Nas­horn-Wil­de­rei: Kor­rup­ti­on brei­tet sich aus


Zwei Nashörner: Eines davon hat kein Horn mehr. Folge der Wilderei, die immer mehr grassiert.
Ein Horn fehlt: Wilderei wird immer schlimmer © Martin Harvey, WWF

Wor­an denkt ihr, wenn ihr den Begriff Wil­de­rer hört? Seit etwa sechs Jah­ren spre­chen wir Umwelt­schüt­zer von einer Wil­de­rei­kri­se, die vor allem die afri­ka­ni­schen Ele­fan­ten und Nas­hör­ner bedroht. Der­zeit jagt ein trau­ri­ger Rekord den nächs­ten. Allein im Jahr 2014 muss­ten mehr als 1200 Nas­hör­ner ster­ben. Das hat­te es vor­her noch nie gege­ben. Ich behaup­te, die meis­te Men­schen hier­zu­lan­de haben eine sehr unge­naue Vor­stel­lung davon, wer eigent­lich hin­ter die­ser Wil­de­rei­kri­se steckt.

Inter­na­tio­na­le Ver­bre­cher­syn­di­ka­te bedro­hen Afri­kas Wild­nis

Vor fünf Jah­ren habe ich eini­ge Zeit im berühm­ten süd­afri­ka­ni­schen Krü­ger-Natio­nal­park ver­bracht. Die Wild­nis die­ses Schutz­ge­bie­tes mit der größ­ten Nas­horn-Popu­la­ti­on welt­weit ist beein­dru­ckend. Ich hat­te Glück und konn­te die prä­his­to­ri­schen Dick­häu­ter zwei­mal auf Wan­der­sa­fa­ris beob­ach­ten. Aber wie lan­ge ist das noch mög­lich? Bleibt uns die­se Art erhal­ten?

Die Jagd auf Nas­horn-Horn wird immer schlim­mer. Will man sie ein­däm­men, darf man nicht nur bis zu den Wil­de­rern den­ken, die etwa fünf Dol­lar pro Tag ver­die­nen. Das eigent­li­che Pro­blem sind die kri­mi­nel­len Netz­wer­ke im Hin­ter­grund. Es sind die Expor­teu­re und Kurie­re, die den Han­del mit ille­ga­len Wild­tier­pro­duk­ten antrei­ben.

Ranger mit Nashorn-Horn
Ran­ger mit trau­ri­gem Fund © Mar­tin Har­vey, WWF

Auch Diplo­ma­ten und Poli­zis­ten gehö­ren zum Schmugg­ler­ring

Immer häu­fi­ger errei­chen mich Berich­te, dass Ran­ger, Poli­zei­be­am­te und selbst Diplo­ma­ten Teil der kri­mi­nel­len Syn­di­ka­te sind. Die wei­ter explo­die­ren­de Nach­fra­ge aus Süd­ost­asi­en und die hor­ren­den Prei­se, die für die Hör­ner bezahlt wer­den, befeu­ern das noch.
In Mosam­bik wur­de Anfang Mai ein nord­ko­rea­ni­scher Diplo­mat mit fast fünf Kilo Nas­horn-Horn auf­ge­grif­fen – jedoch gleich wie­der gegen Kau­ti­on auf frei­en Fuß gesetzt.

Trau­ri­ger Fall Mosam­bik

Mosam­bik ist schon lan­ge Dreh­schei­be für den welt­wei­ten Han­del mit Nas­horn-Horn. Als die Poli­zei hier im Mai 65 Hör­ner beschlag­nahm­te, dach­te ich eigent­lich, dass Mosam­bik nun end­lich ein wich­ti­ger Durch­bruch im Kampf gegen die Wil­de­rei gelun­gen sei.
Die mosam­bi­ka­ni­sche Regie­rung wur­de aber kurz dar­auf ziem­lich in Ver­le­gen­heit gebracht: Zwölf der Hör­ner wur­den mit Hil­fe von kor­rup­ten Poli­zei­be­am­ten aus einem Poli­zei-Lager­haus gestoh­len! Damit ist ein Teil der Beweis­stü­cke ver­schwun­den. Um noch gar nicht über den Wert des Dieb­stahls zu spre­chen. Ich fin­de es ein­fach nur trau­rig, dass gute Ermitt­lun­gen von Poli­zei­be­am­ten außer Kraft gesetzt wer­den — durch die eige­nen Kol­le­gen, die an der Wil­de­rei betei­ligt sind. Und es ist unend­lich frus­trie­rend dass sol­che Beschlag­nah­mun­gen und auch Ver­haf­tun­gen nur sel­ten zu Ver­ur­tei­lun­gen füh­ren.

