Bun­des­tags­wahl: Mehr­heit der Wäh­ler for­dert Natur­schutz als The­ma


© naturepl.com / Edwin Giesbers / WWF
© naturepl.com / Edwin Giesbers / WWF

Wür­den Bie­nen schwarz-gelb wäh­len? Oder wür­den sie erst die Par­tei­pro­gram­me über­flie­gen und schau­en, wie die Par­tei­en es mit dem Pflan­zen­gift Gly­pho­sat hal­ten? Klar ist: Wenn Tie­re wäh­len könn­ten, wäre das ein ande­rer Wahl­kampf. Das Gift auf unse­ren Fel­dern, Natur­zer­stö­rung und die Erd­er­hit­zung wären die Top-The­men. Denn 36% der in Deutsch­land hei­mi­schen Tier- und Pflan­zen­ar­ten sind in ihrem Bestand bedroht, 72% der Lebens­räu­me gefähr­det.

Ein TV-Duell ohne eine Fra­ge zu Umwelt‑, Natur- und Kli­ma­schutz? Undenk­bar! Auch wenn Wild­bie­ne, Hei­de­schre­cke und Wie­sen­pie­per am 24.9. nicht wäh­len gehen kön­nen, stellt sich die Fra­ge: War­um spielt die Bewah­rung unse­rer gefähr­de­ten natür­li­chen Lebens­grund­la­ge in die­sem Wahl­kampf fast kei­ne Rol­le?

Natur- und Umwelt­schutz beein­flusst die Wahl­ent­schei­dung

Nach einer aktu­el­len, reprä­sen­ta­ti­ven Umfra­ge* im Auf­trag des WWF geben 89 Pro­zent der Befrag­ten an, dass  der Natur- und Umwelt­schutz ein wich­ti­ger oder sehr wich­ti­ger Fak­tor für ihre Wahl­ent­schei­dung sei, 88 Pro­zent sagen dies für Ener­gie und Kli­ma­schutz. Die Mehr­heit der Befrag­ten (51 Pro­zent) sagen, dass Kli­ma- und Umwelt­schutz im Wahl­kampf nicht aus­rei­chend Berück­sich­ti­gung fin­den.

War­um aber schweigt sich die Spit­zen­po­li­tik zum Kli­ma­schutz selbst dann aus, wäh­rend in den USA Hur­ri­kan Irma tobt? Eine Erklä­rung dafür ist, dass wir uns in Deutsch­land als Kli­ma­welt­meis­ter füh­len — gegen alle Fak­ten. Denn: Seit 2009 ist der CO2-Aus­stoß in Deutsch­land nicht mehr gesun­ken. Wir ver­bren­nen mehr Braun­koh­le als jedes ande­re Land der Welt. Der Ver­kehrs­sek­tor hat seit 1990 kein CO2 ein­ge­spart.

Braun­koh­le gefähr­det Deutsch­lands Kli­ma­zie­le

Und als wäre das nicht genug, grät­schen dann noch die Braun­koh­le-Bun­des­län­der den deut­schen Kli­ma­zie­len dazwi­schen. In Bran­den­burg dis­ku­tiert die rot-rote Koali­ti­on der­zeit über eine dras­ti­sche Auf­wei­chung ihrer Kli­ma­zie­le. Gesell­schaft unter den Kli­ma­schutz-Boy­kot­tie­rern bekommt Bran­den­burg von Nord­rhein-West­fa­len. Dort hat die neue schwarz-gel­be Koali­ti­on die natio­na­len Kli­ma­zie­le im Koali­ti­ons­ver­trags-Kapi­tel Büro­kra­tie­ab­bau abge­räumt.

Und ganz Deutsch­land? Ist nun von den eige­nen Kli­ma­zie­len für 2020 weit ent­fernt. Statt der zuge­sag­ten Treib­haus­gas­min­de­rung von 40 Pro­zent gegen­über 1990 wer­den wir nach den jüngs­ten Berech­nun­gen von Ago­ra Ener­gie­wen­de mit den bis­her beschlos­se­nen Maß­nah­men nur 30 bis 31 Pro­zent errei­chen. Wir brau­chen des­halb jetzt ein Sofort­pro­gramm Kli­ma­schutz, das Maß­nah­men ent­hält, mit denen das Kli­ma­ziel 2020 trotz­dem noch erreicht wird. Die wich­tigs­te die­ser Maß­nah­men ist der Koh­le­aus­stieg.

Bun­des­tags­wahl: Ein Kreuz für Natur­schutz!

Die Natur kann nicht wäh­len gehen. Aber Ihr. Bit­te nutzt die­ses Pri­vi­leg! Der WWF hat sich die Wahl­pro­gram­me durch­ge­le­sen und mit unse­ren Natur­schutz-For­de­run­gen abge­gli­chen, dazu fin­det ihr hier eine Über­sicht. Bit­te denkt dran: Die Zweit­stim­me ist im deut­schen Wahl­sys­tem die ent­schei­den­de, sie bestimmt wie stark die Par­tei­en im Bun­des­tag sind und wel­che Koali­tio­nen mög­lich wer­den.

*An der Umfra­ge von Kant­ar TNS im Auf­trag des WWF haben zwi­schen 6. und 11. Sep­tem­ber 2017 1034 Men­schen teil­ge­nom­men – sie gehö­ren zur wahl­be­rech­tig­ten Bevöl­ke­rung in Deutsch­land ab 18 Jah­ren.

