwald­rie­se ver­nich­tet, ver­schwin­det auch jene Art für immer.

Was hat Deutsch­land mit den Wald­brän­den im Ama­zo­nas zu tun?

Unse­re Mas­sen­tier­hal­tung ist nur dank bil­li­gem Soja aus Bra­si­li­en mög­lich. Somit ist bil­li­ges Fleisch und auch jeder Kon­su­ment die­ses Flei­sches indi­rekt betei­ligt an der Zer­stö­rung des Ama­zo­nas.

Zwar wird vor­ran­gig ent­wal­det, um Rin­der auf die neu ent­stan­de­nen Flä­chen zu stel­len. Dies hat aber oft nur den Zweck des Land­grab­bings. Das gera­de abge­schlos­se­ne Frei­han­dels­ab­kom­men zwi­schen EU und MERCOSUR, dem gemein­sa­men Markt Süd­ame­ri­kas, gibt nun eine Gele­gen­heit, auf die­sen Fakt Ein­fluss zu neh­men, indem man ent­spre­chend har­te Regu­la­ri­en und Kon­trol­len in die­ses Abkom­men ein­baut: Bei­spiels­wei­se, dass nur noch Soja aus kom­plett ent­wal­dungs­frei­en Lie­fer­ket­ten nach Euro­pa expor­tiert wer­den darf.

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Über mich
Roberto Maldonado

Ich bin Diplom-Forstwirt und Südamerika-Referent beim WWF Deutschland - mit 15 Jahren Berufserfahrung in Lateinamerika und Afrika. Mindestens genauso lange arbeite ich auch schon für den Schutz des Amazonas-Regenwaldes. Schwerpunkte meiner Arbeit sind die Ausweisung, der Schutz und die Finanzierung von Schutzgebieten, die Anpassung an den Klimawandel, die Bekämpfung der Entwaldung durch Vieh- Landwirtschaft und Infrastrukturprojekte - und die Planung und Durchführung von umweltpolitischen Kampagnen.

2 Kommentare

  1. Avatar
    Lieselotte Jarvis
    31. August 2019
    Antworten

    Ich habe nur eine Fra­ge:
    Wie wird über­prüft, dass nur noch Soja aus ent­wal­dungs­frei­en Lie­fer­ket­ten impor­tiert wird?
    Die Prü­fun­gen und die Zer­ti­fi­ka­te wer­den lei­der oft nicht nach tat­säch­li­chen Vor­ge­hens­wei­sen ver­ge­ben.

  2. Avatar
    Anti-Bolsonaro
    1. September 2019
    Antworten

    Ich spen­de ger­ne 1000€ für die kom­plet­te Inak­ti­vie­rung des bra­si­lia­ni­schen Prä­si­den­ten. Für jeden Groß­grund­be­sit­zer soll­ten im Land noch­mals eine Kopf­prä­mie von 10.000€ fest­ge­legt wer­den.
    Das wür­de hel­fen, kei­ne Appel­le.

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