Was kann man gegen die Nas­horn-Wil­de­rei tun?

Der WWF kämpft auf der gan­zen Welt und mit allen Mit­teln gegen Wil­de­rei und ille­ga­len Wild­tier­han­del. Um Nas­hör­ner aus soge­nann­ten ‚Wil­de­rei-Hot­spots‘ her­aus zu holen, wer­den die Tie­re sogar teil­wei­se auf­wän­dig umge­sie­delt.
Ganz wich­tig ist aber die Zusam­men­ar­beit mit Regie­run­gen, um die Wil­de­rei in den Griff zu bekom­men und Syn­di­ka­te rechts­kräf­tig zu ver­ur­tei­len. Der Mosam­bi­ka­ni­sche Prä­si­dent hat mitt­ler­wei­le immer­hin sei­ne Empö­rung über den Nas­horn-Kor­rup­ti­ons­fall geäu­ßert. Wir müs­sen an die kri­mi­nel­len Netz­wer­ke im Hin­ter­grund her­an­kom­men, um die Han­dels­ket­ten mit Wild­tier­pro­duk­ten zu durch­bre­chen. Nur so haben wir eine Chan­ce gegen die Wil­de­rei.

Helft uns im welt­wei­ten Kampf gegen die Wil­de­rei!

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2 Kommentare

  1. Avatar
    Tina
    13. Juli 2015
    Antworten

    Wer sind denn die Abneh­mer der Hör­ner? Müss­te man nicht da anset­zen?

  2. Avatar
    15. Juli 2015
    Antworten

    Lie­be Tina, lei­der gel­ten die gemah­le­nen Hör­ner in Asi­en häu­fig als Sta­tus­sym­bol und als dubio­ses Wun­der­pul­ver zur Hei­lung gegen alle mög­li­chen Lei­den bis hin zu Krebs. Nas­horn-Pul­ver ist inzwi­schen mehr wert als Gold, dabei besteht es aus dem glei­chen Kera­tin wie unse­re Fin­ger­nä­gel! Du hast ganz recht, neben der Straf­ver­fol­gung muss man natür­lich auch bei der Nach­fra­ge anset­zen. Wir kämp­fen beim WWF auf allen Ebe­nen gegen die gras­sie­ren­de Wil­de­rei: Vom Ein­satz von Ran­gern zum Schutz der Tie­re über die poli­ti­sche Arbeit bis hin zur Auf­klä­rung mög­li­cher End­ver­brau­cher. In Viet­nam, wo die Nach­fra­ge nach Nas­horn-Pro­duk­ten extrem hoch ist, geschieht das zum Bei­spiel in gro­ßen Kam­pa­gnen, durch die Arbeit an Schu­len und ande­ren Bil­dungs­ein­rich­tun­gen und durch die Koope­ra­ti­on mit Pro­mi­nen­ten.
    Genau­er kannst du das hier im unte­ren Abschnitt noch ein­mal nach­le­sen: http://www.wwf.de/themen-projekte/weitere-artenschutzthemen/handel-und-nutzung/nashorn-spur-nach-vietnam/

    Auch dem Schmug­gel von Wild­tier­tei­len als Sou­ve­nirs wol­len wir vor­beu­gen. Wir haben des­halb einer­seits einen Sou­ve­nir­füh­rer her­aus­ge­ge­ben und außer­dem dafür gesorgt, dass es Arten­schutz-Spür­hun­de beim deut­schen Zoll gibt. Das blu­ti­ge Geschäft mit Wild­tier­pro­duk­ten muss auf­hö­ren, denn das Nas­horn ist nicht die ein­zi­ge Art, die es sonst womög­lich bald nicht mehr geben wird.

    Hier gibt es den Sou­ve­nir-Füh­rer als PDF: http://www.wwf.de/fileadmin/fm-wwf/Publikationen-PDF/WWF_Souvenirfuehrer.pdf
    Und hier steht mehr zu den Arten­schutz-Spür­hun­den: http://www.wwf.de/themen-projekte/weitere-artenschutzthemen/handel-und-nutzung/artenschutz-spuerhunde/

    Vie­len Dank für dei­ne Nach­fra­ge und vie­le Grü­ße!

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