 

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Über mich
Michael Schäfer

Ich leite das Klima-Team des WWF Deutschland. Um die Erderhitzung zu stoppen und ihre schlimmsten Auswirkungen auf Menschen und Tiere zu verhindern, setzten wir uns dafür ein, dass Deutschland der Weg in eine treibhausgasneutrale Wirtschaftsweise gelingt - und wir dabei so erfolgreich sind, dass andere Länder mitziehen. Zudem engagieren wir uns in Brüssel und auf globaler Ebene für den Klimaschutz und arbeiten dabei mit dem starken internationalen WWF-Netzwerk zusammen, dessen Klimachef bei uns im Berliner WWF-Büro arbeitet. Wir freuen uns, wenn Ihr uns unterstützt, also beispielsweise unsere Beiträge teilt oder uns Eure Anregungen schreibt.

7 Kommentare

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    Jan Ludwig
    19. September 2017
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    Lei­der sind in die­ser Über­sicht nur die “eta­blier­ten” Par­tei­en auf­ge­führt. Dabei gibt es eine Par­tei, zu deren wich­tigs­ten The­men Kli­ma- und Umwelt­schutz gehö­ren: die V‑Partei³. Eines der Haupt­zie­le ist es z. B., den Zusam­men­hang zwi­schen Kon­sum und Kli­ma-/Um­welt­schutz auf­zu­zei­gen und gegen­zu­steu­ern.

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      21. September 2017
      Antworten

      Hal­lo Jan, dein Ein­wand ist durch­aus berech­tigt — dan­ke dafür. Aller­dings sind wir vom WWF Teil des welt­wei­ten WWF Netz­wer­kes und arbei­ten natio­nal wie inter­na­tio­nal als über­par­tei­li­che Orga­ni­sa­ti­on. Trotz­dem wir kla­re umwelt- und natur­schutz­po­li­ti­sche For­de­run­gen an die Poli­tik haben, besit­zen wir als gemein­nüt­zig Stif­tung kei­ne spe­zi­el­le Par­teib­in­dung. An der Wahl zum 19. Deut­schen Bun­des­tag am 24. Sep­tem­ber 2017 neh­men 42 Par­tei­en aktiv teil. Da wir als spen­den­fi­nan­zier­te, gemein­nüt­zi­ge Orga­ni­sa­tio­nen ver­pflich­tet sind, mit unse­ren Mit­teln spar­sam und effek­tiv zu haus­hal­ten, haben wir uns nach einer län­ge­ren, inter­nen Dis­kus­si­on dazu ent­schie­den, unse­re poli­ti­sche Arbeit auf die aus­sichts­reichs­ten Par­tei­en zur kom­men­den Bun­des­tags­wahl zu kon­zen­trie­ren, wel­che eine rea­le Per­spek­ti­ve haben in den nächs­ten Bun­des­tag ein­zu­zie­hen. Die­sen Abgleich der Par­tei­wahl­pro­gram­me von CDU/CSU, SPD, FDP, LINKE, BÜNDNIS90/DIE GRÜNEN und AfD mit den WWF-Kern­for­de­run­gen zur Bun­des­tags­wahl 2017 fin­dest du hier: http://www.wwf.de/wahlprogrammcheck
      Hof­fent­lich konn­te ich dei­ne Fra­ge beant­wor­ten und dich von unse­rer Vor­ge­hens­wei­se über­zeu­gen. Vie­le Grü­ße, Micha­el

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    Claudia
    19. September 2017
    Antworten

    Scha­de, dass die neue V‑Partei nicht berück­sich­tigt wird!

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    Barbara
    19. September 2017
    Antworten

    Lei­der ist die V‑Partei³ nicht erwähnt. Das ist sehr scha­de.
    Ein­satz für Tier­rech­te, Abschaf­fung der Tier­ver­su­che, Schlie­ßung der Schlacht­häu­ser, Abschaf­fung der Mas­sen­tier­hal­tung, um nur eini­ge Punk­te unse­rer Par­tei zu nen­nen.
    Ver­eint Ver­än­de­run­gen ver­wirk­li­chen, Ver­ant­wor­tung tra­gen und Ver­nunft ist ganz klar, denn wir lie­ben das Leben.
    V‑Partei³.de

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    19. September 2017
    Antworten

    Hal­lo, wenn ihr wirk­lich Tier und Umwelt­schutz wollt, soll­tet ihr mal über den tel­lerr­rand sehen und die klei­nen Par­tei­en beleuch­ten! Die V‑Partei³ hat ein sehr gut durch­dach­tes Par­tei­pro­gramm und gute Ant­wor­ten auf alle wich­ti­gen Fra­gen, wenn ihr jedoch immer wie­der die glei­chen Köp­fe der glei­chen Par­tei­en wäh­len wollt und euch dann beschwe­ren, dann macht so wei­ter
    Bes­te Grü­ße

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    Andrea Dr. med. Weyer
    19. September 2017
    Antworten

    Die Kanz­ler­schaft ist schon längst ent­schie­den. Wer wirk­lich gar kei­ne Stim­me hat im Par­la­ment, sind Tie­re und Umwelt. Eine Ver­bes­se­rung ihrer Situa­ti­on kann nur über Geset­zes­än­de­run­gen lau­fen. Des­halb ist es so wich­tig, dass end­lich enga­gier­te Tier- und Umwelt­schutz­par­tei­en den Ein­zug ins Par­la­ment schaf­fen: V‑PARTEI !!! https://www.facebook.com/VPartei/

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    Hannelore Heil
    20. September 2017
    Antworten

    War­um wird klei­ne­ren Par­tei­en nicht auch die Gele­gen­heit gege­ben, sich dazu zu äußern? Die V‑Partei³ stimmt mit die­sen For­de­run­gen über­ein und die Men­schen haben doch auch ein Recht dazu, zu erfah­ren, wer ihre For­de­run­gen unter­stützt.

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